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Buchholz (be) – Das war wohl nichts. Großspurig hatten die Neonazis im Internet für ihre Demo am Sonntag im Buchholzer Zentrum getrommelt, sich über mehr als hundert Likes bei Facebook gefreut, mit der Bezeichnung „Bürgerbewegung Nordheide“ den Anschein einer großen Gruppe zu erwecken versucht. Half alles nicht – der Versuch der Nazi-Vorturner Denny Reitzenstein und Wolfram Schiedewitz, bürgerliche Kreise anzusprechen, scheiterte erneut grandios.

Am Ende versammelte sich am Sonntagmittag am Rande des Buchholzer Marktplatzes ein Häuflein von 21 Nazis mit drei Spruchbändern, auf denen unter anderem „Asylflut stoppen!“ stand, grölte Parolen und applaudierte den wirren Reden ihrer Anführer, die schon an den Absperrungen des Marktplatzes kaum noch zu verstehen waren.

Ganz anders sah es zeitgleich auf dem Peets Hoff aus, wo sich nach Angaben der Stadt rund 500, nach Angaben der Polizei rund 400 Menschen zur Gegendemonstration versammelt hatten. Bürgermeister Jan-Hendrik Röhse und Bea Trampenau von der Antifaschistischen Erholungs- und Begegnungsstätte Heideruh wandten sich dort entschieden gegen den braunen Spuk.

Dass die Nazis überhaupt demonstrieren konnten, lag nur an einem Großaufgebot der Polizei. Die hatte rund 250 Beamte aus ganz Niedersachen, so aus Osnabrück, Göttingen und Lüneburg, zusammengezogen, um Auseinandersetzungen zwischen rechts und links zu verhindern. Bereits am Vormittag stellte die Tauchergruppe der Polizei aus Oldenburg Absperrgitter an allen Zugängen zum Marktplatz auf, die kurz vor Beginn der Nazidemo von Polizisten besetzt und geschlossen wurden.

Angesichts des großen Polizeiaufgebots gelang es der Antifa nicht, anders als vor kurzem in Hittfeld, Nazis vom Erreichen des Kundgebungsorts abzuhalten. Und das trotz einer gelungenen Mobilisierung. Der Antifa des Landkreises Harburg schlossen sich Gruppen aus der gesamten Region an, so die Antifa Lüneburg/Uelzen und Antifa-Gruppen aus Hamburg. Die Polizei sprach von etwa 120 Aktivisten, was hinkommen dürfte.

Wegen der vielen Zugänge zum Marktplatz und angesichts der massiven Polizeipräsenz gelang es aber nicht, die Nazis wirksam aufzuhalten. Sie tauchten relativ unvermittelt auf und wurden von den Beamten aus westlicher Richtung über die Breite Straße zum Marktplatz eskortiert. Der eigentliche Kundgebungsort war von Stadt und Polizei strategisch geschickt festgelegt worden.

Die Nazis mussten sich am Beginn des Thomaswegs versammeln, eingekeilt zwischen Volksbankhaus und City Center, so dass sie eigentlich weder zu sehen noch zu hören waren. Lediglich eine Handvoll Journalisten und vielleicht 20 Polizisten, darunter die Einsatzleitung, kamen in den vollen Genuss des Anblicks ihrer meist sonnenbebrillten Gesichter und konfusen Reden.

Warum die Nazis vor den Reden den Walzer „An der schönen blauen Donau“ spielten, lässt sich nicht genau beantworten. Vielleicht sollte es ein Gruß an Orbans Ungarn sein – oder es lag daran, dass der Komponist Österreicher war… Auf jeden Fall war diese Musik an diesem Tage das einzig Genießbare, was aus den Lautsprechern kam. Nach der blauen Donau kam nur braune Soße.

Es war das Übliche. Der Seniornazi der Region, Landschaftsarchitekt Wolfram Schiedewitz aus Seevetal, faselte von angeblichen Plänen von langer Hand, Deutschland zu zerstören, zu welchem Behufe es derzeit, mit Flüchtlingen geflutet werde, die lediglich die deutschen Sozialsystem belasteteten. Allen Ernstes behauptete Schiedewitz auch noch, er sei „schon immer weltoffen“ gewesen, Fremdenhass sei ihm fremd.

Etwas weniger routiniert, dafür aber noch hasserfüllter, ließ sich der Buchholzer Denny Reitzenstein von der Aktionsgruppe (AG) Nordheide vernehmen, der die Demo gemeinsam mit Schiedewitz angemeldet hatte. Zu Beginn „grüßte“ er das Ratsmitglied Kristian Stemmler, das er unter den Journalisten am Stelenbrunnen ausgemacht hatte, von wo aus Stemmler in seiner Funktion als Journalist für den buchholz express die Nazidemo beobachtete.

Aggressiv ging Reitzenstein auch den Buchholzer Bürgermeister Jan-Hendrik Röhse (CDU) an, den er erneut als „Volksverräter“ bezeichnete, ein Terminus des NS-Regimes. Natürlich durfte in seiner Rede, bei der er einige Male ins Stocken geriet – es war nach eigenem Bekunden seine erste Rede -, der Verweis auf die „Flüchtlingskriminalität“ nicht fehlen. Schließlich kündigte er an, die Demo sei nur „ein Startschuss“, es werde dieses Jahr weitere in Buchholz geben.

Zu einer Störung der Reden kam es durch einen Aktivisten, dem es gelungen war, auf das Dach des City Centers zu klettern. Er beschimpfte von dort die Nazis lautstark als „Nachgeburten“, was von der Antifa an den Absperrungen bejubelt wurde. Die Nazis antworteten mit „Spring! Spring! Spring!“. Polizisten holten den Mann vom Dach, er wurde kurzfristig in Gewahrsam genommen.

Von den Aktivisten, Polizisten und Journalisten war Geduld gefordert, denn die Nazis ließen sich bis etwa viertel von vier Zeit mit der Verbreitung ihrer Hetze. Der Versuch, die Kundgebung durch einen Aufzug fortzusetzen, wurde von der Polizei sofort unterbunden. Die Nazis wurden von der Polizei zum Bahnhof gebracht.

Die Demo auf dem Peets Hoff hatte kurz vor der Nazidemo begonnen. Sie war unter dem Motto „Buchholz zeigt Gesicht“ organisiert worden vom bereits 2009 gegründeten Bündnis gegen Rechts, in dem sich Stadt, Gewerkschaften, die im Rat vertretenen Parteien, Kirchen, Verbände, Vereine und Organisationen zusammenschlossen.

„Uns alle empört, dass nur wenige hundert Meter von hier entfernt rechtsradikale Aktivisten unter dem Deckmantel eines bürgerlichen Protestes Fremdenhass und Hetze gegen ausländische Mitbürger betreiben“, erklärte Bürgermeister Röhse. Für ihn seien Flüchtlinge keine Bedrohung. „Vielmehr sind für mich diejenigen eine Bedrohung, die hasserfüllte, fremdenfeindliche Parolen in der Dunkelheit an Flüchtlingsunterkünfte malen.“

„Refugees Welcome – Flüchtlinge sind willkommen in Buchholz“, betonte auch Bea Trampenau von der Antifaschistischen Erholungs- und Begegnungsstätte Heideruh. Trampenau war eine der Initiatorinnen der Kundgebung. „Die Geflüchteten kommen nicht hierher, um sich zu bereichern. Sie bereichern uns mit ihren Kulturen.“

Natürlich basteln die Nazis um Reitzenstein schon an einer Dolchstoßlegende, um das Scheitern ihrer groß angekündigten Demo zu erklären. Man habe viele Interessierte nicht zum Kundgebungsort durchgelassen. Nach Beobachtung des buchholz express durfte jeder, der bei der Polizei bekundete, sich der Demo anschließen zu wollen, anstandslos passieren.

Auch wenn es den Nazis gelang, ihre Hetze im Stadtzentrum von Buchholz zu verbreiten – diese Aktion war wieder ein Rohrkrepierer. Als Erfolg kann gewertet werden, dass sie in den Thomasweg abgedrängt wurden, weit weg vor allem vom im Januar eingeweihten Gedenkstein für die Opfer des NS-Regimes. Das war wichtig.

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Von Kristian Stemmler

Die Gegendemonstration zur Kundgebung der Neonazis am Sonntag im Buchholzer Zentrum soll auf dem Peets Hoff (Platz hinter der Buchholz Galerie) stattfinden – unter dem Motto „Buchholz zeigt Gesicht“. Wie die Stadt am Donnerstagnachmittag mitteilte, ruft der Buchholzer Bürgermeister Jan-Hendrik Röhse (CDU) alle Buchholzerinnen und Buchholzer auf, dort „gegen Rechtsextremismus und Gewalt“ zu demonstrieren (Beginn 13.30 Uhr).

Organisiert wird die Kundgebung vom Bündnis gegen Rechts, in dem sich Stadt, Gewerkschaften, die im Rat vertretenen Parteien, Kirchen, Verbände, Vereine und Organisationen bereits 2009 zusammenschlossen „Wir rufen alle Bürgerinnen und Bürger auf, ein wirksames Zeichen für Demokratie und Vielfalt zu setzen“, appellierte Röhse. Auf der Kundgebung werden der Bürgermeister selbst und Bea Trampenau von der der Antifaschistischen Erholungs- und Begegnungsstätte Heideruh sprechen.

Offenbar ist damit der Versuch misslungen, die Neonazis von der „Bürgerbewegung Nordheide“ davon abzuhalten, auf dem Marktplatz der Stadt ihre Hetze zu verbreiten. Immerhin konnte wohl verhindert werden, dass sie direkt neben dem im Januar eingeweihten Mahnmal für die Opfer des NS-Regimes demonstrieren. Auf dem Facebook-Account der „Bürgerbewegung“ heißt es dazu:

„Das Gespräch mit den Verantwortlichen der Stadt und Polizei ist gelaufen. Wir können jetzt schon einen kleinen aber wichtigen Sieg verzeichnen, da die Antifa und anderen Willkommensklatscher aus der Fußgängerzone vertrieben wurden und sie ihre Veranstaltung zwischen Galerie und Famila bzw Poststraße abhalten dürfen.“ Man müsse den Ort der Kundgebung nur leicht Richtung Thomasweg versetzen, „damit die Polizei die Sicherheit, wie sie sagen voll gewährleisten kann“.

Die Stadt veröffentlichte einen Aufruf für die Gegenkundgebung, den der buchholz express im folgenden in voller Länge dokumentiert. Der Aufruf soll als Flyer am Sonnabend auf dem Wochenmarkt verteilt werden und einen Hinweis auf Englisch für Flüchtlinge enthalten. Der Text des Aufrufs:

„Buchholz zeigt Gesicht – Für Demokratie, Toleranz und Vielfalt

Buchholzerinnen und Buchholzer, die im Rat vertretenen Parteien, Stadtrat, Verwaltung, Kirchenvertreter, Gewerkschaften, Organisationen und Jugendgruppen rufen für Sonntag, 3. April, auf zur Demonstration unter dem Motto „Buchholz zeigt Gesicht – Für Demokratie, Toleranz und Vielfalt“. Die Kundgebung beginnt um 13.30 Uhr auf dem Peets Hoff.
Unter dem irreführenden Titel „Bürgerbewegung Nordheide“ wollen rechtsradikale Aktivisten in unserer Stadt ihre Ideologie verbreiten und gegen Flüchtlinge und Migranten hetzen. Wir stehen für:

• Freiheit • Grundrechte • Demokratie • Menschenwürde • Toleranz • Religionsfreiheit • Selbstbestimmung • Emanzipation • Menschenrechte

Ausländerhetze und Angstmacherei stellen wir uns entgegen. Wir nehmen die Menschen in Schutz, die Schutz brauchen und suchen. Wir wollen zeigen, dass Buchholz ein anderes Gesicht hat und die Buchholzer Bürgerinnen und Bürger für Freiheit, Toleranz, Weltoffenheit und eine bunte Willkommenskultur stehen.“

Und so lautet der Hinweis für die Flüchtlinge (und die deutsche Übersetzung):

„What happens on Sunday

Next Sunday, 3rd April, a group of people who hate foreigners is planning to hold a demonstration in the centre of Buchholz. A broad alliance of democratic forces has come together to oppose this demonstration.People from Buchholz, along with the town authorities, all the political parties represented in the town council, trade unions, churches, associations and organisations, will join together to demonstrate for a culture of welcome, democracy, tolerance and diversity. We say, Refugees are Welcome in Buchholz!“

Was am Sonntag passiert

Für den kommenden Sonntag, 3. April, haben Fremdenfeinde eine Demonstration in der Buchholzer Innenstadt angekündigt. Gegen diese Kundgebung gibt es ein breites Bündnis der demokratischen Kräfte. Gemeinsam werden Buchholzerinnen und Buchholzer, Stadtverwaltung, Gewerkschaften, die im Rat vertretenen Parteien, Kirchen, Verbände, Vereine und Organisationen für Willkommenskultur, Demokratie, Toleranz und Vielfalt demonstrieren. In Buchholz sind Flüchtlinge willkommen!“

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