Thema Flüchtlinge: Buchholz‘ Erster Stadtrat Hirsch plädiert für mehr Engagement von Kreis und Stadt beim Wohnungsbau

Veröffentlicht: 2015-11-12 in Hintergründe, Lokales, Politik
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Von Kristian Stemmler

Die gewachsene Notwendigkeit, in Deutschland Flüchtlinge aus Kriegs- und Krisenregionen aufzunehmen, sorgt in den Kommunen für wachsende Lasten. Davon ist auch Buchholz betroffen. Im Ausschuss für Wirtschaft und Soziales der Stadt berichtete der neue Erste Stadtrat Dirk Hirsch jetzt von den Problemen, die sich etwa auf dem Wohnungsmarkt ergeben oder ergeben können. Hirsch überzeugte dabei mit einem sachlichen, aber zugleich engagierten Statement.

Der Erste Stadtrat warnte ausdrücklich davor, dass Buchholz eine Stadt wird, in der nur noch Wohnungen für Besserverdienende gebaut werden. „Das ist wichtig für den sozialen Frieden“, erklärte er. Dabei müsse auch vermieden werden, dass Flüchtlinge und deutsche Geringverdiener in der Konkurrenz um günstige Mietwohnungen gegeneinander ausgespielt werden. Sinnvoll sei ferner, dass eine „Durchmischung“ der Wohnquartiere statt finde, die Flüchtlinge also dauerhaft nicht geballt an einem Standort wohnen.

Auf dem Wohnungsmarkt führten die wirtschaftlichen Bedingungen in einer Niedrigzinsphase leider dazu, dass Investoren nur noch Wohnungen bauten, die eine hohe Rendite versprächen, die aber nur mit hohen Mieten bzw. mit dem Bau von Eigentumswohnungen zu erreichen sei. Hirsch plädierte daher ausdrücklich dafür, dass diese Lücke von den Kommunen durch ein eigenes Engagement im sozialen Wohnungsbau geschlossen werde.

In diesem Zusammenhang lobte der zweite Mann hinter Bürgermeister Jan-Hendrik Röhse den Beschluss des Stadtrats, Geld für den Kauf von 127 Wohnungen an der Rütgersstraße und an der Straße „An der Schwellenfabrik“ freizugeben, die Mitte der 90er als Sozialwohnungen gebaut wurden. Die Stadt nahm ihr Vorkaufsrecht war und kauft die Wohnungen von der Vereinigten Hamburger Wohnungsbaugenossenschaft eG (VHW) für rund 9,3 Millionen Euro. Sie waren aus der Sozialbindung gefallen und sollten an einen privaten Eigentümern fallen.

Der Erste Stadtrat berichtete im Ausschuss für Wirtschaft und Soziales auch über die aktuelle Situation in Stadt und Landkreis in der Flüchtlingsfrage. Weil die Erstaufnahmeeinrichtungen des Landes Niedersachsen überfüllt sind, musste der Landkreis Harburg zuletzt im Rahmen einer Amtshilfe mehrfach Flüchtlinge aufnehmen, die direkt mit Bussen nach Winsen gebracht wurden, etwa aus Bayern. Das habe die Situation noch mal verkompliziert, erklärte Hirsch.

In Buchholz seien aktuell etwa 400 bis 500 Flüchtlinge an acht Standorten untergebracht, etwa in den Containerdörfern Am Langen Sal und Bremer Straße. Die Verwaltung hat vor kurzem eine Arbeitsgruppe Migration eingesetzt, die sich mit den Herausforderungen durch die Aufnahme der Flüchtlinge in Buchholz auseinander setzt. Diese AG hat sich in drei Gruppen aufgeteilt, die sich mit einzelnen Bereichen befassen.

Die erste Gruppe beschäftigt sich, wie Hirsch erläuterte, mit den Folgen der wachsenden Zahl von Flüchtlingen für den Wohnungsmarkt. Dabei geht es etwa darum, wie bezahlbarer Wohnraum geschaffen werden kann. Die zweite Gruppe befasst sich mit dem Bereich sozialer Infrastruktur, also zum Beispiel den Folgen, die die Aufnahme der Flüchtlinge für Schulen und Kitas haben kann. Zuerst seien hauptsächlich Männer gekommen, inzwischen auch Familien mit Kindern, erklärte Hirsch.

Die dritte Arbeitsgruppe der AG schließlich hat Themen wie Integration, Willkommenskultur und Beschäftigung auf der Agenda. Dabei geht es etwa darum, wie Flüchtlinge in Arbeit vermittelt werden können. Hirsch sprach im Zusammenhang mit der wachsenden Zahl von Flüchtlingen von großen Herausforderungen für Buchholz. „Das Thema wird uns noch lange beschäftigen“, sagte er.

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Kommentare
  1. hans-christian keunecke sagt:

    Herr oder Frau Anonym !!
    Ich glaube bevor Flüchtlinge menschenunwürdig in Zelten den Winter verbringen
    und die Anzahl der Flüchtlinge größer wird , ist da etwas möglich !!
    Sollten sie recht behalten kann das Haus immer noch angemietet werden !!

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  2. Anonymous sagt:

    1. Das die Stadt sich um die Erstellung günstigen Wohnraums bemüht ist gut und wichtig. Andernfalls würde die Stadt nicht mehr funktionieren!

    2. Wesentlicher Grund für steigende Mieten sind allerdings auch stetig zunehmende Bauvorschriften, z.B. die Energiesparverordnung.

    3. Zum Kommentar von Herrn Keunecke: Zum Glück kann sich die Stadt nicht „einfach so“ am Privateigentum vergreifen und eine Nutzungsänderung erzwingen.

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  3. hans-christian keunecke sagt:

    Hallo Leute !Hallo Buchholz Express !
    Endlich einmal eine weitere Verwaltungsführungskraft mit Weitblick und sinnvollen
    Vorstellungen!! Ich hoffe, er kann sich durchsetzen !!??
    Natürlich hat Buchholz in den nächsten -mindestens zehn Jahren -kein Geld für den
    Ostring. Der Kreis hat auch kein Geld und kann nicht für abnehmende Fahrzeugzahl und Erschließung von Bauland Zigmillionen ausgeben, Gelder sollten sinnvollerweise lieber in den Ausbau vom ÖPNV und Radverkehrssituation fließen , um das KLIMA ZU SCHÜTZEN !! Wir jammern in Buchholz mit unserer Verkehrssituation auf hohem Niveau, dafür das viele von uns alleine mit einem „VIELSPRITFRESSER“ durch die Gegend fährt . Unser Denken und Handeln muß KLIMAFREUNDLICHER werden!!??

    Das Buchholzer Haushaltsgeld reichvermutlich gerade für den Tunnel am Reiherstieg, Sozialwohnungen, ausreichend Schulen, Kitas und die Versorgung, Integration , von und Ausbildung von Deutschen Sozialschwachen Familien und von Flüchtlingen/Asylbewerbern. Auch wenn der Bund mehr Geld für die Flüchtlingsproblematik mehr zahlen sollte. Zäune und Mauern werden die Flüchtlinge in den nächsten Jahren nicht zurückhalten.

    Was ist eigentlich mit dem Haus an der Canteleubrücke das leer steht und doch einmal der Stadt gehörte und hergerichtet wurde ??
    Auch wenn es jetzt der Fa. Könke gehören sollte , sind diese Wohnungen nicht so
    herzurichten, um dort Flüchtlinge unterzubringen.
    Kann die Stadtverwaltung da evt. rechtlich zugriff drauf nehmen um Menschen unterzubringen???

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