Erst Tostedt, jetzt Buchholz und Neu Wulmstorf: Hakenkreuze an oder vor Flüchtlingsunterkünften – dieselben Täter?

Veröffentlicht: 2015-10-30 in Analysen, Hintergründe, Lokales, Politik
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Von Kristian Stemmler

Auch im Landkreis Harburg hat die fremdenfeindliche Agitation von Rechtspopulisten und Neonazis jetzt die Schwelle von verbaler Hetze zu strafbaren Aktionen überschritten. Wie die Polizeiinspektion Harburg am Mittwoch mitteilte, ist es nach Tostedt jetzt auch in Buchholz – zum ersten Mal – und in Neu Wulmstorf zu fremdenfeindlichen Schmierereien an Flüchtlingsunterkünften bzw. in deren Nähe gekommen. Das Tatmuster ist immer dasselbe.

Vor drei Wochen waren Hakenkreuze an die Flüchtlingsunterkunft an der Todtglüsinger Straße in Tostedt gesprüht worden, an einem Sonnabend. Am vergangenen Sonnabend war die Unterkunft an der Straße Am Langen Sal in Buchholz dran. Unbekannte sprühten auch hier Hakenkreuze an die Fassade, neben dem Haupteingang. In der Nacht zum Mittwoch schlugen die oder der Täter erneut zu: Ein Hakenkreuz und ein fremdenfeindlicher Spruch wurden neben den Haupteingang gesprüht.

In der Nacht zum Dienstag hatten Unbekannte mit Kreide bereits in Neu Wulmstorf auf der Fahrbahn vor der Flüchtlingsunterkunft an der Kantstraße „fremdenfeindliche Schriftzüge“ (so die Polizei) angebracht. Die zeitliche Nähe der drei Taten legt nahe, dass es sich um denselben Täterkreis handelt, auf deren Konto vermutlich auch die Aktion in Tostedt geht, mit der das Ganze los ging. Die Polizeiinspektion erklärte, zurzeit lägen „keine konkreten Täterhinweise“ vor, die Ermittlungen dauerten an. Wer sachdienliche Beobachtungen gemacht hat, wende sich an die Polizei Buchholz unter Telefon 04181-2850.

Wer hinter den Schmierereien steckt, ist sicher momentan reine Spekulation. Aber die Vermutung, dass es sich um Neonazis handelt und eine Verbindung zur Aktionsgruppe (AG) Nordheide besteht, ist sicher nicht ganz von der Hand zu weisen. Sowohl gegen die Unterbringung von Flüchtlingen an der Todtglüsinger Straße in Tostedt wie Am Langen Sal in Buchholz hat die Nazi-Gruppe um den Buchholzer Denny Martin Reitzenstein in den vergangenen Wochen auf ihrer Homepage abendfüllend gehetzt.

Am 29. August veröffentliche die Homepage einen Beitrag, in dem behauptet wird, in der Unterkunft Am Langen Sal häuften sich von Bewohnern begangene Straftaten. Dies werde aber von der Polizei und anderen Behörden verschwiegen. Und weiter wörtlich: „Aber das schön zureden hat langsam keinen Sinn mehr. Deshalb sollte sich die Politiker bewusst sein, dass der Unmut in der Bevölkerung auch in Buchholz wachsen wird und es irgendwann zu einem großen Knall kommt!“

Ist es abwegig anzunehmen, dass sich die Neonazis da quasi selbst unter einen Druck setzen, den Worten auch irgendwann Taten folgen zu lassen? Auffällig ist, dass auf der Homepage, die Reitzenstein betreibt, seit dem 4. Oktober, also kurz vor der Aktion in Tostedt, kein Beitrag mehr erschienen ist, im September dagegen alle zwei bis drei Tage ein Beitrag – und dass auch der Twitter-Account der AG Nordheide seit etlichen Tagen kaum noch bestückt wird.

By the way: Auch die Staatsanwaltschaft Stade geht davon aus, dass die Adresse in Arizona, die Denny Reitzenstein im Impressum der Homepage der AG Nordheide nennt, nicht seine Wohnadresse ist – also dann wohl eher die den Behörden bekannte Adresse in Buchholz. Dennoch darf Reitzenstein weiterhin ungestraft Volksverhetzung am laufenden Band betreiben und Kommunalpolitiker persönlich diffamieren.

Der Kniff: Man schreibt einfach nicht seinen Namen vor oder unter die Beiträge! Eigentlich dachte ich, dass der im Impressum genannte Verantwortliche für die Inhalte seiner Seite die Verantwortung trägt. Aber man lernt nie aus…

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Kommentare
  1. P. Aranoia sagt:

    Vorweg: ich heiße Gewalt im politischen Kampf nicht gut. Wenn man große Teile derer, die sich AntiFa nennen, als Linksfaschisten bezeichnet, kann ich dem mittlerweile durchaus folgen (ich betrachte und begleite diese Szene passiv seit über 30 Jahren. Offen auftretende Gruppen, wie zb. die Heideruhler nehme ich da aber ganz klar aus).

    Nach wie vor aber gibt es zwischen militanten Linken und Rechen einen fundamentalen Unterschied: für die Antifa zählt nicht Herkunft, sondern Gesinnung. Nur auf eines davon hat man einen Einfluss.

    Auch können sich extrem Rechte immer darauf verlassen, von vermeintlich harmlos-unpolitischen Bürgern in die sogenannte Mitte eingeführt zu werden. Lokales Beispiel wäre der Herr Laser, der sich mehr oder weniger subtil bemüht hat, Herrn Reitzenstein in die Buchholzer „Bilder und Ansichten von früher“ Facebook Gruppe zu integrieren, während er gelegentlich „nachdenkliche“ Beiträge zum Flüchtlingsthema geleistet hat. Da dies letztens gar zu plump rüberkam, hat er sich wohl erstmal eine Sendepause verpasst, aber es finden sich ja immer ein paar anonyme Schmieranten, wenn nötig. So ein durchschaubares „Verbürgerlichen“ extremer Positionen sieht man von links auch eher nicht. Da werden Gegner und eigene Positionen eher offen kommuniziert. Und eine Entsprechung zum abgrundtief verlogenen und feigen Herrn Reizenstein, dessen politisch-aktionistische Höhepunkt dieses Jahr wohl darin bestand, ein paar Leute in Kirchweye zu erschrecken, und der ansonsten so tut, als sei er ein gesetzestreuer Bürger und könne lesen und schreiben, findet sich links auch eher nicht.

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  2. Paule sagt:

    Kommen Sie, Stemmler, das ist doch eine alte Masche. Schauen Sie sich mal Ihre Genossen von Indymedia oder ähnliche Seiten an.

    Das ist die Masche von Extremisten, ob rechts oder links. Das ist der gleiche Menschenschlag!

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