Fassbomben! Fassbomben! Fassbomben! – So verkaufen Sie die Syrien-Krise in der Öffentlichkeit

In der Tageszeitung junge welt fand die Redaktion einen Hinweis auf einen sehr aufschlussreichen und unterhaltsamen satirischen Beitrag zum Thema Syrien. Hier der Text:

Der Frankfurter Künstler Hartmut Barth-Engelbart veröffentlichte am Montag auf seiner Internetseite die deutsche Übersetzung von »Sprachvorschlägen« des US-Außenministeriums. Der »Syrien-Spickzettel« für NATO-Propagandisten stammt von Gary Leupp. Die Satire war zuerst im US-Portal counterpunch.org veröffentlicht worden:

  • Erwähnen Sie immer wieder die Fassbomben. Lassen Sie dabei aber weg, wie deren Gebrauch von der israelischen Luftwaffe 1948 eingeführt wurde und wie sie 1968 in der Operation Inferno von den USA benutzt wurden. Wiederholen Sie ständig »Fassbomben, Fassbomben« und behaupten Sie mit ernstem Blick, dass das syrische Regime sie »gegen die eigene Bevölkerung« einsetzt. Gegen die eigene Bevölkerung. Gegen die eigene Bevölkerung. Gegen die eigene Bevölkerung.
  • Erwähnen Sie immer wieder »200.000« als offizielle Zahl der Opfer in Syrien. Erwähnen Sie allerdings nicht, dass ungefähr die Hälfte der Opfer reguläre syrische Soldaten waren. Lassen Sie sich nicht auf Diskussionen zu diesen Zahlen ein, um keine Zweifel daran aufkommen zu lassen, dass die syrische Regierung einfach so nach Lust und Laune Zehntausende Zivilisten ermordet. (…)
  • Erwähnen Sie immer wieder den »arabischen Frühling« und wie 2011 friedliche syrische Demonstranten unterdrückt wurden. Aber bleiben Sie nicht zu lange bei diesem Thema. Immerhin war das US-Außenministerium tatsächlich schockiert von den hässlichen Folgen in Ägypten, wo die »Demokratisierung« die Muslimbruderschaft an die Macht brachte, bis das US-unterstützte Militär seine Widersacher in einem Blutbad ersäufen konnte. Und denken Sie bitte daran, nicht zu erwähnen, wie in Bahrain friedliche Demonstrationen der schiitischen Mehrheit gegen die repressive sunnitische Monarchie von saudiarabischen Invasionskräften mit schweigender Billigung der USA niedergeschlagen wurden. (…)
  • Erwähnen Sie immer wieder die »Freie Syrische Armee« und die »moderate Opposition«, um den Eindruck zu vermitteln, die gäbe es wirklich. Erwähnen Sie allerdingsnicht, dass die FSA ein schlechter Witz ist, dass ihre Anführer in der Türkei leben, dass ihre wenigen verbliebenen Einheiten von CIA-Offizieren angeführt werden, dass die unlängst an die Front geschickte Gruppe von 54 Leuten umgehend von der Al-Nusra-Front gefangen genommen wurde und dass weitere 70 aus der Türkei geschickte Kämpfer umgehend ihre Waffen Al-Nusra übergaben (…).
  • Drücken Sie auch weiterhin Empörung, wenn nicht sogar Wut darüber aus, dass Russland sich in Syrien »einmischt«. Verziehen Sie Ihr Gesicht und schauen Sie, als ob das kaum nachvollziehbar wäre. Erwähnen Sie aber nicht, dass Syrien viel näher an Russland als an den USA liegt und dass Russland viel gefährdeter ist durch Terrorismus, als es die USA sind (…).
  • Erinnern Sie Ihre Zuschauer nicht daran, dass die syrische Regierung international anerkannt und etabliert ist, einen Sitz in der UNO hat, mit den meisten Ländern freundliche Beziehungen unterhält und in einem Kampf auf Leben und Tod ist gegen Leute, die Menschen versklaven, kreuzigen, enthaupten, lebendig begraben und verbrennen und die Syriens moderne säkulare Regierung durch eine mittelalterliche, religiöse und völlig intolerante ersetzen wollen.
  • Behaupten Sie auch weiterhin starrsinnig, das Assad Regime sei irgendwie verantwortlich für die Terrorismuswelle. (…) Erwähnen Sie nicht, dass Al-Qaida-Sprösslinge weltweit überall entstanden sind und gedeihen, seit die USA 2003 in einem Krieg, der komplett auf Lügen basierte, in den Irak eingefallen sind und ihn zerstört haben. (…)
  • Halten Sie die Sache bitte einfach. Hämmern Sie den Zuschauern einfach in die Hirne, dass Assad das Hauptproblem ist und der allerschlimmste Akteur in der syrischen Situation. Erzählen Sie ihnen, dass Putin, während er versucht, das Zarenimperium wiederzubeleben, Assad als einen loyalen Verbündeten unterstützt und sein Militär nutzt, um dessen Herrschaft zu verlängern (…).
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17 Comments

  1. Sie sprechen von karikaturesker Propaganda, das ist ein guter Witz! Gucken Sie mal in der ZDF-Mediathek die Aufzeichnung der Sendung „Die Anstalt“. Da lernen Sie bestimmt noch was zum Thema Syrien. Max Uthoff und Claus von Wagner fragen zum Beispiel, wer denn die ganzen Dschihadistentruppen vom Schlage des Islamischen Staats und der Al-Nusra-Front erst geschafften hat. „Im Irak, in Libyen und Syrien hat es ein relativ gutes Gesundheitswesen, ein relativ hohes Bildungsniveau und Frauenrechte gegeben, bis die Amerikaner gekommen sind. Wachen Sie endlich mal auf! Gottseidank hat Russland ja in Syrien den Amis endlich das Heft des Handelns entrissen!!!

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  2. „Der Westen zettelt einen Bürgerkrieg in Syrien an“ – Das wirklich traurige – für Sie – ist, ,dass Sie vermutlich mit derlei karikaturesker Propaganda nichtmal in einem tristen Moskauer Vorort Ihren Lebensunterhalt verdienen, sondern wohl wirklich ein dermassen kindliches Weltbild haben, in dem Zeitachsen und parallele Entwicklungen die Dinge nur unnötig komplizieren. Jemand hat hier mal geschrieben: „Ich muss nicht zwanghaft irgendetwas glauben, sondern versuche mir, ein Bild von den Vorgängen im Lande und auf der Welt zu machen, im Bewusstsein, dass die dabei gezogenen Schlüsse per se vor läufig bleiben müssen.“ – Ich finde, von diesem Zitat könnten Sie sich ruhig etwas inspirieren lassen. So, und nun sind Sie wieder dran, ich rechne zuversichtlich mit einer gossenhaften, persönlichen Beleidigung.

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  3. Der Westen zettelt einen Bürgerkrieg in Syrien an, aber jetzt sind natürlich wieder die Russen an allem schuld. Die taz, Zentralorgan aller „linken“ Bellizisten, ist da mal wieder vorn dabei. Man merke sich den Namen Kristin Helberg…

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  4. Aktuell (21/22.1015) beschiesst und bebombt die russische Luftwaffe die nicht unter Regierungskontrolle stehenden Stadtteile von Aleppo. Naja, also, nicht die vom ad-Daula al-islāmiyya kontrollierten Gebiete. Nur mal so.

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  5. Ich muss nicht zwanghaft irgendetwas glauben, sondern versuche mir, ein Bild von den Vorgängen im Lande und auf der Welt zu machen, im Bewusstsein, dass die dabei gezogenen Schlüsse per se vor läufig bleiben müssen. Aber wenn man sich nicht positioniert, kann man nicht handeln. Sie gehen doch vermutlich auch wählen, da positionieren Sie sich doch auch.

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  6. Ok, ich gebe es auf, mit Ihnen diskutieren zu wollen. Nein, ich glaube keinem von „denen“, und sicher Putin nicht mehr und nicht weniger als Obama. Und wenn Sie zwanghaft irgendwas glauben müssen, kann ich mit Ihnen nicht auf Augenhöhe kommunizieren. Lass ich es also.

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  7. Sie glauben lieber Obama oder wie. Ich habe nie gesagt, dass Putin ein Lämmchen ist, das den Weltfrieden will, aber ehrlich gesagt fand ich seine Worte vor der UNO weitaus plausibler als die von Obama.

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  8. Wenn man das glauben würde, was er sagt, würde man das sicher für ziemlich vernünftig halten. Aber lassen wir das…

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  9. Ich meinte auch nicht direkt Sie, sondern die Mainstreammedien. Ich würde nie von mir behaupten, dass ich die Vorgänge in Syrien durchschaue – allerdings lese ich recht viel und halt es für absolut plausibel, dass es an vorderster Front die Amis und ihre Verbündeten (Saudi-Arabien, Türkei etc.) sind, die für das Chaos verantwortlich sind. Wenn Sie in die Geschichte gucken, können Sie leicht erkennen, dass die Amis überall, wo sie intervenieren, verbrannte Erde hinterlassen: Philipinen, Vietnam, Panama, Kuba, Irak etc. pp. Spätestens Irak und Libyien haben uns doch vor Augen geführt, was passiert, wenn man eine vielleicht nicht demokratisch zu nennende, aber doch Stabilität garantierende Regierung einfach hinwegfegt. Die amerikanischen Eliten sind kurzsichtig und ahistorisch. Kurz: Sie lernen einfach nicht!

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  10. „Klar, überzeugender ist, Putin für alles die Schuld zu geben…“ – Sowas habe ich nicht einmal angedeutet, also frage ich mich, was das soll. Ich bin ausschliesslich auf den von Ihnen verbreiteten Text eingegangen, höflich und sachlich. In meinem Posting vom 12.10.15 6:05 äussere ich mich dann ausdrücklich zu den anderen beteiligten Parteien. Wieso daher der oben zitierte Satz an mich? Bitte, wie kommen sie darauf, dass ich „Putin für alles die Schuld“ gebe? Es gibt Leute, die allen ausser einem (zb. al-Assad oder Putin) die Schuld geben. Es gibt Leute, die niemandem ausser einem die Schuld geben. Zu beiden gehöre ich nicht. Warum also dieser Kommentar?

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  11. Billig daran ist, dass Sie sich damit wohl wirklich alle Übel der Welt erklären. Wie neulich, als das kapitalistische System die Schuld daran trug, dass Kinder mit Gegenständen auf Autos werfen.

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  12. Das ist billig und einfach: Öl, Geld, Macht. Zufrieden? Aber man kann doch daraus bitte nicht folgern, dass man al-Assad einfach gewähren lassen darf, bzw. dass er doch nicht so schlimm sei, wie getan wird. Ich kann es auch einfach nicht mehr hören, dass die Amis ja noch viel schlimmer sind/waren, wenn man Putin kritisiert. Ich heisse ganz sicher nicht das Verhalten der USA gut, wenn ich jemanden kritisiere, den die USA als Feind betrachten. Diese „der Feind meines Feindes ist mein Freund“ Denke ist seit einigen tausend Jahren nicht mehr hilfreich, auch wenn sie offenbar evolutionär verankert ist. Ich kritisiere übrigens die Saudis ebenso wie die aktuelle türkische Regierung, die USA und auch unsere eigene.

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  13. Beantworten Sie mir doch die Frage, warum der Westen eine zurückgebliebene Theokratie wie Saudi-Arabien hofiert, das gerade den Jemen in die Steinzeit zurückbombt, und natürlich auch den guten Herrn Erdogan – aber Herr Assad ist ein fieser Diktator, der unbedingt weg muss. Das ist doch alles verlogen bis dort hinaus!!

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  14. Zu den Fassbomben: England hat lange vor Deutschland Konzentrationslager betrieben, macht das die später eingerichteten weniger schrecklich? Auch sehe ich sehr wohl einen gewissen Unterschied darin, ob man so gegen die eigene Bevölkerung vorgeht. Und ob es im Jahre 48, 68 oder 2015 passiert (ist).

    Zu den Opferzahlen: Ok, Soldaten sterben, nicht so eine Neuigkeit. Allerdings darf man da schon unterscheiden, wie viele Tote der IS bei al-Assads Truppen verursacht, und wieviele die syrische Opposition. Und wieviel im Vergleich zu letzteren die Truppen von al-Assad.

    Zum arabischen Frühling: alles richtig. Nur was hat das mit der Opposition gegen el-Assad zu tun? Hier wird, so scheint es mir, suggeriert, dass es ohne die USA und ihre Verbündeten keinen Aufstand gegen al-Assad gegeben hätte. Stimmen sie dem zu?

    Zur freien syrischen Armee: kann man so sehen. Ist aber auch nur ein sehr kleiner Ausschnitt aus dem Gesamtgeschehen. Die meisten Flüchtlinge wollten eben gegen niemanden ein Gewehr in die Hand nehmen, und auf ihre Mitbürger schiessen, und wer sich irgendwie im Machtkreis al-Assads gegen ihn äussert riskiert auch heute seine Freiheit und sein Leben. Menschen aus Aleppo beispielsweise werden in Latakia als Feinde und Verräter behandelt, wer wirtschaftlichen Interessen des al-Assad Clans im Wege steht sowieso. Auch hier soll wohl der Eindruck entstehen, nur Fanatiker und die CIA hätten eine Interesse an einem wie auch immer gearteten Abtritt al-Assads. Tatsächlich ist es wohl anders herum: Nur wer sich was von ihm verspricht, ist gegen seinen Abgang.

    Zu Russland: Ockhams Rasiermesser legt zunächst mal nahe, dass Syrien nun mal der einzig „treue“ Partner Russlands in der Region ist. Wäre Grund genug für eine Intervention. Und der Umstand größerer geografischer Nähe zu Russland als zu den USA ist ja wohl ein ganz schlechter Witz. Die Gefährdung Russlands durch „Terroristen“ ist wohl im grossen und ganzen die gleiche, wie die der USA und zb. auch China. Da sind sich alle Grossmächte doch völlig einig: „der Islam“ bedroht sie, und wer einem nicht passt, wird zum Terroristen erklärt.

    Zur UNO: Da sind ne Menge Länder drin, und sie alle pflegen „mit den meisten Ländern freundliche Beziehungen“ wenn auch lange nicht alle so freundliche Beziehungen zur eigenen Bevölkerung haben. Und vom IS werden ausnahmslos alle bedroht. Also?

    Zur Terrorismuswelle: erwähnen sie vor allem nicht, dass al-Assads Haltung mit zur gegenwärtigen Situation beigetragen hat. Kaum jemand gibt ihm da die alleinige Schuld. Soll sich aber wohl so anhören. Sowas nennt man Spiegelfechterei.

    Zum bitte alles einfach halten: in Sachen größtmöglicher Simplifizierung hat auch ein Gary Leupp gewisse Talente.

    Ein bei näherer Betrachtung erstaunlich aussagefreier Artikel, leider. Da bin ich hier besseres gewohnt.

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