1. Mai in Hamburg – Bürgerliche Medien freuen sich schon auf Krawalle..

DSC_0098Von Anna Lüse

Die bürgerlichen Medien üben sich vor dem 1. Mai mal wieder in Kaffeesatzleserei. „Polizei erwartet Mai-Krawalle“ titelt das Ex-Springer-Blättchen Hamburger Abendblatt, das einst den Kokser Ronald Barnabas Schill auf den Schild hob. „1. Mai in Hamburg – Demo, Hundertschaften, „Konsequenz und Härte“ droht das in Schleswig-Holstein tonangebende, in Flensburg beheimatete Verlagshaus shz auf seinem Nachrichtenportal.

Natürlich wissen die Kollegen bescheid, was kommt, und wärmen sich ihre klammen Schreiberhände schon mal virtuell an den brennenden Mülltonnen, die sie vor Augen haben. „Es könnte ein heißer Tanz in den Mai werden“, schreibt shz.de.

Und weiter: „Die Hamburger Polizei richtet sich für das Wochenende auf die schon gewohnten Krawalle in der Walpurgisnacht und am 1. Mai ein. Die Brisanz im Vorfeld ist diesmal höher als zuletzt, denn bundesweit mobilisieren Linksaktivisten für Sonnabend, 30. April, zu einer Großdemonstration im Schanzenviertel.“

Titel der Demo, das wird richtig zitiert, sei „Breite Solidarität gegen Rassismus und Repression“, erwartet würden mehr als 1000 Teilnehmer aus dem, wie die bürgerliche Presse es gern nennt, „linken Spektrum“. Wie viele davon „gewaltbereite Teilnehmer“ sein würden, ist nicht absehbar. Na ja, wenn man zum linken Spektrum gehört, ist man doch generell gewaltbereit, richtig verstanden. Die Frage ist, was man unter Gewalt versteht.

Der Kollege ist selbstverständlich besorgt: „Ausschreitungen in der Nacht vor und im Laufe des 1. Mai haben in der Hansestadt seit Jahren eine traurige Tradition“, schwafelt er und weiß zu berichten: „Brennpunkt ist meist das Schanzenviertel rund um das alternative Stadtteilzentrum Rote Flora.“ Fein beobachtet! In den vergangenen Jahren sei es verhältnismäßig ruhig gewesen – „das könnte sich dieses Jahr ändern“.

Natürlich kann der Lohnschreiber von shz.de auch linke Aufrufe „lesen“ wie Golfspieler das Grün. In dem Aufruf zur Hamburger Demo heiße es, Ziel sei eine „lautstarke, entschlossene Demo“, schreibt er, die Teilnehmer sollten „flexibel und einfallsreich“ sein. Der Mann weiß genau, was das bedeutet „Eine unverhohlene Aufforderung, mit der Polizei Katz und Maus zu spielen.“

Und weiter: „Ausdrücklich verweisen die Veranstalter in dem Zusammenhang auf den laufenden Strafprozess gegen Hamburger Hausbesetzer wegen versuchten Totschlags sowie auf die Räumung des alternativen Wohnprojekts Harniskaispitze in Flensburg. Der Demonstrationszug startet um 18 Uhr in der Schanze und führt von dort durch St. Pauli zum Stadtteilprojekt Park Fiction am Hafenrand. Dieses befindet sich in unmittelbarer Nachbarschaft zum Golden Pudel Club, um dessen Existenz linke Stadtteil-Aktivisten derzeit fürchten.“

Freundlicherweise wird auch Werbung für die anstehenden Termine gemacht: Zudem sei am Bahnhof Sternschanze von 16 bis 23 ein Hip-Hop-Open-AirKonzert unter dem Titel „Klassenfest gegen Staat und Kapital“ angemeldet. Krawalle befürchteten die Behörden auch für Sonntag, 1. Mai. Die Revolutionäre Linke rufe ab 18 Uhr zur „Revolutionären 1.- Mai-Demonstration“ an Bahnhof Altona auf. Motto: „Wut zu Widerstand“.

Alles korrekt wiedergegeben. So, und wer fehlt jetzt noch? Der Innensenator. Der heißt heute nicht mehr Schill, sondern Andy Grote (SPD) und sagte dem NDR, es gebe „ein paar Hinweise darauf, dass die Mobilisierung ganz ambitioniert betrieben wird“. Die Polizei werde die Geschehnisse „mit Augenmaß, aber auch der nötigen Konsequenz und Härte“ begleiten, wenn es sein müsse, so der Senator. Das ist die übliche Kraftmeierei vor derartigen Festlichkeiten.

Die Polizei werde alle verfügbaren Hamburger Kräfte im Einsatz haben, einschließlich der gesamten Bereitschaftspolizei und der Alarmhundertschaften. Wie viele Hundertschaften zusätzlich aus anderen Bundesländern zur Unterstützung in die Stadt kämen, sei noch unklar. Das heißt auf deutsch: St. Pauli und die Schanze werden am Wochenende starren vor Waffen und die höchste Bullendichte im Land haben, von Berlin mal abgesehen. Der Mai ist gekommen, die Bullen schlagen aus…

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