Mit ‘Aktionsgruppe Nordheide’ getaggte Beiträge

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Von Kristian Stemmler

Es hat etwas gedauert, aber immerhin. Am heutigen Mittwoch hat Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) die Neonazi-Vereinigung „Weisse Wölfe Terrorcrew“ (WWT) verboten. Am frühen Mittwochmorgen hätten Ermittler in zehn Bundesländern Wohnungen durchsucht und 16 führenden Mitgliedern der WWT Verbotsverfügungen des Innenministeriums zugestellt, berichten Medien. Bei den Razzien seien neben Vereinsinsignien, Kleidung und Datenträgern auch Wurfsterne, eine Armbrust und Kleinkaliberwaffen gefunden worden.

„Dieser Verein ist eine Vereinigung von Neonazis, die offen und aggressiv Hetze betreiben gegen unseren Staat, gegen unsere Gesellschaft, gegen politisch Andersdenkende, gegen Migranten, auch gegen Polizisten“, sagte der Innenminister. Ihre Ursprünge hat die Gruppierung besonders in Hamburg, wo sie seit 2008 aktiv ist. Darum war das Verbotsverfahren auch maßgeblich von der Hamburger Innenbehörde, also dort vor allem dem Verfassungsschutz und dem Staatsschutz der Polizei, vorbereitet worden.

Auch Buchholz wurde im Zusammenhang mit dem Verbot von WWT, die als „Weisse Wölfe Terrorcrew/Hamburger Nationalkollektiv“ gegründet wurde, wieder genannt. So berichtete die Springer-Zeitung „Die Welt“, dass der Rädelsführer der Vereinigung, Sebastian R., zwar in Hamburg-Horn wohne, wo er auch am Mittwochmorgen Besuch der Ermittler bekam.

Sebastian R. solle aber „wie mehrere andere Hamburger Neonazis mittlerweile einen Wohnsitz in Buchholz“ haben. Bei Sebastian R. handelt es sich offenbar um Sebastian Rudow, genannt Basti, der zu den Gründungsmitglieder der WWT gehören soll. Im Januar 2010 musste er eine Haftstrafe von 14 Monaten antreten wegen Widerstands gegen die Staatsgewalt und gefährlicher Körperverletzung.

Bereits im Juli 2013 war Buchholz bundesweit wegen der Weisse Wölfe Terrorcrew in den Schlagzeilen. Damals wurde im Rahmen einer von der Bundesanwaltschaft in Karlsruhe veranlassten Razzia gegen Neonazis in Norddeutschland, der Schweiz und den Niederlanden auch Denny Reitzenstein, Vorturner der Aktionsgruppe (AG) Nordheide, in seiner Buchholzer Wohnung aufgesucht. Die Ermittlungen gegen Reitzenstein wie auch andere Verdächtige wurden allerdings später eingestellt.

Große Aufmerksamkeit erregte die WWT im Dezember 2011, als sie in Harburg eine Spontandemo organisierte. 35 Neonazis mit Fackeln und weißen Masken, die sich selbst als „Die Unsterblichen“ bezeichneten, zogen durch Eißendorf. Im Anschluss kam es in Hamburg und Niedersachsen zu Hausdurchsuchungen in 17 Wohnungen.

„In Buchholz traf es Tim Müller und Denny Reitzenstein, in Tostedt und Wistedt Phillip Tolksdorf, Fabian Rath, Ricardo Pazola und Andre Bostelmann“, hieß es dazu später in einem Inforeader der Antifa. Die Gruppe zeigte sich unbeeindruckt: „Wir lassen uns aber nun durch die Aktion des Systems nicht einschüchtern und werden unseren Kampf weiterführen“, bloggte sie. Mehr dazu unter diesem Link: https://buchholzblog.wordpress.com/2013/07/18/buchholz-und-die-weisen-wolfe-das-netzwerk-des-denny-reitzenstein/

Auch die Homepage „Blick nach rechts“ (http://www.bnr.de/artikel/aktuelle-meldungen/terrorcrew-verboten) berichtet aktuell über das Verbot von WWT und dabei auch über Buchholz und Denny Reitzenstein. So heißt es da über die Razzia vom Juli 2013:

„Im Sommer 2013 hatten Polizisten die Wohnungen von einem Mitglied der WWT und einem Neonazi, der ehemals der Gruppe angehörte, in Norddeutschland durchsucht. Hintergrund war ein Ermittlungsverfahren der Bundesanwaltschaft wegen Bildung einer terroristischen Vereinigung. Der Schweizer Neonazi Sebastien N., Hauptverdächtiger in dem Verfahren, unterhält beste Verbindungen zu den WWT-Kameraden im Norden.

Die Bundesanwaltschaft war hellhörig geworden, als innerhalb der Gruppe offenbar ein Anschlag auf eine nicht näher benannte israelische Botschaft diskutiert wurde. Im Oktober 2014 stellten die Behörden das Verfahren ein, da der Terrorverdacht nicht erhärtet werden konnte. (bnr.de berichtete) Einer der damaligen Verdächtigen, der zur WWT gehörte, war der heutige Inhaber des Neonazi-Online-Shops „Streetwear Tostedt“, Denny Reitzenstein aus Buchholz in der Nordheide (Landkreis Harburg).“

Auch wenn Reitzenstein wohl der WWT nicht mehr angehört, ließ er es sich natürlich nicht nehmen, auf dem Twitter-Account seiner AG Nordheide sein Mitgefühl zu bekunden. Dort hießt es heute vormittag: „System lässt wieder die Muskeln spielen! WWT (Weisse Wölfe Terrorcrew) wurde heute verboten. Solidarität mit den betroffenen Kameraden“.

Screenshot Streetwear NEU

Nach Relaunch wieder online: die Seite „Streetwear Tostedt“

Von Kristian Stemmler

Neues von den Nazis der Region: Der Buchholzer Nazikader Denny Reitzenstein, Vorturner der Aktionsgruppe (AG) Nordheide, hat die Homepage „Streetwear Tostedt“ übernommen und vertreibt über die Seite jetzt rechte T-Shirts, Poster, Aufnäher und dergleichen, vor allem aber CDs mit Rechtsrock. Offenbar versucht Reitzenstein mit diesem Schritt seinen Einfluss in der Szene, der bisher nicht gerade als besonders bedeutend eingestuft wird, weiter auszubauen.

„Streetwear Tostedt“ erlangte schon vor Jahren traurige Berühmtheit und zwar als Name eines Ladens in Todtglüsingen, in dem der Tostedter Nazi Stefan Silar rechtes Material verkaufte und der zugleich Kristallisationspunkt der dortigen Szene war. Immer wieder mobilisierten die Antifa und bürgerliche Gruppen und Parteien gegen den Laden und die Szene, die Samtgemeinde machte Druck. Silar kündigte schließlich im Janaur 2013 an, den Laden schließen und nur noch die Restbestände online verkaufen zu wollen.

Ob sich Silar damit wirklich endgültig aus der Szene verabschiedet hat, ist schwer zu entscheiden. Es hieß, er wolle seine Familie schützen und aus den Schlagzeilen raus. Wie dem auch sei, die Homepage und der Name „Streetwear Tostedt“ existierten weiter und haben offenbar einen neuen Betreiber gefunden. Nach Recherchen des querschläger gehört Silar die Seite nicht mehr, das Impressum weist Denny Reitzenstein mit seiner Buchholzer Adresse als Betreiber aus.

Auf der Homepage der AG Nordheide wird der Relaunch und Neustart der Seite bejubelt. „Zurzeit nimmt eine erfreuliche Nachricht durch die nationale Bewegung ihren Lauf“, heißt es da. „Diese kommt für einige sehr überraschend. Per E-Post, SMS oder auf anderen Wegen verbreitet sich die Meldung, dass der Onlineshop Streetwear Tostedt im neuen Glanze und unter neuer Leitung erwacht ist.“

Bei „Streetwear Tostedt“ gibt es neben den üblichen T-Shirts mit Aufschriften wie „Amok“ oder „In hate we trust“ vor allem CDs. Die Bands heißen da zum Beispiel „Jungsturm – Kameraden“, „Kampfgeschwader Foier Frei“ oder „Frontalkraft“, die CDs etwa „Krieg bis zum Sieg“, „Völkischer Schwarzmetall“ oder „Endlöser vs. Antifa“. Es dürfte nicht schwer sein, Volksverhetzendes zu finden, wenn man sich mal einige der Lieder genauer anhört.

Aber die Arbeit macht sich bei Staats- und Verfassungsschutz ja offenbar längst keiner mehr. Wenn schon im Mainstream erfolgreiche Gruppen wie Frei.Wild protofaschistische Texte absondern, warum soll man da noch intervenieren. Im Grunde wird doch schon längst auf breiter Front hingenommen, dass Teile der Jugend, und zwar vor allem die deklassierten, mit diesem Dreck vergiftet werden.

Dass Reitzenstein mögicherweise ohnehin keine ernsthafte Verfolgung befürchten muss, kann auch noch einen anderen Grund haben. Schon länger wird in der linken Szene spekuliert, dass er für den Verfassungsschutz aktiv ist. Angesichts der Skandale um den NSU und anderes besteht dafür durchaus eine gewisse Wahrscheinlichkeit.

Eine andere Information besagt, Reitzenstein würde für eine Security-Firma arbeiten. Nach Recherchen des querschläger war er tatsächlich drei Wochen lang für ein solches Unternehmen tätig, überstand aber nicht die Sicherheitsüberprüfung, die in dem Gewerbe verlangt wird. Wenn die Information stimmt, ist uns etwas erspart geblieben. Die erwähnte Firma soll nämlich auch Unterkünfte von Asylbewerbern bewachen…

Tag der Befreiung 2Von Kristian Stemmler

Haben Nazis doch Humor? Wie der querschläger jetzt erfuhr, hat der Buchholzer Nazi-Kader Denny Reitzenstein den Autor dieses Beitrags schon im Mai bei der Polizei angezeigt. Das Skurrile daran: Angezeigt wurde ein Delikt, das hauptsächlich bei neofaschistischen Personen und Gruppierungen vorkommt – das Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen, geregelt im Paragraphen 86a des Strafgesetzbuches (StGB). Gemeint sind da etwa das Hakenkreuz, aber auch Parolen wie „Heil Hitler!“.

Tatsächlich war in der Illustration zu einem Beitrag dieses Blogs, der zu dem Zeitpunkt noch „buchholz express“ hieß, ein Hakenkreuz zu erkennen, und zwar (eher klein) auf der oben abgebildeten Karikatur. Der Beitrag erschien am „Tag der Befreiung“, dem 8. Mai 2015, an dem sich diese Befreiung zum 70. Mal jährte, und beinhaltete einen deutlichen Dank an die alliierten Befreier. Sowohl der Text als auch die Karikatur, wie sich leicht erkennen lässt, hatten/haben eine klare antifaschistische Botschaft.

„Handlungen der staatsbürgerlichen Aufklärung“ sind aber vom Paragraph 86a StGB ebenso wenig erfasst wie Handlungen „der Abwehr verfassungswidriger Bestrebungen“ und „der Berichterstattung über Vorgänge des Zeitgeschehens oder der Geschichte“. Dass Reitzensteins Anzeige, die er übrigens im Internet, also bei der Online-Wache der niedersächsischen Polizei, abgab, keine Aussicht auf Erfolg hatte, war also klar. Die Staatsanwaltschaft in Stade stellte die Sache daher auch ohne viel Federlesens ein.

Was das Ganze sollte, erschließt sich vermutlich nur Reitzenstein selbst. Aber die Sache wäre eigentlich auch keine Erwähnung wert, wenn er und seine Spießgesellen nicht an anderen Stellen so aktiv wären. Der Ex-Soldat gilt als einer der führenden Nazi-Kader der Region, soll den Twitter-Account und die Homepage der AG Nordheide betreuen. Sowohl auf dem Twitter-Account wie auf der Homepage erscheinen regelmäßig volksverhetzende Beiträge, vor allem zum Thema Flüchtlinge.

Aktuell hat die Homepage der AG zu einem „Tag der deutschen Patrioten“ am 12. September in Hamburg mobilisiert. Diese Demonstration wurde bereits am 12. Mai von mehreren Einzelpersonen angemeldet. Es wird damit gerechnet, dass an diesem Tag ein Mob aus Neonazis, rechten Hooligans und Rassisten durch die Hamburger Innenstadt marschieren wird. Die Antifa mobilisiert aktuell im Internet unter http://goodbyedeutschland.blogsport.eu/ gegen den Aufmarsch.

Im Aufruf heißt es: Gerade weil sich der offene Rassismus in Deutschland zunehmend neustrukturiert und deutsche Normalbürger_innen organisierte Neonazis in Aktionismus und Mobilisierungsfähigkeit zu überholen scheinen, überrascht uns diese Anmeldung nicht. Es überrascht auch nicht, dass bekannte Neonazis wie Thorsten de Vries, der als Organisator der Demonstration fungiert, die Gunst der Stunde nutzen wollen…

Der rassistische deutsche Alltag, nimmt hier eine Form an, welche die Erfolge eines „Kampfes um die Köpfe“ mit einem „Kampf um Straße“ verbindet. Dies zeigt sich an den unverhohlenen Angriffen „ordentlicher“ Bürger_innen gegen vermeintlich „Nicht-Deutsche“ und am vorauseilenden staatlichem Arrangement mit angeblichen „Ängsten“ – beides ist nichts anderes als Rassismus. Deshalb heißt es für uns am 12. September, sich dem deutschen Mob mit allen Mitteln und auf allen Ebenen entgegenzustellen und ihn, egal ob er sich „patriotisch“ oder „nationalistisch“ nennt, anzugreifen.

Screenshot proTostedtVon Kristian Stemmler

Bekanntlich ist es seit geraumer Zeit die bevorzugte Strategie von Nazis und Rechtspopulisten als Anwalt des „kleinen Mannes“ aufzutreten oder sich selbst als „ganz normale Bürger“ auszugeben, um auf diese Weise das Rassistische und Menschenverachtende ihrer Ziele zuzudecken. Zu diesem Vorgehen passt eine neue Homepage, mit der im Internet gegen Asylbewerber in Tostedt gehetzt wird – offenbar vor dem Hintergrund der Entscheidung des Landkreises Harburg, an der Todtglüsinger Straße eine dritte Unterkunft in der Stadt für bis zu 120 Flüchtlingen zu errichten.

„proTostedt“ nennt sich die Seite, was schon mal eindeutig auf einen rechtsradikalen Hintergrund hindeutet, denn Parteien oder Initiativen mit ähnlichem Namen wie „Pro Köln“ oder „Pro Deutschland“ sind eindeutig Nazi-Organisationen. Bisher ist es nur ein Blog bei WordPress, den auch ein einzelner ohne großen Aufwand installieren und betreiben kann. Ein Impressum gibt es nicht, nirgendwo tritt jemand namentlich in Erscheinung, auch nicht bei den (angeblichen) Leserzuschriften.

In der Vorstellung „Wir über uns“ heißt es lediglich: „Wir, eine Gruppe Tostedter, haben uns zusammengetan und es uns zur Aufgabe gemacht, die Bürger über das Geschehen in Tostedt zu informieren. Speziell geht es um das Thema Flüchtlingsunterkünfte am Helferichsheim, Elsterbogen und in der Todtglüsinger Straße.“ Wohin da die Reise gehen soll, wird in den folgenden Sätzen und vor allem in den bereits eingestellten Beiträgen deutlich.

Wie es dem Vorgehen von Nazis und Rechtspopulisten derzeit allerorten entspricht, wird dem Leser suggeriert, Behörden und Medien würden Straftaten von Asylbewerbern und andere negative Entwicklungen verschweigen. „Unzensierte Aufklärung über Vorfälle in den Tostedter Flüchtlingsheimen“ steht auf der Aufrufseite des Blogs, in der Vorstellung heißt es: „In den vergangenen Wochen gab es den einen oder anderen Vorfall in den Flüchtlingsunterkünften, über den nichts in der Polizei- bzw. Lokalpresse berichtet wurde.“

Diese angebliche Lücke möchte man mit dem Blog schließen, dazu sollen auch noch einmal im Monat Flyer verteilt und „der älteren Generation“ übermittelt werden. Schon im ersten Beitrag des Blogs werden Informationen auf unappetitliche Weise mit Unterstellungen zusammengerührt, ohne dass klar wird, was wirklich geschehen ist.

In der Nacht auf den 26. Februar habe es in der Unterkunft für Asylbewerber am Elsterbogen Ausschreitungen gegeben. „Bewohner“ der Unterkunft – das Wort wird in Anführungszeichen – gesetzt, hätten randaliert. Mit Bezug auf „einige Anwohner“ behauptet der Blog, es habe in der Unterkunft „eine sehr aggressive Stimmung“ geherrscht. Als Beleg wird ein Zaun mit einem leicht eingerissenen Zaun präsentiert. Dummdreister geht es nicht!

Im zweiten Beitrag wird noch einer draufgesetzt. Man habe am Freitagabend, dem 27. Februar, einen Anruf bekommen, dass es einen Polizeieinsatz am Elsterbogen geben würde, wegen „Lautstärke, Vandalismus und starkem Alkoholkonsum“. Weiter heißt es da: „Bei einem späteren Telefonat mit der Buchholzer Polizei wurde schnell klar, das unsere Flüchtlinge nicht kooperativ sein wollten und einige sich den Beamten gegenüber aggressiv vom Acker machten.“

Was davon stimmt und was hinter den behaupteten Einsätzen tatsächlich steht, war am Freitag nicht mehr in Erfahrung zu bringen, weil der Pressesprecher der Polizeiinspektion Harburg nicht zu erreichen war. Es spricht jedenfalls einiges dafür, dass die „besorgten Bürger“, die hinter proTostedt stecken, die altbekannten Nazis sind. Typisch ist etwa die Strategie, Flüchtlinge in Zusammenhang mit Kriminalität, Vandalismus und Verschmutzung zu bringen. Ein anderes Indiz sind die Autorenkürzel zu den Beiträgen wie „d14“ oder „m11“. Nazis haben bekanntermaßen einen Hang zu Zahlen- und Buchstabencodes. Auch der zynische Schreibstil, wenn es um die Flüchtlinge geht – zum Beispiel: „unsere Flüchtlinge“ – ist absolut typisch für „unsere Neonazis“.

Für die stramm rechte Ausrichtung der Homepage spricht auch, dass man keine Scheu hat, sich von der Aktionsgruppe (AG) Nordheide des Buchholzer Nazikaders Denny Reitzenstein promoten zu lassen. Auf der Seite der AG findet sich aktuell ein Pseudo-Interview mit proTostedt. Wie hier der Leser für dumm verkauft werden soll, grenzt schon an Lächerlichkeit. „Was uns erstaunt hat, dass hinter der neuen Seite keine politischen Aktivisten stecken, sondern ganz normale besorgte Bürger aus Tostedt“, heißt es im Vorspann. Aber klar doch!

Natürlich hat man bei proTostedt kein Problem mit den Nazis aus Buchholz. Reitzenstein & Co. Klingeln da erst mal ganz ungeniert an: „Moin Moin! Wir als nationale Bewegung begrüßen natürlich jede bürgerliche Initiative gegen diesen Überfremdungswahn und heißen euch natürlich herzlich Willkommen. Wir hätten mal ein paar Fragen an euch und es wäre nett wenn ihr uns kontaktieren könntet!“ Aus Tostedt kommt die Antwort: „Grüßt Euch. Wir bedanken uns für euer Interesse an unserer bürgerlichen Initiative und würden euch gerne eure Fragen beantworten!“

Interessant auch diese Einlassung der AG Nordheide: „Wir haben zu danken, da ihr anscheinend wisst, wer wir sind und somit keine bürgerliche Initiative, sondern dass wir schon aus dem nationalen politischen Umfeld kommen und nicht unbekannt in und um Buchholz/Tostedt sind!“ Dazu proTostedt: „Es ist uns bewusst mit welcher Gruppierung wir grad zu tun haben und haben auch kein Problem damit, dass der Verlauf auf eurer Seite veröffentlicht wird. Denn das Thema Asylanten und deren Unterkünften geht jedem was an.“

Na, dann ist ja alles im Lack! Natürlich kommt danach noch das übliche braune Geseiere, wie man es auf der Seite der AG ja schon zur Genüge gelesen hat. „Dadurch dass wir nun eine 3. Unterkunft bekommen und das Geschehnisse in anderen Städten beobachtet haben, sind wir halt auf die Idee gekommen eine eigene bürgerliche Initiative zu gründen und somit die Öffentlichkeit genauer aufklären. Denn wir können uns es nicht weiter mit ansehen, wie wir von den Politikern und den Polizeipräsidenten aus Tostedt belogen werden.“

Schließlich darf dieser Satz nicht fehlen: „Wir möchten aber betonen, dass wir keine Rechten sind sondern ganz normale Bürger!“ Das ständige Herumreiten auf diesem Punkt ist so auffällig und blöd, dass es eigentlich auch dem Ahnungslosesten auffallen müsste. Es ist aber zu befürchten, dass die Strategie der Rechten einen gewissen Erfolg verzeichnen wird – vor allem weil die Alternative für Deutschland (AfD) und der rechte Flügel der CDU beim Thema Flüchtlinge im Prinzip die selbe Argumentation fahren, nämlich: mehr Flüchtlinge gleich mehr Kriminalität.

So hetzt die AG Nordheide auf ihrer Homepage gegen Flüchtlinge

So hetzt die AG Nordheide auf ihrer Homepage gegen Flüchtlinge

Von Kristian Stemmler

Die Agitation der Rechtspopulisten von Alternative für Deutschland (AfD) und der Pegida-Bewegung zeigt Wirkung. Im Ort Escheburg nahe Geesthacht (Kreis Herzogtum Lauenburg) ist jetzt, wie Medien berichten, ein 38 Jahre alter Mann festgenommen worden, der in einem Haus Feuer gelegt hatte, das als Flüchtlingsunterkunft vorgesehen war. Überführt wurde er durch DNA-Spuren an der Verschlusskappe des bei der Tat verwendeten Benzinkannisters und an einem abgebrannten Streichholz.

Es ist nicht der erste Brandanschlag auf eine Flüchtlingsunterkunft oder ein als solches vorgesehenes Gebäude in den vergangenen Wochen – aber die Umstände des Falls erschrecken und alarmieren! „Ein Biedermann als Brandstifter“, titelt die Hamburger Morgenpost. Tatsächlich handelt es sich bei dem Täter um einen Familienvater (Frau, ein Kind), der in einer Doppelhaushälfte an einer ruhigen Straße der 3300-Seelen-Gemeinde Escheburg wohnt. Als er erfuhr, dass im benachbarten Doppelhaus Flüchtlinge untergebracht werden sollten, drehte der Mann durch.

Erst suchte er mit anderen Nachbarn zusammen den Bürgermeister auf, verfasste danach einen Wutbrief an den Bürgermeister und eine Wählergemeinschaft des Ortes. „Ich fordere Euch auf, Euch schützend vor uns Anwohner zu stellen!“, schrieb er, „solltet Ihr dazu nicht die Eier in der Hose haben – dann solltet Ihr zurücktreten.“ Vor der Wählergemeinschaft soll der Mann nach Informationen der Mopo die Flüchtlinge als „Verbrecher, Mörder und Vergewaltiger“ beschimpft haben. Er habe Angst um sein Kind.

An diesem Fall kann man gut erkennen, was die Hysteriesierung des Themas in der Öffentlichkeit und die Propaganda rechter und rechtspopulistischer Kreise auslösen kann. Schauen wir uns an, vor wem der Täter solche Angst hatte: In dem Nachbarhaus sollten sechs Iraker einziehen, in Worten: sechs! Menschen, die aus einem Land kommen, das westliche Mächte in den letzten Jahren ins Chaos gestürzt haben, in dem nur noch Krieg und Gewalt regieren. Menschen, die vermutlich ebenso harmlos wie schwer traumatisiert sind. Vor Verbrechen, Mord und Vergewaltigung sind diese Menschen geflohen.

Es war zu befürchten, dass angesichts steigender Flüchtlingszahlen das xenophobische Potenzial in der Bevölkerung wieder aktiviert wird. Daran haben nicht nur die Ausländerhasser von der AfD, von Pegida und Nazigruppen Schuld, sondern auch all die Vertreter bürgerlicher Parteien, von CSU, CDU und SPD, die meinen, man müsse „die Sorgen der Bevölkerung ernstnehmen“. Damit gibt man dem Affen Zucker! Wenn etwa CSU-Chef Horst Seehofer einen Wahlslogan der NPD übernimmt: „Wir sind nicht das Sozialamt der Welt!“, dann ist er mitverantwortlich für Brandanschläge auf Flüchtlingsunterkünfte.

Es gibt nur eine Antwort auf die Agitation und Gewalt gegen Flüchtlinge. Und zwar diese: Es geht nicht um die Sorgen deutscher Wohlstandsbürger, die Gefaren für ihre Kinder und ihre Grundstückspreise herbeifantasieren, es geht um die Sorgen der Flüchtlinge! Es ist unsere verdammte Pflicht, diese Menschen bei uns aufzunehmen, und das ist immer noch ein lächerlich kleiner Beitrag zur Lösung der humanitären Probleme auf der Welt, an deren Entstehung Deutschland seinen Anteil hat.

Der Landkreis Harburg ist bisher zum Glück von Gewalt gegen Asylbewerber verschont geblieben, aber Escheburg ist nicht weit – praktisch nur auf der anderen Elbseite. Und Proteste hat es im Landkreis ja leider auch schon gegeben bzw. es gibt sie nach wie vor. Natürlich haben auch die Buchholzer Nazis von der Aktionsgruppe (AG) Nordheide erkannt, dass sie die Ankündigung, dass im Landkreis Harburg in diesem Jahr noch mehr Flüchtlinge aufgenommen werden, zu neuer Hetze nutzen können.

Unter der Überschrift „Landkreis Harburg: Asylflut reißt nicht ab!“ wird die Nachricht, dass der Landkreis Harburg voraussichtlich in diesem Jahr etwa doppelt so viele Flüchtlinge aufnehmen wird wie im vorigen, propagandistisch ausgeschlachtet. In dem Beitrag auf der Homepage der AG ist natürlich nur von „Wirtschaftsflüchtlingen“ die Rede. Ein Argument der Nazis ist, dass die Steuerzahler für die Kosten der Unterbringung aufkommen müssen. Das zweite Argument ist die Behauptung, die Sicherheit im Landkreis werde „auf eine sehr große Probe gestellt“, da „bei der Masse an neuen Wirtschaftsflüchtlingen“ weiterhin die Straftaten steigen würden.

Wie zu erwarten war, wird auch der Messerangriff eines sudanesischen Flüchtling auf einen Landsmann in der Unterkunft in Hollenstedt noch angesprochen. „Dieses mal gab es zum Glück kein deutsches Opfer“ heißt es da zynisch. Der Beitrag schließt mit den Worten: „Wenn diese Asylflut so weiter geht, wird bald das deutsche Volk unter einem Trauma leiden müssen! Die Bevölkerung sollte endlich die wahren Fakten zu lesen bekommen und nicht mehr belogen werden.“

Diese Rhetorik ist nicht weit weg von AfD und Pegida. Und da sollte sich auch der hiesige Kreisverband der AfD überlegen, wem er nach dem Munde redet. Bisher ist es der Kreisverwaltung und der Polizei gelungen, durch ihren engagierten Einsatz die Proteste gegen Asylbewerberunterkünfte im Rahmen zu halten. Man kann nur hoffen, dass das so bleibt.

Wie berichtet, läuft zum Thema Flüchtlinge demnächst im Kino der Dokumentarfilm „Willkommen auf Deutsch“ an, der sich mit der Unterbringung von Asylbewerbern im Landkreis Harburg und den Protesten dagegen befasst. Im Buchholzer Kino Movieplexx Dehli-Center soll der Film ab dem 12. April (20 Uhr) gezeigt werden. „Willkommen auf Deutsch“ ist schon jetzt für das Schulkino buchbar (http://www.willkommen-auf-deutsch.de/). Aktuelleren und sinnvolleren Unterricht zu diesem Thema als das Vorführen dieses Films kann man sich kaum vorstellen.

Die Meldung auf der Seite linksuntenindymedia.org

Die Meldung auf der Seite linksuntenindymedia.org

Von Kristian Stemmler

Die Auseinandersetzungen zwischen der Antifa in Buchholz und Neonazikadern gehen offenbar weiter. In der Nacht von Sonntag auf Montag ist ein Farbanschlag auf das Haus von Denny Reitzenstein in der Nordheidestadt verübt worden. Auf der Internetseite linksunten.indymedia.org erschien ein Bekennerschreiben zu dem Anschlag. Bereits in der Nacht zum 11. Februar war es an der Musikkneipe „Empire“ zu einer Auseinandersetzung zwischen der örtlichen Antifa und Nazis gekommen.

In dem Bekennerschreiben heißt es in szenetypischer Kleinschreibung und ohne Interpunktion: „in der nacht zum sonntag auf montag haben wir auf das wohnhaus von denny reitzenstein einen farbanschlag verübt reitzenstein ist mitbegründer der aktionsgruppe nordheide kurz ag unter anderem ist er überregional vernetzt in der szene zb zu der weißen wölfe terror crew und pflegt bundesweite kontakte in die neonaziszene“

Und weiter: „wir werden faschisten dort treffen, wo sie sich vermeintlich am sichersten fühlen und ihre tagesroutine gehörig durcheinander bringen die nordheide ist kein sicherer rückzugsraum für neonazis reitzenstein du nazischwein an keinem ort bist du allein“

Auf der Homepage der Aktionsgruppe Nordheide, die offensichtlich von Reitzenstein betrieben wird, wird der Farbanschlag vermeldet und der Versuch unternommen, ihn für propagandistische Zwecke auszuschlachten. So heißt es in dem Beitrag, in dem Haus wohnten auch Migranten, deshalb habe der Anschlag „einen rassistischen Hintergrund“. In dem Haus wohne auch noch eine ältere Frau, die noch unter Schock stehe.

Die Texte auf der Homepage der AG folgen momentan der Strategie der Nazis, sich als harmlos und bürgerlich zu präsentieren. So hieß es kürzlich in einem anderen Beitrag, der sich mit dem Vorfall am „Empire“ befast, man komme „mitten aus der Buchholzer Gesellschaft“ und die „Nationalisten“ seien „die netten Herren bzw. Frauen von nebenan“ und „bei vielen Buchholzern gern gesehene Gäste“. Von wegen nett: Auf dem Twitter-Account der Gruppe wird tagtäglich gegen Antifa, Muslime, Asylbewerber und die „Lügenpresse“ gehetzt.

Reitzenstein brüstete sich derweil vor kurzem auf seiner Website, dass die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe das Ermittlungsverfahren gegen ihn eingestellt habe. Im Juli 2013 waren im Rahmen einer europaweiten Razzia Wohnungen und Geschäftsräume von Nazis durchsucht worden, auch die von Reitzenstein in Buchholz. Den Beschuldigten wurde vorgeworfen, zu einer Terrororganisation mit dem Namen „Werwolf Kommando“ zu gehören.