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Archive for Februar 2018

Der medienlotse verfügt wenig Neigung, sich in die von bürgerlichen Pappnasen bestimmte Kommunalpolitik in Buchholz einzumischen. Ausnahmsweise hier aber mal kurze Anmerkungen zum Großprojekt „Canteleu Quartier“ am Bahnhof:

  • Es ist jämmerlich, dass dieses Projekt ohne großen Widerspruch durchgewinkt wird. Keinem fällt auf, wie unglaublich fantasielos die Architektur dieses Quartiers daherkommt. Aber wie sollte es auch?! Wir sind total abgestumpft durch die überall dominierende neoliberale Brachialarchitektur.
  • Wie kann es zudem angehen, dass die Stadt einer auf Profit ausgerichteten Firma, hier der terra real estate, erlaubt, sich mit der Bebauung eines riesigen Areals eine goldene Nase zu verdienen. Wann fangen die Kommunen endlich an, solche Großprojekte selbst zu übernehmen und die Gewinne dem Nutzen der Allgemeinheit zuzuführen, statt „Investoren“ die Lizenz zum Gelddrucken zu erteilen?!

Andererseits: Die Herren und Damen Kommunalpolitiker sind natürlich mit den ganz großen Zukunftprojekten mehr als ausgelastet und können sich um solche Kleinigkeiten nicht kümmern, zum Beispiel mit 3D-Zebrastreifen…

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Nach der Bundestagswahl wurde die Frage, ob die bürgerlichen Medien zum Aufstieg der AfD beigetragen haben, heiß diskutiert. Dabei ist es doch völlig unzweifelhaft, dass das braune Gesindel nur dank der zahlreichen Auftritte in TV-Talks wie „Brei mit Illner“ oder wie heißt sowie der überbordenden Berichterstattung bei jedem kleinen Tabubruch von rechts so präsent geworden ist. Bekanntermaßen auch in Buchholz und im Landkreis Harburg – wo das Nordheide Wochenblatt fleißig mithilft, die rechten Hetzer hoffähig zu machen.

Jüngstes Beispiel: Ein reaktionärer Polizeireporter des Wochenblattes namens Thomas Lipinski nimmt das Nazipack in einer Polizeimeldung in Schutz, die in der Ausgabe von Mittwoch erschienen ist. Konkret geht es dabei um Uta Ogilvie, die für die Anmeldung der „Merkel muss weg!“-Demo am Montag am Hamburger Jungfernstieg verantwortlich war. Es handelt sich da um den Versuch, nach Vorbild von Pegida ein wöchentliche „Montagsdemo“ in der Hansestadt zu etablieren.

In der Meldung im Wochenblatt geht es um eine Farbattacke auf das Haus der Ogilvies in Maschen. Lipinski verharmlost in dem Beitrag die Protofaschistin doch allen Ernstes als „Polit-Aktivistin“ und erwähnt mit keinem Wort, wes Geistes Kind die Dame ist und wer sich so alles auf der Demo am Montag herumgetrieben hat, von einschlägig bekannten Neonazis bis zum durchgeknallten Ex-Spiegel-Mann Matthias Mattusek, der von der epidemischen rechten Massenpsychose befallen ist.

Dann zitiert er auch noch einen nicht namentlich genannten Polizisten, der gesagt habe: „Der Anschlag trägt deutlich die Handschrift der linken Gruppen, die bereits beim G-20-Gipfel in Hamburg gezeigt haben, welches Gefahrenpotential in ihnen steckt.“ Wenn das Zitat so stimmt, zeigt es nur, wie sehr ein Teil der Polizei auch in der Region offenbar schon bereit ist, Nazis in Schutz zu nehmen und nur gegen links auszuteilen. Und es lenkt davon ab, dass es bei G 20 vor allem die Polizei war, die gezeigt hat, welches Gewaltpotenzial in ihr steckt – durch maßloses Drauflosprügeln und sinnloses Auflösen von Demos.

Was das Wochenblatt versäumt hat, holt der medienlotse hier nach: die Hintergründe der von Uta Ogilvie angemeldeten Demo zu benennen. Wir veröffentlichen hier in voller Länge einen Beitrag des antifaschistischen Exif-Recherchekollektivs:

Am Montag den 5. Februar 2018 meldete Uta Ogilvie eine Demonstration unter dem Motto „Merkel muss weg“ auf dem Hamburger Jungfernstieg an. Gefolgt sind dem Aufruf Neonazis, rechte Schlägerjungs der 80er Jahre und Menschen in Pelz und Perlenkette. Die Gruppe umfasste fast 60 Rechte aus Hamburg. Bis dato sind alle Aufmarschversuche einen Pegida-Ableger in Hamburg zu etablieren fehlgeschlagen, auch wegen der starken Gegenproteste. Trotz einer vergleichsweise geringen Zahl an Teilnehmenden, zeigte sich am letzten Montag in Hamburg eine äußerst heterogene Zusammensetzung auf der Straße.

Die Anmelderin Uta Ogilvie äußert sich in sozialen Medien mit Sätzen wie: „Ich will mein Land zurück“, teilt Beiträge von der rechten Zeitung «Junge Freiheit» oder​ Akif Pirinçci​​​​​​​. Am 20. September 2017 verfasste sie für das Neu-Rechte Medium «Tichys Einblick» einen Artikel, in dem sie Donald Trumps Klimapolitik befürwortet und sich das politische Ende der „Grünen“ in Deutschland erhofft. Passenderweise ist sie bei dem Hamburger Energie-Dienstleister «EnVersum» angestellt, bei dem ihr Mann Erich Ogilvie die Geschäftsführung inne hat. Auch dieser mobilisierte für die Demonstration am Montag. Er sympathisiert mit der AfD, folgt in sozialen Netzwerken dem Faschisten Heinz-Christian Strache und AfD Politiker Jörg Meuthen, ebenso wie der unter Neu-Rechten beliebten Seite „Lügenpresse“.

In passender Gesellschaft befanden sich die Demonstrierenden mit dem Neonazi Danny Belucis, Mitglied der Kameradschaft «Sektion Nordland», sowie dem NPD Anhänger Sven Mazurek. Beide nehmen regelmäßig an neonazistischen Demonstrationen teil, wie beispielsweise dem «Tag der deutschen Zukunft» oder den «Merkel muss weg» Veranstaltungen, die seit März 2016 in Berlin stattfinden.

Einer der Hauptakteure vom vergangenen Montag, Thomas „Togger“ Gardlo ist die Schnittstelle zwischen dem eher bürgerlich geprägten Teil und den Neonazis, die am Montag auf der Straße waren. Als Türsteher bei verschiedenen Veranstaltungen, häufig im gehobeneren Umfeld, knüpfte er zahlreiche Kontakte in bürgerliche Kreise. Zudem trainiert Gardlo Mitglieder der «Identitären Bewegung» (IB) und Burschenschaftler für den sogenannten Straßenkampf. Bei Veranstaltungen wie dem IB-Stammtisch übernimmt Gardlo auch Schutzaufgaben.

Bereits in der Vergangenheit gelangte Gardlo in die Schlagzeilen, als 2002 aufgedeckt wurde, dass er und sein Bruder, zwei bekannte Neonazis, Personenschützer von Ronald Schill waren. Beide engagierten sich im Umfeld der „Aktionsfront Nationaler Sozialisten“ (ANS) und später bei der „Freiheitlichen Deutschen Arbeiterpartei“ (FAP). Auch sind die Brüder mit Wehrsport und paramilitärischen Übungen in Deutschland und dem Ausland in Verbindung zu bringen. Zudem ist Gardlo wegen gefährlicher Körperverletzung und Verstoß gegen das Waffengesetz vorbestraft. Bei einem Boxkampf 2007 wurde er bei einer öffentlichen Massenschlägerei außerhalb des Rings auffällig. Als Sicherheitsangestellte beleidigten er und seine Kollegen den Boxpromoter Ahmet Ö. rassistisch und provozierten ihn. Aktuell wirbt die Seite „Date4sports.com“ mit der „Türsteher-Legende Togger“ für Outdoor-Bootcamps.

Gardlo, der sich gerne als „Retter“ und „Beschützer“ inszeniert, rief im Rahmen des «G20» in Hamburg am 7. Juli 2017 dazu auf sich in Winterhude vor der Bar «Harms & Schacht» zu versammeln, um den Stadtdteil vor vermeintlichen Randalierern zu schützen. Im Zuge dessen wurden Fotos von vermeintlichen Linken mit der Aussage: „Finden und am Gänsemarkt fesseln und steinigen“ verbreitet. Anwesend war unter anderem auch Eric Eder – IBler, Burschenschaftler und Schützling Gardlos.

Ebenfalls in Winterhude, als auch am Montag bei der Demonstration am Jungfernstieg, war der Hamburger Faschist Claus Döring. Dieser pflegt guten Kontakt zu Burschenschaftlern der «Hamburger Burschenschaft Germania» und zahlreichen Neonazis bundesweit. Ebenso ist er gut bekannt mit Stefan Lüdtke, dem Hamburger Regionalleiter der IB. Der frühere Landesschriftführer der rechten Partei «Die Freiheit», gehörte kurze Zeit zum faschistischen Flügel der AfD, bis er als „Hooligan“ in die Schlagzeilen gelangte. Er nahm an dem Aufmarsch der «Hooligans gegen Salafisten» 2014 in Köln teil und feierte danach in sozialen Medien die Übergriffe des rechten Mobs.

Am besagten Montag schloss sich ebenso eine handvoll Neonazis an, die bereits in den 80er Jahren, beispielsweise bei der rechten HSV Fangruppe «Hamburger Löwen» aktiv waren und bis heute mit Thomas Gardlo bekannt sind. Vergangenen Jahres nahmen die rechten Schläger am sogenannten «Gangs united» Treffen auf der Hamburger Reeperbahn teil, um jahrzehntealte Gangstreitigkeiten zu begraben, in alten Heldengeschichten zu schwelgen und neue Bande zu knüpfen. Damals wie heute basiert ihr Agieren auf chauvinistischen Denkmustern und einem martialischen Männlichkeitsbild – das zentrale ideologische Bindeglied des Zusammenschlusses.

Weiter beteiligten sich am Montag drei Männer, die bisher im Zusammenhang mit der AfD aufgefallen sind. Ein Mann beispielsweise ist als die „rechte Hand“ des (Ex) AfD Mitglieds Ludwig Flocken bekannt. Er nahm an einer „Hooligan“ Demonstration in Magdeburg 2016 teil, zu der er unter anderem mit dem norddeutschen Neonazi-Kader Thomas Wulff anreiste. Ein weiterer anwesender AfD Anhänger tauchte mit dem Kreise um Flocken im Rahmen einer rassistischen Mobiliserung unter dem Namen «Bünt» gegen die Eröffnung einer Unterkunft für Geflüchtete auf.

Bundesweit versammelt sich die neue, völkische Protestbewegung seit Anfang 2016 regelmäßig unter der Parole „Merkel muss weg“ in Berlin. Was NPD & AfD in Metropolregionen zuvor weniger gelang, schaffen offensichtlich neue Strukturen aus unorganisierten Einzelpersonen. In Berlin kann mit der zentralen Klammer „Merkel muss weg“ spektrenübergreifend eine heterogene Masse von hunderten, teils tausenden Menschen mobilisiert werden. Immer wieder reisen auch zahlreiche Neonazis aus Norddeutschland zu diesen Demonstrationen organisiert an.

Dass in der Großstadt Hamburg jede Woche eine rechte Demonstration stattfindet, würde vielen Rechten bundesweit gefallen. So mobilisieren die entsprechenden Hetzseiten «PI-News», «Philosophia Perennis» und «Pegida» bundesweit zu der nächsten Veranstaltung nach Hamburg.

Für diesen Montag ist mit einem größeren Zulauf, sowie mit einer weiteren Vernetzung des rechten Spektrums zu rechnen.

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