Cashflow statt Kids – Hamburgs Reichen sind Straßenkinder scheißegal!

Veröffentlicht: 2016-10-08 in Überregionales, Hintergründe, Kommentare, Politik, Widerstand
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Gentrifizierung am Hauptbahnhof: das KIDS musste aus dem Bieberhaus raus

Gentrifizierung am Hauptbahnhof: das KIDS musste aus dem Bieberhaus raus

In den Luxusrestaurants am Elbrand, in den Walddörfern und anderswo in der Stadt löffeln sie ihr Zitronengrassüppchen und schlürfen ihren Cabernet oder was man in diesen Kreisen sonst so trinkt. Hamburg wird nicht umsonst die Stadt der Pfeffersäcke genannt. Reiche Pisser, die ihre dicken Schlitten spazieren fahren, gibt es hier zuhauf. Die Kehrseite des Reichtums ist zunehmendes Elend, Obdachlose, die unter der Kennedybrücke, an der Helgoländer Allee oder am Nobistor zelten, Junkies vorm Drob Inn am Hauptbahnhof, lange Schlangen vor den Tafeln. Interessiert das jemanden?

Die reichen Pisser bestimmt nicht, they don’t give a damn! So lange der Rubel rollt, sind sie gut drauf. Aus Geld machen sie mehr Geld, zum Beispiel mit einer Anlage bei der alstria office REIT-AG. Das ist eine ehrenwerte Firma mit Sitz in Hamburg, die Kohle mit Immobilien macht. Auf ihrer Homepage preist sie sich als „eine der größten börsennotierten Immobilien-Gesellschaften in Deutschland“ mit einem Immobilienbestand von 121 Gebäuden, die eine Fläche von 1,7 Millionen Quadratmeter umfassen und einen Portfoliowert von rund 3,3 Milliarden Euro repräsentieren.

Hier noch ein Originalton von der Homepage: „Für unsere Aktionäre ermöglicht unsere Strategie die Erwirtschaftung eines stabilen und kalkulierbaren Cashflows bei einem niedrigen Risikoprofil.“ Das ist doch schön!

Zuletzt ist die Firma leider negativ in die Schlagzeilen geraten. Als Spätfolge quasi eines Immobiliendeals, den der Kapitalistenknecht Wolfgang Peiner von der CDU 2006 als Hamburger Finanzsenator eingefädelt hat. Er warf der neugegründeten alstria 39 städtische Gebäude zum Schnäppchenpreis von 815,5 Millionen Euro hinterher, was deren Grundstock war. Unter den Gebäuden war auch das Bieberhaus, in dem früher die Ausländerbehörde saß. Heute residiert dort unter anderem das Ohnsorg-Theater.

Bis letzte Woche gab es in dem riesigen Gebäude direkt neben dem Hauptbahnhof auch noch eine soziale Einrichtung: Deutschlands größte Anlaufstelle für Straßenkinder, das KIDS. Aber damit ist jetzt Schluss, denn der Teil des Bieberhauses, in dem die Einrichtung saß, soll wie die anderen Gebäudeteile auch schon modernisiert werden. Dort sollen Büros entstehen. Wie zu hören ist, möchte ein Notar hier einziehen. Na, das ist ja wohl klar, dass man da keine zerlumpten Straßenkinder sehen möchte. Da sind womöglich Stricher dabei, und da könnten zum Notar ja auch Kunden kommen, die auch Kunden dieser Stricher sind… Das geht doch nicht!

Ein angemessenes Ersatzquartier ist trotz wochenlanger Suche nicht gefunden worden. Das muss in Bahnhofsnähe sein, und da hat die Stadt nichts anzubieten – weil sie halt ihre Gebäude in dieser Gegend verkauft hat, unter anderem an die alstria. Bei der Sozialbehörde stellt man sich hin und zuckt mit den Schultern: Das waren ja nicht wir, das war die CDU. Das KIDS soll fürs erste in Container umziehen.

Die Besucher des KIDS fanden das Ganze nicht witzig und haben nach der Schlüsselübergabe am Freitag die geräumten Räume kurzfristig besetzt. Von der Sozialbehörde tauchte (natürlich) niemand auf, dafür stellte die alstria Strafantrag, die Polizei marschierte auf, es drohte eine Räumung. Nur durch Vermittlung einer Bürgerschaftsabgeordneten der Linkspartei und einer Vertreterin des Projekts Momo konnte die verhindert werden.

Der querschläger meint: Was sind das bloß für Schweine, diese Herrschaften von der alstria, die Ärmsten der Armen nicht nur vor die Tür zu setzen, sondern auch noch Polizeibeamte in voller Montur gegen Straßenkinder aufmarschieren zu lassen! Was ist das für eine Scheißstadt, in der so etwas möglich ist?! Und die Leute von der alstria sitzen weiter warm und trocken in einer ruhigen Straße der gentrifizierten Neustadt (Bäckerbreitergang 75) und gehen ihren dubiosen Geschäften nach, um reiche Pisser noch reicher zu machen.

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Kommentare
  1. Anonymous sagt:

    Tja, in Buchholz musste die Buchholzer Tafel ihre lange Zeit genutzten Räumlichkeiten an dem sehr gut erreichbaren Standort an der Bahnhofstraße verlassen, weil ein Buchholzer Investor das gesamte Areal aufgekauft hat und die gesamte Architektur – übrigens quasi der letzte Teil von Buchholz, wo noch (noch!) diverse historische Bauten in einem Ensemble überdauert haben – abreißen möchte, um dort Hotel und weitere Konsummöglichkeiten zu schaffen… In diesem Zusammenhang bitter ironisch, das eines der Gebäude (obwohl man ihm das heute auf den ersten Blick nicht ansieht), namentlich das ehemalige Pagel-Fischgeschäft einst das Armenhaus von Buchholz war.

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  2. WoMolix sagt:

    So zeigen die „Macher“ mit den guten Verbindungen zur Staatsmacht dem Rest des Volkes: Wer sich nicht unserem Willen beugt, und wer nicht artig im Hamsterrad weiterrennt,, UmSatz macht, Wachstum schafft und damit den Machern die Taschen füllt, dem schicken wir die Staatsmacht und der wird der auf die soziale Abstiegsleiter geschickt!
    Aus Angst machen da sehr viele mit und helfen den Machern!!!

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