Der brisante Fortsetzungsroman im buchholz express – 2. Teil

Veröffentlicht: 2016-04-21 in Überregionales, Politik, Widerstand
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dsc_9575Von xxx – Fortsetzung, zweiter Teil

Levin warf sich mit Schmackes auf einen Stuhl an dem Tisch im „Last Exit“, an dem Jasper bereits in Seelenruhe einen grünen Tee zu sich nahm. „Das ist ja ein Riesenknaller!“, platzte es aus ihm heraus. „Wir sind auf allen Sendern, auf allen Portalen. Wahnsinn!“

„Posaun‘ es doch noch lauter heraus, vielleicht hat es noch nicht jeder im Lokal mitbekommen“, zischte Jasper ihm zu. Levin duckte sich schuldbewusst. „Entschuldige, die Begeisterung hat mich davongetragen.“ Jasper beugte sich zu ihm vor. „Wenn du über die Angelegenheit reden willst, dann bitte erstens leiser und so unverbindlich, dass es auch um was ganz anderes gehen könnte, am besten in sprachlichen Bildern. Comprende?“

Levin nickte und sah sich um, als wollte er sich vergewissern, dass niemand hinter ihm saß oder stand. „Wie habt Ihr das hinbekommen: so viele Treffer in einem Spiel?“

„Ja, das ist die richtige Masche! Na ja, gute Vorbereitung, gutes Training, gute Mannschaftsaufstellung.“

„Ja, klar. Aber trotzdem Chapeau! Da scheint ja eine fitte Mannschaft auf dem Platz gestanden zu haben.“

„Kann man sagen. Und zwar gemischte Teams, wenn Du weißt, was ich meine. Die funktionieren sowieso meist besser. Das wissen sogar die Bullen.“

„Raffiniert! Aber der Sinn des Ganzen leuchtet mir nach wie vor nicht ein.“

„Kommt Zeit, kommt Aufklärung! Momentan will ich mehr nicht sagen, wir sind ja nicht unter uns. Nur soviel: Wir brauchen immer gute Leute und du kannst dabei sein. Eine Vergnügungsreise wird das natürlich nicht, um ein anderes Sprachbild zu gebrauchen, eher eine Expedition ins Unbekannte. Und auch nicht auf einem Kreuzfahrtschiff, sondern eher auf einem Schnellboot mit leichter Bewaffnung.“

„Bewaffnung?“ Levin sah ihn fragend an. Jasper grinste. „Rein metaphorisch gesprochen, vorerst.“

Er blickte sich nach der Bedienung um. „Ich glaube, heute ist mal wieder ein Tomatensaft fällig. Was Knallrotes!“ Levin lachte. „Also, ich halte mich an Kaffee, wobei das sicher nicht politisch gemeint ist.“

xxx

Levin hatte nicht übertrieben. Das Netz war voll von den Vorgängen, die sich in der Nacht auf Hamburgs Straßen zugetragen hatten. Jasper war zu Hause bewusst offline geblieben und hatte auch kein Radio angemacht. Im „Last Exit“ klappte er sein kleines Notebook auf und ging über das W-LAN des Lokals ins Netz.

Jasper war ein nüchtern denkender Mensch, aber angesichts dessen, was im Internet auf ihn zubrandete, konnte er ein Hochgefühl nicht unterdrücken. Mit vergleichsweise geringem Aufwand eine derartige Welle zu erzeugen, nicht übel!

„47 SUVs in einer Nacht demoliert – Vandalismus-Wahnsinn in Hamburg“, hieß die Zeile bei bild.de, Focus.de schrieb „47 SUVs geschrottet – Wer tut denn so etwas?“, Spiegel online vermeldete, gewohnt seriöser als die Boulevardkollegen: „Hamburg: 47 SUVs in einer Nacht beschädigt – Polizei steht vor einem Rätsel“.

In den Beiträgen herrschten die üblichen Floskeln vor, von einer „Spur der Zerstörung“, „sinnlosem Vandalismus“ oder „der Polizei, die im Dunkeln tappt“. Einige Medien drehten die Geschichte schon weiter, so fabulierte die Morgenpost von einer „SUV-Bande“, die in Hamburg ihr Unwesen getrieben habe.

Als Nachrichtenkern blieb, dass im gesamten Hamburger Stadtgebiet in der Nacht zum Donnerstag insgesamt 47 Fahrzeuge, alles hochwertige SUVs, die Mehrzahl deutscher Herkunft, also Mercedes, BMW, Porsche und Audi, aber auch einige Fahrzeuge ausländischer Herkunft wie Jeep oder Volvo massiv beschädigt worden waren. Die unbekannten Täter hatten alle in etwa zur selben Zeit zugeschlagen, die Vorgehensweise war fast überall dieselbe.

Es war sowohl der Polizei als auch den Medien klar, dass es sich um ein organisiertes Vorgehen einer Gruppe handeln musste, allein schon wegen der schieren Zahl von beschädigten SUVs in derselben Nacht. Und es musste sich um eine große Gruppe handeln, da die Tatorte relativ weit auseinander lagen.

Bei allen beschädigten Fahrzeugen war der Lack zerkratzt und die Reifen waren zerstochen worden. Auf allen Motorhauben waren, vermutlich die Signatur der Gruppe, in roter Farbe das Kürzel „SG“ gesprüht worden.

Die Polizei hatte keine Ahnung, was das Kürzel bedeuten konnte. Auch sonst war die Ermittlungslage dünn. Hier und da hatten Zeugen schwarz gekleidete und vermummte Gestalten davonlaufen sehen. An den Tatorten war bisher nichts gefunden worden: keine weggeworfene Kippe, Fingerabdrücke schon gar nicht, kein Fetzen von der Kleidung der Täter. Noch wurden die Tatorte aber untersucht.

Auch über die Frage, was das Ganze eigentlich sollte, konnten die Medien ebenso wie die Polizei nur spekulieren. So wurde die Frage aufgeworfen, ob es sich um eine Art „skurrilen Flashmob“ handelte oder eine ausgefallene Mutprobe. Eine Auseinandersetzung im Milieu hatte die Polizei bereits ausgeschlossen, da die Halter der Fahrzeuge nichts miteinander zu tun hatten und die Tatorte wahllos über das Stadtgebiet verstreut waren.

Der Pressesprecher der Hamburger Polizei konnte zu den Hintergründen nur eines sagen. „Wir haben es mit einem völlig neuen Phänomen zu tun, ein solches Vorgehen hatten wir noch nicht.“ Man habe bereits eine Ermittlungsgruppe gegründet.

Jasper klappte sein Notebook zu und pfiff leise durch die Zähne. „Gar nicht schlecht für den Anfang.“

(wird fortgesetzt)

 

 

 

 

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