Archiv für März, 2018

Von Kristian Stemmler

„Ei love Ostern“ bekennt Aldi, verheißt seinen Kunden ein „Fest für Leckerschmecker“. Mc Donald’s speist die Massen beim „großen Oster-Countdown“ mit kostenlosen Softdrinks und Cheeseburger für’n Euro. Klubs und Discos laden am Karsamstag zu „Happy Easter Partys“ mit Vodka Bull und Black Russian. Und wem das nicht reicht, der bucht im Internet last minute Osterwellness im Chiemgau, drei Nächte für 395 Euro pro Person. Ostern heute – vier freie Tage zum Schlemmen und Chillen.

Carfreitag sollte der Karfreitag heißen, denn halb Deutschland setzt sich an diesem Tag ins Auto, um Verwandte zu besuchen, zum Event, Restaurant oder in den Kurzurlaub zu düsen. Klar, das ist nichts Neues und Kritik daran schmiert schnell in kulturpessimistische Jammerei ab. Dennoch lohnt es sich, den Umgang mit dem Osterfest näher zu betrachten, hilft es doch, die Hohlheit herrschender Ideologien offen zu legen. Am Beispiel Seehofer.

Bekanntlich mochte der neue Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) auch in der Fastenzeit auf fette Schlagzeilen nicht verzichten und reanimierte vor zwei Wochen im Interview mit Bild den Satz: „Der Islam gehört nicht zu Deutschland.“ Natürlich ein Versuch, AfD, Pegida & Co. das Wasser abzugraben (der doch nur Wasser auf ihre Mühlen ist). Eine inhaltliche Auseinandersetzung mit dem Satz ist nicht sinnvoll. Spannend ist allein das, was Seehofer unmittelbar danach sagte: „Deutschland ist durch das Christentum geprägt.“ Ein Nonsenssatz.

Das Land vom Christentum geprägt? Dreimal laut gelacht! Vielleicht noch in überlieferten Strukturen, kalendarischen Rhythmen. Aber das sind nur noch leere Hüllen. Beispiel Gottesdienste. Beim Freitagsgebet in Hamburg-St. Georg beten Gläubige auf der von der Polizei gesperrten Fahrbahn vor der Moschee, weil es drinnen knüppelvoll ist. In christlichen Gottesdiensten verlieren sich eine Handvoll Rentner, Kirchenvorsteher und zum Kirchbesuch verdonnerte Konfirmanden.

Voll sind die Kirchen nur Weihnachten und zu den so genannten Kasualien, also Taufe, Hochzeit, Trauerfeier – wegen des netten Ambientes. Ganz gut gehen auch Special-Interest-Gottesdienste, bei denen man seinen Goldhamster segnen lassen kann oder in die Anfangsgründe von Lachyoga eingeführt wird. Kirchen sind nur noch geistliche Fitnessstudios für gestresste Mittelschichtler.

Und wie sieht es mit dem Glauben aus? Nach Umfragen glaubt nur etwa ein Drittel der Deutschen, dass Jesus nach dem Tod am Kreuz auferstanden ist, selbst unter Christen nur die Hälfte – und die Auferstehung ist immerhin der Kern des christlichen Glaubensgebäudes. Auch mit dem Wissen ist es nicht mehr so dolle in Seehofers „christlich geprägten“ Deutschland. Es wäre bestimmt interessant, auf einer Pegida-Demo die „Retter des christlichen Abendlandes“ mal das Apostolische Glaubensbekenntnis aufsagen zu lassen.

Die christlichen Hochfeste sind längst zum Anlass für Konsumorgien verkommen, zu einem einzigen Gefresse und Gesaufe, um die drastische Sprache Martin Luthers zu bemühen. Wenn irgendetwas dieses Land prägt, dann ist es ein durchgeknallter Konsumismus, eine besinnungslose Eventhopperei. Ostereier liegen Ende Januar in den Discountern, weil sie gekauft werden.

Bindungen an Bräuche, Traditionen, Rituale, seien sie nun christlicher oder anderer Herkunft, sind bis auf kümmerliche Reste längst hinweg gespült worden. Alles wird durch den großen Fleischwolf Kapitalismus gedreht, der alles ausscheidet, was nicht zu gebrauchen ist. Von Ostern lässt er nur das Helle, Fröhliche, Nette übrig, niedliche Hasen, bunte Eier. Was mit Tod und Leid, Besinnung und Verzicht zu tun hat, kommt in den Müll. Geschäftsschädigend.

Sorry, Herr Heimatminister Seehofer: Das Christentum gehört nicht zu Deutschland.

Advertisements

Dass die Friedenskirche Buchholz eine üble Sekte ist, der es nur um Menschenfischerei und soziale Kontrolle geht, dürfte den Lesern des Blogs hinlänglich bekannt sein. Bekannt ist auch, dass diese Herrschaften, die sich in einem ehemaligen Autohaus an der Soltauer Straße ausgebreitet haben, vor keiner PR-Maßnahme zurückschrecken, um Leute zu sich zu lotsen – etwa „Lego-Tage“, die man auf Flyern als nettes Angebot an Kinder verkauft, um erst irgendwo ganz klein anzumerken, dass hier eine Kirche einlädt. Jetzt hat man allerdings den Vogel abgeschossen!

Zwei Tage vor Karfreitag ist in der Mittwoch-Ausgabe des Nordheide-Wochenblattes auf der Seite mit den Todesanzeigen eine Todesanzeige für Jesus Christus abgedruckt. Urheber: die Friedenskirche Buchholz. Text: „Am frühen Nachmittag verstarb Jesus Christus geb. Jesus von Nazareth“. Oben drüber steht ein Bibelvers aus dem Johannes-Evangelium, unten ist vermerkt, dass es „weitere Infos“ auf der Homepage der Friedenskirche gibt. Dort wiederum ist die fragliche Anzeige auch abgebildet und leitet über zu Einladungen zu Gottesdiensten am Karfreitag und an den Osterfeiertagen.

Das fragt sich: Wie krank ist das denn?! Na klar, man wollte erreichen, dass die Leser beim Blick auf die Seite stutzen und an der Anzeige hängen bleiben – aber diese Art der PR, offensichtlich von amerikanischen Methoden abgeguckt, ist eine Verhöhnung der christliche Botschaft und wird dem Ernst des Themas Tod und Auferstehung in keiner Weise gerecht. Sie beweist erneut, dass dieser Sekte alle Mittel recht sind, um Aufmerksamkeit zu bekommen.

Selbst beim Wochenblatt hat man offenbar eine Ahnung gehabt, dass diese Form der Werbung nicht passend ist. Darum wurde das Inserat auf den Fuß der Seite weggedrückt und mit einer eigenen Marke „Helfer in schweren Stunden“ von den anderen Todesanzeigen getrennt. Aber warum nimmt man so eine Anzeige überhaupt an?

Die Antwort dürfte einfach sein: Eine auf Gewinnstreben ausgerichteter Verlag kann einem guten Anzeigenkunden, einer Freikirche, die den christlichen Glauben zum Schmiermittel der kapitalistischen Leistungsgesellschaft degradiert, natürlich einen kleinen Gefallen nicht abschlagen.

Kristian Stemmler

Neues von der Heimatfront

Veröffentlicht: 2018-03-18 in Überregionales, Widerstand

https://de.indymedia.org/node/18956

Soltau brennt für Afrin

Veröffentlicht: 2018-03-15 in Überregionales

https://de.indymedia.org/node/18878

https://www.abendblatt.de/politik/deutschland/article213696807/Tuerkische-und-Kurdische-Verbaende-verurteilen-ABrandanschlag.html

Für einen Platz an den Fleischtöpfen der  Macht werfen die alles  über Bord: Die SPD ist die verrottetste Partei im Lande!!