Mit ‘AG Nordheide’ getaggte Beiträge

Schon wieder sauber: der Sitz der Polzeiinspektion Harburg in Buchholz

Schon wieder sauber: der Sitz der Polzeiinspektion Harburg in Buchholz

Buchholz (qu) – In Buchholz haben bereits in der Nacht zum Dienstag Unbekannte von der Schützenstraße aus Farbbeutel gegen das Gebäude der Polizei Buchholz geworfen, in dem auch die Polizeiinspektion Harburg, die für den gesamten Landkreis zuständig ist, ihren Sitz hat. Das teilte die Pressestelle der Polizeiinspektion heute mit. Teile der Fassade und der Parkplatz vor dem Gebäude seien von der Farbe in Mitleidenschaft gezogen worden. Der Staatsschutz hat die Ermittlungen aufgenommen.

Bei derartigen Farbbeutelwürfen fällt der Verdacht automatisch auf Linke. Aber diesmal sollte der Staatsschutz vielleicht lieber nach rechts schauen. Die örtlichen Nazis dürften immer noch etwas sauer sein über einen Polizeieinsatz vor dem Oktoberfestzelt bei Möbel Kraft vor einer Woche. In der Nacht zum Sonntag hatte es gegen ein Uhr dort eine Schlägerei gegeben, so dass erst durch den Einsatz mehrerer Streifenwagen resp. von deren Besatzungen die Ruhe wieder hergestellt werden konnte.

Die Polizeiinspektion Harburg vermeldete, dass offenbar „Provokationen zwischen mehreren Gästen“ der Auslöser gewesen sei. In der Folge habe ein 40 Jahre alter Buchholzer mit der Faust auf einen 29 Jahre alten Jesteburger und einen 18 Jahre alten Buchholzer eingeschlagen. Beide Personen seien im Gesicht verletzt worden. Gegen den 40jährigen sei ein Strafverfahren eingeleitet worden.

Was die Polizeiinspektion verschweigt, ist der Umstand, dass hier offenbar wieder einmal Buchholzer Nazis und Vertreter der Antifa aneinander geraten waren. Das ist auf der Website des Nazikaders Denny Reitzenstein von der Aktionsgruppe (AG) Nordheide zu erfahren. Dort wird behauptet, dass 15 bis 20 Linke auf dem Oktoberfest feiernde Nazis provoziert und angegriffen hätten. Diese hätten sich nur gewehrt und die Antifa „in die Flucht geschlagen“.

Wie bei den Nazis üblich, sehen sie sich als Opfer der Linken und der Ordnungsmacht. Die Buchholzer Polizei, so der Beitrag auf der Homepage der AG Nordheide, habe sich „nicht lumpen lassen“ und sei mit mehreren Streifenwagen erschienen. Wörtlich heißt es: „Wie öfters zu vor wurden aus den Opfer, da sie als Patrioten bekannt sind, Tätern gemacht und die wahrhaftigen Täter wurden zu Opfern gemacht. So liest sich auch die Pressemitteilung der Polizei, die sie am Sonntag über ihren Presseportal veröffentlicht haben.“

Natürlich versäumen es die Faschos auch nicht, die bei ihnen übliche Kraftmeierei verbal zu pflegen. In dem Beitrag rühmt sich Denny Reitzenstein, der der Autor des Textes sein dürfte, dass sich wohl einige Angreifer bei ihrem vereitelten Angriff verletzt hätten und jetzt einen Gips tragen müssten. Und weiter: „Dieser Vorfall zeigt ein weiteres Mal, dass die Buchholzer Antifa sich nur in großen Gruppen einen Angriff traut und das dieser Angriff von entschlossenen Bürger auch erfolgreich abgewehrt werden kann.“

Es ist nicht ganz abwegig, den Farbbeutelwurf auf den Sitz der Polizeiinspektion Harburg in Buchholz den Nazis zuzuschreiben. Sie könnten damit ihren Unmut über den Einsatz bei Möbel Kraft Ausdruck gegeben und zugleich dafür gesorgt haben, dass die Linken verdächtigt werden. Jedenfalls gibt es für den Staatsschutz der Inspektion, der sich mit politischen Delikten befasst, genug Grund, sich mit Reitzenstein & Co. zu befassen. Auch weil dieser den Staatsschutz aktuell frontal angeht.

Auf seinem Blog hat sich Reitzenstein triumphal darüber ausgelassen, dass eine in rechten Kreisen offenbar unbeliebte Staatsschützerin die Polizeiinspektion verlässt und zwar mit einem Porträtfoto der Polizistin. Ich nehme einmal an, dass auch eine Polizeibeamtin ein Recht am eigenen Bild hat – jedenfalls wurden an der Roten Flora in Hamburg vor kurzem Bilder von verdeckten Bildern ruckizucki von der Polizei übermalt, genau mit dieser Begründung.

Es stellt sich nach wie vor die Frage, warum es sich Denny Reitzenstein erlauben kann, nicht nur die Polizei so dreist zu attackieren, sondern auch seine Hetze so ungestört zu verbreiten. Hält da jemand seine Hand über ihn?

Dass man an die Website des umtriebigen Nazis, der unter anderem den von Stefan Silar aus Tostedt übernommenen Versand Streetwear Tostedt weiterführt, nicht ohne weiteres herankommt, ist klar. Der läuft auf Servern von logr.org, einem bei Nazis beliebten Anbieter. Aber der Herr Reitzenstein hat ja keine Probleme damit, sich im Impressum namentlich auszuweisen – allerdings mit einer Adresse in Arizona (wie der querschläger bereits berichtete).

Nun hat aber die Staatsanwaltschaft Stade in einem Schreiben an das parteilose Ratsmitglied Kristian Stemmler bereits vor einiger Zeit durchblicken lassen, ihr sei bewusst, dass es sich um jenen Denny Reitzenstein handelt, der in Buchholz residiert. Folgen hat das keine: Er darf offenbar schreiben und tun, was er will.

Logo AfD

Das Logo der AfD

Bei dem nachfolgenden Beitrag handelte es sich natürlich um einen Aprilscherz – der AfD würde es nicht im Traum einfallen, ihren Mitgliedern zu verbieten, an einer Kundgebung teilzunehmen, die unter der Überschrift „Asylflut stoppen!“ steht…

 

Von Kristian Stemmler

Der Kreisverband Harburg-Land der Alternative für Deutschland (AfD) hat seine Mitglieder aufgefordert, sich von der Demonstration der „Bürgerbewegung Nordheide“ am Sonntag im Buchholzer Zentrum fernzuhalten. In einer Pressemitteilung droht der Kreisvorstand mit harten Sanktionen im Falle einer Zuwiderhandlung. „Wer an der Kundgebung teilnimmt, muss mit einem Parteiausschlussverfahren rechnen“, heißt es da wörtlich.

„Die Bürgerbewegung Nordheide wird getragen von Rechtsextremen, mit denen uns so gut wie nichts verbindet“, wird der AfD-Kreisvorsitzende Jens Krause in der Pressemitteilung zitiert. Das Motto der Demonstration „Asylflut stoppen!“ könne man zwar unterschreiben, aber die radikalen Auswüchse und die völkische Diktion der Organisatoren sei nicht akzeptabel. „Die AfD steht voll und ganz auf dem Boden der freiheitlich-demokratischen Grundordnung“, erklärte Krause.

Nach Informationen des buchholz express stehen allerdings eher strategische Überlegungen hinter der massiven Intervention des AfD-Kreisvorstandes. „Offen gesagt, können wir es uns gut fünf Monate vor den niedersächsischen Kommunalwahlen nicht leisten, mit den rechten Chaoten öffentlich in Verbindung gebracht zu werden“, sagte ein Mitglied des Kreisvorstandes, das namentlich nicht genannt werden wollte, dem buchholz express.

Die „Bürgerbewegung Nordheide“ und die mit ihnen verbundene Aktionsgruppe (AG) Nordheide des Buchholzers Denny Reitzenstein machten eine gute Arbeit, so der Informant: „Wie die auf ihren Websites und bei Twitter immer wieder die ausufernde Flüchtlingskriminalität und das unerträgliche Gutmenschentum anprangern – alle Achtung!“ Tatsächlich sei das inhaltlich zu 90 Prozent mit der Agenda der AfD deckungsgleich.

In der Öffentlichkeit müsse die Alternative für Deutschland aber weiterhin an ihrem „bürgerlichen Image“ arbeiten, um niemanden zu verschrecken und koalitionsfähig zu werden. „Wir haben eine Partei aus dem Boden gestampft, die ein Wählerpotential von einem Fünftel bis einem Viertel der Wahlberechtigten hat – wenn nicht mehr -, da kommt man auf Dauer nicht an uns vorbei“, so das Mitglied des Kreisvorstands.

Nach dem 11. September, dem Tag der niedersächsischen Kommunalwahlen werde man im ganzen Bundesland und natürlich auch im Landkreis Harburg und in Buchholz in den Räten sitzen. „Dann mischen wir den Laden auf“, kündigte der Informant an. Der „Bürgerbewegung Nordheide“ drücke er die Daumen für die Demo am Sonntag – „auch wenn wir uns leider öffentlich von ihnen distanzieren müssen.“

So war es vor sechs Jahren: machtvolle Demo gegen die Kundgebung der Nazis.

 

Von Kristian Stemmler

Gelingt es den Neonazis der Region am kommenden Sonntag nach sechs Jahren wieder im Zentrum von Buchholz ihre Hetze zu verbreiten? Wie der Pressesprecher der Stadt Buchholz, Heinrich Helms, bestätigt, haben für diesen Tag um 14 Uhr Vertreter der „Bürgerbewegung Nordheide“ eine Kundgebung unter dem Motto „Asylflut stoppen!“ für die Fußgängerzone angemeldet. Doch der Protest formiert sich bereits, trotz der kurzen Vorlaufzeit. Auch die Polizei bereitet sich vor, um mögliche Ausschreitungen zu verhindern.

Mittlerweile ist noch eine zweite Kundgebung angemeldet, ebenfalls in der Fußgängerzone, Anmelder ist nach Helms‘ Angaben die antifaschistische Begegnungsstätte Heideruh aus Holm-Seppensen. Es kann davon ausgegangen werden, dass sich politische Parteien, die Kirchen, das „Bündnis für Flüchtlinge“ und andere diesem Protest anschließen. Die Antifa mobilisiert überregional über das linke Portal linksunten.indymedia.org, sie will den Aufmarsch der Nazis verhindern.

Schon aus Sicherheitsgründen müssen die beiden von der „Bürgerbewegung Nordheide“ und Heideruh angemeldeten Kundgebungen in einem gewissen Abstand stattfinden. Daher könnte der „Bürgerbewegung“, hinter der die faschistische Aktionsgruppe (AG) Nordheide des Buchholzer Ex-Soldaten Denny Reitzenstein und der Alt-Nazi Wolfram Schiedewitz aus Seevetal stecken, die Auflage gemacht werden, nicht direkt im Zentrum zu demonstrieren. Wobei die rechtliche Lage kompliziert ist.

Vor sechs Jahren, auf den Tag genau, nämlich am 3. April 2010, haben die Nazis zuletzt in Buchholz demonstriert, die NPD hatte die Demo unter der Überschrift „Gegen Ausländerkriminalität!“ angemeldet. Damals gelang es, die Nazis auf die andere Seite der Bahnlinie zu verbannen, weil es sich um einem Sonnabend handelte, also einen Markttag und parallel eine Veranstaltung mit Kindern in der Empore stattfand. Da die rechte Demo diesmal für einen Sonntag angemeldet ist, sind ein Verbot oder eine Verlegung schwieriger durchzusetzen.

Auf dem Buchholzer Rathausplatz kam es vor sechs Jahren zu einer machtvollen Gegendemonstration hunderter Nazi-Gegner, während sich am Bahnhof nur ein Häuflein Rechter versammelte. Damals war die Vorlaufzeit für eine Mobilisierung allerdings auch deutlich länger. Diesmal ist das Vorhaben der Nazis erst wenige Tage vor ihrer Kundgebung öffentlich geworden.

Ob es wie vor kurzem in Hittfeld, wo die „Bürgerbewegung Nordheide“ zum ersten Mal unter diesem Namen auftrat, zu Auseinandersetzungen zwischen Antifa und Nazis kommt, ist ungewiss. Es kann davon ausgegangen werden, dass die Antifa auf jeden Fall verhindern will, dass die Nazis direkt am Mahnmal für die Opfer des NS-Regimes auf dem Marktplatz, das am 27. Januar eingeweiht wurde, ihre Hetze verbreiten. Das Ziel der Nazis wiederum dürfte sein, genau diesen symbolischen Ort zu besetzen.

Der Aufruf der Antifa auf linksunten.indymedia.org steht unter der Überschrift „Neonazi-Kundgebung in Buchholz verhindern“. In dem Aufruf werden die Zugverbindungen von Hamburg und Bremen explizit genannt, die Antifa will sich um 13 Uhr an der Poststraße treffen, also eine Stunde vor Beginn der Versammlung der Nazis. Wörtlich heißt es im Aufruf: „Egal ob in Buchholz oder woanders, gilt es sich den Nazis und Rassist*innen in den Weg zu stellen und ihre menschenfeindliche Propaganda zu unterbinden.“

Wie schon der buchholz express weist auch die Antifa auf die Strategie der Nazis hin: „Die Bürgerbewegung Nordheide ist ein Versuch der Neonazi-Kameradschaft AG Nordheide Rassist*innen abseits der Neonaziszene anzusprechen. Seit drei Jahren versuchen die Neonazis der AG Nordheide mit spontanen Aktionen und Störungen von Infoveranstaltungen gezielt im bürgerlichen Spektrum rechte Propaganda zu verbreiten. Führender Kopf der Kameradschaft ist der Buchholzer Denny Reitzenstein, der seit langem versucht neonazistische Strukturen aufzubauen, wie die Kameradschaft Buchholz oder die AG Nordheide.“

Aktuell hängen sich Reitzenstein & Co. an den Protest gegen die geplante Flüchtlingsunterkunft auf der Jordanfläche. Sowohl auf dem Facebook-Account der „Bürgerbewegung“ als auch auf der Homepage seiner AG Nordheide greift er die aktuelle Berichterstattung des Nordheide Wochenblattes über ein Anfrage des CDU-Ratsherren Klaus Gütlbauer auf. Gütlbauer will mit der Anfrage die Umstände des Verkaufs der Fläche an den Investor Holger Cassens aufklären.

Die Polizei bereitet sich derweil darauf vor, Auseinandersetzungen zwischen den Nazis und der Antifa zu verhindern. „Wir werden mit ausreichenden Kräften vor Ort sein“, sagte Lars Nickelsen, der Sprecher der Polizeiinspektion Buchholz, dem buchholz express. Zu Details der Lageeinschätzung wolle er sich nicht äußern, die Polizei mache sich aber, wie immer bei solchen Einsätzen, ein genaues Bild der Lage.

So mobilisieren die Nazis der Aktionsgruppe Nordheide für die Demo am Sonntag.

So mobilisieren die Nazis der Aktionsgruppe Nordheide für die Demo am Sonntag.

Von Kristian Stemmler

Es war absehbar. Vor dem Hintergrund zunehmender Erfolge der protofaschistischen Alternative für Deutschland (AfD) und der hysterischen Diskussion um das Thema Flüchtlinge fühlen sich auch die Neonazis in der Region ermutigt, ihre Hetze gegen Flüchtlinge zu verschärfen. Nach Jahren wollen sie sich jetzt wieder in Buchholz auf die Straße trauen – aber im Internet wird bereits zur Gegenwehr aufgerufen.

Offenbar um genau diese Gegenwehr so gering wie möglich zu machen, ist das Vorhaben erst jetzt bekannt gemacht worden. Die Fakten: Ein „Bürgerbündnis Nordheide“, hinter dem offensichtlich Nazis aus Buchholz und dem Landkreis stecken, mobilisiert aktuell über seine Facebook-Seite und die Seite der Aktionsgruppe (AG) Nordheide für eine Kundgebung am kommenden Sonntag um 14 Uhr in der Buchholzer Fußgängerzone – Motto: „Asylflut stoppen!“.

Bei der „Bürgerbewegung Nordheide“ handelt es sich offenbar um eine Art Tarnorganisation, hinter der Nazis der Region stecken, vermutlich vor allem Denny Reitzenstein von der AG Nordheide und sein Umfeld. Der Name folgt der Strategie der Nazis, sich als Stimme des Volkes, also aller Bürger zu gerieren, zudem den Anschein einer großen Organisation (Bewegung) zu erwecken und Vorbehalte der Bevölkerung gegen Faschisten und ihre Parolen aufzuweichen.

Soweit sich das feststellen lässt, tauchte die „Bürgerbewegung“ Anfang Februar zum ersten Mal auf. Für den 6. Februar mobilisierte sie zu einer Kundgebung nach Hittfeld unte der Überschrift „Die Sicherheit in Seevetal und Deutschland – die Ein-Prozent-Idee“. Hauptredner war der einschlägig bekannte Nazi Wolfram Schiedewitz.

Dank des deutlichen Protestes von Gegendemonstranten aus Parteien und Antifa geriet die Kundgebung allerdings zum Rohrkrepierer (der buchholz express berichtete). Schiedewitz redete, gestört von einem Pfeifkonzert, vor einem Ehepaar mit zwei kleinen Kindern. Durch massive Interventionen wurde verhindert, dass weitere Neonazis zu der Demo stoßen konnten.

Seit Mitte Februar ist die Facebook-Seite der „Bürgerbewegung“ online. Nach demselben Muster wie der Twitter-Account und die Homepage der AG Nordheide wird dort seitdem gegen Flüchtlinge gehetzt und für Demos von Nazi-Gruppierungen mobilisiert. Erstes großes Thema der Seite war der geplante Bau einer Flüchtlingsunterkunft auf der Jordanfläche, über die der Stadtrat von Buchholz am 16. Februar entschied.

So mobilisierte die Seite auch zur Informationsveranstaltung über das Vorhaben in der Waldschule am 23.2. Kurz nach der Veranstaltung erschienen auf dem Facebook-Account der „Bürgerbewegung“ Fotos und ein Bericht von dem Abend in der Waldschule, die vermutlich von Reitzenstein und Konsorten angefertigt wurden. Die saßen nämlich in einer Gruppe von sechs, sieben Leuten im Publikum und twitterten bereits fleißig während der Veranstaltung.

Die Vermutung liegt nahe, dass Reitzenstein den Account bestückt, vielleicht hat er ihn eingerichtet, nachdem Facebook-Accounts der AG geschlossen worden waren. Mit einem länglichen Text wird die Kundgebung am Sonntag auf Reitzensteins Homepage beworben. Dort heißt es: „Es ist soweit und nach 6 Jahren können wir endlich bekannt geben, dass es in Buchholz wieder eine politische Veranstaltung stattfinden wird. Die Bürgerbewegung Nordheide lädt alle Bürger des Landkreises Harburg dazu ein, am 3.4.2016 um 14 Uhr nach Buchholz zu kommen, um ein Zeichen gegen die Asylpolitik und für mehr Sicherheit der Bevölkerung zu setzen.“

Im gewohnten Tonfall wird gehetzt: „Deshalb sehen wir, von der AG Nordheide, es als unsere Pflicht an, die Kundgebung der Bürgerbewegung Nordheide zu unterstützen. Da Buchholz zum Hauptaugenmerk der Flüchtlingspolitik im Landkreis Harburg wurde und somit auch die meisten Migranten dort untergekommen sind… Der Überfremdungswahn in Buchholz wird vor allem durch den Volksverräter und Bürgermeister Jan-Hendrik Röhse gefördert und durchgesetzt. Wie er schon öfters betont hat, ist es ihm egal was die Bevölkerung vom Überfremdungswahn der Stadt hält und somit haut er jedes geplantes Projekt mit Hilfe des Stadtrates durch.“

In diesem Stil geht es über mehrere Absätze weiter. Natürlich darf auch eine Erwähnung der Terroranschläge von Paris und Brüssel nicht fehlen und der Hinweis auf die angeblich ausufernde „Flüchtlingskriminalität“. Zum Schluss heißt es in dem Aufruf:

„Deshalb ist es wichtig, dass auch endlich die Bevölkerung in der Nordheide aufwacht, gegen das allgemeine Treiben der Politik und für mehr Sicherheit auf die Straße gehen. Zwar werden viele Angst davor haben, rechts abgestempelt oder sogar als „Nazi“ bezeichnet zu werden. Wer sich aber die ganzen bürgerlichen Demo in Deutschland anschaut, wird sehen es handelt sich nicht um eine sogenannte „Nazi“-Demo, sondern um eine Demo oder Kundgebungen vom Volk fürs Volk.“

Diese Strategie dürfte nicht aufgehen, denn selbst AfD-Anhänger sind nicht so blöd, nicht zu merken, dass sie es bei der „Bürgerbewegung Nordheide“ mit beinharten Nazis zu tun haben. Nichtsdestotrotz darf die Kundgebung der Nazis am Sonntag nicht unbeantwortet bleiben. Jetzt sind die bürgerlichen Parteien von Buchholz ebenso gefordert wie vor allem die Antifa.

Übrigens: Der buchholz express hatte bereits vor der Entscheidung des Stadtrats zum Projekt auf der Jordanfläche gewarnt, dass das Vorhaben, so wie es kommuniziert wurde, zur Steilvorlage für Nazis und Xenophobiker werden würde.

Von Kristian Stemmler

Es hat etwas gedauert, aber immerhin. Am heutigen Mittwoch hat Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) die Neonazi-Vereinigung „Weisse Wölfe Terrorcrew“ (WWT) verboten. Am frühen Mittwochmorgen hätten Ermittler in zehn Bundesländern Wohnungen durchsucht und 16 führenden Mitgliedern der WWT Verbotsverfügungen des Innenministeriums zugestellt, berichten Medien. Bei den Razzien seien neben Vereinsinsignien, Kleidung und Datenträgern auch Wurfsterne, eine Armbrust und Kleinkaliberwaffen gefunden worden.

„Dieser Verein ist eine Vereinigung von Neonazis, die offen und aggressiv Hetze betreiben gegen unseren Staat, gegen unsere Gesellschaft, gegen politisch Andersdenkende, gegen Migranten, auch gegen Polizisten“, sagte der Innenminister. Ihre Ursprünge hat die Gruppierung besonders in Hamburg, wo sie seit 2008 aktiv ist. Darum war das Verbotsverfahren auch maßgeblich von der Hamburger Innenbehörde, also dort vor allem dem Verfassungsschutz und dem Staatsschutz der Polizei, vorbereitet worden.

Auch Buchholz wurde im Zusammenhang mit dem Verbot von WWT, die als „Weisse Wölfe Terrorcrew/Hamburger Nationalkollektiv“ gegründet wurde, wieder genannt. So berichtete die Springer-Zeitung „Die Welt“, dass der Rädelsführer der Vereinigung, Sebastian R., zwar in Hamburg-Horn wohne, wo er auch am Mittwochmorgen Besuch der Ermittler bekam.

Sebastian R. solle aber „wie mehrere andere Hamburger Neonazis mittlerweile einen Wohnsitz in Buchholz“ haben. Bei Sebastian R. handelt es sich offenbar um Sebastian Rudow, genannt Basti, der zu den Gründungsmitglieder der WWT gehören soll. Im Januar 2010 musste er eine Haftstrafe von 14 Monaten antreten wegen Widerstands gegen die Staatsgewalt und gefährlicher Körperverletzung.

Bereits im Juli 2013 war Buchholz bundesweit wegen der Weisse Wölfe Terrorcrew in den Schlagzeilen. Damals wurde im Rahmen einer von der Bundesanwaltschaft in Karlsruhe veranlassten Razzia gegen Neonazis in Norddeutschland, der Schweiz und den Niederlanden auch Denny Reitzenstein, Vorturner der Aktionsgruppe (AG) Nordheide, in seiner Buchholzer Wohnung aufgesucht. Die Ermittlungen gegen Reitzenstein wie auch andere Verdächtige wurden allerdings später eingestellt.

Große Aufmerksamkeit erregte die WWT im Dezember 2011, als sie in Harburg eine Spontandemo organisierte. 35 Neonazis mit Fackeln und weißen Masken, die sich selbst als „Die Unsterblichen“ bezeichneten, zogen durch Eißendorf. Im Anschluss kam es in Hamburg und Niedersachsen zu Hausdurchsuchungen in 17 Wohnungen.

„In Buchholz traf es Tim Müller und Denny Reitzenstein, in Tostedt und Wistedt Phillip Tolksdorf, Fabian Rath, Ricardo Pazola und Andre Bostelmann“, hieß es dazu später in einem Inforeader der Antifa. Die Gruppe zeigte sich unbeeindruckt: „Wir lassen uns aber nun durch die Aktion des Systems nicht einschüchtern und werden unseren Kampf weiterführen“, bloggte sie. Mehr dazu unter diesem Link: https://buchholzblog.wordpress.com/2013/07/18/buchholz-und-die-weisen-wolfe-das-netzwerk-des-denny-reitzenstein/

Auch die Homepage „Blick nach rechts“ (http://www.bnr.de/artikel/aktuelle-meldungen/terrorcrew-verboten) berichtet aktuell über das Verbot von WWT und dabei auch über Buchholz und Denny Reitzenstein. So heißt es da über die Razzia vom Juli 2013:

„Im Sommer 2013 hatten Polizisten die Wohnungen von einem Mitglied der WWT und einem Neonazi, der ehemals der Gruppe angehörte, in Norddeutschland durchsucht. Hintergrund war ein Ermittlungsverfahren der Bundesanwaltschaft wegen Bildung einer terroristischen Vereinigung. Der Schweizer Neonazi Sebastien N., Hauptverdächtiger in dem Verfahren, unterhält beste Verbindungen zu den WWT-Kameraden im Norden.

Die Bundesanwaltschaft war hellhörig geworden, als innerhalb der Gruppe offenbar ein Anschlag auf eine nicht näher benannte israelische Botschaft diskutiert wurde. Im Oktober 2014 stellten die Behörden das Verfahren ein, da der Terrorverdacht nicht erhärtet werden konnte. (bnr.de berichtete) Einer der damaligen Verdächtigen, der zur WWT gehörte, war der heutige Inhaber des Neonazi-Online-Shops „Streetwear Tostedt“, Denny Reitzenstein aus Buchholz in der Nordheide (Landkreis Harburg).“

Auch wenn Reitzenstein wohl der WWT nicht mehr angehört, ließ er es sich natürlich nicht nehmen, auf dem Twitter-Account seiner AG Nordheide sein Mitgefühl zu bekunden. Dort hießt es heute vormittag: „System lässt wieder die Muskeln spielen! WWT (Weisse Wölfe Terrorcrew) wurde heute verboten. Solidarität mit den betroffenen Kameraden“.

Winsen/Buchholz (be) – Möglicherweise hat es in der Nacht zum vergangenen Freitag den ersten Brandanschlag im Landkreis Harburg auf ein als Flüchtlingsunterkunft vorgesehenes Gebäude gegeben. Sowohl das Hamburger Abendblatt als auch das Nordheide Wochenblatt berichteten darüber, bei dem Brand in einem ehemaligen Männerwohnheim an der Lüneburger Straße habe es sich um Brandstiftung gehandelt. Da ein Teil der Wohnungen derzeit vom Landkreis für die Aufnahme von Asylbewerbern renoviert werden, sei ein fremdenfeindlicher Hintergrund nicht auszuschließen.

Das Feuer war, wie das Abendblatt schreibt, in der Nacht in einer leerstehenden Wohnung ausgebrochen. Fünf Bewohner des Hauses seien von Feuerwehrleuten in Sicherheit gebracht worden, eine Bewohner habe eine leichte Rauchvergiftung erlitten. In dem Haus sei, so das Nordheide Wochenblatt, früher schon mehrfach Feuer gelegt worden. Doch weil in wenigen Tagen die ersten Flüchtlinge einziehen sollten, liegt ein politisch motivierter Anschlag nahe.

„Wir können einen fremdenfeindlichen Hintergrund nicht ausschließen“, zitiert das Wochenblatt den Pressesprecher der Polizeiinspektion Harburg, Lars Nickelsen. Es werde in alle Richtungen ermittelt. Das Wochenblatt versteckte den Beitrag über den Brand übrigens rechts unten auf Seite 6. Dies folgt der im Landkreis allgemein verfolgten Strategie, rechte Tendenzen eher klein zu reden. Ob das auf Dauer gut geht, muss bezweifelt werden.

Buchholz (be) – In der Aula der Buchholzer Waldschule ist am Abend des Dienstag das Bauprojekt auf der so genannten Jordanfläche am Rathaus vorgestellt worden. Dort sollen, wie berichtet, drei Wohnblocks gebauten werden, in denen zehn oder 15 Jahre lang rund 150 Flüchtlinge untergebracht werden sollen. Rund 90 Zuhörer kamen in die Aula, darunter viele Anwohner der Jordanfläche. Da sowohl Nazis als auch die Antifa zu der Veranstaltung mobilisiert hatten, war die Polizei mit mehreren Fahrzeugen vor Ort. Offenbar waren sechs oder sieben Neonazis der Aktionsgruppe (AG) Nordheide mit ihrem Anführer Denny Reitzenstein im Publikum. Reitzenstein twitterte fleißig während der Veranstaltung, dabei nannte er den Buchholzer Bürgermeister Jan-Hendrik Röhse (CDU) einen Volksverräter.