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Posts Tagged ‘Beate Trützschler’

Von Kristian Stemmler

Die Erleichterung war allen Rednern anzumerken. „Es ist nun endlich soweit“, meinte der frischgebackene Buchholzer Bürgermeister Jan-Hendrik Röhse, Stadtbaurätin Doris Grondke sprach von der „lang ersehnten Fertigstellung“, und Schulleiterin Beate Trützschler jubelte: „Wir haben’s geschafft, wir haben’s endlich geschafft! Grund für die Euphorie: die neue Turnhalle der Mühlenschule in Holm-Seppensen, die heute vor rund 150 Gästen offiziell übergeben wurde.

„Es hat lange gedauert, vielen vielleicht zu lang“, räumte Röhse in seiner kurzen Ansprache ein, betonte aber auch, alle Beteiligten hätten dafür gesorgt, dass es so schnell wie möglich vorwärts geht. Im vergangenen Winter habe er fast jeden Abend den Wetterbericht geguckt und gehofft, dass es nicht so kalt werden würde, dass im provisorisch für den Sportunterricht aufgestellten Zelt kein Sport mehr möglich ist. Jetzt sei die Schule „endlich wieder komplett“, und auch der SV Holm-Seppensen habe sein Domizil zurück.

Grondke lobte, die Halle füge sich hervorragend in den Schulkomplex ein und bereichere Holm-Seppensen um ein attraktives Gebäude. Dieses Ergebnis zeige, dass es trotz aller Kritik richtig gewesen sei, den Entwurf in einem Wettbewerb zu suchen. Das hörte der Hamburger Architekt Carsten Dohse gern, dessen Büro die Halle entworfen hat. Mit der Architektur wolle er auch ausdrücken, welchen hohen Wert Kinder für unsere Gesellschaft haben, sagte Dohse. Und: „Es ist ein Stück Baukultur, sich über jedes Detail Gedanken zumachen.“

Beate Trützschler erinnerte an den 5. Mai 2012, als die alte Halle nach einer Brandstiftung abbrannte. „Jetzt haben wir eine superschöne, tolle Halle“, so die Schulleiterin, die Schülern, Eltern und Lehrern für ihre Geduld dankte. Auch die Vorsitzende des SV Holm-Seppensen, Karin Iske, gab ihrer Freude über die neue Halle Ausdruck, sie sei größer, heller und besser ausgestattet.

Tatsächlich handelt es sich bei der in einem Jahr erbauten Turnhalle um eine 1,5-Feld-Halle, während die alte nur eine Ein-Feld-Halle war. Durch das große Foyer und den breiten Flur mit Sitzgelegenheiten bietet sie mehr Aufenthaltsqualität. Die hohen Fenster und freundlichen Farben sorgen für einen Eindruck entspannter Modernität. Die vielen Schüler, die mit ihren Eltern zur Übergabe der Halle gekommen waren, schienen sich jedenfalls sehr wohl im neuen Gebäude zu fühlen. Der Kinderchor sang mit Inbrunst: „Heut ist so ein schöner Tag.“

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Von Kristian Stemmler

Wat de Bur nich kennt, dat frett he nich… Diese norddeutsche Regel gilt in Buchholz leider zu häufig immer noch, auch wenn man sich noch so bemüht, dem Gemeinwesen ein städtisches und modernes Gepräge zu geben. Speerspitze eines falsch verstandenen Beharrens auf überkommenen Traditionen ist dabei leider immer wieder die lokale CDU, und auch die FDP ist gern dabei, wobei es da wohl eher um die Bewahrung von Pfründen geht. Exemplarisch deutlich wird das mal wieder beim Gutachterverfahren für die Turnhalle an der Grundschule Holm-Seppensen.

Verdienstvollerweise versucht die ebenso engagierte wie kompetente neue Stadtbaurätin von Buchholz, Doris Grondke, einige neue Verfahrensweisen im Bereich der Stadtentwicklung zu installieren. Dazu gehört auch, dass der Wiederaufbau der im Mai 2012 abgebrannten Turnhalle nicht nach Schema F geregelt wird, sondern im Rahmen eines so genannten Hochbaulichen Gutachterverfahren. Dabei legen drei Architekturbüros Entwürfe für die geplante !,5-Feld-Halle vor, und in einem festgelegten Verfahren wird der beste Entwurf herausdestilliert.

Das Spannende daran ist unter anderem, dass eine Jury über die Entwürfe entscheidet, eine Jury, der neben Grondke, Bürgermeister Wilfried Geiger und dem Ersten Stadtrat Jan-Hendrik Röhse acht Mitglieder des Stadtrates (auch der Autor) und die freien Architekten Günter Wilkens (Hamburg) und Prof. Kay Marlow (Hannover) angehören. Die Jury wird von Sachverständigen beraten, darunter unter anderem die betroffenen Fachbereichsleiter, die Schulleiterin der Mühlenschule, Beate Trützschler, und Norbert Vietheer von der Arbeitsgemeinschaft der Buchholzer Sportvereine.

Ohne zu viel zu verraten, wurde schon bei einem Zwischenkolloquium der Verfahrensbeteiligten Ende Januar deutlich, dass das Gutachterverfahren bei der Buchholzer Verweigererfraktion auf Widerstand stößt. Ich persönlich fand es erstaunlich und erfreulich, dass in der Rathauskantine mal so etwas wie intellektueller Esprit versprüht wurde, was dort ja eher selten vorkommt. Dafür waren vor allem die beiden Architekten Wilkens und Marlow verantwortlich. Aber natürlich ist so etwas den provinziellen Verteidigern des Status quo nicht geheuer.

Über Details der Sitzung darf ich als Jurymitglied natürlich nichts weitergeben, aber die Vorbehalte werden auch in einer öffentlich zugänglichen Anfrage von Bettina Jägersberg, Mitglied der CDU-Fraktion im Ortsrat Holm-Seppensen, deutlich. In ihren zwölf Fragen, die die Verwaltung jetzt beantwortet hat, kann Jägersberg nur schwer bis gar nicht verbergen, dass sie das Gutachterverfahren für überflüssig, zu teuer und vor allem für eine Verzögerung des Baubeginns für die Halle hält – frei nach dem Motto: Diesen neumodschen Kram brauchen wir hier nicht!

So will die CDU-Frau unter anderem wissen, welche Vorteile sich aus dem Verfahren ergeben, warum der Ortsrat nicht informiert wurde, ob aus dem Gutachterverfahren Verzögerungen für die Inbetriebnahme der Halle ergeben und wann mit einem Baubeginn zu rechnen ist. Die Verwaltung antwortet in erfreulicher Klarheit: „Die Vorteile dieses Verfahrens sind evident: Es ermöglicht der Politik und den Nutzern der Halle, im Rahmen der vorgegebenen Bedingungen eine optimierte, wirtschaftlich (finanziell, architektonisch und funktional) machbare Lösung für den Hallenneubau zu finden.‟

Auch die Frage nach der angeblich fehlenden Beteiligung des Ortsrates geht ins Leere. Diese sei längst erfolgt, auch sei der Ortsrat in seiner Sitzung vom 17.10.12 informiert worden. Da hat Frau Jägersberg vielleicht grad gefehlt. Zum Thema Verzögerung heißt es in der Antwort der Verwaltung, wegen der zeitintensiven Schadensregulierung habe das Verfahren erst Anfang 2013 gestartet werden können. Durch das Verfahren werde es jedoch zu keinem Zeitverlust für den Neubau der Halle kommen. Da mit einer Bauzeit von neun Monaten zu rechnen ist, sei davon auszugehen, dass die Halle nicht vor Februar 2014 zur Verfügung steht. An der Sicherung des Trainingsbetriebs des SV Holm-Seppensen werde aber intensiv gearbeitet.

Es ist zu hoffen, dass sich die Verweigerer von CDU und FDP noch eines Besseren besinnen und endlich mal konstruktiv mitarbeiten statt sich ihrer ständigen Klientelpolitik zu widmen. Langsam ist es kaum noch erträglich, wie dreist vor allem die Lobby der Sportvereine ihre Interessen vorträgt. Hier ein Kletterturm, dort ein Kunstrasenplatz und als nächstes noch Sanitärräume mit vergoldeten Wasserhähnen, damit die Tänzer von 08 sich auch wohl fühlen. Irgendwann muss mal Schluss sein – diese Kommune ist kein Selbstbedienungsladen für die Sportvereine!

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