Gut festhalten und Zeit mitbringen – Erlebnisse mit den Bussen der KVG Stade

DSC_0514Von Ingo K. Nito

Auf dem Land ist der Bus ein ungleich wichtigeres Verkehrsmittel als in der Stadt. Wer in Hamburg den Bus verpasst, kann in der Regel mit ein paar Schritten die nächstgelegene U- oder S-Bahn-Station erreichen oder einfach auf den nächsten Bus warten. Wer auf dem Land den Bus verpasst, hat schlechte Karten – der nächste kommt mit Glück in einer Stunde und da bleibt eigentlich nur noch, per Anhalter zu fahren.

Die Kraftverkehr GmbH aus Stade, allgemein bekannt und berüchtigt unter dem Kürzel KVG, ist also ein Unternehmen, das für die Infrastruktur in den sieben Landkreisen, in denen ihre Busse verkehren, von nicht zu unterschätzender Bedeutung ist. Auch für den Landkreis Harburg. Um so erschreckender ist der Eindruck, den dieses Unternehmen schon bei relativ wenigen Kontakten beim Fahrgast hinterlassen kann.

Natürlich sind die Erfahrungen, die ein einzelner Fahrgast mit der KVG macht, nicht repräsentativ. Andererseits spricht es schon Bände, wenn der Autor, dessen Erfahrungen hier wiedergegeben werden, in nur wenigen Wochen, in denen er auf Busse der Firma im Landkreis Harburg angewiesen war, den Eindruck gewinnt, es mit einem Saftladen zu tun zu haben.

Wobei gleich an dieser Stelle betont werden muss, dass das nicht den Fahrern und anderen Angestellten angelastet werden soll, sondern eher eine Folge der Arbeitsbedingungen ist. Anderes gefragt. Haben die Pannen und anderen Zumutungen, die der Fahrgast erlebt, vielleicht irgendwie damit zu tun, dass die ehemalige Posttochter KVG heute nur noch ein „kleines Rädchen“ in einem Riesenkonzern ist?

Schon 2007 wurde der Stader Betrieb von der Bahntochter Arriva Deutschland übernommen. Diese wurde wiederum 2011 von einem Konsortium unter Führung der italienischen Staatsbahn erworben und in Netinera Deutschland umbenannt. Der Verdacht liegt nah, dass die Arbeitsbedingungen nicht eben besser geworden sind, nach den verschiedenen Übernahmen, im Vergleich zu früher oder meinetwegen ganz früher.

Auch die gewohnten Abläufe, das Betriebsklima können schnell leiden, wenn ein großer Konzern den Laden übernimmt und ein schärferer Wind weht. Die Post ist ein sehr gutes Beispiel dafür, es gibt noch zahllose andere. Natürlich, das sind Spekulationen, aber wenn man sich die Erfahrungen des erwähnten Fahrgastes ansieht, wirken sie durchaus plausibel.

Auf den ersten Blick hat sich für den Fahrgast nicht allzuviel geändert. Mal hat er Pech und sitzt in einem Bus von annodazumal mit verschlissenen Polstern, angefressenen Kunststoffverkleidungen und von Graffiti übersäten Flächen – mal hat er Glück und darf Platz nehmen in einem großzügigen Neufahrzeug mit schickem Design, sauber und adrett. Aber um den Zustand der Busse soll es weniger gehen, eher um das Verhalten der Busfahrer, und die scheinen im Schnitt gestresster und schlechter ausgebildet zu sein als früher.

Der Anteil der Fahrer und Fahrerinnen, die einen Fahrstil an den Tag legen, als wollten sie die Rallye Monte Carlo gewinnen, ist nicht eben gering. Schon beim Anfahren kann der Fahrgast von Glück sagen, wenn er seinen Sitz rechtzeitig erreicht hat, so ruckartig wie dieses geschieht. Dann wird Gas gegeben, sei die Kurve auch noch so scharf. An den Haltestellen und Hampeln wird ebenso ruckartig gebremst wie zuvor angefahren worden war.

Für den einen oder anderen Busfahrer scheint es eine komplette Überraschung zu sein, dass am rechten Fahrbahnrand von Zeit zu Zeit Haltestellen auftauchen, an denen womöglich auch noch Menschen stehen, die mitgenommen werden wollen. Da kann es dann zu halsbrecherischen Bremsmanövern kommen, bei denen alle Fahrgäste, die sich nur irgendwie festgehalten haben, von Glück reden können.

Gelegentlich werden Fahrgäste auch gar nicht mitgenommen oder gerade so eben. So fuhr ein Bus der Linie 5200 am Autor vorbei, obwohl dieser direkt und von weitem gut sichtbar an der Haltestelle stand, und kam erst etwa 50 Meter weiter zum Stehen. Immerhin! Er wurde noch aufgelesen.

Weniger Glück hatte der Autor ein anderes Mal, als er drei bis vier Minuten vor der im Fahrplan genannten Abfahrtzeit eines Busses noch nicht an der Haltestelle, sondern auf der anderen Fahrbahnseite stand, um die Fahrbahn zu überqueren. Der Bus kam zu früh und fuhr fröhlich an ihm vorbei. Hier musste der Auto eine Stunde auf den nächsten Bus warten.

Fahrgäste, die bereits seit Jahren mit den Bussen der KVG fahren, werden möglicherweise angesichts solcher Anekdoten nur müde lächeln. Aber es kommt noch eine Geschichte, die der Autor auch in anderen Städten, Landkreisen und Verkehrsnetzen so noch nicht erlebt hat. Es handelte sich um eine Fahrt mit einem Bus der Linie 4406 von Salzhausen nach Winsen, eines Vormittags.

Der Fahrer, der offenbar relativ neu und unerfahren war, fuhr einigermaßen pünktlich am ZOB in Winsen los, erhielt aber bereits kurz nach der Abfahrt einen Anruf auf seinem Handy. Von diesem Zeitpunkt an war er leicht unruhig, redete aufgeregt mit einem jungen Mann, den er anscheinend kannte, hielt es aber nicht für nötig, den Rest der Fahrgäste über das „Problem“ zu informieren. Die waren daher ziemlich überrascht über das folgende Geschehen.

In Garlstorf, also etwa nach zehn Minuten, bog der Mann mit seinem Bus urplötzlich auf einen Sandparkplatz ein, kehrte und fuhr zurück Richtung Salzhausen. Dabei murmelte er irgendetwas wie „müssen umkehren“, „Fahrgäste mitnehmen“ oder so ähnlich. Der Autor hielt es für wenig sinnvoll, sich näher zu erkundigen oder aufzuregen, da hier wohl ohnehin nichts zu ändern war.

Knapp zehn Minuten später war der Bus wieder am ZOB in Salzhausen und es stellte sich heraus, dass der Fahrer tatsächlich angewiesen worden war zurückzufahren, weil er gegen die Vorschrift den Bus aus Lüneburg nicht abgewartet hatte. Das Ergebnis: Es stiegen noch drei Fahrgäste zu, die jetzt ebenso wie die etwa zehn Fahrgäste, die bereits vor 20 Minuten den Bus geentert hatten und das Dutzend, das unterwegs noch zusteigen würden, alle zu spät in Winsen ankommen würden…

Blöder geht es wohl kaum! Zum Glück hatte der Autor einen zeitlichen Puffer eingebaut und kam zu seinem Termin in Hamburg noch rechtzeitig. Ob er mit diesem und den anderen geschilderten Vorfällen einfach nur Pech gehabt hat und was das Fahrverhalten der Fahrer angeht, nur zu empfindlich ist, sei dahin gestellt. Wer ähnliches erlebt hat, kann sich jedenfalls gern an die Mailadresse buchholzexpress@gmx.de wenden.

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