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Archive for Dezember 2017

Hey Uhlmann, alter Schwede, Unternehmerfreund, Sie kleine rechte Demagogensocke! Wie fühlt sich das als Musterchrist so an, wenn man daheim in Holm-Seppensen unterm Tannenbaum sitzt mit dem wohligen Gefühl, vor dem Fest noch mal so richtig gegen die Ärmsten der Armen, gegen Flüchtlinge, ausgeteilt zu haben. Ist das Ihr Ernst, diese protofaschistische Scheiße ausgerechnet zum Fest abzuliefern, ist das Ihre frohe Botschaft??

In einem als „Weihnachtsgrüße 2017“ titulierten Text, den Sie unter anderem auf der Homepage des von Ihnen geführten Kreisverbands Harburg-Land der Mittelstandsvereinigung MIT ihrer Partei publiziert haben, hetzen Sie in bester AfD-Manier gegen Zuwanderer. Kostproben:

Viele dieser Menschen finden sich in unserer modernen und hochtechnisierten Welt nicht zurecht und können deshalb nur schwer integriert werden. Das Ergebnis sind immer größer werdende problematische Parallelgesellschaften.“

Oder:

Dazu kommt, dass die meisten moslemischen Glaubens sind. Im Gegensatz zur Bibel ist der Koran ein allumfassendes Gesetzeswerk, auch für die Politik. Aber er stammt aus dem siebten Jahrhundert, er kann gar nicht auf die heutige Zeit angepasst sein. Eine Studie hat ergeben, dass zwei Drittel aller in Europa lebenden Moslems die Scharia für wichtiger halten, als die Gesetze unserer Staaten.“

Na, Sie sind jetzt also nicht nur Unternehmensberater, sondern auch Koranwissenschaftler. Die Studie, die Sie da erwähnen, können Sie die vielleicht mal namhaft machen! Diese Zahl von zwei Drittel ist doch kompletter Nonsens! Und dann sollten Sie sich auch mal ein Bild von den evangelikalen Christen hierzulande machen, die gerade im Landkreis Harburg sehr umtriebig sind. Die sind keinen Deut fortschrittlicher oder toleranter als islamistische Fanatiker. Na gut, gegen Evangelikale können Sie ja nichts haben, die hetzen ja nur gegen Muslime, gegen Schwule und andere Minderheiten.

Sie machen sich also Sorgen, dass man die Zuwanderer nicht integrieren kann und dass sie unsere Gesellschaft „überfremden“, wie Sie das wohl ausdrücken, wenn die Presse nicht dabei ist. Dann darf ich Ihnen mal Eines erklären:

Wenn irgendetwas diese Gesellschaft und all ihre Überlieferungen, ihre Bräuche und Traditionen, ihre ganze Kultur zerstört, dann sind es allein der von Ihnen und Ihrer Partei so leidenschaftlich propagierte Kapitalismus und der diesem System eigene Konsumismus. Weihnachten ist doch das beste Beispiel. Die Adventszeit war ursprünglich eine Fastenzeit – der Konsumismus hat daraus die größte Fresserei und Sauferei des Jahres und eine Konsumschlacht ohnegleichen gemacht. Es ist nur noch widerlich!

Im Gegensatz zu den meisten Christen hierzulande, glauben viele Muslime noch wirklich an einen Gott. Denen dürfte ein Verhalten, wie es am heutigen Heiligabend Hunderttausende in Deutschland zeigen, völlig fremd sein – in das Gotteshaus nur einmal im Jahr gehen, um sich blicken zu lassen, ein paar nette Lieder zu sehen und die festliche Atmosphäre zu genießen.

Es gibt keine Kultur, in die wir Flüchtlinge integrieren können, da kann Ihr Parteifreund Thomas de Maizière noch so oft sein schwachsinniges „Wir sind nicht Burka“ wiederholen. Es ist eher umgekehrt: Was Traditionsbewusstsein, familiären Zusammenhalt und Menschlichkeit angeht, können wir von vielen Flüchtlingen noch eine Menge lernen. Aber bleiben Sie man in Ihrer Parallelgesellschaft der hohlen Materialisten und Porschefahrer, da sind Sie bestens aufgehoben.

Merry Christmas

Kristian Stemmler, Buchholz in der Nordheide

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Von Kristian Stemmler

Morgen Kinder, wird’s was geben. Und übermorgen, und überübermorgen sowieso. Denn die Regale sind bis zum Bersten gefüllt. Mit Smartphones und Konsolen, Stabmixern und wunderbaren Herrendüften, elektrischen Schallzahnbürsten und Kaffeevollautomaten. Oder diesmal was aus Platin? Scheißegal, Hauptsache der Rubel rollt. Von Black Friday bis White Christmas ist Shoppen angesagt, Leute! Hopphopp, runter vom Sofa!

Manche nennen diese Tage tatsächlich immer noch Advent oder Vorweihnachtszeit, aber das ist natürlich dummes Zeug. Die Wochen vor dem 24. Dezember sind nur noch Eines: eine Konsumorgie ohne Ende, ein Flächenbombardement des Einzelhandels, Amazon Festspiele, Shoppingschlachten. Alle Innenstädte zugepflastert mit Tannenbäumen und blinkenden Sternen, überall Christbaumkugeln, rote Schleifchen, aus Kaufhausboxen rieselt „Driving home for Christmas“. Ein Terror, dem keiner entkommt.

Nie tritt die Verlogenheit und Doppelmoral dieser Gesellschaft deutlicher zu Tage als in dieser Zeit. Das Gedröhne von den christlichen Werten, von „unserer Art zu leben“, das Politiker gebetsmühlenartig nach jedem Anschlag absondern, entpuppt sich als bodenloser Schwindel. Es gibt nichts mehr zu verteidigen. Wie alles Brauchtum sonst ist auch Weihnachten restlos entkernt, eine leere Hülle, nur noch Anlass fürs Kaufen, Saufen und Fressen, für Parkplatzschlägereien und Familiendramen.

Mit dem Ursprung und Sinn des Festes hat das alles nicht mehr das Geringste zu tun. Man muss ja mit dem ganzen Zinnober, überhaupt mit Religion, nicht unbedingt was anfangen können – aber dass das Christentum eine lange Tradition hat und dass dem Kirchenjahr eine innere Logik inne wohnt, lässt sich kaum leugnen. In der Abfolge der Feste ist ein Wechsel von Zeiten der Erwartung mit Zeiten der Erfüllung erkennbar, ein durchaus raffiniert konstruierter und auf die Jahreszeiten abgestimmter Rhythmus.

Der Advent zum Beispiel ist im Ursprung, wie die Wochen vor Ostern, eine Fastenzeit, die der inneren Einkehr und Besinnung dienen soll und der mit der Weihnachtzeit Tage der Feier und Freude folgen. Mit dem 1. Advent beginnt das Kirchenjahr, das eine Woche zuvor mit dem Totensonntag, den die Protestanten auch Ewigkeitssonntag nennen, seinen Abschluss findet. Die zweite Bezeichnung verweist darauf, dass es an diesem Tag nicht nur um Totengedenken geht, sondern auch um das von Christen geglaubte „Ende der Zeit“.

Aber will man von den konsumverblödeten Abendlandverteidigern aus den Reihen von CDU, CSU, AfD & Co. wirklich erwarten, dass sie all das wissen?! Statt den Rummel anzuprangern, kämpfen sie gegen eine „Islamisierung“, entfachen einen Shitstorm nach dem anderen im Internet. Etwa weil die schleswig-holsteinische Kleinstadt Elmshorn ihren Weihnachtsmarkt in „Lichtermarkt“ umbenannt hat, übrigens vor Jahren und ohne irgendwelchen religiösen Beweggründe.

Wie weit muss man in ein Paralleluniversum abgedriftet sein, um nicht zu sehen, dass es allein der Kapitalismus ist, der alles platt macht. Alles was an Traditionen, Ritualen und Bräuchen, ob religiösen Ursprungs oder nicht, noch vorhanden ist, alles, was irgendwie noch Halt geben könnte. Haltlose Menschen sind die besten Konsumenten.

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