Archiv für November, 2017

Der Winsener Anzeiger vom heutigen Freitag berichtet über einen Auftritt von Sabine Zunker bei „Stern TV“. Zunker ist eine Tochter von Sylvia Schulze, die mit ihrer jüngeren Tochter Miriam, im Juli 2015 verschwand – als „Fall Schulze“ machte der Vorgang bundesweit Schlagzeilen. In der Sendung räumte Michael Düker, Leiter der damals eingerichteten Sonderkommission, ein, dass die Leichen im Seppensener Mühlenteich, wo sie vermutet wurden, nicht unbedingt hätten gefunden werden müssen, da dort ein tiefer Morast vorherrscht. Aus diesem Anlass veröffentlicht die Redaktion des medienlotse-Blogs, die sich schon damals fragte, warum der Teich nicht trocken gelegt wurde, die Reportage von der Suche im Mühlenteich. Die Auskunft der Polizei damals übrigens: Das Wasser des gesamten Teichs abzulassen sei sehr aufwendig, alte, lange ungenutzte Wehre könnten brechen, was zu Überschwemmungen führen könnte. Der medienlotse meint wie der Winsener Anzeige: Versucht es!

Von Kristian Stemmler

Eine Entenmutter verlässt mit ihren Küken das schützende Schilf, über dem Seppenser Mühlenteich steigt Dunst auf. Eigentlich ist es an diesem regnerischen Abend ganz idyllisch an dieser ruhigen Ecke von Holm-Seppensen. Oder besser gesagt: Es wäre idyllisch, wenn da nicht die vielen Polizisten wären, die vielen Kamerateams und Reporter. Sie sind gekommen wegen einer sensationeller Wende im Fall Schulze, der seit Wochen bundesweit für Schlagzeilen sorgt: Der Fall der Ende Juli verschwundenen Familie aus Drage hat Buchholz erreicht.

Noch wagt es niemand ganz offen auszusprechen, natürlich auch nicht Jan Krüger, Pressesprecher der Polizeiinspektion Harburg, der quasi von Amts wegen zu vorsichtigen Statements verpflichtet ist. Aber folgende Hypothese wird immer wahrscheinlich: Familienvater Marco Schulze (41) ist möglicherweise mit seiner Frau Sylvia (43) und der gemeinsamen Tochter Miriam (12) unter einem Vorwand nach Holm-Seppensen gekommen, hat sie am Ufer des Seppenser Mühlenteichs getötet und die Leichen in dem Gewässer verschwinden lassen.

Vieles spricht für ein solches Szenario. Aber an diesem Montagnachmittag steht erst einmal die Suche nach Mutter und Tochter im Mittelpunkt. Vier Polizeitaucher aus Braunschweig sind nach Buchholz gekommen und suchen seit etwa 16 Uhr den Mühlenteich ab. Zwei Beamte fahren mit einem Schlauchboot das gesamte Ufer ab und suchen dort nach den vermissten Frauen. Insgesamt hat die Polizei rund 35 Beamte im Einsatz.

Warum aber sollte Marco Schulze seine Familie nach Holm-Seppensen gebracht haben, eine Dreiviertelstunde Autofahrt von Drage entfernt? „ Die Familie hatte einen Bezug in die Region. Mehr kann ich dazu nicht sagen“, erklärt Jan Krüger, der Sprecher der Polizeiinspektion Harburg. Schon in der ersten Woche nach dem Verschwinden gab es dazu einen anonymen Hinweis an die Polizei. Nachdem über den Fall Schulze in der ZDF-Sendung „Aktenzeichen xy…ungelöst“ berichtet wurde, meldete sich die Zeugin erneut und sagte aus, sie kenne die Familie Schulze und habe sie am 22. Juli auf einem Wanderweg in Holm-Seppensen gesehen.

Da klingelten bei den Ermittlern natürlich die Alarmglocken. Denn am 23. Juli, also einen Tag später, war Marco Schulze das letzte Mal gesehen worden. Er wurde am 31. Juli in Lauenburg tot aus der Elbe gezogen. Mit einem Betonklotz, den er am Körper festgebunden hatte, war Schulze von einer Elbbrücke ins Wasser gesprungen. Der Fund seiner Leiche sorgte bei aller Tragik für erste Klarheit: Wie vermutet, hatte sich ein Familiendrama abgespielt. Doch Mutter und Tochter blieben verschwunden.

„Aktenzeichen xy…ungelöst“ sorgte offenbar für einen neuen Schub in dem Fall. Nach dem Hinweis der Zeugin setzte die Polizei in Holm-Seppensen erfolgreich einen Mantrailer-Hund ein, also einen Spürhund, der Spuren lebender Menschen verfolgt. Er nahm an der Stelle, an der die Zeugin die Familie gesehen hatte, die Witterung auf und führte die Polizei an das Nordostufer des Seppenser Mühlenteichs. Das war der Startschuss für den Einsatz der Polizeitaucher, der heute nachmittag begann.

Natürlich waren auch die Medien sofort zur Stelle, da der Fall Schulze immer noch die Öffentlichkeit im ganzen Land beschäftigt. Am Südwestufer des Mühlenteichs, unweit der verfallenen Mühle hatten Krüger und ein Team einen kleinen Platz für die Presse freigehalten, wo ein halbes Dutzend Kamerateams, Reporter von Rundfunk und Presse ihr Zelt aufschlugen. RTL kam gar mit einem Übertragungswagen an den idyllischen Mühlenteich. Auch das NDR Fernsehen berichtete live.

Jan Krüger stand wie in den vergangenen Wochen wieder geduldig Rede und Antwort. Seit Wochen ist er auf allen Kanälen zu sehen. Auf die Frage, wie viele Interviews er zum Fall Schulze inzwischen gegeben hat, zuckt er nur die Schultern. Über mögliche persönliche Hintergründen des Familiendramas will oder kann er nichts Konkretes sagen. Seine Äußerungen lassen allerdings den Schluss zu, dass es wohl keinen ganz eindeutigen Auslöser gab wie in anderen Fällen.

Ob sich die Hintergründe des Dramas also jemals aufgeklärt werden bzw. ob das überhaupt in die Öffentlichkeit gehört, muss offen bleiben. Nach dem Stand der Dinge leben aber Sylvia und Miriam Schulze nicht mehr. Dass Marco Schulze einen Tag vor seinem Verschwinden mit ihnen am Ufer des Seppenser Mühlenteichs gewesen ist, lässt kaum einen anderen Schluss zu. Am Abend sollte der Einsatz der Taucher abgebrochen werden, um gegebenenfalls am Dienstag fortgesetzt zu werden – dann wird es vielleicht schon endgültige Klarheit geben.

Advertisements

Dass der parteilose Buchholzer Ratsherr Hans-Wilhelm Stehnken nicht alle Latten am Zaun hat, sollte in der Nordheidestadt allmählich bekannt sein. Da sich aber offenbar immer noch kein Veterinär gefunden hat, der ihn für unzurechnungsfähig erklärt, kann der Quartalsquerulant, der es geschafft hat, sogar in der intrigenverwöhnten AfD rauszufliegen, sich in Reichsbürgermanier weiter in der Kommunalpolitik austoben.

Jetzt sind die Pferde offenbar völlig mit ihm durchgegangen. Laut Hamburger Abendblatt vom 2. November fordert Stehnken die schnellstmögliche Aufstellung einer Buchholzer Bürgerwehr. Seine groteske Begründung: „Die aktuellen Beschädigungen und Zerstörungen von Autos haben ein erschreckendes Ausmaß angenommen.“ Er gehe davon aus, „dass es eine ausreichende Anzahl von Mitbürgern gibt, die nach vereinbarten Regeln Streife gehen und damit für Sicherheit und Abschreckung sorgen“.

Zumindest mit dieser Vermutung dürfte der Mann richtig legen. Gibt es doch genug Wichtigtuer wie ihn, die nichts lieber täten, als in irgendeiner Pseudouniform als Möchtegern-Sheriff durch die Gegend zu laufen und Wildpinkler oder Alkis am Bahnhof zu falten. Ob die Buchholzer Polizei sich aber darüber freuen würde..?

Dass die Nordheidemetropole ein besonderer Kriminalitätsschwerpunkt ist, das ist der Redaktion dieses Blogs allerdings noch nicht aufgefallen. Wohnungseinbrüche hier und da, mal eine Sachbeschädigung, ein wenig Vandalismus und dergleichen – wo gibt es das heute nicht?! Angesichts des Wohlstandsgefälle erhebt sich doch eher die Frage, warum nicht viel mehr von diesen klimazerstörenden SUVs, in denen scheintote Rentner zum Shoppen fahren, zerkratzt oder gleich der segensreichen Kraft des Feuers übergeben werden.

Immer noch gilt: Ob im Osten, ob im Westen, ein Mercedes brennt am besten!