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Posts Tagged ‘Allan B. K. Lim’

Von Kristian Stemmler

Wie ist es zu bewerten, wenn die Vereinsgastronomie des größten Buchholzer Sportvereins einer rechtspopulistischen, in der Öffentlichkeit umstrittenen Partei einen Raum zur Verfügung stellt? Für den 2. Juni lädt der Stadtverband Buchholz der Alternative für Deutschland (AfD) zu einem „Politischen Stammtisch“ in Lim’s Sportsbar ein, die sich im Sportzentrum von Blau-Weiß Buchholz befindet. Die Sportsbar ist ausweislich der Homepage des Unternehmens die offizielle Vereinsgastronomie von Blau-Weiß.

Der Vorsitzende des Vereins, Arno Reglitzky, kann in der Raumvergabe kein Aufregepotenzial erkennen. „Wir haben ans Lim’s Räume verpachtet und Nutzungsrechte für einen Raum übertragen, mit Sanitär- und Lagerräumen. Das alles ist in privatrechtlichen Verträgen vereinbart“, teilt er dem buchholz express auf Anfrage mit. Der Betreiber der Sportsbar habe daher das Recht „nach seinen Vorstellungen Veranstaltungen mit Bewirtungen durchführen“.

Auch Blau-Weiß habe „ausdrücklich keine Nutzungsbeschränkungen für Gruppen oder Personen irgendwelcher Art festgelegt“, so Reglitzky weiter: „Es gibt damit auch keinerlei Bewertungs- und Einschränkungsregelungen, weder bei uns als Sportverein noch für den Restaurantpächter Lim.“ Die AfD sei außerdem eine rechtmäßig zugelassene demokratische Partei, „die auch nach den gerade durchgeführten freien demokratischen Wahlen in Bremen in das Bremer Parlament einzieht“.

Der Pächter der Sportsbar, Allan B. K. Lim, zog es vor, auf eine Anfrage des buchholz express gar nicht zu antworten. Wir wollten von ihm unter anderem wissen, wie er als Migrant (er kommt aus Malaysia, ist chinesischer Abstimmung) einer Partei einen Raum für eine öffentliche Veranstaltung zur Verfügung stellen könne, die vor allem davon lebt, gegen Flüchtlinge und andere Migranten Stimmung zu machen. Offenbar war Lim dieses Thema zu brisant.

Dass die AfD gegen Flüchtlinge hetzt und damit eine gefährliche Entwicklung in diesem Land anheizt, dafür gibt es Belege genug. Jüngstes Beispiel ist ein Flyer des Kreisverbands Harburg mit der pseudo-sachlichen Überschrift „Asyl in Deutschland – Zahlen und Fakten“. Schon das Foto unter der Überschrift zeigt eindeutig, von welchen Ängsten die Partei profitieren will. Das Bild zeigt eine große Zahl von schwarzen Flüchtlingen auf einem Pier, die offenbar gerade von einem Schiff einer Küstenwache, das man in Hintergrund sieht, an Land gegangen sind.

Auch im Inneren des Flyers bemüht man sich sehr, den Anschein zu erwecken, sachlich und objektiv zu argumentieren. Da werden Grafiken abgedruckt und Gesetzestexte zitiert wie der Artikel 16 a des Grundgesetzes, in dem das Recht auf Asyl formuliert ist. Eine Grafik zeigt den Anstieg der Asylanträge von 2005 bis heute, womit man wohlweislich verschweigt, dass Anfang der 90er die Zahlen schon ähnlich hoch waren wie jetzt. Die Grafik darunter stellt die Zahl der Ausreisepflichtigen die Zahl der tatsächlichen Ausreisen gegenüber.

Die Tendenz des Ganzen ist klar. Erst einmal soll die Furcht vor der „Flüchtlingsschwemme“ geschürt werden. Dann soll der Eindruck erweckt werden, in Deutschland werde nicht schnell genug abgeschoben und viele Asylbewerber seien nur „Wirtschaftsflüchtlinge“. Natürlich reitet die AfD auch auf dem Dubliner Abkommen herum, laut dem der Asylantrag in dem EU-Land gestellt werden muss, das der Antragsteller zuerst betreten hat.

Kein Wort über die Ursachen der weltweiten Flüchtlingsströme, kein Wort davon, dass der Westen im Mittleren Osten und in afrikanischen Ländern für Krisen, Krieg und Chaos sorgt, wie derzeit in Syrien und in Libyen. Vielleicht sollten sich Reglitzky und Lim doch noch mal Gedanken machen, was für Leuten sie erlauben, unter ihrem Dach zu hetzen und Anhänger zu rekrutieren.

Aber vielleicht sehen wir hier ja die Vorboten kommender Koalitionen… Reglitzky ist bekanntlich auch Fraktionschef der FDP im Buchholzer Stadtrat. Und kürzlich ist der frühere Bürgermeister Wilfried Geiger, parteilos, aber FDP und CDU nahe stehend, zum Vorstand von Blau-Weiß gestoßen.

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