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Archive for Oktober 2017

Da soll noch einer sagen, es gebe nur schlechte Nachrichten: https://www.mopo.de/hamburg/ueble-attacke-vize-chef-der-jungen-union-an-der-uni-verpruegelt-28733612

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Von Kristian Stemmler

„Du kannst nicht Gott dienen und dem Mammon!“ übersetzte Martin Luther einst einen Satz aus dem Matthäus-Evangelium. Wobei die Betonung auf dem „und“ liegt. Der in diesen Tagen vielzitierte Reformator kannte allerdings die CDU noch nicht – und die kann beides spielend miteinander verbinden: Man gibt sich christlich und traditionsbewusst und tanzt doch beschwingten Schrittes um das goldene Kalb. Ob im fernen Berlin, wo man die Gesetze macht, die Reicher reicher werden lassen, oder hier in der Provinz, in Buchholz in der Nordheide.

Tatsächlich bahnt sich in unserer aller Kleinstadt ein Tabubruch an, der sogar die evangelische Kirche, die sonst fast jede Kommererzialisierung abnickt, Teile der kommunalen Politik und das Nordheide-Wochenblatt auf den Plan rief. Und zwar soll der alljährliche Weihnachtsmarkt auf dem Peets Hoff in diesem Jahr am 20. November beginnen, mithin zum Beginn der „stillen Woche“, noch vor dem Buß- und Bettag und dem Ewigkeitssonntag, auch Totensonntag genannt, und zwei Wochen vor dem 1. Advent.

Das Dollste an dem Vorgang: Der Vorsitzende des Vereins Buchholz Marketing, der den Weihnachtsmarkt veranstaltet, ist Jan Bauer, der auch Mitglied des Buchholzer Stadtrates ist. Und für welche Partei wohl? Genau, die mit dem Wort „Christlich“ im Namen. Vor dem Rat gab er sich zerknirscht, wie das Wochenblatt berichtet. Man habe den Schaustellern ein attraktives Angebot machen wollen und stehe schließlich in Konkurrenz zu anderen Märkten. Jetzt könne man nichts mehr ändern, so Bauer, denn die Verträge seien gemacht.

Mit anderen Worten: Uns sind christliche Werte und Traditionen so etwas von sch…egal, wenn es um die Kohle geht. Pastorin Brigitte Bittermann und Pastor Michael Wabbel von der Paulus-Gemeinde drückten es etwas vornehmer aus. Mit großem Befremden hätten sie die Vorverlegung des Weihnachtsmarktes zur Kenntnis genommen, schrieben sie in einem Brief. Es werde die Tradition durchbrochen, an den stillen Tagen Ende November Zeit und Raum zu lassen für „Lebensfragen, die sonst kaum ihren Platz finden“.

Natürlich ist es erfreulich, wenn die Kirche sich an ihren Auftrag erinnert und gegen die kommerzielle Ausbeutung ihrer Feste angeht. Aber das sind Rückzugsgefechte, vor allem weil man eben ansonsten dieses bürgerliche System voll mitträgt. Und das folgt nun mal eher Grundsätzen, wie sie in der Scientology Church gelehrt werden – „Macht Geld, mach mehr Geld!“ -, als christlichen Prämissen. Christliche Traditionen, überhaupt Traditionen zu bewahren, gleicht in dieser Gesellschaft dem Versuch, in einer Sauna Eiswürfel herzustellen.

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