Das Buchholzer Mahnmal für NS-Opfer: Die Umsetzung ist ein Armutszeugnis für die Stadt!

Veröffentlicht: 2016-02-07 in Hintergründe, Kommentare, Lokales, Politik
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Gestaltung gut, Umsetzung mangelhaft: der Gedenkstein auf dem Marktplatz von Buchholz.

Gestaltung gut, Umsetzung mangelhaft: der Gedenkstein auf dem Marktplatz von Buchholz.

Von Kristian Stemmler

Seit der Einweihung des Gedenksteins für Opfer des NS-Regimes auf dem Buchholzer Marktplatz sind einige Tage vergangen. Es ist jetzt also möglich, sich das Resultat der Bemühungen noch einmal in Ruhe anzusehen und eine weitergehende Bewertung vorzunehmen. Als Initiator des Projekts im Stadtrat kann ich dabei heute eigentlich nur zu einem Urteil kommen: Wie das Ganze umgesetzt worden, ist alles in allem ein Armutszeugnis für die Stadt!

In Kommentaren in diesem Blog wurde verschiedentlich darauf hingewiesen, es sei doch gut, dass es in Buchholz jetzt überhaupt ein Mahnmal für NS-Opfer gibt. Das kann man so sehen. Aber ich neige inzwischen der Auffassung zu, dass gerade bei diesem Thema halbe Sachen mehr als schädlich sind – dann lieber gar keine Gedenkstätte. So wie das Mahnmal jetzt aussieht, schadet es der Sache eher.

Der Stein an sich ist nicht das Problem. Künstler Jan Amelung hat nicht nur mit dem Porenbasalt ein passendes Material gefunden, sondern auch mit der Gitterstruktur, die er in den Stein gehauen hat das Thema getroffen. Aber sein Stein wurde von der Verwaltung lieblos in die hinterste Ecke des Beetes im Zentrum des Marktplatzes gerückt, eingequetscht zwischen Schautafeln und einem öffentlichen Telefon, ohne jede ergänzende, kommentierende Tafel.

Wer jetzt etwa vom Bahnhof aus als Gast dieser Stadt nach Buchholz hereinkommt und von dem Mahnmal nie gehört hat, weiß doch erst mal gar nichts damit anzufangen. Da steht dieser relativ kleine Stein verloren in einem Beet. Und auch wenn der Besucher überhaupt auf ihn aufmerksam wird und ihn sich näher ansieht, wird er vermutlich erst mal rätseln. Er liest auf kleinen Kupferplatten zwischen den Gitterstäben die Wörter „Homosexuelle“, „Juden“, „Politische Gegner“.

Nun gut, wenn man nicht ganz auf den Kopf gefallen ist, kann man sich denken, dass dieser Stein etwas mit der NS-Zeit zu tun hat. Aber was das Ganze eigentlich soll, was mit den Aufschriften auf den Platten und dem Gitter eigentlich gesagt werden soll, das bleibt im Dunkeln. Der Besucher wird vermutlich einigermaßen ratlos weiterziehen.

Es gibt eine einfache Möglichkeit, diese Schwäche des Mahnmals zu heilen. Mit einer erklärenden Schrifttafel neben dem Gedenkstein, wie sie an anderen Mahnmalen durchaus üblich ist, ließe sich Eindeutigkeit herstellen. Diese könnte zum Beispiel so oder ähnlich beschriftet sein:

Überschrift: „Mahnmal für die Opfer der NS-Tyrannei“ – Text: „Das Mahnmal erinnert an die Millionen Opfer der Gewaltherrschaft des NS-Regimes. Der Gedenkstein wurde von dem Buchholzer Bildhauer Jan Amelung gestaltet. In Gitter, die die Anmutung von Gefängnisgittern haben, hat Amelung Bronzeplatten eingefügt, auf denen Gruppen genannt werden, die von den Nazis verfolgt wurden. Die freien Lücken sollen eine Mahnung sein, dass die Stellen frei bleiben müssen, es also nie mehr Krieg und Faschismus in Deutschland geben darf.“

In meiner Funktion als Mitglied des Stadtrats werde ich einen Antrag einbringen, der eine solche Ergänzung des Mahnmals zum Inhalt hat. Mal sehen, wie sich die Parteien der Ratsmehrheit dazu verhalten, die sich zuletzt so rühmten, diesen Gedenkstein durchgesetzt zu haben.

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Kommentare
  1. Es tut mir sehr leid, dass ich nicht anwesend war, als über das dritte Bushäuschen von links oder die Ortsumgehung in Dibbersen abgestimmt wurde… Ich nehme mal an, Sie sind berufstätig, sitzen in einer Doppelhaushälfte, fahren ein oder zwei nette Mittelklassewagen, sind abgesichert. Mir ist klar, dass Sie sich da nicht vorstellen können, dass es Situationen gibt, die einfache Lösungen nicht zulassen. Natürlich wäre es konsequenter, das Mandat zurückzugeben, aber stellen Sie sich vor: Das kann ich mir finanziell nicht erlauben. Ja, da machen Sie große Augen. Schieben Sie sich Ihre Kritik einfach in den Arsch!

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  2. Carsten K. sagt:

    Sie sollten diese ewig beweihräuchernden Zusätze zu Ihrer Person, „in meiner Funktion als Stadtrat“ mal weglassen, den schließlich werden Sie seit Monaten nicht mehr in ihrem Ausschuss (und Sie sitzen bloß in einem) und im Rat gesehen. (siehe öffentliche Protokollnotizen der Ratssitzungen https://www.buchholz.de/allris/si018.asp).
    Zwischen dem 24.02.2015 und dem 04.12.2016 gab es insgesamt acht Ratssitzungen, an denen die Bürger ihre Anwesenheit erwarten konnten, denn auch Sie repräsentieren den Rat der Stadt Buchholz.
    Von den acht Terminen im Rat haben Sie sechs mal (!) gefehlt.
    In der Schule würde man sagen, eine Anwesenheit von 25% ist eine glatte Sechs!
    Aus welchen gewichtigen Gründen auch immer Sie dieser Aufgabe nicht nachkommen können… Wenn sie es nicht können, lassen Sie es sein! Andere Ratsmitglieder sind berufstätig, haben Familie, sind trotzdem anwesend und erfüllen das in sie gesetzte Vertrauen der Bürger. Sie hingegen betreiben Verrat an den Bürgern, die sich auf Ihre gewählten Vertreter verlassen. Aber gleichzeitig meckern Sie in einem unverschämten Ton über die gewählten Vertreter der Ratsmehrheit…, mit welchem Recht eigentlich?
    Zählt man den Ausschuss „Wirtschaft und Soziales“ noch dazu, erhöht sich die Anwesenheit bei drei weiteren Sitzungen auf zwei…auch da haben sie einen Termin versäumt…d.h. ein Drittel der Arbeit geht völlig ohne Sie, das machen andere und die machen das richtig gut. Vielleicht sind sie deshalb so voller Hähme, da Sie merken, es geht auch ohne Ihre permanente Polemik!
    (Aber auf den Kommentar von Ihnen (oder wer auch immer gerade schreibt) freue ich mich schon….)

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  3. Jochen Grossmann sagt:

    Bezeichnet sich unsere Heimatstadt nicht auch als “ Kulturstadt“ ? Wer auch immer für diese gedankenlose Platzierung dieses Gedenksteins verantwortlich zeichnet, sollte für die nächste Zeit – solange, bis dem öffentlichen Dienstleister ein dem Gedenken angemessener Ort einfällt – immer zur samstäglichen Marktzeit seine Begründung für die Auswahl dieses Gedänkplatzes ( laut ! )vortragen.

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