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Archive for August 2016

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Eine Goldmedaille kann schon vor der Eröffnungsfeier vergeben werden – Gold geht an Brasilien in der Disziplin „Knüppeln“. Tausende Bewohner von Favelas sind im Vorfeld der heute beginnenden Olympischen Spiele in Rio de Janeiro geräumt worden, wer sich wehrte, wurde von der Polizei brutal belehrt, wer das Sagen hat. Aber wen wundert das: Die Sportler der Welt gastieren in einem Land, in dem Polizeibrutalität gegen Arme zum Alltag gehört, in dem die Reaktion vor kurzem die demokratisch legitimierte Regierung weggeputscht hat. Mehr zur Lage in Brasilien ist im Internet zu finden (zum Beispiel hier: https://linksunten.indymedia.org/de/node/176560 oder hier: http://www.demvolkedienen.org/index.php/lat-amerika/929-proteste-und-kaempfe-in-brasilien).

Hier nur noch soviel:

Einer der prophetischsten Filme der Gegenwart ist der Film „Brazil“ des genialen US-Regisseurs Terry Gilliam, dem Ami in der Komikertruppe Monty Python. Darin geht es aber nicht um das reale Brasilien, sondern einen Überwachungsstaat der Zukunft, wobei Gilliam dezidiert darauf hingewiesen hat, dass wir da schon längst angekommen sind: „We are already in it“, kommentierte er seinen eigenen Film. Brazil, also Brasilien, ist hier eine Chiffre für die totale Überwachung als Ende der Geschichte – aber zugleich auch für die Sehnsucht nach einem ganz anderen Leben, die für uns nicht nehmen lassen sollen!

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Von Kristian Stemmler

In bürgerlichen Parteien liegt der Anteil schwieriger Charaktere allgemein schon über dem Bundesdurchschnitt. Rechtspopulistische, rechtsextremistische oder protofaschistische Parteien aber sind geradezu ein Sammelbecken von Querulanten und Profilneurotikern. Es ist daher kein Wunder, dass es zum Beispiel bei der Alternative für Deutschland (AfD) oft zugeht wie bei Mcbeth und das auf allen Ebenen vom Bund bis zur Kommune. Was Meuthen und Petry können, das kann der Kreisverband Landkreis Harburg der islamophoben und flüchtlingsfeindlichen Partei erst recht!

Und wie bei der AfD offenbar üblich, werden gleich die ganz großen Geschütze aufgefahren. Dem querschläger liegt eine „Schutzschrift“ des Kreisverbandes vor – unterschrieben vom Kreisvorsitzenden Jens Krause und einem der stellvertretenden Vorsitzenden, dem für Öffentlichkeitsarbeit zuständigen Hans-Jürgen Bletz -, in der massive Vorwürfe gegen das Buchholzer Mitglied Hans-Wilhelm Stehnken erhoben werden. Hintergrund der „Messerstecherei“: Stehnken, der sich früher bereits bei der CDU als Querulant betätigt hat, hat sich offenbar in einer Pressemitteilung als Pressesprecher ausgegeben und ist damit Bletz ins Gehege gekommen.

Eine Schutzschrift ist eigentlich ein juristisches Institut, ein Schriftsatz an ein Gericht, der beispielsweise verhindern soll, dass im einstweiligen Verfügungsverfahren ein Beschluss ohne mündliche Verhandlung erfolgt. Im vorliegenden Fall geht es Krause und Bletz darum klarzustellen,

dass man mit dem Herrn Stehnken, der übrigens auf einem aussichtsreichen Platz bei der kommenden Kommunalwahl am 11. September für den Buchholzer Stadtrat kandidiert, nichts mehr zu tun haben will. Stehnken sei zwar noch Mitglied im Kreisverband Harburg, habe aber keinerlei Legitimation für die AfD zu sprechen. Gegen ihn liefen disziplinarische Verfahren mit dem Ziel, „ihn umgehend aus der AfD auszuschließen“.

„Alle unsere umfangreichen Bemühungen, Herrn Hans-Wilhelm Stehnken in die innerparteilichen, demokratischen Abläufe zu integrieren, sind leider ergebnislos verlaufen“, heißt es wörtlich in der Schutzschrift. Das legt nahe, dass es beim Kreisverband der AfD mächtig gekracht hat. Stehnken tut heute im Hamburger Abendblatt allerdings so, als habe er lediglich den Fehler gemacht, sich auf einer Pressemitteilung als Pressesprecher auszugeben, diesen Zusatz habe er nach der Intervention von Bletz bei der nächsten Mitteilung nicht mehr verwendet.

Natürlich versäumt es Stehnken, der sich ausweislich seiner Homepage für einen totalen Überflieger und Durchblicker hält, nicht, sich selbst auf die Schulter zu klopfen. Das Abendblatt zitiert ihn mit der Bemerkung, „im Hinblick auf meine Fähigkeit, Texte wirkungsvoll zu formulieren“ sei bei einer Gesprächsrunde von Kandidaten angeregt worden, ihn zum Pressesprecher des AfD-Stadtverbandes Buchholz zu wählen.

Und natürlich kriegen seine Kontrahenten auch ihr Fett weg: „Weil ich das aktivste und einfallsreichste Partei-Mitglied bin, werde ich permanent bedrängt, bedroht und sanktioniert. Mein Erfolg und meine moderne Art der Werbung ist den Kreis-Vorstandsmitgliedern Jens Krause und Hans-Jürgen Bletz offensichtlich unangenehm, weil ich damit auf deren Schwächen und Versäumnisse hinweise.“

Wie seiner Homepage zu entnehmen ist, hat Hans-Wilhelm Stehnken Offsetdrucker in Bremen gelernt, dann in Stuttgart auf Wirtschaftsingenieur studiert und arbeitet heute als „Verkäufer, Verkaufsleiter, Anzeigenleiter, Marketingleiter, Verlagsrepräsentant für verschiedene Unternehmen der Druck- und Medienbranche im Weser-Elbe-Raum“. Im Internet ist noch einiges mehr über den umtriebigen Mann zu finden (bitte googeln!). Offenbar hat er bereits bei der Verdener CDU Ärger gemacht.

„Hans-Wilhelm Stehnken ist kein Freund feinsinniger Umschreibungen, wenn er seine Gedanken in Worte fasst“, heißt es in einem Beitrag des Weser-Kuriers vom September 2011 zu einem Streit in der dortigen Union. Da hatte er eine Mail an den unterlegenen CDU-Bürgermeisterkandidaten Heinrich Klopp verschickt und öffentlich gemacht, die mit den Worten begann „Lieber Heinrich, Du warst umgehen von echten Pfeifen…“ Die CDU Verden habe nicht gekämpft, hätte keine Ideen und die falschen (oder überflüssige) Themen gehabt, habe ihn „auflaufen lassen“.

Mit einem solchen Auftreten macht man sich natürlich nicht nur Freunde – und in der AfD gerät man sicher noch schneller als in jeder anderen Partei in massive Händel. Aber der Herr Stehnken weiß da sicher, was zu tun ist. Auf seiner Homepage schreibt er:„Zur Lösung von Problemen ist es erforderlich, sich von eingefahrenen Denkmustern zu lösen und neue Wege zu gehen. Anwendbar sind Kreativitätstechniken in vielen Bereichen des Lebens, so auch in der Partei- und Vereinsarbeit. Denn nur der, der mutig neue Wege geht, erweitert seinen Horizont, ist originell und erfolgreich.“ Viel Erfolg dabei!

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Der Eingang der Schule am Düvelshöpen

Von Anna Lüse

Freundlich lächelt das Kollegium den Betrachter an, entspannt steht die Schülerschaft vor ihrer Schule. Mit solchen Bildern empfängt das Gymnasium Tostedt auf seiner Homepage den User. Eine gut gemachte Seite mit flotten Design, schönen Fotos, schönen Schriften, vielen Informationen. Die Homepage bietet Wissenswertes über die Schule gleich in sechs Sprachen, darunter sogar polnisch und ungarisch.

Ganz anders begrüßt die Schule am Düvelshöpen den Internetsurfer. Stümperhaft und lieblos designt mit einem schlechten Foto des Schulgebäudes im oberen Teil, darunter die blassen Wappen der Kommunen im Einzugsgebiet wie Otter, Welle, Königsmoor, links Buttons in kackbraun. Die Informationen auf der Seite sind spärlich bis nichtssagend.

Was hier auf den ersten Blick nur Äußerlichkeiten sind, das ist tatsächlich Ausdruck der tiefen Spaltung im deutschen Bildungssystem, das sich am Beispiel der drei eng beieinander liegenden Schulen von Tostedt sehr gut illustrieren lässt. Bei allen Versuchen, das Bildungssystem zu reformieren, zeigt sich hier, dass es vielerorts die gesellschaftlichen Erosions- und Entsolidarisierungsprozesse nicht bekämpft oder wenigstens abfedert, sondern sogar zementiert: Man kann ohne Übertreibung von Bildungsrassismus sprechen.

Den Gymnasiasten, die es meistens ohnehin schon besser getroffen haben, wird der rote Teppich ausgerollt, die Hauptschüler können sehen, wo sie bleiben – auch in Tostedt. Schon auf der Startseite des Gymnasiums Tostedt im Internet wird das deutlich. Da stehen rechts die Sponsoren der Schule: die TU Harburg, die Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung der CDU im Landkreis Harburg, die Irene und Friedrich Vorwerk Stiftung und die Sparkasse Harburg-Buxtehude. Auf der Website der Schule am Düvelshöpen sucht man vergebens nach Unterstützern. Warum soll man auch in Hauptschüler investieren?!

Auch sonst kann das Gymnasium einiges aufbieten. In der länglichen Vorstellung der Schule heißt es: „Über den eigentlichen Unterricht hinaus werden Arbeitsgemeinschaften, Projekte, Betriebspraktika, Austauschprogramme, Exkursionen und Klassenfahrten, Nachhilfestunden für Schüler u. a. angeboten.“ Na, das ist doch schon was!

Unterrichtsfächer hat man selbstverständlich in Hülle und Fülle im Angebot. „Neben den so genannten Langfächern (erhöhte Stundenzahl) Deutsch, Englisch, einer weiteren Fremdsprache wie Französisch, Latein oder Spanisch und Mathematik werden folgende Kurzfächer (verminderte Stundenzahl) unterrichtet: Kunst und Musik/Erdkunde, Geschichte, Politik, Religion, Werte und Normen / Biologie, Chemie, Physik / Sport.“

Die Schule am Düvelshöpen kann da nicht ganz mithalten. Unter dem Stichwort „Leitbild“ sind lediglich einige Allgemeinplätze abgelegt wie „Bei uns ist jeder willkommen!“ oder „Jeder wird in seiner Individualität wahrgenommen“. Weiter heißt es: „Wir geben Zeit und Raum zur Persönlichkeits- und Leistungsentwicklung.“ Das ist ja großartig!

Was da an der Hauptschule so unterrichtet und angeboten wird, ist auf der Seite nicht so ohne weiteres in Erfahrung zu bringen, vermutlich gibt es darüber nichts zu sagen. Dafür erfährt der Leser, das es Projekte zur Integration und zum „sozialen Lernen“ und „Powerkurse“, in denen Defizite ausgeglichen werden sollen. Merke: Der Hauptschüler hat vor allem Defizite!

Die „besonderen Angebote“ des Gymnasiums Tostedt aufzuzählen, fehlt hier der Platz. Erwähnt seien hier nur beispielsweise Schulpartnerschaften mit Schulen aus vier Ländern, Theater-AGs und eine Kooperation mit der TU Harburg. Keine Frage, dass das Gymnasium einen Computerraum mit 33 Arbeitsplätzen und eine Medienbibliothek mit 27 Computern, die in der Pause „immer umlagert“ sind, ihr eigen nennt.

Auf der Homepage der Hauptschule findet man nichts über internationale Partnerschaften, komisch eigentlich. Aber man hat immerhin diverse Arbeitsgemeinschaften, zum Beispiel Jazzdance, Werken und Fußball, man hat eine Schulband und einen Schulgarten. Man trägt die Titel „Sportfreundliche Schule“ und „Schule ohne Rassismus“, was ja schon besser ist als nichts.

Der Eindruck von den Schulen im wirklichen Leben bestätigt den aus dem Internet in vollem Umfang. Das Gymnasium empfängt den Besucher vorn an der Straße geradezu protzig, mit hellen, großzügigen Backsteingebäuden – die Hauptschule liegt hinten irgendwo hinterm Sportplatz, flach und düster mit ihren schwarzen Holzbalken. Im Inneren sieht es auch nicht besser aus.

Während das Gymnasium schön hell ist, ist die Hauptschule innen so düster wie die Aussichten vieler ihrer Schüler. Dafür sorgen etwa die rotbraunen Fliesen in der Aula. „Aber die Cafeteria ist das Schlimmste“, berichtet ein Schüler. Alte Röhrenfernseher und Billardtische mit zerfranstem Bezug zeugen davon, dass man in diese Schule nicht unbedingt Geld investieren möchte.

Ebenso symptomatisch ist die Verpflegung der Schüler. Für die Hauptschüler gibt es von Schülern belegte Brötchen, von denen meist nach der Hälfte der Pause schon alle weg sind. Die Realschule nebenan hat eine von Eltern geführte Cafeteria, die mehrmals in der Woche mit warmen Snacks aufwartet. Und das Gymnasium hat eine hauseigene Filiale der Bäckerei-Kette Elmers und einen Snackautomaten. Noch Fragen?

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