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Archive for April 2018

 

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Von Kristian Stemmler

Sicher. Es gibt immer noch schöne Stellen in Hamburg. Aber alles in allem fällt mir zu Hamburg heute nur noch Eines sein – mit Verlaub: Hamburg, du kotzt mich an! Was haben sie aus dir gemacht!

Eigentlich ist die Stadt überhaupt nur noch da erträglich, wo das große Geld mangels Renditeaussichten nicht seine unappetitliche Pranke draufgelegt hat. Also in den Vierteln, die sich gar nicht oder nur leicht entwickelt haben. Also Stadtteile, deren Bewohner eher „einkommensschwach“ sind, wie man das heute nennt: Barmbek-Süd, Jenfeld, Eißendorf, Wilhelmsburg oder Billstedt.

Schön sind die nicht unbedingt, aber dafür authentisch. Wer in diesen Vierteln in den Lidl geht, der sieht Leute deren Gesichter vom Leben gezeichnet sind – auf ihre Kosten lebt der große Rest. Und der lebt gut. In Eimsbüttel und Eppendorf, an der Sternschanze und in Volksdorf.

Die Quartiere, in denen das reiche Pack sich ausgebreitet hat, kann man sowieso vergessen, die sind verloren, also Harvestehude, Blankenese, Ohlstedt und Rissen. Der Protz der Villen, das Durchgestylte der Gärten, das bornierte Gehabe der Einwohner ist obszön und abstoßend.

Diese Viertel sind nur noch für komplette Planierung geeignet. Umgraben und Kartoffelfelder drauf anlegen, die natürlich von den ehemaligen Bewohnern bestellt werden müssen. Dann hat man da wenigstens eine Monokultur, die fruchtbar ist.

Aber es gibt auch noch Quartiere, die noch nicht ganz verloren sind, aber schon die Hitliste des Ekels anführen. Quartiere, die bei politisch denkenden und fühlenden Menschen nichts als Brechreiz auslösen sollten, genau die, auf die Standortpolitiker vom Schlage König Olafs am stolzesten sind. All die schon gentrifizierten oder noch im Prozess der Gentrifizierung befindlichen Viertel: Ottensen, Sternschanze, Eimsbüttel in Teilen, Altona in Teilen, St. Georg.

Eimsbüttel galt als Hochburg der Kommunisten, das „rote Eimsbüttel“. Was ist daraus geworden? Chichi-Läden an jeder zweite Ecke mit irgendwelchem Krempel, den kein Mensch braucht, Tierarztpraxen nur für Katzen, „Brasilian Waxing“ und Läden für Babboe-Lastenräder, Gefährte für vierstellige Beträge. Mit denen kutschiert die Familie des Hipsters seinen Nachwuchs herum.

Aber nicht nur auf den Straßen Eimsbüttels laufen Typen herum, die ich als „die neuen Herrenmenschen“ bezeichnen würde. Ihnen gehört die Welt, sie sind die Sieger. Das Schicksal der Marginalisierten geht ihnen im Großen und Ganzen am Arsch vorbei. Vor sich selbst und anderen gibt man sich aber durchaus liberal und sozial. Die leergetrunkene Flasche Beck’s stellt man selbstverständlich neben den Mülleimer, um den Flaschensammlern die Arbeit zu erleichtern.

Im Schanzenviertel laufen fast dieselben Leute rum, wobei die Durchmischung dort noch größer ist, also auch ne Menge „Normalos“ und andere unterwegs sind. Aber die Ladenzeilen sind schon so gut wie durchgentrifiziert. Man sieht den üblichen Krempel (siehe oben), die Läden haben lustige Namen, und alternative Kneipen und türkische Gemüseläden werden nur noch für den exotischen Flair benötigt.

Ganz schlimm ist St. Georg. Hier hat zwar noch so etwas wie eine (linke) Stadtteilarbeit überlebt, aber das Angebot und das Publikum sind unterirdisch, etwa an der Langen Reihe. Am Ende dieser einst so bunten Straße stehen heute statt „1000 Töpfe“ Schickimicki-Bars wie das „Neumann’s“ und „Peter Pane“, ein Burgergrill fürs gehobene Publikum. Schräg gegenüber ist ein neuer Edeka-Markt, dem man gesehen haben muss! Einen so luxuriösen Supermarkt habe ich persönlich noch nicht erlebt.

Soweit, so schlecht! Dass einkommensstarke Bevölkerungskreise ärmere Schichten aus innerstädtischen und innenstadtnahen Lagen verdrängen und Letztere immer weiter an die Peripherie abgedrängt werden, an den Rand (im doppelten Sinn), das ist nichts Neues. Ein viel untersuchter, viel beschriebener, viel kritisierter Prozess. Aber alle Studien, alle Kritik haben überhaupt nichts geändert, dieser zerstörerische Prozess hat sich in Großstädten eher noch beschleunigt – das muss man sich immer wieder bewusst machen!

Die niedlichen Chichi-Läden in Eimsbüttel und anderswo sind nur eine kitschige Fassade, die brutale Spaltungsprozesse verdeckt. Was diese soziale Spaltung, die sich immer mehr vertieft, wirklich bedeutet, kann man in Vierteln wie Billstedt, Wilhelmsburg und Jenfeld fast physisch erfahren. Die Gesichter der Leute im Lidl in diesen Vierteln, sie sind gezeichnet von den Anstrengungen des Alltags, von Mühe und Depression.

Aber so depressiv die Atmosphäre in diesen Discountern auch sein mag – ich fühl mich da hundertmal wohler als in den Einkaufsstraßen von Volksdorf und Eppendorf. Die Verlogenheit und Borniertheit in diesen Vierteln der Wohlhabenden ist unerträglich und ekelhaft. Hier führen die Profiteure der turbokapitalistischen Beschleunigungsprozesse ihre Markenjacken spazieren – leider oft viel zu ungestört.

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Von Kristian Stemmler, Hamburg

Ein Mann mit schwarzer Hautfarbe spricht vor rund 250 AfD-Mitgliedern, „besorgten Bürgern“, Protagonisten der Hooliganszene und Neonazis – dieses skurrile Ereignis ließ sich am Montagabend vor dem Hamburger Dammtorbahnhof verfolgen. Bei der neunten „Merkel muss weg“-Demonstration hielt Serge Menga, Deutscher kongolesischer Abstammung, die zentrale Rede. Unter Pfiffen und „Nazis raus!“-Rufen von rund 1200 Gegendemonstranten und dem Schutz von einigen hundert Polizisten präsentierte er sich als „guter Deutscher“, der sein Land vor „kriminellen Zuwanderern“ bewahren wolle.

Bei Rechten ist der in Essen lebende Menga, der sich schon mal selbst als „Quotenneger“ bezeichnet, durchaus  beliebt, seit er Anfang 2016 mit einer dreiminütigen Videobotschaft auf die sexuellen Übergriffen in Köln in der vorangegangenen Silvesternacht reagierte. Das Video wurde millionenfach aufgerufen. Menga erklärte darin, keinerlei Verständnis für das Verhalten von Migranten zu haben, die in Deutschland aufgenommen worden seien und sich jetzt so verhielten. Wörtlich rief er aus: „Packt einfach eure Klamotten und geht wieder nach Hause. Dorthin, wo gebombt und misshandelt wird.“

Seitdem wird der ehemalige Lkw-Fahrer und DJ in rechten Portalen wie Politically Incorrect oder Epoch Times, aber auch als Redner bei AfD- und Pegida-Veranstaltungen gefeiert. Dank seiner Abstammung kann er als Kronzeuge für das Scheitern der Flüchtlingspolitik herhalten – nach der Devise: Wenn ein Afriakner so etwas sagt, muss ja was dran sein! Diesem Muster folgte auch seine Rede am Montag in Hamburg, die das rechte Publikum allerdings erkennbar überforderte, weil viele Sätze nicht eindeutig zu bejubeln waren.

Um zu zeigen, dass er eine Menge mitgemacht hat, berichtete der Redner etwa, er sei auch schon „Dachpappe genannt“, „von Neonazis angespuckt“ und „von Polizisten verprügelt“ worden. „Ich kenne Deutschland besser als die meisten Deutschen“, fügte er hinzu, in dem Kontext eine zumindest zweideutige Aussage. Zuvor hatte Menga, der mit seiner Familie im Alter von elf Jahren ins Land kam, sich als „Deutschland liebender Migrant und Ex-Flüchtling“ vorgestellt. Seine Frau heiße „Müller, deutschester aller Namen“, mit der habe er „zwei wunderbare Kinder“.

Leicht verunsichert reagierte das Publikum auch auf den Satz „Wir müssen lernen zu differenzieren“. Seine Kritik richte sich nicht an Muslime oder Flüchtlinge insgesamt, Probleme habe er mit den Migranten, „die für Unruhe sorgen“. Diese Missstände werde er weiter attackieren, denn er habe bei der Einbürgerung gelobt, „Schaden von diesem Land abzuwenden“. Ungehemmten Beifall erntete der „Ex-Flüchtling“ für die Bemerkung, er sei froh, „dass es die AfD gibt, weil sie dafür sorgt, dass in diesem Land wieder einigermaßen eine Balance herrscht“.

Bunt und fröhlich war die Gegendemo des „Hamburger Bündnis gegen rechts“, die von der Mönckebergstraße durch die City zog und vor den Polizeiabsperrungen am Dammtorbahnhof Aufstellung nahm. Es kam zu vereinzelten Rangeleien mit der Polizei. Die Durchsage zum Ende der rechten Demo kurz vor 20 Uhr, die „Merkel muss weg“-Kundgebung solle nur noch alle zwei Wochen stattfinden, wurde mit Jubel aufgenommen.

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Leute, wie blöd und traditionsvergessen seid Ihr eigentlich?!! Überall werden die Eier und Hasen möglichst schleunigst entfernt – denn Ostern ist ja vorbei. Das zeigt aufs Neue, dass die große Masse nicht mehr die geringste Ahnung von christlichen Überlieferungen hat, sondern allein den kategorischen Imperativen des Kommerzes gehorcht.

Mit dem Ostersonntag hat die österliche Freudenzeit aber gerade mal begonnen, Ihr Konsumtrottel! Die geht bis Pfingsten. Also kann man die Ostereier auch so lange hängen lassen. Völlig unlogisch ist es dagegen, dass diese schon vor dem Karfreitag aufgehängt werden. Wenn das christlich und nicht neuheidnisch gemeint ist, bedeutet das im Klartext ja: Wir freuen uns auf die Kreuzigung!

Jaja, Herr Seehofer, dieses Land ist vom Christentum geprägt. Sicher doch.

 

 

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