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Posts Tagged ‘Am Langen Sal’

Buchholz (be) – Schon wieder! Zum sage und schreibe fünften Mal seit dem 24. Oktober haben Unbekannte fremdenfeindliche Schmierereien an der Flüchtlingsunterkunft Am Langen Sal hinterlassen. Wie das Nordheide Wochenblatt berichtete, sprühten sie in der Nacht zum Donnerstag Hakenkreuze und Galgen mit dem Spruch „Refugees go home“ an die Fassade der Container.

Die Buchholzer Neonaziformation Aktionsgruppe (AG) Nordheide, aus deren Umfeld die Täter kommen könnten, hat derweil ihren Tätigkeitsschwerpunkt im Internet verlagert. Der Twitter-Account wird kaum noch bestückt, dafür haut die Gruppe, also vermutlich ihr Anführer Denny Reitzenstein, in hohem Takt Volksverhetzendes auf ihrem neuen Facebook-Account raus.

War da nicht mal was? Mit Facebook und fremdenfeindlichen Seiten und Justizminister Heiko Maas? Aber unter uns: Es hat ja nicht wirklich irgend jemand geglaubt, dass Facebook da groß aktiv wird. Im Turbokapitalismus geht die „Freiheit“ immer vor – und ein US-amerikanischer Konzern hat sicher nichts dagegen, Konflikte in Deutschland zu schüren…

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Von Kristian Stemmler

Auch im Landkreis Harburg hat die fremdenfeindliche Agitation von Rechtspopulisten und Neonazis jetzt die Schwelle von verbaler Hetze zu strafbaren Aktionen überschritten. Wie die Polizeiinspektion Harburg am Mittwoch mitteilte, ist es nach Tostedt jetzt auch in Buchholz – zum ersten Mal – und in Neu Wulmstorf zu fremdenfeindlichen Schmierereien an Flüchtlingsunterkünften bzw. in deren Nähe gekommen. Das Tatmuster ist immer dasselbe.

Vor drei Wochen waren Hakenkreuze an die Flüchtlingsunterkunft an der Todtglüsinger Straße in Tostedt gesprüht worden, an einem Sonnabend. Am vergangenen Sonnabend war die Unterkunft an der Straße Am Langen Sal in Buchholz dran. Unbekannte sprühten auch hier Hakenkreuze an die Fassade, neben dem Haupteingang. In der Nacht zum Mittwoch schlugen die oder der Täter erneut zu: Ein Hakenkreuz und ein fremdenfeindlicher Spruch wurden neben den Haupteingang gesprüht.

In der Nacht zum Dienstag hatten Unbekannte mit Kreide bereits in Neu Wulmstorf auf der Fahrbahn vor der Flüchtlingsunterkunft an der Kantstraße „fremdenfeindliche Schriftzüge“ (so die Polizei) angebracht. Die zeitliche Nähe der drei Taten legt nahe, dass es sich um denselben Täterkreis handelt, auf deren Konto vermutlich auch die Aktion in Tostedt geht, mit der das Ganze los ging. Die Polizeiinspektion erklärte, zurzeit lägen „keine konkreten Täterhinweise“ vor, die Ermittlungen dauerten an. Wer sachdienliche Beobachtungen gemacht hat, wende sich an die Polizei Buchholz unter Telefon 04181-2850.

Wer hinter den Schmierereien steckt, ist sicher momentan reine Spekulation. Aber die Vermutung, dass es sich um Neonazis handelt und eine Verbindung zur Aktionsgruppe (AG) Nordheide besteht, ist sicher nicht ganz von der Hand zu weisen. Sowohl gegen die Unterbringung von Flüchtlingen an der Todtglüsinger Straße in Tostedt wie Am Langen Sal in Buchholz hat die Nazi-Gruppe um den Buchholzer Denny Martin Reitzenstein in den vergangenen Wochen auf ihrer Homepage abendfüllend gehetzt.

Am 29. August veröffentliche die Homepage einen Beitrag, in dem behauptet wird, in der Unterkunft Am Langen Sal häuften sich von Bewohnern begangene Straftaten. Dies werde aber von der Polizei und anderen Behörden verschwiegen. Und weiter wörtlich: „Aber das schön zureden hat langsam keinen Sinn mehr. Deshalb sollte sich die Politiker bewusst sein, dass der Unmut in der Bevölkerung auch in Buchholz wachsen wird und es irgendwann zu einem großen Knall kommt!“

Ist es abwegig anzunehmen, dass sich die Neonazis da quasi selbst unter einen Druck setzen, den Worten auch irgendwann Taten folgen zu lassen? Auffällig ist, dass auf der Homepage, die Reitzenstein betreibt, seit dem 4. Oktober, also kurz vor der Aktion in Tostedt, kein Beitrag mehr erschienen ist, im September dagegen alle zwei bis drei Tage ein Beitrag – und dass auch der Twitter-Account der AG Nordheide seit etlichen Tagen kaum noch bestückt wird.

By the way: Auch die Staatsanwaltschaft Stade geht davon aus, dass die Adresse in Arizona, die Denny Reitzenstein im Impressum der Homepage der AG Nordheide nennt, nicht seine Wohnadresse ist – also dann wohl eher die den Behörden bekannte Adresse in Buchholz. Dennoch darf Reitzenstein weiterhin ungestraft Volksverhetzung am laufenden Band betreiben und Kommunalpolitiker persönlich diffamieren.

Der Kniff: Man schreibt einfach nicht seinen Namen vor oder unter die Beiträge! Eigentlich dachte ich, dass der im Impressum genannte Verantwortliche für die Inhalte seiner Seite die Verantwortung trägt. Aber man lernt nie aus…

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Vor zwei Jahren wurden die Container an der Straße Am Langen Sal errichtet.

Von Kristian Stemmler

Das könnte Ärger geben. Auf einer Fläche an den Straßen Am Langen Sal/Fischbüttenweg in Buchholz soll die dort seit etwa zwei Jahren bestehende Containeranlage für Flüchtlinge um rund 80 auf insgesamt 120 Plätze aufgestockt werden. Als die Anlage genehmigt wurde, war den Anwohnern auf einer Informationsveranstaltung noch mitgeteilt worden, die Baugenehmigung sei auf zwei Jahre befristet, die Container würden dann wieder verschwinden. Angesichts der aktuellen Entwicklung lässt sich das nicht umsetzen.

Landkreis Harburg und Stadt haben die Anwohner bereits per Post über die Erweiterung der Anlage informiert und zu einer Informationsveranstaltung am kommenden Dienstag in der Aula der Waldschule (Beginn 19 Uhr) eingeladen. Dort könnte es hoch hergehen. Auf der anderen Seite schwappt derzeit eine Welle des Wohlwollens für Flüchtlinge durch die Öffentlichkeit – es wird sich zeigen, was die im Einzelfall wirklich wert ist.

Angesichts des weiteren Zustroms von Flüchtlingen in Deutschland hat der Landkreis keine andere Wahl, als jede Möglichkeit für die Unterbringung zu nutzen. „Dem Landkreis werden derzeit 50 bis 60 neue Flüchtlinge pro Woche zugewiesen, so dass wir dringend weiteren Wohnraum benötigen“, sagt Reiner Kaminski, Bereichsleiter Soziales beim Landkreis. Er wird sich am Dienstag den Bürgern stellen, zusammen mit seinem Abteilungsleiter für Migration Thorsten Völker, dem Kreis-Pressesprecher Johannes Freudewald, dem Buchholzer Bürgermeister Jan-Hendrik Röhse (CDU) und Heinrich Helms vom Bündnis für Flüchtlinge.

Die Unterkunft am Langen Sal war mit 40 Plätzen eine der ersten Containeranlagen, die der Landkreis im Herbst 2013 eröffnet hat. In Buchholz sind derzeit rund 250 Asylbewerber an verschiedenen Standorten untergebracht. Als weitere Unterkunft ist eine Anlage mit 120 Plätzen auf einem Gelände am Boerns Soll in Vorbereitung, die voraussichtlich im Januar 2016 bezugsfertig sein wird.

Leider muss davon ausgegangen werden, dass die Neonazis der Aktionsgruppe (AG) Nordheide um den Ex-Soldaten Denny Reitzenstein die Erweiterung der Anlage Am Langen Sal zum Thema machen werden. Seit Monaten hetzt die AG Nordheide auf ihrer Homepage und ihrem Twitter-Account gegen Flüchtlinge, wobei es ihr vor allem darum geht, Flüchtlinge als kriminell und gefährlich darzustellen.

Unter der Überschrift „Buchholz: Brennpunkt Am Langen Sal“ hieß es vor einigen Tagen auf der Website der AG Nordheide: „Wie wir schon in einem Bericht erwähnt haben, häufen sich die Meldung über kriminelle Fachkräfte um die Unterkunft Am langen Sal.“ Es hätte am Abend des 28. August einen Einsatz mit mehren Streifenwagen an der Unterkunft gegeben, bei dem eine Person festgenommen worden sei. Der buchholz express wird die Meldung überprüfen.

Wie in der Propaganda der Nazis üblich, werden gern Anwohner/Bürger zitiert, um sich als deren Anwalt auszugeben. So heißt es auf der Homepage: „Die Anwohner der Straße berichten davon, dass selbst kleine Kinder, vor allem Mädchen, von den Bewohnern vermehrt angesprochen werden, selbstverständlich bleiben auch Frauen nicht verschont. Es geht nicht mehr um ein harmloses Gespräch, sondern es sind schon sexuelle Anmache, die von den Bewohnern ausgeht. Viele Frauen trauen sich mittlerweile Nachts nicht mehr alleine aus dem Haus, da sie Angst haben, dass es nicht nur bei diesen sexuellen Anspielungen bleibt.“

Das ist das übliche rechte Gemisch von durch nichts belegten Gerüchten mit dreisten Lügen, die bei manchen vorhandene Ängste aufgreifen. Am Ende des Beitrags wird der Duktus drohend: „Aber das schön zureden hat langsam keinen Sinn mehr. Deshalb sollte sich die Politiker bewusst sein, dass der Unmut in der Bevölkerung auch in Buchholz wachsen wird und es irgendwann zu einem großen Knall kommt!“ Ob hier die Hunde nur bellen oder ob sie auch mal beißen werden, lässt sich schwer einschätzen. Die Polizei hat es bei ihrer Lagebeurteilung sicher nicht leicht.

Fakt ist, dass Reitzenstein und/oder seine Gruppe immer aktiver werden. Während in den letzten Jahren die Homepage der AG Nordheide manchmal wochenlang nicht aktualisiert wird, erscheinen dort derzeit im Abstand von Tagen hetzerische Beiträge. Auch der Twitter-Account wird fleißig bestückt. Zuletzt übernahm Reitzenstein die Homepage des Internetversandhandels „Street Wear Tostedt“, auf der vor allem Nazi-Musik, aber auch T-Shirts und dergleichen vertickt werden.

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DSC_0543Von Kristian Stemmler

Stehen Buchholz Proteste gegen Asylbewerber bevor, wie es sie in den vergangenen Wochen und Monaten an anderen Orten in Deutschland gegeben hat? Das ist angesichts der Pläne von Landkreis und Stadt zu befürchten – allen Bemühungen, dem schon im Vorfeld zu begegnen, zum Trotz. Seit einigen Tagen ist bekannt, dass auf einem Gelände an der Ecke Am langen Sal/Fischbüttenweg Container für 40 bis 60 Flüchtlinge aufgestellt werden sollen. Wie der buchholzblog bereits vor Wochen berichtete, muss der Landkreis Harburg, wie andere deutsche Kreise, in diesem Jahr erheblich mehr Asylbewerber aufnehmen.

Ob die Anwohner am Langen Sal und Fischbüttenweg die Flüchtlinge mit offenen Armen empfangen, ist zweifelhaft. Noch ist das Areal ein idyllisches Fleckchen Natur am Stadtrand mit Obstbäumen und efeuberankten Zäunen, einem Tümpel und grasenden Kühen in Sichtweite. Vermutlich ist zumindest ein Teil der Anwohner nicht gerade erfreut, dass diese Idylle gestört werden soll.

Einen Vorgeschmack gibt ein Kommentar in diesem blog, der vermutlich von Anwohnern kommt. Darin heißt es, „Familien mit ihren Kleinkindern und Schulkindern – Eigentumshäuser, die an Wert zu verlieren, ganz zu schweigen von der sinkenden Lebensqualität – sind zutiefst entsetzt und erbost“.

Nach Jahren des Rückgangs oder der Stagnation bei den Anträgen von Asylbewerbern steigen die Zahlen in diesem Jahr wieder an, vor allem wegen neuer Krisen und Kriege in vielen Ländern. Mit den Zahlen nehmen auch die Proteste zu. Dabei sind meistens irrationale Vorstellungen und Ängste im Spiel, Klischees von kriminellen Südländern und dealenden Afrikanern. Immer wieder wird von Anwohnern auch der Wertverlust ihrer Immobilien beklagt.

Erst vor einigen Wochen geriet das Heidedorf Undeloh bundesweit in die Schlagzeilen, weil Bürger im Gemeinderat mit rassistischen Argumenten für Aufruhr gesorgt hatten. Zuletzt eskalierte der Protest gegen ein Asylbewerberheim in Berlin-Hellersdorf, die NPD instrumentalisierte den Protest für ihre Zwecke. Ähnliches läuft aktuell auch in Hamburg-Lokstedt. Die mediale Berichterstattung über diese Vorgänge ist natürlich nicht geeignet, Ruhe in das Thema zu bringen.

Stadt und Landkreis geben sich bisher alle Mühe, für die Aufnahme der Asylbewerber zu werben. „Wir stellen uns der Verantwortung, Menschen in Not bei uns aufzunehmen“, sagte Bürgermeister Wilfried Geiger dem Wochenblatt. Der Landkreis hat in diesem Jahr bereits 246 Asylbewerber aufgenommen, berichtet die Zeitung, derzeit kämen pro Woche etwa 20 Flüchtlinge dazu. Meistens handelt es sich, so Reiner Kaminski vom Landkreis, um alleinstehende junge Männer. Die Herkunftsländer sind unter anderem Somalia, der Sudan, die Elfenbeinküste, Pakistan, Afghanistan, Syrien und Russland.

Auch die Buchholzer Verwaltung tut eine Menge, um den Flüchtlingen das Ankommen zu erleichtern. So hat das Integrationsbüro der Stadt einen Flyer drucken lassen, der wichtige Anlaufstellen enthält wie Grone-Schule, Diakonie oder das Mehrgenerationenhaus. Man sei dabei, „eine neue Form der Begrüßungskultur“ zu entwickeln, erklärte die Leiterin des Büros, Anja Pährisch, kürzlich im Ausschuss für Wirtschaft und Soziales. Die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt, Dörthe Heien, wies in der Sitzung auf das schwere Schicksal der meisten Flüchtlinge hin. Viele Migrantinnen, die sie aus dem Frauentreff kenne, seien traumatisiert. Sie bräuchten mehr als nur eine kurze Erstberatung.

Heien hat die Arbeit mit Migrantinnen in diesem Jahr zu einem Schwerpunkt ihrer Arbeit gemacht. So startete sie mit der Diakonie eine Workshopreihe für Migrantinnen. In regelmäßigen Abständen finden niedrigschwellige Infovormittage zu alltagspraktischen Themen statt, die von 20 bis 25 Frauen besucht werden. Buchholzerinnen haben Patenschaften für einzelne Migrantinnen übernommen und helfen zum Beispiel bei Ämtergängen.

Die Flüchtlinge kommen in der Regel aus Ländern, in denen Krieg und Zerstörung um sich greifen, oft genug auch deshalb, weil der Westen dort seine eigenen Interessen verfolgt oder interveniert hat wie etwa im Irak, in Afghanistan und aktuell in Syrien. Schon allein deshalb ist es unsere Pflicht, diesen Menschen zu helfen. In Suerhop haben Anwohner gezeigt, dass das möglich ist. Dort betreuen Nachbarn die 22 Asylbewerber, die die Stadt untergebracht hat. Eine vorbildliche Initiative!

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