Ist das die Lösung der Flüchtlingskrise? Hamburger Jungunternehmer gründen Startup „Rent-a-Refugee“

Veröffentlicht: 2015-09-27 in Politik, Satirisches
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NotausgangVon Kristian Stemmler

Ist das die Lösung der Flüchtlingskrise? Engagierte junge Unternehmer aus dem Hamburger Schanzenviertel haben ein Startup unter dem Namen „Rent-a-Refugee“ gegründet. Das Konzept klingt vielversprechend. „Wir bieten unseren Kunden aus allen Bereichen der Wirtschaft Flüchtlinge als Arbeitskräfte an“, sagt Magnus von Hirsch, Geschäftsführer der neuen Firma. „Das ist eine Win-win-Situation: Die Kunden bekommen schnell und unkompliziert motivierte und günstige Fachkräfte – und die Flüchtlinge werden ebenso schnell und unkompliziert in den Arbeitsmarkt integriert.“

„Rent-a-Refugee“ hat bereits Flüchtlinge aus diversen Herkunftsländern unter Vertrag. „Natürlich haben wir zuletzt vor allem Syrer frisch reinbekommen“, sagt Hirsch. „Sie sind in der Mehrzahl hoch qualifiziert. Wir haben Juristen, Architekten, Ärzte, um nur drei Berufe zu nennen.“ Vor allem seien diese Fachkräfte, und das sei ihr entscheidender Vorteil, bereit, zu weit schlechteren Bedingungen zu arbeiten als Deutsche mit vergleichbaren Qualifikationen.

„Wissen Sie, wenn Sie aus einem Land entkommen sind, dass in Trümmern liegt, wenn Sie es übers Mittelmeer und durch Ungarn geschafft haben, sind Sie froh, ein Dach über dem Kopf und eine Arbeit zu haben, egal wie und wo“, so der Jungunternehmer. Das gelte aber für sämtliche Arbeitskräfte von „Rent-a-Refugee“: „Alle sind pflegeleicht, dankbar und mit wenig zufrieden. Das erleichtert Haltung und Führung sehr.“

Natürlich biete man auch Arbeitskräfte für einfache Tätigkeiten an, etwa Schwarzafrikaner für die Gastronomie oder den Reinigungsbereich. „Die Afrikaner sind in der Regel in der Haltung noch wesentlich günstiger als etwa die Syrer“, sagt Hirsch. Sie seien sehr einfache Verhältnisse gewohnt und ließen sich, so der Geschäftsführer, zum Beispiel auf engstem Raum unterbringen.

Mit allen wichtigen deutschen Behörden sei man im Kontakt, um die gesetzlichen Regelungen anzupassen. „Uns ist signalisiert worden, dass der Mindestlohn für Flüchtlinge natürlich nicht gilt. Da haben wir auch die volle Rückendeckung der Arbeitgeberverbände“, betont der Geschäftsführer von „Rent-a-Refugee“. Auch die maßlos übertriebenen deutschen Arbeitsschutzregelungen sollen für die Flüchtlinge angepasst werden.

Ihr Startup könne für den Wirtschaftsstandort Deutschland wegweisend sein, erklärt Magnus von Hirsch. „Der deutsche Arbeitnehmer ist in der Regel sehr verwöhnt. Er pocht auf den Mindestlohn, auf bestimmte Arbeitszeiten und die Bezahlung von Überstunden, er beschwert sich gern und lässt sich ungern etwas sagen.“ Das sei bei den Flüchtlingen anders. Von Hirsch: „Wenn Sie der Hölle von Aleppo entronnen sind, beschweren Sie sich nicht gleich, wenn Sie abends mal länger da bleiben sollen.“

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Kommentare
  1. Ganz unsere Meinung – wie weit gehen diese Ausbeuter noch!!!

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  2. Alessandra sagt:

    „Die Afrikaner sind in der Regel in der Haltung noch wesentlich günstiger als etwa die Syrer“. Da wird einem ja nur schlecht… So etwas verachtendes habe ich ja schon lange nicht mehr gelesen. Diese Menschen haben es dann wohl nicht verdient vernünftig entlohnt zu werden, da sie in ihrem Land noch weniger hatten?!?!

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  3. Bernd Leber sagt:

    Hätte man sich ja fast denken können, dass sich einige Zeitarbeitsfirmen und sonstige Abstauber auf dieses günstige Humankapital stürzen würden. Wie das dann geht, kann man ja seit Jahren bei den üblichen Verdächtigen im Arbeitsfeldern wie der Fleischverarbeitung, Saisonarbeit in der Landwirtschaft und auf halb- bis illegalen Baustellen besichtigen. Die Situation ist ähnlich wie im Schlepperwesen: die (anerkannten) Flüchtlinge und die Geduldeten (also abgelehnte Asylbewerber, die nicht ausreisen) machen einen Deal mit dem Arbeitsvermittler, durchaus auch jenseits Mindestlohn und sonstiger verteuernder Regularien wie Sozialabgaben etc. Dem Geschäft mit der irregulären Zuwanderung wird also das ebenso miese Geschäft mit irregulären Beschäftigungsverhältnissen folgen – und es ist zu befürchten, dass die zu beobachtende staatliche Hilflosigkeit beim (Nicht-) Management der Zuwanderung auch beim (Nicht-) Regulieren des irregulären Arbeitsmarktes für Flüchtlinge und sonstige Zuwanderer wiederholen wird. Goldene Zeiten also – jedenfalls für einige!

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