Archiv für die Kategorie ‘Überregionales’

video der woche

Veröffentlicht: 2018-05-28 in Überregionales, Widerstand

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Wort des Tages

Veröffentlicht: 2018-05-19 in Überregionales

 

 

Aufheben

 

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Von Kristian Stemmler

Sicher. Es gibt immer noch schöne Stellen in Hamburg. Aber alles in allem fällt mir zu Hamburg heute nur noch Eines sein – mit Verlaub: Hamburg, du kotzt mich an! Was haben sie aus dir gemacht!

Eigentlich ist die Stadt überhaupt nur noch da erträglich, wo das große Geld mangels Renditeaussichten nicht seine unappetitliche Pranke draufgelegt hat. Also in den Vierteln, die sich gar nicht oder nur leicht entwickelt haben. Also Stadtteile, deren Bewohner eher „einkommensschwach“ sind, wie man das heute nennt: Barmbek-Süd, Jenfeld, Eißendorf, Wilhelmsburg oder Billstedt.

Schön sind die nicht unbedingt, aber dafür authentisch. Wer in diesen Vierteln in den Lidl geht, der sieht Leute deren Gesichter vom Leben gezeichnet sind – auf ihre Kosten lebt der große Rest. Und der lebt gut. In Eimsbüttel und Eppendorf, an der Sternschanze und in Volksdorf.

Die Quartiere, in denen das reiche Pack sich ausgebreitet hat, kann man sowieso vergessen, die sind verloren, also Harvestehude, Blankenese, Ohlstedt und Rissen. Der Protz der Villen, das Durchgestylte der Gärten, das bornierte Gehabe der Einwohner ist obszön und abstoßend.

Diese Viertel sind nur noch für komplette Planierung geeignet. Umgraben und Kartoffelfelder drauf anlegen, die natürlich von den ehemaligen Bewohnern bestellt werden müssen. Dann hat man da wenigstens eine Monokultur, die fruchtbar ist.

Aber es gibt auch noch Quartiere, die noch nicht ganz verloren sind, aber schon die Hitliste des Ekels anführen. Quartiere, die bei politisch denkenden und fühlenden Menschen nichts als Brechreiz auslösen sollten, genau die, auf die Standortpolitiker vom Schlage König Olafs am stolzesten sind. All die schon gentrifizierten oder noch im Prozess der Gentrifizierung befindlichen Viertel: Ottensen, Sternschanze, Eimsbüttel in Teilen, Altona in Teilen, St. Georg.

Eimsbüttel galt als Hochburg der Kommunisten, das „rote Eimsbüttel“. Was ist daraus geworden? Chichi-Läden an jeder zweite Ecke mit irgendwelchem Krempel, den kein Mensch braucht, Tierarztpraxen nur für Katzen, „Brasilian Waxing“ und Läden für Babboe-Lastenräder, Gefährte für vierstellige Beträge. Mit denen kutschiert die Familie des Hipsters seinen Nachwuchs herum.

Aber nicht nur auf den Straßen Eimsbüttels laufen Typen herum, die ich als „die neuen Herrenmenschen“ bezeichnen würde. Ihnen gehört die Welt, sie sind die Sieger. Das Schicksal der Marginalisierten geht ihnen im Großen und Ganzen am Arsch vorbei. Vor sich selbst und anderen gibt man sich aber durchaus liberal und sozial. Die leergetrunkene Flasche Beck’s stellt man selbstverständlich neben den Mülleimer, um den Flaschensammlern die Arbeit zu erleichtern.

Im Schanzenviertel laufen fast dieselben Leute rum, wobei die Durchmischung dort noch größer ist, also auch ne Menge „Normalos“ und andere unterwegs sind. Aber die Ladenzeilen sind schon so gut wie durchgentrifiziert. Man sieht den üblichen Krempel (siehe oben), die Läden haben lustige Namen, und alternative Kneipen und türkische Gemüseläden werden nur noch für den exotischen Flair benötigt.

Ganz schlimm ist St. Georg. Hier hat zwar noch so etwas wie eine (linke) Stadtteilarbeit überlebt, aber das Angebot und das Publikum sind unterirdisch, etwa an der Langen Reihe. Am Ende dieser einst so bunten Straße stehen heute statt „1000 Töpfe“ Schickimicki-Bars wie das „Neumann’s“ und „Peter Pane“, ein Burgergrill fürs gehobene Publikum. Schräg gegenüber ist ein neuer Edeka-Markt, dem man gesehen haben muss! Einen so luxuriösen Supermarkt habe ich persönlich noch nicht erlebt.

Soweit, so schlecht! Dass einkommensstarke Bevölkerungskreise ärmere Schichten aus innerstädtischen und innenstadtnahen Lagen verdrängen und Letztere immer weiter an die Peripherie abgedrängt werden, an den Rand (im doppelten Sinn), das ist nichts Neues. Ein viel untersuchter, viel beschriebener, viel kritisierter Prozess. Aber alle Studien, alle Kritik haben überhaupt nichts geändert, dieser zerstörerische Prozess hat sich in Großstädten eher noch beschleunigt – das muss man sich immer wieder bewusst machen!

Die niedlichen Chichi-Läden in Eimsbüttel und anderswo sind nur eine kitschige Fassade, die brutale Spaltungsprozesse verdeckt. Was diese soziale Spaltung, die sich immer mehr vertieft, wirklich bedeutet, kann man in Vierteln wie Billstedt, Wilhelmsburg und Jenfeld fast physisch erfahren. Die Gesichter der Leute im Lidl in diesen Vierteln, sie sind gezeichnet von den Anstrengungen des Alltags, von Mühe und Depression.

Aber so depressiv die Atmosphäre in diesen Discountern auch sein mag – ich fühl mich da hundertmal wohler als in den Einkaufsstraßen von Volksdorf und Eppendorf. Die Verlogenheit und Borniertheit in diesen Vierteln der Wohlhabenden ist unerträglich und ekelhaft. Hier führen die Profiteure der turbokapitalistischen Beschleunigungsprozesse ihre Markenjacken spazieren – leider oft viel zu ungestört.

Leute, wie blöd und traditionsvergessen seid Ihr eigentlich?!! Überall werden die Eier und Hasen möglichst schleunigst entfernt – denn Ostern ist ja vorbei. Das zeigt aufs Neue, dass die große Masse nicht mehr die geringste Ahnung von christlichen Überlieferungen hat, sondern allein den kategorischen Imperativen des Kommerzes gehorcht.

Mit dem Ostersonntag hat die österliche Freudenzeit aber gerade mal begonnen, Ihr Konsumtrottel! Die geht bis Pfingsten. Also kann man die Ostereier auch so lange hängen lassen. Völlig unlogisch ist es dagegen, dass diese schon vor dem Karfreitag aufgehängt werden. Wenn das christlich und nicht neuheidnisch gemeint ist, bedeutet das im Klartext ja: Wir freuen uns auf die Kreuzigung!

Jaja, Herr Seehofer, dieses Land ist vom Christentum geprägt. Sicher doch.

 

 

Neues von der Heimatfront

Veröffentlicht: 2018-03-18 in Überregionales, Widerstand

https://de.indymedia.org/node/18956

Soltau brennt für Afrin

Veröffentlicht: 2018-03-15 in Überregionales

https://de.indymedia.org/node/18878

Wenn es gegen Flüchtlinge, Muslime oder Hartz-IV-Empfänger geht, ist bei der Union Volksverhetzung ein Muss. Legendär etwa der Vorschlag des CDU-Mannes Hartwig Fischer, mit Pferdefleisch verunreinigte Lasagne, die aus dem Handel genommen wurde, über die Tafeln an Arme zu verfüttern. Aktuell sorgt CSU-Kollege Manfred Weber mit seinem Spruch von der „finalen Lösung der Flüchtlingsfrage“ für Furore, die an die Formulierung „Endlösung der Judenfrage“ erinnert.

Vor diesem Hintergrund ist es grotesk und verlogen, mit welcher Inbrunst sich die Union als Schutzherr einer anderen Minderheit aufspielt, der jüdischen Mitbürger. Der wochenlange Hype um angeblich explodierenden Antisemitismus im Lande gipfelte jetzt in der Veröffentlichung eines Vorschlags der CDU/CSU-Bundestagsfraktion. Sie will das Aufenthaltsgesetz so verschärfen, dass antisemitische Worte und Taten zur Ausweisung führen können.

Gegen wen sich das richtet, machte Unions-Fraktionsvize Stephan Harbarth deutlich. „Wir müssen auch dem Antisemitismus von Migranten mit arabischem Hintergrund und aus den afrikanischen Ländern entschieden entgegentreten“, sagte er der Welt. Perfider geht’s nicht, wie CDU und CSU noch das Thema Antisemitismus ausschlachten, um gegen Flüchtlinge zu hetzen. Nur zur Info: Nach Zahlen des Bundesinnenministeriums entfielen 2016 rund 94 Prozent „antisemitischer Straftaten“ aufs rechte Spektrum – nur drei Prozent auf „Ausländer“.

Wer jüdisches Leben in Deutschland ablehne, könne keinen Platz in unserem Land haben, sagte Harbarth auch noch. Das ist ja prima! Macht schon mal die Abschiebeflieger für Neonazis und AfD-Wähler startklar. Sollte der CDU-Vorschlag auch für deutsche Staatsbürger gelten, firmiert die AfD bei Wahlen künftig unter „Sonstige“.