Die Affäre Hans-Wilhelm Stehnken ++ Zoff bei der AfD Landkreis Harburg ++ Querulanten unter sich

Veröffentlicht: 2016-08-05 in Analysen, Hintergründe, Kommentare, Lokales, Politik
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Von Kristian Stemmler

In bürgerlichen Parteien liegt der Anteil schwieriger Charaktere allgemein schon über dem Bundesdurchschnitt. Rechtspopulistische, rechtsextremistische oder protofaschistische Parteien aber sind geradezu ein Sammelbecken von Querulanten und Profilneurotikern. Es ist daher kein Wunder, dass es zum Beispiel bei der Alternative für Deutschland (AfD) oft zugeht wie bei Mcbeth und das auf allen Ebenen vom Bund bis zur Kommune. Was Meuthen und Petry können, das kann der Kreisverband Landkreis Harburg der islamophoben und flüchtlingsfeindlichen Partei erst recht!

Und wie bei der AfD offenbar üblich, werden gleich die ganz großen Geschütze aufgefahren. Dem querschläger liegt eine „Schutzschrift“ des Kreisverbandes vor – unterschrieben vom Kreisvorsitzenden Jens Krause und einem der stellvertretenden Vorsitzenden, dem für Öffentlichkeitsarbeit zuständigen Hans-Jürgen Bletz -, in der massive Vorwürfe gegen das Buchholzer Mitglied Hans-Wilhelm Stehnken erhoben werden. Hintergrund der „Messerstecherei“: Stehnken, der sich früher bereits bei der CDU als Querulant betätigt hat, hat sich offenbar in einer Pressemitteilung als Pressesprecher ausgegeben und ist damit Bletz ins Gehege gekommen.

Eine Schutzschrift ist eigentlich ein juristisches Institut, ein Schriftsatz an ein Gericht, der beispielsweise verhindern soll, dass im einstweiligen Verfügungsverfahren ein Beschluss ohne mündliche Verhandlung erfolgt. Im vorliegenden Fall geht es Krause und Bletz darum klarzustellen,

dass man mit dem Herrn Stehnken, der übrigens auf einem aussichtsreichen Platz bei der kommenden Kommunalwahl am 11. September für den Buchholzer Stadtrat kandidiert, nichts mehr zu tun haben will. Stehnken sei zwar noch Mitglied im Kreisverband Harburg, habe aber keinerlei Legitimation für die AfD zu sprechen. Gegen ihn liefen disziplinarische Verfahren mit dem Ziel, „ihn umgehend aus der AfD auszuschließen“.

„Alle unsere umfangreichen Bemühungen, Herrn Hans-Wilhelm Stehnken in die innerparteilichen, demokratischen Abläufe zu integrieren, sind leider ergebnislos verlaufen“, heißt es wörtlich in der Schutzschrift. Das legt nahe, dass es beim Kreisverband der AfD mächtig gekracht hat. Stehnken tut heute im Hamburger Abendblatt allerdings so, als habe er lediglich den Fehler gemacht, sich auf einer Pressemitteilung als Pressesprecher auszugeben, diesen Zusatz habe er nach der Intervention von Bletz bei der nächsten Mitteilung nicht mehr verwendet.

Natürlich versäumt es Stehnken, der sich ausweislich seiner Homepage für einen totalen Überflieger und Durchblicker hält, nicht, sich selbst auf die Schulter zu klopfen. Das Abendblatt zitiert ihn mit der Bemerkung, „im Hinblick auf meine Fähigkeit, Texte wirkungsvoll zu formulieren“ sei bei einer Gesprächsrunde von Kandidaten angeregt worden, ihn zum Pressesprecher des AfD-Stadtverbandes Buchholz zu wählen.

Und natürlich kriegen seine Kontrahenten auch ihr Fett weg: „Weil ich das aktivste und einfallsreichste Partei-Mitglied bin, werde ich permanent bedrängt, bedroht und sanktioniert. Mein Erfolg und meine moderne Art der Werbung ist den Kreis-Vorstandsmitgliedern Jens Krause und Hans-Jürgen Bletz offensichtlich unangenehm, weil ich damit auf deren Schwächen und Versäumnisse hinweise.“

Wie seiner Homepage zu entnehmen ist, hat Hans-Wilhelm Stehnken Offsetdrucker in Bremen gelernt, dann in Stuttgart auf Wirtschaftsingenieur studiert und arbeitet heute als „Verkäufer, Verkaufsleiter, Anzeigenleiter, Marketingleiter, Verlagsrepräsentant für verschiedene Unternehmen der Druck- und Medienbranche im Weser-Elbe-Raum“. Im Internet ist noch einiges mehr über den umtriebigen Mann zu finden (bitte googeln!). Offenbar hat er bereits bei der Verdener CDU Ärger gemacht.

„Hans-Wilhelm Stehnken ist kein Freund feinsinniger Umschreibungen, wenn er seine Gedanken in Worte fasst“, heißt es in einem Beitrag des Weser-Kuriers vom September 2011 zu einem Streit in der dortigen Union. Da hatte er eine Mail an den unterlegenen CDU-Bürgermeisterkandidaten Heinrich Klopp verschickt und öffentlich gemacht, die mit den Worten begann „Lieber Heinrich, Du warst umgehen von echten Pfeifen…“ Die CDU Verden habe nicht gekämpft, hätte keine Ideen und die falschen (oder überflüssige) Themen gehabt, habe ihn „auflaufen lassen“.

Mit einem solchen Auftreten macht man sich natürlich nicht nur Freunde – und in der AfD gerät man sicher noch schneller als in jeder anderen Partei in massive Händel. Aber der Herr Stehnken weiß da sicher, was zu tun ist. Auf seiner Homepage schreibt er:„Zur Lösung von Problemen ist es erforderlich, sich von eingefahrenen Denkmustern zu lösen und neue Wege zu gehen. Anwendbar sind Kreativitätstechniken in vielen Bereichen des Lebens, so auch in der Partei- und Vereinsarbeit. Denn nur der, der mutig neue Wege geht, erweitert seinen Horizont, ist originell und erfolgreich.“ Viel Erfolg dabei!

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Kommentare
  1. esocom sagt:

    Herr Stehnken ist mein Nachbar und in unserem bisher einzigen Gespräch hat er sich politisch kaum geäußert. Nun habe ich mir allerdings angewöhnt mit den Namen zu googeln, die ich kennen lerne. Zunächst fand ich den Umstand ganz gut, dass Herr Stehnken sich in der Öffentlichkeit zeigt und habe einen Link zu seiner Site auf hose.esocom.de/#Links gesetzt. Auch wenn es mir schwer fiel demokratische Prinzipien infrage zu stellen, so habe ich doch den Link zu Herrn Stehnkens Site gelöscht.

    Sich überhaupt irgendwie auf die AfD einzulassen ist schon schlimm und davon auszugehen, dass Wähler*innen ausreichend häufig ihr Kreuz dafür machen werden, dass im Stadtrat diese Verirrten vertreten sein werden, betrübt mich.

    Politisch einfache Lösungen gibt es nicht. Immer nur sich in erhofften Mehrheiten es sich bequem machen zu wollen ist nicht zielführend. Ich halte es für besser sich um die Mehrheiten zu bemühen, die mitmachen auf dem Weg zu weniger Vernichtung von Natur, Kultur und Zwischenmenschlichkeit.

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  2. D’accord Krischan! Die Kassen sollten allen AfDlern eine Depotspritze Prometazin pro Woche finanzieren…

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  3. hans-christian keunecke sagt:

    Hallo Kristian!
    Wenn ich an das Wahlplakat denke, wo die AFD Buchholz den Bürgermeister “ Röhse über den Jordan schicken will “ und darunter alle drei möglichen Wahlstimmen zur Kommunalwahl für sich ankreuzt, frage ich mich, für wie dumm hält sie eigentlich die Buchholzer Bevölkerung!!?? Immerhin hat der Bgm. Röhse bisher ziemlich der Sache nach entschieden.
    Ich finde es aber gut , dass sich die Buchholzer AFD- Führungskräfte wie „Kesselflicker “ streiten, es soll ja ungemein werbewirksam sein, für ihr drittklassige Comedynummer. Sie sollen ihre lächerlichen buchhholzer
    Auftritte ruhig weiter haben , damit Deine Vermutung von Querulantentum und Profilneurotik deutlich wird.
    Helfen könnte den AFD,- lern natürlich auch wenn sie alle in Betreutes Wohnen umziehen würden . Hier bekommen sie Zuwendungen und Ansprache und werden wieder
    normal ansprechbar. Ich bin sicher in der heilen Welt würden sie bleiben und wären versorgt.
    Ach ja , das gilt natürlich auch für die Bundesspitze ( Gauland, Petry, usw)

    Ich fordere die Buchholzer Bürgerinnen und Bürger auf die AFD nicht zu wählen und die
    Rechtspopulisten nicht mehr an ihrem Stand zu belästigen.

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  4. lesmona sagt:

    Das Problem heißt Bletz!

    Einschüchterungen, Bedrohungen, Intrigen, Gerüchte, Beleidigungen,
    Geheimtreffen, Tuscheleien, Ausgrenzungen, Ängste, nächtliche Anrufe
    an den Tagen vor den Nominierungs-Veranstaltungen,
    Willfährigkeit und Arsch-Kriecherei …
    prägen die aktuelle Situation im AfD Kreisverband Harburg-Land.
    Für diesen erbärmlichen Zustand ist einzig und allein der Vorstand,
    in Gestalt der Personen Jens Krause und Hans-Jürgen Bletz verantwortlich.
    Nach meinen Feststellungen ist Hans-Jürgen Bletz der besonders
    unseriöse Part dieses Tandems.
    Bei jeder Bletz-Äußerung muss zunächst geprüft werden,
    ob es nicht schon wieder eine Lüge ist.
    Zuletzt gab es sogar eine völlig unverhältnismäßige Abmahnung,
    gegen mich.
    Mit dem Rechtsmittel Widerspruch wehre ich mich zwischenzeitlich
    beim AfD-Schiedsgericht.
    Aus Gründen der Selbstachtung und Wiederherstellung der Würde
    sah ich keine andere Möglichkeit, zumal Jens Krause alle Verstän-
    digungs-Offerten und sogar einen Mediator ablehnte.
    Bei Versammlungen hetzt das Duo Krause/Bletz unentwegt gegen
    den Landesvorstand, der als faul und unfähig dargestellt wird,
    sowie letztendlich gestürzt werden müsse.
    In unserem Kreisverband wird deshalb gemutmaßt, dass Jens Krause
    das Ziel hat, AfD Landesvorsitzender zu werden, um eine gute
    Ausgangsposition für einen Platz im Bundestag zu bekommen.
    Ich bin mutig genug, diese Zeilen zu schreiben und habe keine Angst,
    bitte nehmen Sie meinen Mitteilungen ernst, um einen möglichen guten
    Erfolg bei den Kommunalwahlen nicht weiter zu gefährden.
    Mir geht es ausschließlich um den AfD-Wahlerfolg, nicht um mich.

    Hans-Wilhelm Stehnken

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