Thema Ostring: Schaukampf der Lokalmadatoren – diesmal für NDR 1 Niedersachsen

Mal wieder Ostring: NDR-Moderator Hans-Jürgen Otte interviewte Norbert Stein (rechts) und Jan-Hendrik Röhse.
Mal wieder Ostring: NDR-Moderator Hans-Jürgen Otte interviewte Norbert Stein (rechts) und Jan-Hendrik Röhse.

Von Kristian Stemmler

„Und täglich grüßt das Murmeltier…“ Die Diskussion um den Ostring erinnert inzwischen sehr an diesen Kinoklassiker mit Bill Murray. Es kommen immer wieder dieselben Argumente, dieselben Reaktionen, alles schon hundertmal gehört. Nichtsdestotrotz bringt das Buchholzer Streitthema Nummer eins immer noch ’ne Menge Leute auf die Beine. Die Rathauskantine war am Dienstagabend jedenfalls vollbesetzt, als NDR 1 Niedersachsen eine Sendung zum Thema aufzeichnete (Ausstrahlung heute 19 Uhr).

„Jetzt reicht’s!“ heißt das Format, eine Sendung, die alle drei Wochen ein Streitthema aufgreift. Und „Jetzt reicht’s!“ trifft das Thema Ostring ja ganz gut, vor allem weil die Auseinandersetzungen um die ominöse Umgehungsstraße schon einige Jahrzehnte andauern. Auch als Gegner des Ostrings konnte man darum der etwas frustriert klingenden Bemerkung von Bürgermeister Jan-Hendrik Röhse in der Sendung zustimmen: „Das Thema ist nach 40 Jahren ausgelutscht und muss endlich entschieden werden.“

Der Bürgermeister stand als oberster Vertreter der Ostring-Fans bei Moderator Hans-Jürgen Otte vorn, zur Linken Ottes vertrat Ex-Bürgermeister und SPD-Ratsherr Norbert Stein die Ostringgegner. Insgesamt wirkte Stein dabei frischer und entschiedener. Röhse, der ja für gewöhnlich rhetorisch gut und mit Witz und Charme argumentiert, wirkte an diesem Abend irgendwie lustlos und blutleer – so als würde er den Ostring eher aus Pflichtgefühl propagieren.

Wie gesagt, kamen keine wirklich neuen Argumente zum Thema. Die Befürworter, die übrigens im Publikum in der Mehrzahl waren, verwiesen auf die morgendlichen und abendlichen Staus, vor allem auf Hamburger Straße und Kirchenstraße. Eine Entlastung der Innenstadt könne nur der Ostring bringen. Das mit den Bürgern erarbeitete Mobilitätskonzept sage das ganz klar, insistierte Röhse, und erwähnte gleich zweimal auf welcher Seite das stehe: Seite 35!

Norbert Stein sorgte gleich für Stimmung in der Bude. Der Verkehr habe zuletzt abgenommen statt zugenommen. Für die Canteleubrücke sei mit dem Ostring für das Jahr 2014 ein Aufkommen von rund 19.000 Autos in 24 Stunden, im letzten Jahr habe sie bei knapp 21.000 Autos in 24 Stunden gelegen – ohne Ostring! „Wir brauchen keine Umgehung“, konstatierte Stein und erntete damit höhnische Zwischenrufe und Gelächter der Ostring-Fans.

Auf diesen Einwand ging Röhse nicht ein, sondern knüpfte lieber an den Freie-Fahrt-Anspruch des gemeinen Autofahrers an. Er habe jedenfalls keine Wahnvorstellungen, sondern stehe tatsächlich oft abends oder morgens im Stau. Zehn Minuten von der Stadtmitte zum Stadtrand zu brauchen, das sei nicht in Ordnung. (Anmerkung des Autors: Gemessen an den Staus, die man in Hamburg erleben kann, kann man den zäh fließenden Verkehr in Buchholz nicht wirklich als Stau bezeichnen!)

Von Stein und Ostringgegnern im Publikum wurde natürlich auch auf die Zerstörung von Landschaft hingewiesen. Die Umgehung würde die Verbindung zum Klecker Wald zerschneiden, „gigantische Brückenbauwerke“ (Stein) würden in die Landschaft gepflanzt. Röhse entgegnete, er sei die geplante Strecke am Morgen noch mal abgegangen, 80 Prozent der Fläche seien Ackerland, der Rest wenig wertvoller Nutzwald.

Gegen den Ostring spreche auch, dass der größte Teil des Verkehrs in Buchholz kein Durchgangsverkehr sei, sondern als Ziel die Innenstadt habe, so Stein. Es könne daher nicht im Interesse gerade der Geschäftsleute liegen, mit einer Umgehung den Verkehr aus der Stadt zu holen. Der Ex-Bürgermeister plädierte für den so genannten Bypass, eine kürzere Umgehung über die Straße Am Langen Sal. Die bringe nun gar nichts, erwiderte Röhse.

Natürlich kam aus das Thema Geld zur Sprache. Uwe Karsten vom Landkreis Harburg verwies darauf, dass die rund 60 Prozent der Baukosten von knapp 19 Millionen Euro Fördermittel des Bundes seien, für Landkreis und Stadt Buchholz blieben rund vier Millionen Euro. Norbert Stein bezweifelte, dass bei den genannten Kosten bleiben werde, eine zweispurige Straße von sechs Kilometer Länge mit fünf Brücken sei mit diesem Betrag wohl nicht zu bauen.

Auch der Ausbau des Mühlentunnels war Thema. Ein Zuhörer forderte, mit dem Ausbau zu warten, bis der Ostring in Betrieb genommen sei, um eine Verlagerung des Verkehrs auf die Mühlenwege zu verhindern. Damit stieß er aber weder bei Stein noch bei Röhse auf Gegenliebe. Der Mühlentunnel müsse aus- bzw. neu gebaut werden, weil er aus der Postkutschenzeit stamme und den heutigen Anforderungen in keiner Weise gewachsen sei.

Für die klügste Bemerkung des Abends sorgte die grüne Kreistagsabgeordnete Elisabeth Bischoff. Sie erklärte, der Ostring sei einfach nicht mehr zeitgemäß. Die Planung stamme aus einer Zeit, als man noch der Meinung war, mit Straßen die Probleme der Stadt lösen zu können. Dies sei in Zeiten des Klimawandels nicht mehr zeitgemäß. Ziel müsse sein, den Autoverkehr in Buchholz zu reduzieren, zum Beispiel durch bessere Taktung des Buchholz Bus.

Das kam bei den bekennenden Autofetischisten – im Publikum waren übrigens Männer klar in der Mehrzahl – gar nicht gut an. Schließlich gilt es ihnen als unveräußerliches Menschenrecht, mit dem Auto durch die Landschaft zu brausen, wann immer sie dazu Lust haben.

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6 Comments

  1. SEhen Sie, das ist der Unterschied: Ich brauche gar keinen Gegner. Was ich hier mache, ist nur eine Art Hobby, Ausgleichssport. Gerade weil ich die gesellschaftliche Realität analysiere, weiß ich, dass ich überhaupt nichts ausrichten kann…

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  2. Ich reg mich nicht auf. Und 15 Jahre als Pendler sind nicht daselbe. Wenn sie Hamburger sind sollten Sie ehrlicher Ihrem Leser gegenüber sein. Ich hab 20Jahre an der Cuxe gewohnt. Es ist so wie ich geschriebenm habe, also cool bleiben mit dem Wort Anschuldigung. So ein kleines bischen ist Ihnen Ihre Objektivität abhanden gekommen, wenn ich mir all Ihre anderen berichte so anschaue. Iss nicht so dolle. Das war wohl der Grund warum Sie andere Zeitungen verlassen Haben ( mußten).
    Was ist los mit Ihnen. Schwächeln Sie. Habe sonst nichts gegensätzliches gelesen. Wochenendmüdigkeit denk ich. Mann wird nicht jünger.
    Also bis zum nächsten mal, dann aber ein bischen mehr Ehrgeiz!!!!!!!!!!!!
    Ich brauch einen Gegner in Schreibhöhe.:)

    Gruß
    Schönenes Wochenende

    Das Pudelgesicht

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  3. Wie kompetent die Buchholzer Kommunalpolitiker sind zeigt sich immer wieder an den Wiederholungen der gleichen Absurditäten.
    Ich nenne nur die Maßnahmen zur Verkehrsberuhigung und die sogenannte Fahrrad Schutz Streifen an den Mühlenwegen und der Bremer Straße. Wie sich herausstellte war immer Alles Blödsinn, da unbrauchbar
    Geld der Steuerzahler verbrennen und dann, wenn es im Haushalt klemmt erhöht man einfach Steuern und Gebühren nach Belieben.
    Die Politopis hängen jahrelang im Rat, Bürgervoten zum Ostring werden missachtet, die SPD kann einfach ihre Steinzeit nicht überwinden und Herr Stemmler verbreitet Hasstiraden und Beleidigungen gegen Buchholzer Bürger (Holm- Seppensen) oder ruft indirekt zu Gewalttaten an Autos gut betuchter Leistungsträger auf.
    Oh Buchholz, wie tief bist du gesunken. Pfui, schämen Sie sich.

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  4. Nicht aufregen, das schadet der Gesundheit! Ich bin übrigens Hamburger und habe 15 Jahre beim Hamburger Abendblatt als Lokalreporter gearbeitet, davon ein Jahr als Polizeireport. Ich kenne Hamburg sicher besser als Sie, also ein bisschen vorsichtiger sein mit irgendwelchen Anschuldigungen, Pudelgesicht!

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  5. Ich fang gleich an. Herr Stein sagt: Die Autofahrer suchen in den meisten fällen die Innenstadt auf. Hä. 19000 gemessen auf der Conteleu. Komisch, da ist die Innenstadt doch längst vorbei. Und Sie Herr Stemmler. Weil Sie 1x in Ihrem leben Buchholz verlassen haben und wahrscheinlich vorm Elbtunnel standen, vergleichen Sie den verkehr in HH mit zäh fliesenden verkehr in Buchholz?
    Jahrelange Erfahrungen meinerseitz mit der Cuxhavener Str. ( eine d. meistbefahrensten Str. Hh) belegen, mehr freie Fahrt als in Buchholz. Den Vorschlag der Grünen Fr. Bischoff
    den Bus anders zu takten. Oh man. Dadurch wird doch der Verkehr nicht entlastet. Die Menschen kommen von Aussen zur Arbeit nach Buchholz. Gewerbe wechst- vergessen?
    Wenn Sie da anpacken wollen, gute Idee. Dann aber bitte mit dem Metronom und der HVV sprechen. Wenn Züge öfter fahren, steigen die Leute (viele) auch bestimmt auf die Bahn um. Aber so. Ständig fällt ein Zug aus. Das kann man sich als Arbeitnehmer nicht erlauben, also, fährt erAuto. Logisch!!! Auch für Sie. Aber jetzt mal ehrlich. Ohne für jemanden Partei ergreifen zu wollen.
    Der Verkehr Hamburger Str./Bendestorfer Str./Kirchen Str. ist der Wahnsinn. Egal wie man es sieht. Wer es nicht sieht ist Dumm. Warten Wir etwa gemeinsam darauf, bis der erste Mensch der im Notarzt liegt aus Bendestorf kommend und vor der KREUZUNG sein Leben verliert? Ein Haus abfackelt weil die Feuerwhr 5 Minuten länger brauchte?
    Ich hoffe nicht. Stellen Sie sich 1,2,3 Tage mal wirklich an diese Kreuzung und Sie werden sich fragen. Was können Wir tun. Und mindestens 90% der Anwohner der 3 Straßen sieht das genau so. Der Umbau Mühlentunnel, hilft hier sicher erst als 2.

    Gruß gute Nacht

    Der Buchholzer Pudel

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