Archiv für die Kategorie ‘Überregionales’

Von Kristian Stemmler

Gut zwei Monate bevor der G-20-Gipfel Hamburg heimsucht, steht die Stadt praktisch schon unter Kuratel. Bundeswehr und Polizei haben längst das Kommando übernommen. Innensenator Andy Grote (SPD) erklärt öffentlich, die Polizei habe die volle Entscheidungsgewalt darüber, wer wo demonstrieren dürfe und wo nicht. Und im Bezirk Mitte, dem Bezirk, in dem sich der ganze Zirkus Anfang Juli abspielen soll, räumt ein Oberstleutnant der Bundeswehr auf, der rechtzeitig auf den Posten des Bezirksamtsleiter gehievt worden ist, übrigens als Nachfolger von Grote.

Falko Droßmann heißt der ebenso geschmeidige wie schnittige junge Mann, der alles mitbringt, um das linke Gesindel und anderes Geschmeiß, das ihm und seinen Spießgesellen im Weg ist, Mores zu lehren. Er war bei der Polizei, hat dann zehn Jahre lang an der Helmut-Schmidt-Universität der Bundeswehr in der Hansestadt studiert und war zuletzt im Range eines Oberstleutnant, was schon ziemlich weit oben ist, Kommandeur bei der Luftwaffe der Bundeswehr. Raten Sie mal, wem und was der Kerl sich verpflichtet fühlt!

Schon in den vergangenen Monaten hat der Sozialdemokrat gezeigt, wie er das Wort interpretiert, mit dem der Name seiner Partei anfängt. Ganz im Stile seines nicht minder beinharten Vorgesetzten im Rathaus, Brechmittel-Olaf Scholz, bedeutet „sozial“ für ihn offensichtlich, sich und seinesgleichen den Anblick von Armut und Elend zu ersparen.

Mit großem Tamtam propagierte er sein Projekt, den Hauptbahnhof und das Umfeld von Obdachlosen, Alkis und anderem Pack zu säubern. Sogar einen Weckdienst hat sein Bezirk in den Geschäftsstraßen der City ins Leben gerufen. Mitarbeiter verscheuchen frühmorgens die Obdachlosen in den Eingängen der Läden und Büros – damit die Mitarbeiter nicht über so einen ungewaschenen Rumänen stolpern, wenn sie zur Arbeit erscheinen. Ordnung muss sein!

Jetzt hat der Herr Oberstleutnant sein Meisterstück abgeliefert. Ausgerechnet im Straßenmagazin Hinz & Kunzt empfahl er, offenbar ohne alle Skrupel, den Obdachlosen vor und während G20 aus der Innenstadt zu verschwinden. Wörtlich erklärt der saubere Offizier: „Geht für ein paar Wochen in eine andere Stadt oder meidet zumindest die Messe, die City – überhaupt das Kerngebiet.“ Da bleibt einem die Luft weg!

Droßmann zeigt dem Gesindel, wo es lang geht: „Es wird viele Kontrollen geben, und da wird keine Unterscheidung gemacht zwischen Obdachlosen und Nicht-Obdachlosen“, sagt er weiter in dem Interview. Es werde schnell Platzverweise geben, „denn die Sicherheit des Gipfels muss gewährleistet sein“. So könnten sich randalierende Betrunkene schnell im Gefangenensammellager wiederfinden. Drossmann hofft auf den „gesunden Menschenverstand“ der Obdachlosen.

Da fällt einem nichts mehr ein! Gesunder Menschenverstand! Den hätten Scholz und sein Umfeld beweisen können, indem sie gar nicht erst auf die Idee kommen, G20 an die Elbe zu holen. Aber Polizei und Bundeswehr möchten ja auch mal unter realistischen Bedingungen üben, das muss man ja verstehen. Wie groß ist der Schritt zum Faschismus eigentlich..??

https://www.jungewelt.de/artikel/307756.amok-und-abbildung.html

Osterdeko

https://linksunten.indymedia.org/de/node/206906

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Der Übersee-Club an der Hamburger Binnenalster ist eine Institution mit großer hanseatischer Tradition. Auf deutsch: Wie an vielen anderen Orten in der Metropole der Gilettefressen treffen sich hier reiche Arschlöcher, um ihr Vermögen und ihre Macht zu festigen und zu mehren. Leute, die den Hals nicht vollkriegen können, halt!

Bei einer kleinen Mahlzeit, sagen wir mal: marinierte Schwarzwurzeln in Rhabarbervinaigrette oder Sauerkrautschaumsüppchen mit Fasan und Trauben, klopfen sich die Geldsäcke gegenseitig ab, versichern einander, wie ehrbar sie sind, und verabreden das eine oder andere Geschäftchen. Manus manum lavat, sagten die alten Lateiner, eine Hand wäscht die andere. Der inoffizielle, aber gar nicht so geheime Artikel 1 des Grundgesetzes im real existierenden Brachialkapitalismus.

Natürlich sagt man das nicht laut, sondern gibt sich als Wohltäter aus. Eiskalt abkassieren, und dann den Warmherzigen geben, keiner kann das besser als die Hamburger Pfeffersäcke. Der Übersee-Club trete „seit jeher für klare Werte und Ziele“ ein, wird in der Eigendarstellung behauptet – was ja auch stimmt, nur dass man die wahren Werten und Ziele nicht benennt, sondern von „sozialem und gesellschaftlichem Engagement“ faselt. Tatsächlich stellen Kapitalisten aus der obersten Etage des Systems und ihre Speichellecker aus Politik, Kultur und Wissenschaft hier Weichen. Ihrer eigenen Klasse zu Frommen selbstverständlich.

Das goldverzierte Protzgebäude des Übersee-Clubs, in dem nur die rund 2300 Mitglieder des Vereins (darunter etwa 200 Frauen) und gelegentliche Gäste Zutritt haben, liegt am Neuen Jungfernstieg, nur ein paar hundert Meter vom Hotel Vier Jahreszeiten entfernt. Da treibt sich dasselbe asoziale Gesindel rum. An dieser Straße, nur einen Steinwurf von der roten Zone entfernt, kann man wirklich eine Menge reiche Leute treffen. Am 20. März referiert im Übersee-Club übrigens der grün angestrichene Reaktionär Boris Palmer, Oberbürgermeister von Tübingen. Der freut sich bestimmt über Besuch. Aber nicht vergessen: Im Übersee-Club herrscht Krawattenzwang!

Kommando Jaja Diabi, Hamburg, 8. März 2017