Archiv für April, 2016

 

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Von Kristian Stemmler

Sicher. Es gibt immer noch schöne Stellen in Hamburg. Aber alles in allem fällt mir zu Hamburg heute nur noch Eines sein – mit Verlaub: Hamburg, du kotzt mich an! Was haben sie aus dir gemacht!

Eigentlich ist die Stadt überhaupt nur noch da erträglich, wo das große Geld mangels Renditeaussichten nicht seine unappetitliche Pranke draufgelegt hat. Also in den Vierteln, die sich gar nicht oder nur leicht entwickelt haben. Also Stadtteile, deren Bewohner eher „einkommensschwach“ sind, wie man das heute nennt: Barmbek-Süd, Jenfeld, Eißendorf, Wilhelmsburg oder Billstedt.

Schön sind die nicht unbedingt, aber dafür authentisch. Wer in diesen Vierteln in den Lidl geht, der sieht Leute deren Gesichter vom Leben gezeichnet sind – auf ihre Kosten lebt der große Rest. Und der lebt gut. In Eimsbüttel und Eppendorf, an der Sternschanze und in Volksdorf.

Die Quartiere, in denen das reiche Pack sich ausgebreitet hat, kann man sowieso vergessen, die sind verloren, also Harvestehude, Blankenese, Ohlstedt und Rissen. Der Protz der Villen, das Durchgestylte der Gärten, das bornierte Gehabe der Einwohner ist obszön und abstoßend.

Diese Viertel sind nur noch für komplette Planierung geeignet. Umgraben und Kartoffelfelder drauf anlegen, die natürlich von den ehemaligen Bewohnern bestellt werden müssen. Dann hat man da wenigstens eine Monokultur, die fruchtbar ist.

Aber es gibt auch noch Quartiere, die noch nicht ganz verloren sind, aber schon die Hitliste des Ekels anführen. Quartiere, die bei politisch denkenden und fühlenden Menschen nichts als Brechreiz auslösen sollten, genau die, auf die Standortpolitiker vom Schlage König Olafs am stolzesten sind. All die schon gentrifizierten oder noch im Prozess der Gentrifizierung befindlichen Viertel: Ottensen, Sternschanze, Eimsbüttel in Teilen, Altona in Teilen, St. Georg.

Eimsbüttel galt als Hochburg der Kommunisten, das „rote Eimsbüttel“. Was ist daraus geworden? Chichi-Läden an jeder zweite Ecke mit irgendwelchem Krempel, den kein Mensch braucht, Tierarztpraxen nur für Katzen, „Brasilian Waxing“ und Läden für Babboe-Lastenräder, Gefährte für vierstellige Beträge. Mit denen kutschiert die Familie des Hipsters seinen Nachwuchs herum.

Aber nicht nur auf den Straßen Eimsbüttels laufen Typen herum, die ich als „die neuen Herrenmenschen“ bezeichnen würde. Ihnen gehört die Welt, sie sind die Sieger. Das Schicksal der Marginalisierten geht ihnen im Großen und Ganzen am Arsch vorbei. Vor sich selbst und anderen gibt man sich aber durchaus liberal und sozial. Die leergetrunkene Flasche Beck’s stellt man selbstverständlich neben den Mülleimer, um den Flaschensammlern die Arbeit zu erleichtern.

Im Schanzenviertel laufen fast dieselben Leute rum, wobei die Durchmischung dort noch größer ist, also auch ne Menge „Normalos“ und andere unterwegs sind. Aber die Ladenzeilen sind schon so gut wie durchgentrifiziert. Man sieht den üblichen Krempel (siehe oben), die Läden haben lustige Namen, und alternative Kneipen und türkische Gemüseläden werden nur noch für den exotischen Flair benötigt.

Ganz schlimm ist St. Georg. Hier hat zwar noch so etwas wie eine (linke) Stadtteilarbeit überlebt, aber das Angebot und das Publikum sind unterirdisch, etwa an der Langen Reihe. Am Ende dieser einst so bunten Straße stehen heute statt „1000 Töpfe“ Schickimicki-Bars wie das „Neumann’s“ und „Peter Pane“, ein Burgergrill fürs gehobene Publikum. Schräg gegenüber ist ein neuer Edeka-Markt, dem man gesehen haben muss! Einen so luxuriösen Supermarkt habe ich persönlich noch nicht erlebt.

Soweit, so schlecht! Dass einkommensstarke Bevölkerungskreise ärmere Schichten aus innerstädtischen und innenstadtnahen Lagen verdrängen und Letztere immer weiter an die Peripherie abgedrängt werden, an den Rand (im doppelten Sinn), das ist nichts Neues. Ein viel untersuchter, viel beschriebener, viel kritisierter Prozess. Aber alle Studien, alle Kritik haben überhaupt nichts geändert, dieser zerstörerische Prozess hat sich in Großstädten eher noch beschleunigt – das muss man sich immer wieder bewusst machen!

Die niedlichen Chichi-Läden in Eimsbüttel und anderswo sind nur eine kitschige Fassade, die brutale Spaltungsprozesse verdeckt. Was diese soziale Spaltung, die sich immer mehr vertieft, wirklich bedeutet, kann man in Vierteln wie Billstedt, Wilhelmsburg und Jenfeld fast physisch erfahren. Die Gesichter der Leute im Lidl in diesen Vierteln, sie sind gezeichnet von den Anstrengungen des Alltags, von Mühe und Depression.

Aber so depressiv die Atmosphäre in diesen Discountern auch sein mag – ich fühl mich da hundertmal wohler als in den Einkaufsstraßen von Volksdorf und Eppendorf. Die Verlogenheit und Borniertheit in diesen Vierteln der Wohlhabenden ist unerträglich und ekelhaft. Hier führen die Profiteure der turbokapitalistischen Beschleunigungsprozesse ihre Markenjacken spazieren – leider oft viel zu ungestört.

DSC_0098Von Anna Lüse

Die bürgerlichen Medien üben sich vor dem 1. Mai mal wieder in Kaffeesatzleserei. „Polizei erwartet Mai-Krawalle“ titelt das Ex-Springer-Blättchen Hamburger Abendblatt, das einst den Kokser Ronald Barnabas Schill auf den Schild hob. „1. Mai in Hamburg – Demo, Hundertschaften, „Konsequenz und Härte“ droht das in Schleswig-Holstein tonangebende, in Flensburg beheimatete Verlagshaus shz auf seinem Nachrichtenportal.

Natürlich wissen die Kollegen bescheid, was kommt, und wärmen sich ihre klammen Schreiberhände schon mal virtuell an den brennenden Mülltonnen, die sie vor Augen haben. „Es könnte ein heißer Tanz in den Mai werden“, schreibt shz.de.

Und weiter: „Die Hamburger Polizei richtet sich für das Wochenende auf die schon gewohnten Krawalle in der Walpurgisnacht und am 1. Mai ein. Die Brisanz im Vorfeld ist diesmal höher als zuletzt, denn bundesweit mobilisieren Linksaktivisten für Sonnabend, 30. April, zu einer Großdemonstration im Schanzenviertel.“

Titel der Demo, das wird richtig zitiert, sei „Breite Solidarität gegen Rassismus und Repression“, erwartet würden mehr als 1000 Teilnehmer aus dem, wie die bürgerliche Presse es gern nennt, „linken Spektrum“. Wie viele davon „gewaltbereite Teilnehmer“ sein würden, ist nicht absehbar. Na ja, wenn man zum linken Spektrum gehört, ist man doch generell gewaltbereit, richtig verstanden. Die Frage ist, was man unter Gewalt versteht.

Der Kollege ist selbstverständlich besorgt: „Ausschreitungen in der Nacht vor und im Laufe des 1. Mai haben in der Hansestadt seit Jahren eine traurige Tradition“, schwafelt er und weiß zu berichten: „Brennpunkt ist meist das Schanzenviertel rund um das alternative Stadtteilzentrum Rote Flora.“ Fein beobachtet! In den vergangenen Jahren sei es verhältnismäßig ruhig gewesen – „das könnte sich dieses Jahr ändern“.

Natürlich kann der Lohnschreiber von shz.de auch linke Aufrufe „lesen“ wie Golfspieler das Grün. In dem Aufruf zur Hamburger Demo heiße es, Ziel sei eine „lautstarke, entschlossene Demo“, schreibt er, die Teilnehmer sollten „flexibel und einfallsreich“ sein. Der Mann weiß genau, was das bedeutet „Eine unverhohlene Aufforderung, mit der Polizei Katz und Maus zu spielen.“

Und weiter: „Ausdrücklich verweisen die Veranstalter in dem Zusammenhang auf den laufenden Strafprozess gegen Hamburger Hausbesetzer wegen versuchten Totschlags sowie auf die Räumung des alternativen Wohnprojekts Harniskaispitze in Flensburg. Der Demonstrationszug startet um 18 Uhr in der Schanze und führt von dort durch St. Pauli zum Stadtteilprojekt Park Fiction am Hafenrand. Dieses befindet sich in unmittelbarer Nachbarschaft zum Golden Pudel Club, um dessen Existenz linke Stadtteil-Aktivisten derzeit fürchten.“

Freundlicherweise wird auch Werbung für die anstehenden Termine gemacht: Zudem sei am Bahnhof Sternschanze von 16 bis 23 ein Hip-Hop-Open-AirKonzert unter dem Titel „Klassenfest gegen Staat und Kapital“ angemeldet. Krawalle befürchteten die Behörden auch für Sonntag, 1. Mai. Die Revolutionäre Linke rufe ab 18 Uhr zur „Revolutionären 1.- Mai-Demonstration“ an Bahnhof Altona auf. Motto: „Wut zu Widerstand“.

Alles korrekt wiedergegeben. So, und wer fehlt jetzt noch? Der Innensenator. Der heißt heute nicht mehr Schill, sondern Andy Grote (SPD) und sagte dem NDR, es gebe „ein paar Hinweise darauf, dass die Mobilisierung ganz ambitioniert betrieben wird“. Die Polizei werde die Geschehnisse „mit Augenmaß, aber auch der nötigen Konsequenz und Härte“ begleiten, wenn es sein müsse, so der Senator. Das ist die übliche Kraftmeierei vor derartigen Festlichkeiten.

Die Polizei werde alle verfügbaren Hamburger Kräfte im Einsatz haben, einschließlich der gesamten Bereitschaftspolizei und der Alarmhundertschaften. Wie viele Hundertschaften zusätzlich aus anderen Bundesländern zur Unterstützung in die Stadt kämen, sei noch unklar. Das heißt auf deutsch: St. Pauli und die Schanze werden am Wochenende starren vor Waffen und die höchste Bullendichte im Land haben, von Berlin mal abgesehen. Der Mai ist gekommen, die Bullen schlagen aus…

Buchholz (be) – Werden die Namen der wenigen bekannten Opfer des NS-Regimes doch noch im Buchholzer Stadtbild gewürdigt? Der parteilose Ratsherr Kristian Stemmler hat den Antrag gestellt, Straßen in neuen Buchholzer Wohngebieten nach Buchholzer NS-Opfern zu benennen. Ähnliches hatte er bereits für das Mahnmal auf dem Markplatz beantragt, da konnte er sich gegen die Ratsmehrheit aber nicht durchsetzen.

Durch die Forschungsarbeit des Gymnasiallehrers Michael Kreidner und anderer sind sechs Opfer des NS-Regimes in Buchholz festgestellt worden (tatsächlich dürften es mehr gewesen sein), von denen fünf namentlich bekannt sind. Es sind zwei Sozialdemokraten, zwei Kommunisten und eine Halbjüdin. Hier der Wortlaut des Antrags:

Der Rat möge beschließen:

Straßen, die von der Stadt Buchholz für die Errichtung neuer Wohnungen gebaut werden, werden nach Opfern des NS-Regimes benannt.

Begründung: Wie in anderen Kommunen Deutschlands sind auch in Buchholz von den Organen des verbrecherischen NS-Regimes Menschen gedemütigt, gefoltert und anderen Behörden zur weiteren Folterung oder Tötung übergeben worden.

In der Zeit nach dem Krieg wurde in Buchholz über diesen Umstand offenbar gar nicht oder kaum gesprochen. Vor allem dem Buch „Buchholz 1925 – 1945 – Die verschwiegenen 20 Jahre“ von Michael Kreidner, Birgit Diekhöner und anderen ist es zu verdanken, dass viele Ereignisse der NS-Zeit dem Vergessen entrissen und handelnde Personen benannt wurden.

Den Autoren des Buches gelang es auch Namen von Personen zu Tage zu befördern, die von NS-Behörden verfolgt wurden. Insgesamt handelte es sich dabei um sechs Personen auch Buchholz: zwei Kommunisten, zwei Sozialdemokraten, eine Halbjüdin und ein namenloses Mädchen.

Für Straßenbenennungen kommen folgende dieser sechs Personen in Frage:Die Kommunisten Ernst Neuhaus und Erich Hasselfeld verschwanden „spurlos“, was mit Sicherheit bedeutet, dass sie deportiert und ermordet wurden. Anton Tietjen, der die SPD in Buchholz mit aufbaute, wurde von den Nazis schikaniert und zermürbt, seine Familie ins Elend gebracht. Sein Parteigenosse Friedrich Bode, Ortsvereinsvorsitzender der SPD, war im September 1933 eine Woche im Gewahrsam der Gestapo. Dort wurde er vermutlich eingeschüchtert und gefoltert. Er verlor seine Arbeit und lebte mit seiner Frau in materieller Not.

Die Halbjüdin Paula E., wurde vom Gauleiter Otto Telschow gezwungen, ihren Lebensmittelladen zu schließen. Sie wurde in Buchholz als „Volksschädling“ beschimpft, von Geschäftsleuten nicht bedient und vom Zahnarzt nicht behandelt. Als Werkssanitäterin in einem Rüstungsbetrieb musste sie gefährlichste Arbeiten übernehmen. Die sechste Person ist, da ihr Name nicht bekannt ist, für die Benennung einer Straße nicht geeignet.

Die in dem erwähnten Buch genannten NS-Opfer sollten bereits in der Gedenkstätte auf dem Marktplatz, die der Antragsteller bereits 2012 beantragt hatte, beim Namen genannt werden. Dies fand keine Mehrheit im Senat. Die Benennung von Buchholzer Straßen nach den genannten Personen würde die ausgebliebene Würdigung nachholen und dem Beispiel zahlreicher Kommunen folgen, die bereits vor langer Zeit Straßen nach Opfern des NS-Regimes benannt haben.

Song der Woche

Veröffentlicht: 2016-04-25 in Politik, Widerstand

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„Wut zu Widerstand! Faust heben! Hamburg sieht Rot!“ Unter diesem Motto ruft die Revolutionäre Linke Hamburg hinaus zum 1. Mai, 18 Uhr, Bahnhof Altona, und am Vorabend, 30. April, zum Klassenfest am Bahnhof Sternschanze, 16 Uhr , mit Hip Hop und anderem. Der buchholz express veröffentlicht hier den Aufruf der Revolutionären Linke Hamburg in voller Länge:

Hamburg ist die Hauptstadt der deutschen Millionäre, die zusammen mit dem Rest der globalen Elite immer reicher werden. Gleichzeitig ist die Armut nicht nur in der Hansestadt über die letzten Jahrzehnte schnell angestiegen. Jeder vierte Beschäftigte in Deutschland arbeitet trotz Mindestlohn im Niedriglohnsektor. Leih- und Zeitarbeit und andere prekäre Arbeitsverhältnisse sind Normalität. Weitere drei Millionen Menschen müssen von Hartz IV ihren Lebensunterhalt bestreiten. Frauen werden im Schnitt noch immer schlechter bezahlt als Männer, und MigrantInnen werden systematisch mit Hungerlöhnen abgespeist.

Trotz dieser verheerenden Lage der arbeitenden Klassen setzen die Gewerkschaftsbosse weiterhin auf Co-Management und Sozialpartnerschaft mit den KapitalistInnen zur Integration der Stammbelegschaften in den Kernindustrien. Dabei brauchen wir mehr Protest und Widerstand gegen die neoliberal-kapitalistische Offensive. Streiks von Fachgewerkschaften reichen deshalb nicht aus, auch wenn sie richtig sind und zeigen, welche Kraft ArbeiterInnen entfalten können. Wir müssen die KollegInnen, die in den Kitas, bei Amazon, H&M, am Flughafen usw. die Arbeit niederlegen, solidarisch unterstützen und gleichzeitig die Gewerkschaftsführungen für ihre Kumpanei mit dem Gegner rücksichtslos zur Rechenschaft ziehen.

Die herrschende Klasse betreibt seit vielen Jahren den Klassenkampf von oben – nicht nur nach Innen, sondern auch nach Außen. Die Lage in den peripheren Gebieten des kapitalistischen Weltsystems ist deshalb noch verheerender. Mit seiner rücksichtslosen imperialistischen Interessenpolitik in der EU hat das deutsche Establishment ganze Staaten, wie z.B. Griechenland, ins Elend gestürzt. Freihandelsverträge wie TTIP und CETA sollen die Vorteile für das westliche Kapital auf Kosten der ArbeiterInnen in Europa, den USA und dem Rest der Welt weiter verbessern.

Gleichzeitig schüren deutsche Militärs und PolitikerInnen teils im Verbund mit der NATO und der EU, teils auf eigene Rechnung allerorts Krisen und Kriege. Die aggressive Osterweiterungspolitik der EU unter deutscher Führung hat aus der Ukraine nicht nur – wieder – ein Kriegsschlachtfeld gemacht, sondern in Kiew auch eine Regierung unter Beteiligung von neokonservativen Faschisten installiert.

In Syrien hat Deutschland zuerst an der Destabilisierung des Staates mitgewirkt, nun mischen über tausend SoldatInnen vor Ort mit. Mit der Türkei Erdogans hat die Bundesregierung einen Pakt gegen die Flüchtlinge, die kurdische Widerstandsbewegung und die revolutionäre türkische Linke geschlossen, die unter dem Deckmantel der IS-Bekämpfung zerschlagen werden sollen. Insgesamt ist die Bundeswehr derzeit weltweit mit über 3.000 SoldatInnen in 15 Auslandseinsätzen aktiv, um die Interessen der deutschen Politik und Unternehmen zu wahren.

Weil zahlreiche Staaten der Peripherie über Jahrzehnte durch die imperialistische Politik des Westens ökonomisch, politisch und militärisch zerstört worden sind, müssen Millionen Menschen fliehen. Die Willkommens-Rhetorik der Bundeskanzlerin darf weder über diese Fluchtursachen noch darüber hinwegtäuschen, dass die deutsche Wirtschaft die Flüchtlinge als billige Arbeitskräfte „integrieren“ will, während gleichzeitig die EU-Grenzen weiter aufgerüstet werden.

Grüne, SPD und CDU/CSU haben zudem die härtesten Asylrechtsverschärfungen seit dem 1990er Jahren beschlossen. Es ist keine Lösung, nur ein paar Flüchtlinge in die EU zu lassen, sie dann in Flüchtlingsghettos und Zeltdörfer einzusperren: Wir müssen stattdessen offene Grenzen, Wohnungen und Bewegungsfreiheit für alle erstreiten und die Hauptfluchtursache – den westlichen Imperialismus – bekämpfen.

Das Erstarken der rechtspopulistischen und neofaschistischen Kräfte in der Bundesrepublik hat im Kern nichts mit Flüchtlingen zu tun – sie werden vielmehr von AfD, CSU und anderen ScharfmacherInnen zur rassistischen Mobilmachung benutzt und sollen gegen die hiesige Arbeiterklasse ausgespielt werden.

Der Aufstieg des rechten Lagers ist die Folge von mehreren Jahrzehnte der gezielten Verarmung großer Teile der Bevölkerung und der Aushöhlung der bürgerlichen Demokratie, für die die bürgerliche Allparteienkoalition von CDU bis Grüne die Verantwortung trägt. Deren Gejammer über den „Rechtsruck“ in der Republik ist deshalb Heuchelei. Zumal einige VertreterInnen der bürgerlichen Parteien AfD und Co hofieren, um sich Koalitionen offen zu halten und ein Bollwerk gegen möglichen sozialen Protest zu errichten.

Ein Schutzwall gegen Widerstand und Protest soll auch das Klimaabkommen sein, das im vergangenen Dezember in Paris unterzeichnet worden ist. Denn es ist faktisch wirkungslos. Die Herrschenden setzen damit die Existenz des Planeten, wie wir ihn kennen, und das Leben vor allem der Menschen in der Peripherie aufs Spiel. Die Vereinbarung dient der Elite allerdings dazu, ihr mangelndes Interesse am Schutz des Klimas und eines Großteils der Menschheit zu kaschieren.

Dabei ist der Umgang mit dem Klima exemplarisch für die systematische Vernichtung der natürlichen Lebensgrundlagen und anderer Lebewesen. In Hamburg plädieren die hanseatischen Kaufleute nach wie vor für die Elbvertiefung im Wissen um die ökologischen Schäden. Gleichzeitig lassen die Wirtschaftsbosse für Profite massenhaft Tiere töten und quälen, wie z.B. bei Vion Food Hamburg in Bad Bramstedt oder im Tierversuchslabor LPT im Süden Hamburgs.

Auch wenn die Niederlage der herrschenden Klasse beim Olympia-Referendum eine schallende Ohrfeige gewesen ist, ist sie keinesfalls das Ende der kapitalistischen Standortpolitik à la Elbphilharmonie oder Hafencity. Senat und Handelskammer setzten weiter auf Stadtentwicklung durch ökonomisches Wachstum zugunsten einiger Weniger.

Sie wollen vor allem die (Aus)Bildungspolitik weiter neoliberalisieren. Ferner verlangt der Chef der Handelskammer günstige Flächenvergabe für Unternehmen, Steuersenkungen für die Reichen, weitere Deregulierung und Freihandel also. Zudem werden einige geplante Projekte auch ohne Olympia-Bewerbung umgesetzt. Allein für das „Überseequartier“ sollen 860 Millionen Euro ausgeben werden. Gleichzeitig fehlen in Hamburg allein tausende Sozialwohnungen für Familien, Obdachlose, Behinderte und Frauen, die in Frauenhäusern auf eine neue Bleibe warten.

Die verschiedenen Widersprüche in dieser Gesellschaft haben eine gemeinsame Wurzel: den Kapitalismus. Solange er nicht überwunden wird, suchen KapitalistInnen nach Wegen, ihre Profite zu maximieren. Im Normalbetrieb geschieht dies durch die Ausbeutung der arbeitenden Klasse. Aber die Herrschenden aus Wirtschaft, Politik und Militär schrecken auch nicht vor anderen Mitteln zurück. Sie versuchen immer wieder, Differenzen zwischen den Menschen zu funktionalisieren und setzen militärische Gewalt ein, um ihre politische Macht auszubauen und ökonomische Interessen durchzusetzen.

Wer will, dass sich an Ausbeutung und Unterdrückung etwas ändert, darf sich nicht nur mit Reformen zufrieden geben oder sich in der linken Szene und Subkultur verkriechen. Nur ein revolutionärer Bruch mit dem Kapitalismus, dem durch Reformen der Weg bereitet wird, bietet die Möglichkeit, eine andere Gesellschaft aufzubauen. Der 1. Mai ist der Kampftag der ArbeiterInnen und Marginalisierten auf der ganzen Welt. Überall gehen die Menschen gemeinsam auf die Straße, um für ihre Rechte und eine bessere Gesellschaft einzutreten. Lasst es uns ihnen gleich tun und für das Ende dieses Systems zusammen kämpfen!

Nieder mit der herrschenden Klasse!

Heraus zum revolutionären 1. Mai!

Was ist los Leute – muss ich erst in Buchholz eigenhändig – oder besser eigenfüßig – den Spiegel eines SUV wegtreten, damit der Blog wieder mehr gelesen wird?

dsc_9575Von xxx – Fortsetzung, zweiter Teil

Levin warf sich mit Schmackes auf einen Stuhl an dem Tisch im „Last Exit“, an dem Jasper bereits in Seelenruhe einen grünen Tee zu sich nahm. „Das ist ja ein Riesenknaller!“, platzte es aus ihm heraus. „Wir sind auf allen Sendern, auf allen Portalen. Wahnsinn!“

„Posaun‘ es doch noch lauter heraus, vielleicht hat es noch nicht jeder im Lokal mitbekommen“, zischte Jasper ihm zu. Levin duckte sich schuldbewusst. „Entschuldige, die Begeisterung hat mich davongetragen.“ Jasper beugte sich zu ihm vor. „Wenn du über die Angelegenheit reden willst, dann bitte erstens leiser und so unverbindlich, dass es auch um was ganz anderes gehen könnte, am besten in sprachlichen Bildern. Comprende?“

Levin nickte und sah sich um, als wollte er sich vergewissern, dass niemand hinter ihm saß oder stand. „Wie habt Ihr das hinbekommen: so viele Treffer in einem Spiel?“

„Ja, das ist die richtige Masche! Na ja, gute Vorbereitung, gutes Training, gute Mannschaftsaufstellung.“

„Ja, klar. Aber trotzdem Chapeau! Da scheint ja eine fitte Mannschaft auf dem Platz gestanden zu haben.“

„Kann man sagen. Und zwar gemischte Teams, wenn Du weißt, was ich meine. Die funktionieren sowieso meist besser. Das wissen sogar die Bullen.“

„Raffiniert! Aber der Sinn des Ganzen leuchtet mir nach wie vor nicht ein.“

„Kommt Zeit, kommt Aufklärung! Momentan will ich mehr nicht sagen, wir sind ja nicht unter uns. Nur soviel: Wir brauchen immer gute Leute und du kannst dabei sein. Eine Vergnügungsreise wird das natürlich nicht, um ein anderes Sprachbild zu gebrauchen, eher eine Expedition ins Unbekannte. Und auch nicht auf einem Kreuzfahrtschiff, sondern eher auf einem Schnellboot mit leichter Bewaffnung.“

„Bewaffnung?“ Levin sah ihn fragend an. Jasper grinste. „Rein metaphorisch gesprochen, vorerst.“

Er blickte sich nach der Bedienung um. „Ich glaube, heute ist mal wieder ein Tomatensaft fällig. Was Knallrotes!“ Levin lachte. „Also, ich halte mich an Kaffee, wobei das sicher nicht politisch gemeint ist.“

xxx

Levin hatte nicht übertrieben. Das Netz war voll von den Vorgängen, die sich in der Nacht auf Hamburgs Straßen zugetragen hatten. Jasper war zu Hause bewusst offline geblieben und hatte auch kein Radio angemacht. Im „Last Exit“ klappte er sein kleines Notebook auf und ging über das W-LAN des Lokals ins Netz.

Jasper war ein nüchtern denkender Mensch, aber angesichts dessen, was im Internet auf ihn zubrandete, konnte er ein Hochgefühl nicht unterdrücken. Mit vergleichsweise geringem Aufwand eine derartige Welle zu erzeugen, nicht übel!

„47 SUVs in einer Nacht demoliert – Vandalismus-Wahnsinn in Hamburg“, hieß die Zeile bei bild.de, Focus.de schrieb „47 SUVs geschrottet – Wer tut denn so etwas?“, Spiegel online vermeldete, gewohnt seriöser als die Boulevardkollegen: „Hamburg: 47 SUVs in einer Nacht beschädigt – Polizei steht vor einem Rätsel“.

In den Beiträgen herrschten die üblichen Floskeln vor, von einer „Spur der Zerstörung“, „sinnlosem Vandalismus“ oder „der Polizei, die im Dunkeln tappt“. Einige Medien drehten die Geschichte schon weiter, so fabulierte die Morgenpost von einer „SUV-Bande“, die in Hamburg ihr Unwesen getrieben habe.

Als Nachrichtenkern blieb, dass im gesamten Hamburger Stadtgebiet in der Nacht zum Donnerstag insgesamt 47 Fahrzeuge, alles hochwertige SUVs, die Mehrzahl deutscher Herkunft, also Mercedes, BMW, Porsche und Audi, aber auch einige Fahrzeuge ausländischer Herkunft wie Jeep oder Volvo massiv beschädigt worden waren. Die unbekannten Täter hatten alle in etwa zur selben Zeit zugeschlagen, die Vorgehensweise war fast überall dieselbe.

Es war sowohl der Polizei als auch den Medien klar, dass es sich um ein organisiertes Vorgehen einer Gruppe handeln musste, allein schon wegen der schieren Zahl von beschädigten SUVs in derselben Nacht. Und es musste sich um eine große Gruppe handeln, da die Tatorte relativ weit auseinander lagen.

Bei allen beschädigten Fahrzeugen war der Lack zerkratzt und die Reifen waren zerstochen worden. Auf allen Motorhauben waren, vermutlich die Signatur der Gruppe, in roter Farbe das Kürzel „SG“ gesprüht worden.

Die Polizei hatte keine Ahnung, was das Kürzel bedeuten konnte. Auch sonst war die Ermittlungslage dünn. Hier und da hatten Zeugen schwarz gekleidete und vermummte Gestalten davonlaufen sehen. An den Tatorten war bisher nichts gefunden worden: keine weggeworfene Kippe, Fingerabdrücke schon gar nicht, kein Fetzen von der Kleidung der Täter. Noch wurden die Tatorte aber untersucht.

Auch über die Frage, was das Ganze eigentlich sollte, konnten die Medien ebenso wie die Polizei nur spekulieren. So wurde die Frage aufgeworfen, ob es sich um eine Art „skurrilen Flashmob“ handelte oder eine ausgefallene Mutprobe. Eine Auseinandersetzung im Milieu hatte die Polizei bereits ausgeschlossen, da die Halter der Fahrzeuge nichts miteinander zu tun hatten und die Tatorte wahllos über das Stadtgebiet verstreut waren.

Der Pressesprecher der Hamburger Polizei konnte zu den Hintergründen nur eines sagen. „Wir haben es mit einem völlig neuen Phänomen zu tun, ein solches Vorgehen hatten wir noch nicht.“ Man habe bereits eine Ermittlungsgruppe gegründet.

Jasper klappte sein Notebook zu und pfiff leise durch die Zähne. „Gar nicht schlecht für den Anfang.“

(wird fortgesetzt)