Feeds:
Beiträge
Kommentare

Posts Tagged ‘Antifaschismus’

Buchholz (qu) – Der Buchholzer Ortsteil Holm-Seppensen ist nicht unbedingt ein sozialer Brennpunkt, sondern eher Rückzugsort für reiche Hackfressen und kleinbürgerliche Deppen, die den Schuss nicht gehört haben. Kein Wunder also, dass man im dortigen Ortsrat weder gewillt noch intellektuell dazu in der Lage ist, vernünftig über Themen zu reden, die über die Aufstellung von Buswartehäuschen und das wuchernde Unkraut auf Verkehrsinseln hinausgehen. So auch in der Sitzung am 1. Juli.

Einstimmig lehnte der Ortsrat Holm-Seppensen auf dieser Sitzung den Antrag des parteilosen Mitglieds im Buchholzer Stadtrat, Kristian Stemmler, ab, den Hindenburgweg in Ernst-Neuhaus-Weg umzubenennen. Damit bekannten sich nicht nur die zwei Vertreter der UWG und die drei von der CDU, sondern auch die jeweils drei grünen und sozialdemokratischen Vertreter im Ortsrat zu dem Kriegsverbrecher Paul von Hindenburg, dem Wegbereiter Adolf Hitlers. Traurig, traurig!

Seinen Antrag hatte Stemmler im Stadtrat gestellt, der Antrag wurde aber an den Ortsrat weitergegeben, weil Umbenennungen von Straßen in den Ortsteilen in die Kompetenz der jeweiligen Ortsräte fallen. Hindenburgs Name sollte laut Antrag durch den von Ernst Neuhaus ersetzt werden, einem der wenigen Opfer des NS-Regimes, die namentlich bekannt sind. Neuhaus war Kommunist, seine Wohnung an der Steinstraße galt als „Kommunistentreff“. Er verschwand eines Tages spurlos, man kann davon ausgehen, dass er von den Nazis ermordet worden ist.

„Mit der Umbenennung des Hindenburgweg in Ernst-Neuhaus-Weg würde der Stadtrat von Buchholz 70 Jahre nach der Befreiung Deutschlands von der faschistischen Diktatur und in einer Zeit, in der rechtspopulistische und faschistische Tendenzen in diesem Land wieder erstarken, ein klares Zeichen setzen“, heißt es wörtlich in Stemmlers Antrag. Zur Sitzung des Ortsrats am 1. Juli konnte der Ratsherr wegen eines anderen Termins nicht erscheinen.

„Dass der Ortsrat Holm-Seppensen für dieses Thema zu kleinkariert ist, wundert mich nicht“, sagte Stemmler dem querschläger, „wobei ich nicht glaube, dass es im Stadtrat viel besser gelaufen wäre.“ Es sei die klassische Heuchelei und Doppelmoral in bürgerlichen Kreisen, sich für Flüchtlinge zu engagieren und Nazis verbal abzulehnen – aber im entscheidenden Moment den Schwanz einzuziehen und eine Politik zu forcieren und zu befürworten, die all diese Probleme erst verursacht.

Nach der Ablehnung seines Antrags im Ortsrat hat Stemmler jetzt einen neuen Antrag gestellt, der eine Straße im Kernbereich der Stadt betrifft und damit vom Rat behandelt werden muss. Er hat beantragt, die Adolfstraße in Ernst-Neuhaus-Straße umzubenennen. „Natürlich kommt der Antrag nicht durch“, sagte der Ratsherr, „aber man muss doch ab und zu demonstrieren, wie wenig dieser Rat tatsächlich gewillt ist, beim Thema Antifaschismus Farbe zu bekennen.“

Hier der Antrag im Wortlaut:

Der Rat der Stadt möge beschließen:

Die Adolfstraße wird in Ernst-Neuhaus-Straße umbenannt.

Begründung: Auch wenn die Adolfstraße nicht nach Adolf Hitler, sondern nach dem früheren Gemeindevorsteher Adolf Behrens benannt ist, und dies – zumindest an einem der Schilder – in einer Legende vermerkt ist, bleibt eine gewisse Verwechslungsgefahr. Nach Kenntnis des Antragstellers freuen sich Neonazis aus Buchholz klammheimlich, dass eine wichtige Straße im Buchholzer Zentrum Adolfstraße heißt. Vor dem Hintergrund des Erstarkens rechtsextremer und rechtspopulistischer Tendenzen in unserer Gesellschaft sollten solche Kristallisationspunkte in der Öffentlichkeit nach Möglichkeit beseitigt werden.

Ernst Neuhaus war Kommunist und gehört zu den wenigen Opfern des NS-Regimes in Buchholz, die namentlich bekannt sind. Seine Wohnung an der Steinstraße galt als „Kommunistentreff“. Er grüßte Genossen auf offener Straße mit dem „Rotfront“-Gruß, fuhr zur 1.-Mai-Kundgebung nach Hamburg. Neuhaus verschwand eines Tages spurlos, man kann davon ausgehen, dass er von den Nazis ermordet worden ist.

Die Umbenennung der Adolfstraße in Ernst-Neuhaus-Straße wäre ein deutliches Signal gegen rechtsextremische und rechtspopulistische Kreise und eine Verbeugung vor den Opfern des NS-Regimes. Die Straße bietet sich für die Umbenennung auch deshalb an, weil sie eine Nachbarstraße zur Steinstraße ist, wo, siehe oben, die Wohnung von Neuhaus lag.

Read Full Post »

Bei den »Blockupy«-Protesten gegen die Eröffnung des Neubaus der Europäischen Zentralbank in Frankfurt am Main brannten Autos, Polizisten wurden verletzt, und es gab in Flammen stehende Barrikaden. Was anderswo in Europa Alltag ist, wird in Deutschland zum Skandal, der die gesamte reformistische Linke zu eiligen und beherzten Unterwürfigkeitsgesten animiert, ganz so, als hätte jemand »DDR« gesagt. Nachgedacht darüber, was Gewalt und Gewaltfreiheit bedeuten, wird dabei nicht. Man überlegt nicht, was richtig ist, sondern sagt, was von einem erwartet wird. Von wem aber eigentlich? Von den Hartz-IV- und Kriegsparteien, von den Euromaidan-Fanboy-Medien, die den Antifaschismus der Kiewer Revolutionsromantik opferten und über Nazisymbole hinwegsahen, oder von den Polizeigewerkschaften?

Es war Naomi Klein, die noch auf der Blockupy-Kundgebung am Frankfurter Römer sagte, sie weigere sich, mit denen, die den Planeten in Brand setzen, über verbrannte Autos zu diskutieren. Sie erntete viel Applaus, denn sie hatte recht. Die erste Regel muss sein: Hören wir auf, uns aus Konformität vom Gegner diktieren zu lassen, was wir zu sagen und wie wir zu denken haben. Denn nur dann können wir das eigentlich Interessante tun: Diskutieren und überlegen wir unter uns, mit unseren Genossinnen und Genossen, ob militante Akte sinnvoll sind oder nicht – und wenn ja, unter welchen Bedingungen.  (aus „junge welt“)

Read Full Post »