Nato zündelt an der russischen Grenze ++ Frühere US-Geheimdienstler warnen vor Krieg in Europa ++ Deutschland konsumiert fröhlich weiter

Veröffentlicht: 2016-07-14 in Analysen, Überregionales, Hintergründe, Kommentare, Politik, Widerstand
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Von Kristian Stemmler

Das Land rutscht allmählich in den Ferienmodus. Sechs Bundesländern haben schon große Schulferien, die anderen folgen demnächst. Auch der deutsche Bundestag hat bald frei, nachdem die regierende Mehrheit noch mal schnell ein paar umstrittene Gesetze für (oder besser: gegen) Flüchtlinge, Prostituierte und andere durchgewinkt hat. Wer es sich noch erlauben kann, der kann also beruhigt in Urlaub fahren, in schöne ruhige Länder wie die Türkei, Ägypten oder die USA. Leute, wenn Ihr zurückkommt, habt Ihr Euch vielleicht erholt – aber die Lage nicht!

Angesichts der Gefahren, die auf uns alle in diesem Land zukommen, ist es unbegreiflich, welchem Schlummer sich die große Mehrheit dieses Landes hingibt, eingelullt von der Propaganda in den Leitmedien. Man komsumiert fröhlich, lässt es sich gut gehen, und will nicht sehen, dass die Kriegsgefahr gewachsen ist wie nie zuvor seit Ende des Zweiten Weltkriegs. Weil an in den obersten Etagen der Macht im Westen offenbar Quartalsirre sitzen, droht Europa erneut zum Schauplatz eines heißen Krieges zu werden. Der Nato sei dank!

Routiniert wie immer haben die Welterklärer in den öffentlich-rechtlichen Sendern und den bürgerlichen Blättern uns Ahnungslosen die Beschlüsse der Nato auf ihrem Gipfel in Warschau ausgelegt. Alles notwendig und nicht so schlimm! Das sehen viele anders. „Szenarien bis hin zu einem großen Krieg in Europa sind nicht mehr auszuschließen“, wird gewarnt. Und „Die Dislozierung von NATO-Militärstrukturen an der Westgrenze Russlands sowie die russischen Gegenreaktionen bergen die Gefahr eines bewusst oder versehentlich herbeigeführten Krieges.“

Man reibt sich ungläubig die Augen, wenn man von den Beschlüssen des Nato-Gipfels liest, zum Beispiel aus der Tageszeitung junge welt: „Die Gipfelteilnehmer verständigten sich darauf, jeweils ein Bataillon mit etwa 1000 Soldaten in Polen, Lettland, Litauen und Estland zu stationieren. Die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung berichtete allerdings, dass Militärfachleute „mit einer bis zu doppelt so hohen Zahl rechnen“. US-Präsident Barack Obama habe am Freitag in Warschau bekanntgegeben, dass „das Hauptquartier einer weiteren amerikanischen Kampfbrigade in Polen errichtet wird“.

Was das bedeutet: Zum erstenmal seit dem Zweiten Weltkrieg stehen wieder Truppen unter deutschem Kommando auf dem Boden einer ehemaligen Sowjetrepublik. Und wer ist schuld? Natürlich Putin! Putin, Putin, Putin – die Propaganda des Westens ist an Dümmlichkeit nicht mehr zu übertreffen. Was damals aus dem Hauses Goebbels kam, muss man im Vergleich dazu geradezu als raffiniert bezeichnen. Putin ist sicher auch schuld an den Hungersnöten in Afrika und an dem letzten Erdbeben in der Türkei…

Im übrigen warnen nicht nur linke Wirrköpfe wie der Autor dieses Beitrags. Die junge welt zitierte jetzt aus einem Memorandum einer Gruppe früherer US-Geheimdienstoffiziere, das sie zum Nato-Gipfel an Angela Merkel richteten. In dem Papier heißt es:

Wir halten die Erklärung von NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg auf einer Pressekonferenz zum Gipfel am 4. Juli, dass die NATO-Mitglieder übereinkommen werden, „die Präsenz der NATO im östlichen Teil der Allianz zu erhöhen“, wobei er hinzufügte, dass der Pakt seiner „größten Verstärkung seit dem Kalten Krieg“ entgegensieht, für wenn nicht erstaunlich, so in jedem Fall für beunruhigend. Die Wahrscheinlichkeit eines militärischen Zusammenstoßes – versehentlich oder intendiert – ist stark gestiegen.

Viele von uns verbrachten Jahrzehnte mit dem Studium der Moskauer Außenpolitik. Wir schütteln ungläubig den Kopf, wenn wir sehen, dass die westlichen Spitzenpolitiker scheinbar vergessen haben, was es für die Russen bedeutet, Militäroperationen in einem Umfang zu erleben wie seit dem Beginn des „Unternehmen Barbarossa“ (im Original deutsch, jW) durch Hitlers Armeen vor 75 Jahren nicht mehr. Das hinterließ 25 Millionen tote Sowjetbürger. Aus unserer Sicht ist es unverantwortlich töricht zu glauben, dass Präsident Putin keine Gegenmaßnahmen ergreift – zu einem Zeitpunkt und an einem Ort, den er sich selbst aussucht. (…)

Bevor die Dinge noch schlimmer werden, müssen die bewährten NATO-Politiker der Staatskunst und einer Diplomatie des Nehmens und Gebens den Vorzug vor Säbelrasseln gewähren. Andernfalls ist irgendeine Art von militärischem Zusammenstoß mit Russland wahrscheinlich, wobei die Gefahr einer Eskalation bis hin zu wechselseitigen atomaren Schlägen jederzeit vorhanden ist.

Extrem besorgniserregend ist die Tatsache, dass viele NATO-Politiker der zweiten Generation unbekümmert nichts von dieser drohenden Perspektive zu ahnen scheinen oder gar alle Warnungen bewusst in den Wind schlagen.

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