Aleppo, Bengasi, Kabul, Köln – Die Gewalt schlägt zurück in unsere Metropolen

Von Kristian Stemmler

Endlich, endlich! Darauf haben die neuen und alten Nazis des Landes gewartet. Die Vorfälle in der Silvesternacht in Köln und anderen Großstädten scheinen das wahr gemacht zu haben, was sie bislang mühsam herbeifantasieren mussten: Ein entfesselter Mob von Afrikanern und Arabern zieht raubend und vergewaltigend durch die Stadt. Besser konnte das Jahr für Pegida, AfD und Co. gar nicht anfangen!

Bürgerliche Medien und Politiker reagieren wie angestochene Hühner. Minister aller Coleur, ja gar die Kanzlerin eilen in die Bütt. Aufgeregt werden die Ereignisse durchgehechelt, Kriminologen und Sozialwissenschaftler vor die Kamera gezerrt. Der unvermeidliche Rainer Wendt, Chef der rechtslastigen Deutschen Polizeigewerkschaft, darf seine Propaganda auf allen Kanälen verbreiten.

Wie immer geht die Diskussion völlig am Kern vorbei. Lang und breit wird darüber geredet, was die Sache mit dem Thema Flüchtlinge und/oder Migration zu tun hat oder auch nicht, ob die Polizei Fehler gemacht hat und dergleichen mehr. Was das Ganze mit sozialen Zerfallsprozessen zu tun hat, wo systemische Ursachen zu finden sind – das darf wie immer nicht thematisiert wird, diese Fragen sind tabu.

Dass alkoholisierte junge Männer in einer Art Kettenreaktion wie auf Verabredung plötzlich völlig entfesselt agieren, gewalttätig und übergriffig werden, ist in der Tat erschreckend. Aber es ist total egal, ob die Täter Nordafrikaner, Deutsche, Araber oder Eskimos waren. Wenige Tage vor Silvester hat ein Mob von rund 1200 (hauptsächlich deutschen) Fans des FC Hansa Rostock in der Hansestadt randaliert. Das lief sicher anders als in Köln, aber es wurden auch in Rostock massenhaft Straftaten begangen.

Diese Entwicklung kann klar denkende Menschen nicht überraschen, denn die Verrohung weiter Schichten der Bevölkerung, vor allem im unteren Drittel, wird seit Jahren von kritisch denkenden Soziologen gesehen. Sie ist das Ergebnis einer zunehmenden Erosion der Gesellschaft, dessen Motor ein entfesselter Kapitalismus ist. Wer das nicht sehen will, stolpert blind in eine düstere Zukunft.

Die nackte Gewalt wohnt dem herrschenden System inne. Es ist doch überhaupt kein Zufall, dass solche Ereignisse quasi zeitgleich geschehen mit einer fortschreitenden, um nicht zu sagen: galoppierenden, Militarisierung der deutschen Politik, Stichwort: Syrien und Mali. Die kapitalistischen Mächte tragen die Gewalt nach Afrika und in den Mittleren Osten, von dort schlägt sie in unsere Metropolen zurück.

Man schaue sich nur mal die Texte der bei der Jugend so angesagten Rapper an, sehe sich die TV-Serien und Filme an, die Jugendliche und junge Erwachsene sich reinziehen, beschäftige sich mit den Inhalten der angesagten Computerballerspiele – die Gewalt ist überall so präsent, dass es kaum noch auffällt.

Der Autor und Gefängnispsychologe Götz Eisenberg schreibt in seinem neuen Buch „Zwischen Amok und Alzheimer – Zur Sozialpsychologie des entfesselten Kapitalismus“: „Gegenwärtig wächst eine Generation heran, die schon in der Wolle mit Sozialdarwinismus eingefärbt ist. Die hinter uns liegenden, von der Praxis des Neoliberalismus geprägten eisigen Jahre haben die Menschen selbst eisig werden lassen. Sie können gar nicht anders, als diese Kälte weiterzugeben und auf ihre Umgebung abzustrahlen.“

Zweifellos kippt der entfesselte Turbokapitalismus mit zunehmenden Tempo in Anarchie um. Das war nicht anders zu erwarten. Und natürlich reagiert vor allem die zunehmend verrohende Mittelschicht wie gehabt: Man steckt den Kopf in den Sand oder keilt nach unten aus. Wie ich bereits zum Jahresanfang geschrieben habe: In Doppelhaushälften und in den Siedlungen an der Peripherie geht die Angst um, den eigenen kleinen Wohlstand zu verlieren, Häuschen, Job, den SUV vor der Tür.

Der buchholz express weist immer wieder darauf hin: So lange die systemischen Ursachen der aktuellen Entwicklungen nicht endlich gesehen und analysiert werden, zerfällt diese Gesellschaft immer weiter. Aufwachen Leute!

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13 Comments

  1. Sehr geehrter Herr Stemmler,
    versuchen Sie doch wenigstens einfach mal zu recherchieren.
    Ihre Behauptung: „Dass die Öffentlichkeit erst relativ spät von den Vorgängen erfuhr, haben einzelne leitende Polizeibeamte zu verantworten…“, ist nach dem jetzigen Kenntnisstand nicht haltbar.
    Eine gute Nacht.
    Meckelein

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  2. Die sozialen Netzwerke? Entschuldigen Sie, dass ich lache. „Soziale“ Netzwerke sind nichts anderes als Dreckschleudern… Dass die Öffentlichkeit erst relativ spät von den Vorgängen erfuhr, haben einzelne leitende Polizeibeamte zu verantworten und nicht Medien und Politik. Versuchen Sie doch einfach mal nachzudenken.

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  3. Sehr geehrter Herr Stemmler,
    kurz eine – sehr verspätete – Anmerkung zu dem Artikel.
    Sie schreiben: „Bürgerliche Medien und Politiker reagieren wie angestochene Hühner.“ Falsch! Weder Polizei, noch Medien und auch nicht die Politik reagierten auf diese Sexualverbrechen zeitnah. Und zeitnah heißt: Sofort! Ein angestochenes Huhn wird wohl kaum sechs Tage, fünf Tage oder vier Tage warten, bis es mal einen Laut von sich gibt – oder?
    Diese Herrschaften reagierten ersteinmal – gar nicht. Und ich vermute mal – sie täten es bis heute nicht. Wenn, ja wenn es nicht die sozialen Netzwerke geben würde.
    Gute Nacht…
    Meckelein

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  4. Nachdem nun ein paar Tage nachdem die Sachlage systematisch von der Presse verschwiegen wurden ist ubd nun die bittere Wahrheit immer mehr ans Licht kommt, würde es auch dem „buchholzexpress“ gut tun, sich mit der Realität zu beschäftigen. Mir sind keine Vorfälle bekannt, bei denen sich deutsche Männer (so in Bielefeld geschehen) zu einer Gruppe von 500 Personen zusammen rotten, sich gewaltsam Zutritt zu einer Diskothek verschaffen, um massiv sehr junge Frauen zu belästigen. Fachleute haben auf dieses Problem in Hinblick auf die sehr große Anzahl männlicher, unbegleiteter Flüchtlinge hingewiesen. Aber
    wer es auch nur wagt Bedenken zu formulieren, wird auch hier zu allererst in eine „rechte Ecke“ geschoben. Das ist pure Ideologie, aber kein Journalismus.

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  5. Das ist genau das Problem: Was heißt hier „die Ausländer“? Erstens ist sexuelle Gewalt kein spezifisch migrantisches Delikt. Ich möchte nicht wissen, wie viele sexuelle Belästigungen auf dem Oktoberfest geschehen. Zweitens steht ja noch gar nicht fest, wer die Taten begangen hat. Selbst wenn viele Ausländer darunter sind, wie es momentan aussieht, können die schließlich auch einen gesicherten Aufenthaltsstatus haben. Und was heißt hier „unsere Frauen“? Was soll diese elende Deutschtümelei?

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  6. Moin Herr Stemmler,

    Sie haben sicher Recht mit der Meinung, dass die Gesellschaft gespalten ist in Arm und Reich. Das gibt den Ausländern, egal WANN, WIE, WO und WARUM Sie nach Deutschland gekommen sind, nicht das Recht, auf unsere Frauen loszugehen. Wenn ich das sagen hätte, hätte ich ALLE, ohne Ausnahme, noch am selben Abend aus meinem Land geworfen.!!!!!!!!!!!!!!!

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  7. Und Sie sollten sich nicht mehr als nützliche Idioten für die Mächtigen einspannen lassen. Sie müssen endlich mal begreifen, dass die Spaltung der Gesellschaft nicht längs ethnischer Grenzen, sondern längs sozialer Unterschiede verläuft – soll heißen: Unser aller Feind sollten die Leute sein, die oben auf der Galerie ein lustiges Leben führen und sich dabei amüsieren, die da unten in der Arena aufeinanderzuhetzen.

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  8. Schön reden und die Wirklichkeit verkennen, sind sicherlich keine guten Garantien für eine gelungene Integration.

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  9. Ach Herr Stemmler für Sie sind es immer noch bedauerliche Einzelfälle. Egal ob Hamburg, Köln, Stuttgart oder Bielefeld, es sind alles Beispiele für das Versagen, der deutschen Politik und der misslungen Integration der ausländischen Invasion.

    Wann begreifen auch Sie, dass der Überfremdungswahn eine Gefahr für dieses Land ist und dass die Vorfälle nur der Anfang vom Untergang ist.

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