Archiv für Juni, 2016

Von Kristian Stemmler

„Wenn die Biene ausstirbt, stirbt nach vier Jahren auch der Mensch aus“, prognostizierte einst Albert Einstein. Der faszinierende, vielfach preisgekrönte Film „More than Honey“ des Schweizers Markus Imhoof zeigte und analysierte im Jahr 2012 das weltweite Bienensterben, ein Beispiel für die unübersehbaren Folgen der Eingriffe des Menschen in die Natur. Ein Faktor des Bienensterbens, das in dem Film eine Rolle spielt, ist die Amerikanische Faulbrut (auch Bienenpest genannt), eine bakterielle Erkrankung. Die Seuche hat jetzt auch den Landkreis Harburg erreicht.

Wie der Landkreis mitteilt, wurde bei einer Routineuntersuchung beim Bienenvolk eines Imkers im Buchholzer Ortsteil Trelde der Ausbruch der Amerikanischen Faulbrut festgestellt. Um eine Weiterverbreitung der Bienenkrankheit zu vermeiden, habe der Veterinärdienst des Landkreises Harburg einen Sperrbezirk rund um das betroffene Volk festgesetzt, der an diesem Freitag in Kraft tritt. Das angesteckte Bienenvolk musste getötet werden, um zu vermeiden, dass es die Krankheit in andere Völker trägt.

Im Landkreis war die Amerikanische Faulbrut bereits im Mai in Tostedt aufgetreten. Vor kurzem hatten Medien gemeldet, dass die Seuche in einem verlassenen Nest eines herrenlosen Bienenvolkes in Heimfeld nachgewiesen wurde. Der Bezirk Harburg richtete rund um den Fundort in einem Radius von drei Kilometern ein Sperrgebiet ein. Auch in Wilhelmsburg war die Bienenpest schon aufgetreten. Und in Nordsachsen gab es zuletzt gehäuft Meldungen vom Auftreten der Amerikanischen Faulbrut.

Der ab morgen in Buchholz geltende Sperrbezirk umfasst im Wesentlichen die Gemarkung Trelde inklusive Sprötze, Drestedt und Kakenstorf. Die Kreisverwaltung weist darauf hin, dass alle Bienenhalter innerhalb des Sperrgebiets die Anzahl und Standorte ihrer Völker unverzüglich an das Veterinäramt melden müssen. Derzeit werden alle Bienenvölker im Sperrgebiet untersucht. Diese Untersuchungen im Sperrbezirk werden frühestens zwei, spätestens aber neun Monate nach Feststellung der Bienenkrankheit wiederholt.

Für den Sperrbezirk hat der Landkreis Harburg folgende weitere Beschränkungen festgesetzt: Bewegliche Bienenstände dürfen nicht von ihren Standorten entfernt werden. Bienenvölker, einzelne lebende oder tote Bienen, Waben, Wabenteile, Wabenabfälle, Wachs, als Bienenfutter vorgesehener Honig, Futtervorräte, Bienenwohnungen und benutzte Geräte dürfen nicht aus den Bienenständen entfernt werden. Außerdem dürfen keine Bienenvölker oder einzelne Bienen in das Gebiet gebracht werden.

Die Amerikanische Faulbrut ist laut Wikipedia eine Erkrankung der älteren Bienenbrut, nämlich der Streckmaden: Sie befinden sich in der bereits mit einem Wachsdeckel verschlossenen Brutzelle. Im Erkrankungsverlauf löst sich die gesamte Körperstruktur der Larven auf und es bleibt nur eine zähe, braune, schleimige Substanz übrig, die später zu einem dunklen Schorf eintrocknen kann. Die Amerikanische Faulbrut stellt keine Gefährdung für die erwachsene (adulte) Biene, den Menschen oder andere Lebewesen dar.

Die Bezeichnung „amerikanisch“ bezieht sich nicht auf ein Ursprungsgebiet, sondern auf den Ort der Entdeckung; die Krankheit tritt weltweit auf. Die Amerikanische Faulbrut ist in Deutschland anzeigepflichtig. Das Bakterium („Paenbacillus larvae“), das die Krankheit auslöst, bildet lang haltbare Sporen. Die Ansteckungsgefahr für Bienen ist deshalb sehr groß, wenn die Krankheit nicht rechtzeitig bekämpft wird. Durch befallene Völker können für Imker hohe wirtschaftliche Verluste entstehen. Für Menschen und andere Tiere sind das Bakterium und seine Sporen ungefährlich.

Die vollständige Allgemeinverfügung zum Sperrgebiet findet sich unter http://www.landkreis-harburg.de (Suchbegriff „Faulbrut“). Fragen zum Sperrgebiet und zur Bekämpfung der Bienenerkrankung beantwortet der Veterinärdienst der Kreisverwaltung unter der Telefonnummer 0 41 71-69 34 66.

Logo AfD

Das Logo der protofaschistischen AfD

„Zurückbleiben bitte!“ In den U-Bahn-Schächten der Stadt ist es auch an heißen Tagen schön kühl. Für alle, die es sich nicht leisten können, im Sommer auf die Malediven oder an die Adria zu fliegen resp. zu fahren, also der passende Aufenthaltsort. Underdogs in der U-Bahn, das ist ja außerdem auch sprachlich adäquat.

Noch sind die Gilettefressen der Mittelschicht im Hamburger ÖPNV aber präsent, denn die Sommerferien sind noch etwas hin. Im südlichen Rückzugsraum, von dem man die Großstadt prima ins Visier nehmen kann, haben sie dagegen schon begonnen.

Da ticken die Uhren gleich langsamer, im Zentrum der Kleinstadt laufen zwar immer noch dieselben Honks wie jeden Tag ziellos durch die Gegend, dafür ist der Metronom zum Hauptbahnhof nicht mehr so voll. Immerhin.

Im Sommer drehen ja viele durch. „Lag’s am Wetter?“ , fragen Journalisten da schon mal. Das Achterbahnwetter am Beginn der vergangenen Woche scheint jedenfalls einigen Hamburgern aufs Gemüt geschlagen zu haben, etwa Torsten Voß.

Eigentlich ist der frühere Polizist ja ein Mann der Tat. Immerhin war er einst Chef des Mobilen Einsatzkommandos (MEK), das ja immer kommt, wenn es besonders brenzlig ist, und wurde 2007 vom damaligen Innensenator Udo Nagel zum Büroleiter berufen. Dieser Herr Nagel aus München war übrigens von einem gewissen Ronald B. Schill in Hamburg zum Polizeipräsidenten ernannt worden. Man nannte ihn wegen seiner tollen Aufklärungsquote auch „Mister Hundertprozent“ (also Nagel nicht Schill).

Aber zurück zu Torsten Voß. Der machte natürlich weiter Karriere, denn die Hamburger SPD legt ja bekanntlich unter Olaf Scholz Wert darauf, den schon von Henning Voscherau plakatierten Tony-Blair-Spruch „Law and order is a labour issue“ mit Leben zu füllen. Da ist ein Mann aus dem Polizeiapparat, der mit Rechtspopulisten Erfahrungen hat, genau der Richtige für den Chefsessel des so genannten Verfassungsschutzes.

Voß hat bedeutende Vorgänger, zum Beispiel den CDU-Mann Christian Lochte. Der war Hamburger Verfassungsschutzschef in einer Zeit, in der die bundesdeutschen Ermittlungsbehörden unter starker RAF-Paranoia litten. So delirierte Lochte damals, ganz ohne LSD, von „Pharaonengräbern“, die an der Hafenstraße oder sonstwo entdeckt worden seien. Aber nihil nisi bene.

Das ist Geschichte. Die Drahtzieher können sich heute bequem zurücklehnen und dabei zuschauen, wie die Leute aufeinander gehetzt werden und der Druck im Kessel steigt. Der Verfassungsschutz fungiert da momentan eher wie eine Zentrifuge, man könnte natürlich auch von Zuhälterei sprechen.

Zuhälter halten sich ja gern im Hintergrund. Andererseits lieben ihre führenden Vertreter den öffentlichen Auftritt (meist mit Sonnenbrille), und da ihnen in der Regel nichts nachzuweisen ist, gerieren sie sich dabei besonders gesetzestreu und waschen ihre Hände in Unschuld. Sie schlürfen ihre Austern im Nobelrestaurant gewissermaßen mit dem BGB und dem StGB unter dem Arm.

Torsten Voß, um endlich mal zum Kern der Geschichte zu kommen, war am Montag Stargast der Bürgerschaftsfraktion der Alternative für Deutschland (AfD) im Hamburger Rathaus und hatte bestimmt das Grundgesetz dabei.

Ja, Sie haben richtig gelesen: Der Leiter des Landesamtes für Verfassungsschutz machte Leuten die Aufwartung, die offen Rassismus und Islamophobie vertreten und anheizen! Und das im Kaisersaal, das ist so ziemlich der prunkvollste Saal des Rathauses, Symbol hanseatischen Selbstbewusstseins. Da braucht man kein Ipecacuanha zum Kotzen!

Und jetzt kommt der Übergag: In Hamburg fand man nichts dabei. Im Hamburger Abendblatt, dem Leib- und Magenblatt des Hamburger Bürgertums, das einst einem Schill den Weg bereitete, was ja soetwas wie ein Probedurchlauf war, natürlich sowieso nicht, aber auch bei der SPD, den Grünen und der Linkspartei nicht so richtig. Die AfD mag man dort natürlich nicht, aber der Herr Voß habe sich ja immerhin diesen Rechtspopulisten gestellt, das sei doch ganz mutig…

Vielleicht muss man Journalist sein und den Abstand haben, den man im Vorland der Großstadt hat, um zu begreifen, das das nicht der Punkt ist. Hier ging es um Symbolik. Es ist völlig scheißegal, was Voß auf der Veranstaltung von sich gegeben hat – die Tatsache seines Auftrittes und die Bilder sind das Entscheidende!

Wir fassen zusammen: Die AfD wird seit Monaten auf allen Kanälen hochgeschrieben, die Talkshows von „Brei mit Illner“ bis „Anne will ja auch“ sind ganz vorn dabei, die Presse erledigt den Rest. Widerstand gegen die Protofaschisten wird kriminalisiert, die „Leitmedien“ fangen bereits an, von „Weimarer Verhältnissen“ zu schwadronieren. Der Weg zum Polizeistaat ist frei! All bases are loaded.

Man reiche mir eine Dose Brexit.

Anna Lüse

So berichtet die Homepage linksunten.indymedia.org.

So berichtet die Homepage linksunten.indymedia.org.

Von Kristian Stemmler

Das Hamburger Abendblatt ist immer vorn dabei, wenn es darum geht, die Interessen der Herrschenden zu verteidigen. Dabei instrumentalisiert man auch gern Minderheiten, Junkies, Obdachlose, afrikanische Flüchtlinge, die versuchen, ein paar Kröten mit dem Verkauf von „Gras“ zu verdienen. So sorgte das Abendblatt im Verein mit fast allen anderen Hamburger Zeitungen 2001 dafür, dass ein gewisser Ronald B. Schill mit seiner Partei in Hamburg fast 20 Prozent der Stimmen einfuhr – indem man den Lesern einhämmerte, die Stadt versinke in (Drogen-)Kriminalität, und parallel monatelang über „Richter Gnadenlos“ berichtete.

Nun, der Herr Schill verschwand dann, wie andere Nazis vor ihm, nach Südamerika und machte später als Kandidat des „Dschungelcamps“ Furore. Er hatte seine Schuldigkeit ja auch getan und dem CDU-Mann Ole von Beust den Weg frei gebissen. Auch der ist inzwischen Vergangenheit und ein Mann Erster Bürgermeister, der „Law and Order“ viel besser kann als Schill und alle AfD-Politiker zusammen.

Schließlich hat Scholz als Innensenator schon im Herbst 2001 angesichts der guten Prognosen für Schill trotz massiver Bedenken ärztlicher Experten grünes Licht für den Einsatz des Brechmittels Ipecacuanha gegen mutmaßliche Dealer gegeben. Das konnte Schill nicht im geringsten aufhalten, sorgte aber im Dezember für einen Todesfall im Institut für Rechtsmedizin von Klaus Püschel. Dort wurde dem 19 Jahre alten Afrikaner das Brechmittel mit Gewalt und so brutal eingeflößt, dass er an den Folgen der Folter starb.

Heute lässt „Brechmittel-Olaf“, inzwischen als Bürgermeister, die Polizei auf St. Pauli und in der Schanze Jagd auf afrikanische Kleindealer machen, unterstützt von einer willfährigen Justiz. Auch diese Jagd hat schon ein Todesopfer gefordert (der blog berichtete): der 21 Jahre alte Jaja Diabi aus Guinea-Bissau, der im Februar in der Justizvollzugsanstalt Hahnöfersand zu Tode kam. Am gestrigen Sonnabend wurde auf St. Pauli mit einer Kundgebung seiner gedacht.

Es versteht sich von selbst, dass man im Hamburger Abendblatt und den anderen bürgerlichen Blättern der Stadt nichts über die Demo und über Jaja Diabi lesen wird. Denn dort hat man alle Hände voll damit zu tun, sich für eine AfD-Politikerin aus Wilhelmsburg (übrigens der Stadtteil, in dem die Schill-Partei in einem Bezirk fast 40 Prozent einfuhr) in die Bresche zu werfen. Es geht um die Schatzmeisterin des AfD-Landesvorstandes, Nicole Jordan. Unbekannte haben sie in der Nacht zum Mittwoch in ihrem Stadtteil geoutet, mit Plakaten, die auf ihre rassistischen Aktivitäten hinweisen und ihre Wohnadresse nennen.

In den bürgerlichen Medien der Stadt und in den sozialen Netzwerken rauscht es jetzt gewaltig. Das Abendblatt übernahm die Führung, Kollege Jens Meyer-Wellmann telefonierte Vertreter sämtlicher Bürgerschaftsfraktionen von links bis rechts ab, um deren Empörungsgrad zu messen und fand auch nichts dabei, den AfD-Vertretern in seinem Beitrag breiten Raum zu geben. Wobei die bei der Gelegenheit mit unsäglichen Vergleichen auftrumpften.

 

Nicole Jordan wird mit dem Satz zitiert „Es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis mein Haus gebrandmarkt wird“ – was eine widerliche Assoziation zu den Brandanschlägen auf Flüchtlingsunterkünfte ist, für die sie und ihresgleichen die Verantwortung tragen. Noch ekelhafter ist dieser Satz Jordans, den „Die Welt“ zitierte: „Als Nächstes wird wohl unser Haus angegriffen, oder ich muss ein Schild um den Hals tragen: Achtung, ich bin bei der AfD“. Ein bewusster NS-Vergleich. Ins selbe Horn stieß der AfD-Fraktionschef in der Bürgerschaft, Jörn Kruse. Er fühle sich „an üble Polit-Praktiken aus vergangenen Zeiten erinnert“, zitiert ihn Meyer-Wellmann im Abendblatt, ohne das auch nur im geringsten irgendwie zu relativieren oder einzuordnen.

Für den querschläger passt dieses Vorgehen der bürgerlichen Presse haargenau in die Strategie der Herrschenden, Gruppen der Bevölkerung gegeneinander auszuspielen, den „Rechtspopulismus“, der eigentlich ein Protofaschismus ist, anzuheizen und die „Weimarer Verhältnisse“ erst zu erzeugen, über die sie sich dann empören können. Hinter den Qualmwolken, die so erzeugt werden, kann die Verschärfung der Lebensbedingungen von Millionen weiter vorangetrieben werden. Ob Aktionen wie die in Wilhelmsburg zielführend sind, kann man diskutieren – der querschläger hat aber angesichts der Lage alles Verständnis für die Aktivisten.

Hier der Beitrag zum Thema auf linksunten.indymedia.org:

„In der Nacht von Dienstag auf Mittwoch, den 15. Juni, wurde Familie Jordan aufgrund ihrer Tätigkeiten für die Alternative für Deutschland (AfD), in Hamburg-Wilhelmsburg geoutet. Die Plakate sind zweisprachig verfasst und wurden an allen belebten Orten des Stadtteils, sowie ihrer Wohnadresse im Ernst-August-Stieg 1, plakatiert.

Nicole Jordan ist im Landesvorstand der AfD aktiv, sie ist Schatzmeisterin des Landesverbandes und sitzt in vier Fachausschüssen der AfD Mitte: Ausschuss für Soziales, Inklusion und Sport; Jugendhilfeausschuss; Regionalausschuss Wilhelmsburg/Veddel; Unterausschuss für Baugelegenheiten des Regionalausschusses Wilhelmsburg/Veddel. Auf der Homepage der AfD Hamburg gibt sie an, in der Kinder- und Jugendarbeit sowie in der Integrationsarbeit tätig zu sein.

Bei der AfD-Kundgebung „Gegen das Politikversagen! Asylchaos stoppen!“ am 31. Oktober 2015, am Hamburger Hauptbahnhof war sie Versammlungsleiterin. Die Besucher_innen dieser Veranstaltung waren neben Burschenschaftlern, AfD-Rassist_innen und völkischen Neonazis auch bekannte Gesichter von NPD-Veranstaltungen.

(https://linksunten.indymedia.org/de/node/157919)
Nicole Jordan bewohnt mit ihrem Mann Norbert Jordan ein Grundstück im Ernst-August-Stieg 1 in 21107 Hamburg-Wilhelmsburg. Im Mai 2015 wurde bei der „RTL2“-Sendung „Trödeltrupp“ eine Folge über Familie Jordan ausgestrahlt, Aufhänger war das vererbte Grundstück im Ernst-August-Stieg und die hohen Schulden der Familie.

(http://www.rtl2.de/sendung/der-troedeltrupp-das-geld-liegt-im-keller/folge/folge-0293)

Die Landesgeschäftsstelle der AfD Hamburg wird mit der Wohnadresse der Jordans angegeben. Nicole Jordan ist regelmäßig auf Parteitagen, Demonstrationen und Veranstaltungen der AfD überregional vertreten. Unter anderem war sie am 31. Januar und 1. Februar 2015 in Bremen anzutreffen, sowie am 3. Oktober 2015 im Bürgerhaus in Wilhelmsburg.

Nicole und Norbert Jordan betreiben gemeinsam den Sportverein Bojutsu-Bushido e.V., in dem vor allem Norbert Jordan und seine Ex-Frau Angela Jordan sportlich aktiv sind. Der Verein hat seinen offiziellen Sitz ebenfalls im Ernst-August-Stieg 1.

Auch die Tochter der Familie Jordan betätigt sich politisch. Xandra Jordan sitzt im Landesvorstand der Jungen Alternative Hamburg (JA Hamburg) und hat Kontakte in die „Identitäre Bewegung“ und ins Milieu der Burschenschaftler.

(https://linksunten.indymedia.org/de/node/179379)

Bereits am Morgen verfasste Nicole Jordan ein Kommentar auf einer Facebook-Nachrichtenseite für die Region Harburg und bat die User darum, die Outingplakate abzukratzen und für eine erkennungsdienstliche Behandlung der Polizei zur Verfügung zu stellen. Der Beitrag wurde nach kurzer Zeit gelöscht.

Das Hamburger Abendblatt berichtete am 16. Juni über die Outing-Aktion und lässt Politiker_innen aller Parteien zu Wort kommen, die allesamt ihr Mitgefühl gegenüber Nicole Jordan äußern. Dabei scheint es für fast Alle nebensächlich, dass es sich bei der AfDlerin um eine rassistische, nationalistische und gänzlich rückwärtsgewandte Politikerin handelt.

(https://linksunten.indymedia.org/de/node/182219)

Buchholz (qu) – Es ist mal wieder eine Großtat eines politischen Gremiums der Stadt Buchholz zu vermelden. Der Stadtplanungsausschuss hat in seiner Sitzung vom 8. Juni einen Antrag des parteilosen Ratsherren Kristian Stemmler in hervorragender Weise veredelt.

Der Antrag hieß im Original: „Straßen, die von der Stadt Buchholz für die Errichtung neuer Wohnungen gebaut werden, werden nach Opfern des NS-Regimes benannt.“ Der Ausschuss lehnte diesen Antrag einstimmig ab, formulierte den Satz dann um und machte daraus einen interfraktionellen Antrag. Darin heißt es jetzt: „Straßen in Buchholz i. d. N. sollen zukünftig auch nach Opfern des NS-Regimes benannt werden.“

Nun gut, sprachlich ist das sicher genauer, entspricht aber wohl der ursprünglichen Intention des Antragstellers weitgehend. Man hätte das Ganze natürlich noch eine Spur verbindlicher machen können, indem man zum Beispiel formuliert hätte, dass die Straßen im nächsten großen Wohngebiet von Buchholz die Namen von NS-Opfern bekommen. Aber das wäre für den hochlöblichen Rat sicher eine Spur zu verbindlich gewesen…

Natürlich hätte man den Antragsteller auch noch mal kontaktieren können, ob er seinen Antrag präzisieren möchte. Aber, so wird der eine oder andere sagen, der war ja wieder nicht da. Dazu sagte Stemmler dem querschläger: „Natürlich hätte ich nichts lieber gemacht, als einmal wieder einen Abend im Stadtplanungsausschuss zu verbringen – aber ich muss leider hin und wieder etwas für den Lebensunterhalt meiner Familie tun. Und das schließt bei mir Arbeit an Abenden und an Wochenenden ein.“

Vive la Mannschaft

Plakat Jaja DiabiVon Kristian Stemmler

Jaja Diabi wurde nur 21 Jahre alt. Am Morgen des 19. Februar fand ein Vollzugsbeamter beim Aufschluss Diabi leblos in seiner Zelle in der Justizvollzugsanstalt (JVA) Hahnöfersand auf der gleichnamigen Elbinsel vor. Ein Arzt konnte nur noch seinen Tod feststellen. Die Justizbehörde erklärte, er habe sich mit einem Band an einer Gardinenstange vor seinem Haftfenster erhängt. Am kommenden Sonnabend wird mit einer Demo auf St. Pauli (Start 13 Uhr, Park Fiction) seiner gedacht und gegen Rassismus und Repression protestiert.

Jaja Diabi ist das Opfer einer rassistischen Flüchtlingspolitik und der Repression gegen afrikanische Kleindealer auf St. Pauli, die vom rot-grünen Senat betrieben und zunehmend verschärft wird. In den bürgerlichen Medien der Stadt fand sein Tod keinen Niederschlag. Dort beschäftigt man sich lieber damit, sich für einen überbezahlten Profikicker namens Jerome Boateng in die Bresche zu werfen. Jaja Diabi stand auf der falschen Seite, er hatte versucht, sich als Kleindealer ein paar Euros zu verdienen. Damit war er vogelfrei.

Das Partyvolk, das jedes Wochenende in die Läden auf der Reeperbahn und an der Großen Freiheit strömt, möchte seine Drogen schnell und günstig serviert bekommen. Nachfrage und Angebot, so heißt das doch in der Marktwirtschaft. Also ist nördlich der Hafenstraße, die Balduintreppe herauf, an der Bernhard-Nocht-Straße, Hamburger Berg und umliegenden Straßen ein Markt für Drogen entstanden. Die Verkäufer sind in der Regel afrikanische Asylbewerber.

Schon seit Monaten ist die Jagd auf sie eröffnet. Die Polizei hat dafür extra eine „Task Force“ gegründet, das neoliberale Kampfblatt „Die Welt“ sprach von einer „schlagkräftigen Truppe“, die „Hamburger Morgenpost“ jubelte „Hamburg greift gegen Dealer durch“. Was das bedeutet: Schwarze werden von zivilen Beamten bis auf Privatgrundstücke und in Wohnungen verfolgt, brutal zu Boden gebracht, gefesselt und wie Vieh in bereit gestellte Mannschaftswagen verfrachtet.

Es gibt Zweifel daran, dass Jaja Diabi Selbstmord begangen hat. Aber letztlich kommt es darauf nicht an. Er ist das Opfer eines in dieser Gesellschaft um sich greifenden Rassismus. Er steht in einer Reihe mit Oury Jalloh, der im Polizeigewahrsam in Dessau unter ungeklärten Umständen ums Leben kam, mit Laye-Alama Condé und Achidi John, die in Bremen und Hamburg mit der Foltermethode Brechmitteleinflößung umgebracht wurden. Die Sündenböcke in diesem Land haben eine schwarze Hautfarbe.

Poltitisch verantwortlich für Diabis Tod ist der Erste Bürgermeister Olaf Scholz (SPD), der im Grunde auch schon Achidi John auf dem Gewissen hat – der 19 Jahre alte Nigerianer starb am 12. Dezember 2001, nachdem ihm einige Tage zuvor im Institut für Rechtsmedizin von Klaus Püschel gewaltsam Brechmittel eingeflößt worden waren. Den Einsatz von Brechmitteln hatte nicht lange zuvor Olaf Scholz in seiner damaligen Funktion als Innensenator eingeführt – einzig und allein um die Law-and-order-Kompetenz der Sozis zu beweisen und einem vor der Tür stehenden Schill das Wasser abzugraben.

In dem Blog deadbylaw.blackblogs.org der Anwohner_innen Initiative Balduintreppe kann man mehr erfahren über Jaja Diabi, die Lage auf St. Pauli und die Demo am Sonnabend. Dort wird in einem sehr aufschlussreichen Text darauf hingewiesen, dass es einen entscheidenden Unterschied macht, wo man herkommt. Wörtlich heißt es:

„Wenn deine Eltern ein Häuschen in Blankenese besitzen, du auf das Marion Dönhoff Gymnasium (Schule im Nobelvorort Blankenese, d. Red.) gehst und mit drei Tütchen Gras am Samstag Abend von der Polizei kontrolliert wirst, bekommen deine Eltern einen Anruf – das ist möglicherweise unangenehm… Wenn deine Eltern kleine Leute aus Banjul (Hauptstadt von Gambia, d. Red.) sind, du keinen Pass, sondern eine Duldung in der Tasche hast, wirst du die 1,65 Gramm Cannabis nicht dabei haben, um später in einen Club zu ziehen, wo der Eintritt soviel kostet, wie du am Tag verdienst. Die Beamten werden es gezielt auf dich abgesehen haben und dich mit mehreren jagen.“

Und weiter: „Sie werden dich wahrscheinlich hart zu Fall bringen, dich in einen bereitstehenden Mannschaftswagen zerren und auf die Davidwache bringen. Zu diesem Zeitpunkt haben sie dir bereits dein Geld, dein Handy und das Gras abgenommen. Du wirst niemanden anrufen, denn du willst deiner Familie und Deinen Freunden keine Scherereien machen, die sie bekämen, weil du ihre Kontaktdaten durch den Anruf preis gibst. Keiner wird dich besuchen, kein Anwalt um deine Freilassung ringen – aber du wirst am nächsten Tag ja auch nicht im Unterricht fehlen oder am Frühstückstisch.“