+++ Scapegoats strike back +++ dritter Teil des Fortsetzungsromans im buchholz express

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Thomas Breuer war außer sich. „47 Tatorte und keine einzige verwertbare Spur – das darf doch wohl nicht wahr sein.“ Er schlug mit der Faust so hart auf die Platte seines massiven Schreibtisches, dass die Kaffeetassen, die darauf abgestellt waren, ein Stückweit in die Höhe sprangen. „Es muss doch irgendetwas dabei sein bei so unglaublich vielen Tatorten. Das gibt es doch nicht!“

Der Polizeipräsident sah erst seinen Stellvertreter, Reiner Gallas, und dann den Chef der Kripo, Torsten Frenzel, fragend an, aber die zuckten nur mit den Schultern. „Tut mit leid, Herr Breuer“, meinte Frenzel. Aber das Alles war exzellent geplant und durchgeführt. Wir haben bisher wirklich nichts gefunden, was irgendwie verwertbar ist: keine Zigarettenkippe, kein verlorenes Kleidungsstück, keine Spraydose, nichts.“

Schon am frühen Morgen war der Präsident alarmiert worden, nachdem das Ausmaß der Lage klar geworden war. Er war gleich ins Präsidium gefahren, um mit seinen Leuten das weitere Vorgehen zu besprechen und vor allem abzustimmen, was man auf der für elf Uhr vormittags angesetzten Pressekonferenz zu den Vorgängen sagen sollte. Das war ziemlich knifflig, eben weil man noch so gut wie gar nichts vorweisen konnte.

„Alles was wir in der Hand haben“, setzte Frenzel seine Erklärung fort, „sind eine Handvoll Zeugenaussagen. Die Zeugen haben irgendwelche schwarzgekleideten und vermummten Gestalten in der Dunkelheit verschwinden sehen. Das nützt uns natürlich gar nichts. Aber immerhin können wir anhand dieser Aussagen und von Angaben der Halter, wann sie ihre Fahrzeuge abgestellt haben und wieder starten wollten, die Tatzeiten einigermaßen eingegrenzen.“

„Und?“ – „Die Taten dürften alle in einem Zeitraum von halb drei Uhr nachts bis vier Uhr ausgeführt worden sein.“ Breuer schaute aus dem Fenster und versuchte einen Punkt in der Ferne festzuhalten. „Das kling plausibel. Das ist die Zeit, in der in Hamburg am wenigsten los ist. Die letzten Kneipengänger liegen schon im Bett und die arbeitende Bevölkerung in ihrer Mehrheit noch.“

Frenzel nickte. „Ja, der Zeitkorridor ist optimal gewählt, die Tatorte übrigens auch. Fast alle beschädigten Fahrzeuge waren nicht in unmittelbarer Nähe von Wohnungen abgestellt, sondern etwas abseits, vor Geschäften etwa oder auf Parkplätzen abseits von Häusern. Die Täter waren sich darüber im Klaren, dass die Sachbeschädigungen an den Fahrzeugen nicht ganz geräuschlos auszuführen waren.“

Reiner Gallas nickte, fast anerkennend. „Blöd sind die nicht. Die Tatorte sind vermutlich eher in den Vierteln der Wohlhabenden zu finden?“ Frenzel wiegte den Kopf hin und her. „In der Mehrzahl schon, aber nicht nur. Sie sind über die ganze Stadt verteilt, auch das ist bemerkenswert. Von Rissen und Ottensen im Westen, über Eimsbüttel, Eppendorf und Harvestehude am Rand des Zentrums bis Hummelsbüttel und Duvenstedt im Norden und Bergedorf im Osten. Aber es sind auch Tatorte in Barmbek, Langenhorn und Eißendorf dabei.“

Breuer war skeptisch. „Na, da werden die Täter aber eher keine hochwertigen SUVs gefunden haben.“ Frenzel widersprach. „Das ist nicht ganz richtig. Auch in diesen Vierteln gibt es Leute, die ihr Geld in teure Autos investieren und entsprechende Fahrzeuge ihr eigen nennen. Das ist gerade da ein besonderes Statussymbol.“

„Na gut“, erwiderte Breuer. „Aber was sagen wir jetzt der Presse.“

„Das kriegen Sie doch immer gut hin. Wir holen uns gleich noch den Pressesprecher dazu und klären das mit ihm. Er macht ein paar einleitende Bemerkungen und übergibt dann an Sie. Sie spekulieren ein wenig, sprechen über ein neues Phänomen der Gewalt oder so, mögliche politische Hintergründe und so weiter und so fort.“

Der Polizeipräsident nickte zufrieden. „Ja, ich denke, daraus lässt sich was schnitzen. Und wenn die Meute uns fragt, warum wir erst so wenig haben, sagen wir wie üblich, dass wir noch ganz am Anfang der Ermittlungen stehen und aus ermittlungstaktischen Gründen nicht alles sagen können. Das zieht immer.“

(wird fortgesetzt)

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