Fröhlich soll die Kasse klingeln… Kirchenchöre singen Weihnachtslieder im Einkaufstempel

Veröffentlicht: 2015-12-28 in Lokales, Realsatire
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So berichtete das Wochenblatt.

So berichtete das Wochenblatt.

Von Kristian Stemmler

Weihnachten ist bekanntlich das höchste Fest der Konsumgesellschaft. Darüber ist ja nun schon viel geschrieben und gesagt worden, wobei meist ein resignativer Unterton nicht zu überhören ist – so ist es nun mal, da kann man halt nichts machen. Allerdings sollte man doch wenigstens von den christlichen Kirchen erwarten, dass sie die Kommerzialisierung ihres zweitwichtigsten Hochfestes nicht ohne Gegenwehr hinnehmen. Davon kann aber nicht wirklich die Rede sein.

Statt die Gelegenheit des Heiligabends zu nutzen und den vielen Weihnachtschristen, die an diesem Tag in die Gotteshäuser strömen, die Leviten zu lesen, liefert man den Zuckerguss auf der Torte. Kerzen und Krippenspiel, andächtige Worte von der Kanzel, die Weihnachtsgeschichte, das war’s. Bloß nichts Kritisches, man will den Leuten ja nicht das Fest versauen. Sonst kommen sie nächstes Jahr nicht wieder, also nächstes Jahr an Heiligabend wohlgemerkt.

In Buchholz ging man in diesem Jahr gar noch einen Schritt weiter. Nicht nur, dass man es unterließ, öffentlich zu kritisieren, dass das zweitwichtigste Hochfest der Christenheit zu einem einzigen Konsumzirkus verkommen ist – man gab sich als Schmiermittel für den Konsum her. Es kann nicht überraschen, dass es eine Freikirche war, die dies angeleiert hat: die Friedenskirche Buchholz. Die evangelikalen Kirchen sind besonders unkritisch und systemerhaltend, ein Hort der Heuchler.

Das Nordheide Wochenblatt berichtete unter der Überschrift „Flashmob in der Buchholz Galerie“, in dem Einkaufszentrum hätten sich rund 100 Sänger von Chören der Gemeinden St. Paulus, St. Johannis und der Friedenskirche versammelt und Weihnachtslieder gesungen. Die Idee habe Andreas Büttner von der Friedenskirche Buchholz gehabt, die Kantoren von Paulus und Johannis hätten gern mitgemacht. Büttner leitet in der evangelikalen Gemeinde an der Soltauer Straße ein Chorprojekt.

Also noch mal im Klartext: Statt sich vor die Galerie zu stellen und gegen die Kommerzialisierung des Weihnachtsfestes zu demonstrieren, begeben sich Chorleiter christlicher Gemeinden mit ihren Sängern in den größten Einkaufstempel der Stadt und verleihen dem Konsumrummel höhere Weihen. Für nächstes Jahr empfehle ich folgende Lieder: „Fröhlich soll die Kasse klingeln“ oder „O du fröhliche Einkaufszeit“.

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