Geheimsache Atomtransporte! Ratsherr Stemmler beantragt, Transporte radioaktiver Stoffe durch Buchholz zu unterbinden

Veröffentlicht: 2015-10-23 in Hintergründe, Lokales, Politik
Schlagwörter:,

Von Kristian Stemmler

Atomausstieg – das klang wirklich gut! Als die Bundesregierung nach der Reaktorkatastrophe von Fukushima einen Ausstieg aus dieser Technologie bis zum Jahr 2020 beschloss, jubelten viele Atomkraftgegner. Natürlich war der Ausstiegsbeschluss ein wichtiger Schritt, aber er änderte nichts daran, dass dieses Land im internationalen Atomgeschäft nach wie vor mitmischt. So läuft die Urananreicherungsanlage in Gronau, die angereichertes Uran für Brennelemente für etwa jedes zehnte Atomkraftwerk weltweit fertigen kann, unbefristet weiter.

Für den Betrieb dieser Anlage ist der Einsatz von Natururan in Form von Uranhexafluorid (UF6) erforderlich, das per Bahn und Lkw nach Gronau transportiert wird. Diese und andere radioaktive Stoffe werden jede Woche tonnenweise durch Deutschland gekarrt, nach Gronau und zu anderen Anlagen. Weil der Hamburger Hafen einer der wichtigsten europäischen Umschlagplätze für diese Stoffe ist, sind von diesen Transporten auch Buchholz und der übrige Landkreis Harburg betroffen.

Seit Jahren rollen Atomzüge durch die Stadt. Die Anfragen von Atomkraftgegnern wie der Friedensgruppe Nordheide werden gar nicht oder hinhaltend beantwortet. Die Öffentlichkeit wird weder über die Transporte selbst noch über die Gefahren und Pläne für mögliche Unfälle informiert. Geheimsache Atomtransporte!

Mit einem Antrag will das parteilose Mitglied im Rat der Stadt Buchholz in der Nordheide, Kristian Stemmler, Bewegung in das Thema bringen. Er hat beantragt, dem Beispiel anderer Kommunen wie Emden und Wilhelmshaven zu folgen und alle Möglichkeiten auszuschöpfen, die Atomtransporte über Buchholzer Stadtgebiet zu verhindern.

Hier der Antrag im Wortlaut:

Der Rat möge beschließen:

Der Rat fordert die Verwaltung auf, alle Möglichkeiten auszuschöpfen, um Transporte atomarer Stoffe wie Uranhexafluorid (UF6) über das Buchholzer Stadtgebiet zu verhindern. Der Rat fordert die niedersächsische Landesregierung auf, keine Genehmigungen für den Transport von radioaktiven Materialien durch Buchholz und den Landkreis Harburg zu erteilen.

Begründung: Der Hamburger Hafen ist einer der wichtigsten europäischen Umschlagplätze für radioaktive Stoffe, von Uranerzkonzentrat über das hochgiftige Uranhexafluorid bis hin zu fertigen Brennelementen aus angereichertem Uran. Von der Hansestadt aus werden diese Stoffe per Lkw, Schiff und Zug weitertransportiert, auch über das Buchholzer Stadtgebiet. Beliefert werden Uranverarbeitungsanlagen in Deutschland, die Atomkraftwerke in der ganzen Welt mit Brennstoff versorgen.

Sämtliche Transporte werden der Öffentlichkeit gegenüber geheim gehalten, obwohl sie nach Ansicht von Fachleuten ein erhebliches Gefahrenpotenzial darstellen. Der Brand der „Atlantic Carrier“ im Hamburger Hafen am 1. Mai 2013 hat dieses Potenzial drastisch vor Augen geführt. Nur mit großer Mühe konnten die Uranfässer an Bord vor dem Brand gesichert werden.

Andere Kommunen wie Emden, Wilhelmshaven oder Bremen haben sich bereits gegen Atomtransporte ausgesprochen. Angesichts des großen Gefahrenpotenzials der Transporte sollte Buchholz diesem Beispiel folgen. Damit würde die Stadt auch deutlich machen, dass ein Atomausstieg in Deutschland nicht nur die Abschaltung der deutschen Atomkraftwerke bedeutet, sondern dass auch die Atomtransporte einzustellen sind.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s