+++ Scapegoats strike back +++ Vierter Teil des Fortsetzungsromans im querschläger

Veröffentlicht: 2016-05-29 in Hintergründe, Politik, Widerstand

DSC_0101Ruben Morales wischte mit einem Lappen über die Arbeitsfläche, legte den Lappen zur Seite, lehnte sich an seinen Gasherd, wischte sich den Schweiß von der Stirn und atmete tief durch. Der Abend war geschafft. Freitag war immer Hauptkampftag in Neumeiers Bar, für ihn und seine zwei Helfer in der Küche kaum zu schaffen. Aber jetzt waren sie durch, die beiden Mitarbeitern reinigten noch die Geräte und Flächen. Morales ließ den Abend Revue passieren. Es hatte das übliche Auf und Ab der Bestellungen gegeben, Ansturm zu bestimmten Zeiten, dann wieder Flaute. Aber sie hatten alles gut bewältigt. Seine Kreationen, für die sein Chef ihn vor allem eingestellt hatten, waren gut angekommen. Edel, aber nicht zu überdreht, das war seine Agenda auf der Speisekarte.

Der Küchenchef wollte gerade den Lappen wieder zur Hand nehmen und seinen Jungs beim Putzen helfen, als plötzlich sechs schwarz gekleidete und vermummte Gestalten in der Küche standen, ohne dass einer der drei sie irgendwie hatte hereinkommen sehen. Sie verteilten sich in Windeseile in der Küche, fünf hielten Sturmgewehre im Anschlag und bedrohten ihn und seine Mitarbeiter mit den Waffen.

Morales war wie vom Donner gerührt. Er konnte sich weder bewegen noch einen Laut hervorbringen. Einer seiner Mitarbeiter stieß einen kurzen spitzen Schrei hervor. Einer der Vermummten, der einzige ohne Waffe, legte seinen Finger auf den Mund und zischte: „Ihr seid jetzt alle mucksmäuschenstill, sonst gibt es Tote! Ist das klar?!“ Ruben und seine Angestellten nickten stumm.

Der Mann ohne Gewehr, der offenbar der Anführer der Gruppe war, gab seinen Leuten jetzt ein kurzes Zeichen. Daraufhin drängten sie den Küchenchef und seine Helfer zur Verbindungstür zwischen Küche und Gastraum. „Stop!“, rief der Anführer, hob die rechte Hand, wartete kurz, senkte sie dann und rief: „Los!“

Die bewaffneten Männer drängten Morales und seine Helfer in den Gastraum, in dem sich um diese Uhrzeit nicht mehr viele Gäste befanden. An einem Tisch saßen noch zwei Männer und eine Frau, an einem anderen ein Paar. Sonst war nur noch der Besitzer der Bar im Raum, der gerade am Tisch des Paares stand. Den Bedienungen hatte er schon frei gegeben.

„Alle auf den Boden! Aber pronto!“, schrie der Anführer. Die Barbesucher und der Besitzer warfen sich, ohne zu begreifen, was gerade geschah, reflexartig auf den Boden, der Barbesitzer konnte als erster wieder einen klaren Gedanken fassen. „Was soll das? Was wollt Ihr?“, rief er den Vermummten zu. „Du hältst die Klappe! Wenn einer redet, bin ich das“, schrie der Anführer ihn an.

„So, Freunde der Nacht“, setzte er fort, „jetzt gibt es mal was anderes als Ente mit Zitronengrassuppe, was rein Vegetarisches.“ Er gab einem seiner Männer ein Zeichen, der daraufhin den Rucksack auf seinem Rücken abschnallte, eine Plastikbox daraus hervorholte, die Box öffnete, sich einen Suppenteller griff, der auf einem der Tische stand, und aus der Box einen undefinierbaren Brei hineinfüllte, in dem erkennbar Ungeziefer herumschwamm.

„Du da mit der Protzuhr!“ Der Anführer deutete auf einen der Gäste, die vor ihm auf dem Boden lagen, einen smarten Blonden in den 30ern im Maßanzug, der eine TAG-Heuer-Armbanduhr am Handgelenk trug. „Aufstehen! Setz dich an den Tisch!“ Er zeigte auf den Tisch, auf dem der Suppenteller mit dem Brei stand. Der Blonde sah kurz hoch, stand aber nicht auf, sondern presste nur hervor: „Was wollt Ihr von mir?“

„Das wirst du schon sehen! Steh jetzt auf, du asoziales Schwein!!“, schrie der Anführer. Zwei seiner Männer rissen den Gast hoch, schleiften ihn zu dem Tisch mit dem Suppenteller und drückten ihn unsanft in einen Stuhl. „Du wirst jetzt symbolisch mal eine Suppe auslöffeln – das was Hunderttausende und Millionen täglich machen müssen, damit Ihr Euer Luxusleben führen könnt“, erklärte ihm der Anführer, leiser als vorher, aber noch scharf und laut genug.

Der Blonde sah erst den Anführer an, betrachtete dann den Teller mit dem unappetitlichem Brei, der vor ihm stand. „Das kann ich nicht, das krieg ich nicht runter“, stotterte er. Der Anführer grinste. „Und wie du das kannst. Wir helfen dir gern dabei. Hinterher gibt es ja vielleicht noch einen Chateau Lafite zur Belohnung.“

Der Blonde griff mit einer hilflosen Bewegung nach dem Suppenlöffel, nahm ein wenig von dem Brei auf den Löffel, führte den Löffel zum Mund, schob ihn ein wenig in den Mund, spuckte aber in dem Moment, das was er im Mund hatte und was noch auf dem Löffel lag, auf den Tisch und schrie: „Das könnt ihr nicht mit mir machen. Ich hab doch nichts getan!“

„Nichts getan??!!“ Die Stimme des Anführers überschlug sich. „Damit Leute wie du mit Maßschuhen für vierstellige Beträge rumlaufen können, müssen die Leute da draußen – die Paketfahrer, Lagerarbeiter, Call-Center-Angestellten, Alleinerziehenden, Hartz-4-Empfänger, Junkies, Alkis, Obdachlosen – täglich Scheiße fressen, du asoziales Arschloch!! Ihr lebt auf deren Kosten, geht das in deine Birne?!“

Er gab drei seiner Männer ein Zeichen, die daraufhin den Blonden packten, ihm mehrere Löffel des Breis mit Gewalt einflößten und ihn dann abrupt auf den Boden fallen ließen. Stöhnend krümmte sich ihr Opfer auf dem Boden. Der Anführer sah auf ihn herab: „Keine Angst! In deinem Brei war keine Scheiße, nur Tabasco, Abführmittel und ein paar Insekten. Wenn du dich ausgekotzt hat, kann du wieder deinen Chablis trinken. Du hast es gut, Freundchen, andere kommen ihr Leben lang nicht aus der Falle.“

Für einen Moment wurde es ganz ruhig. Man hörte nur das leise Stöhnen des Blonden und das Ächzen von einem der anderen Gäste. Während der Aktion hatten die Gäste, der Barbesitzer und die Mitarbeiter regungslos auf dem Boden verharrt.

„Das reicht!“, rief der Anführer seinen Männern zu und die Truppe zog sich blitzschnell durch die Tür zur Küche aus der Bar zurück. Ebenso schnell wie sie gekommen waren, waren die Vermummten wieder verschwunden.

(wird fortgesetzt)

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Kommentare
  1. Sie können offenbar hellsehen – die erste Variante ist relativ nah an der schon geschriebenen Fortsetzung… Warum aber sollten die Edeka-Angestellten mir böse sein, ich habe ja eine Lanze für sie gebrochen. Da haben Sie was missverstanden…

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  2. Matthias Neb sagt:

    Wie wär nächste Folge: SUV Besitzer zwingt eins Ihrer Scapegoat-Geschöpfe einen abgetretenen Aussenspiegel zu essen. Morales mauert den „Anführer“ im
    Fussboden seines Restaurants ein.
    Querschläger wird dafür ab sofort von TAG Heuer gesponsored
    Die Angestellten eines EDEKA-Ladens schnappen Herrn K. Stemmler und
    lassen ihn in Nachtarbeit die Kühlkammer von innen auswischen.

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