Flüchtlinge: Landkreis stockt Containeranlage Am Langen Sal um rund 80 Plätze auf – Unmut von Anwohnern befürchtet

Veröffentlicht: 2015-09-06 in Hintergründe, Lokales, Politik
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Vor zwei Jahren wurden die Container an der Straße Am Langen Sal errichtet.

Von Kristian Stemmler

Das könnte Ärger geben. Auf einer Fläche an den Straßen Am Langen Sal/Fischbüttenweg in Buchholz soll die dort seit etwa zwei Jahren bestehende Containeranlage für Flüchtlinge um rund 80 auf insgesamt 120 Plätze aufgestockt werden. Als die Anlage genehmigt wurde, war den Anwohnern auf einer Informationsveranstaltung noch mitgeteilt worden, die Baugenehmigung sei auf zwei Jahre befristet, die Container würden dann wieder verschwinden. Angesichts der aktuellen Entwicklung lässt sich das nicht umsetzen.

Landkreis Harburg und Stadt haben die Anwohner bereits per Post über die Erweiterung der Anlage informiert und zu einer Informationsveranstaltung am kommenden Dienstag in der Aula der Waldschule (Beginn 19 Uhr) eingeladen. Dort könnte es hoch hergehen. Auf der anderen Seite schwappt derzeit eine Welle des Wohlwollens für Flüchtlinge durch die Öffentlichkeit – es wird sich zeigen, was die im Einzelfall wirklich wert ist.

Angesichts des weiteren Zustroms von Flüchtlingen in Deutschland hat der Landkreis keine andere Wahl, als jede Möglichkeit für die Unterbringung zu nutzen. „Dem Landkreis werden derzeit 50 bis 60 neue Flüchtlinge pro Woche zugewiesen, so dass wir dringend weiteren Wohnraum benötigen“, sagt Reiner Kaminski, Bereichsleiter Soziales beim Landkreis. Er wird sich am Dienstag den Bürgern stellen, zusammen mit seinem Abteilungsleiter für Migration Thorsten Völker, dem Kreis-Pressesprecher Johannes Freudewald, dem Buchholzer Bürgermeister Jan-Hendrik Röhse (CDU) und Heinrich Helms vom Bündnis für Flüchtlinge.

Die Unterkunft am Langen Sal war mit 40 Plätzen eine der ersten Containeranlagen, die der Landkreis im Herbst 2013 eröffnet hat. In Buchholz sind derzeit rund 250 Asylbewerber an verschiedenen Standorten untergebracht. Als weitere Unterkunft ist eine Anlage mit 120 Plätzen auf einem Gelände am Boerns Soll in Vorbereitung, die voraussichtlich im Januar 2016 bezugsfertig sein wird.

Leider muss davon ausgegangen werden, dass die Neonazis der Aktionsgruppe (AG) Nordheide um den Ex-Soldaten Denny Reitzenstein die Erweiterung der Anlage Am Langen Sal zum Thema machen werden. Seit Monaten hetzt die AG Nordheide auf ihrer Homepage und ihrem Twitter-Account gegen Flüchtlinge, wobei es ihr vor allem darum geht, Flüchtlinge als kriminell und gefährlich darzustellen.

Unter der Überschrift „Buchholz: Brennpunkt Am Langen Sal“ hieß es vor einigen Tagen auf der Website der AG Nordheide: „Wie wir schon in einem Bericht erwähnt haben, häufen sich die Meldung über kriminelle Fachkräfte um die Unterkunft Am langen Sal.“ Es hätte am Abend des 28. August einen Einsatz mit mehren Streifenwagen an der Unterkunft gegeben, bei dem eine Person festgenommen worden sei. Der buchholz express wird die Meldung überprüfen.

Wie in der Propaganda der Nazis üblich, werden gern Anwohner/Bürger zitiert, um sich als deren Anwalt auszugeben. So heißt es auf der Homepage: „Die Anwohner der Straße berichten davon, dass selbst kleine Kinder, vor allem Mädchen, von den Bewohnern vermehrt angesprochen werden, selbstverständlich bleiben auch Frauen nicht verschont. Es geht nicht mehr um ein harmloses Gespräch, sondern es sind schon sexuelle Anmache, die von den Bewohnern ausgeht. Viele Frauen trauen sich mittlerweile Nachts nicht mehr alleine aus dem Haus, da sie Angst haben, dass es nicht nur bei diesen sexuellen Anspielungen bleibt.“

Das ist das übliche rechte Gemisch von durch nichts belegten Gerüchten mit dreisten Lügen, die bei manchen vorhandene Ängste aufgreifen. Am Ende des Beitrags wird der Duktus drohend: „Aber das schön zureden hat langsam keinen Sinn mehr. Deshalb sollte sich die Politiker bewusst sein, dass der Unmut in der Bevölkerung auch in Buchholz wachsen wird und es irgendwann zu einem großen Knall kommt!“ Ob hier die Hunde nur bellen oder ob sie auch mal beißen werden, lässt sich schwer einschätzen. Die Polizei hat es bei ihrer Lagebeurteilung sicher nicht leicht.

Fakt ist, dass Reitzenstein und/oder seine Gruppe immer aktiver werden. Während in den letzten Jahren die Homepage der AG Nordheide manchmal wochenlang nicht aktualisiert wird, erscheinen dort derzeit im Abstand von Tagen hetzerische Beiträge. Auch der Twitter-Account wird fleißig bestückt. Zuletzt übernahm Reitzenstein die Homepage des Internetversandhandels „Street Wear Tostedt“, auf der vor allem Nazi-Musik, aber auch T-Shirts und dergleichen vertickt werden.

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Kommentare
  1. Dialektisch trickreich die Argumentation… Aber der Mainstream ist keineswegs links, allenfalls pseudolinks. Wir leben in einem knallharten kapitalistischen System, mein Bester!

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  2. Tanta Käthe sagt:

    Schon mal darüber nachgedacht, dass die „besorgten Bürger“ echte Opportunisten sind? Ich halte das für möglich, dass die Anwohner bei Befragungen ihrem Unmut Luft gemacht haben gegen Asylmissbrauch (nicht gegen Flüchtlinge) wenn dann aber die linke Sittenpolizei kommt und das ganze öffentlichen machen will, haben die gleichen Leute nicht den Arsch in der Hose um sich dazu zu bekennen. Das war auch das Phänomen in einigen Bürger-Info-Veranstaltungen. Draußen wettern, drinnen schönwettern. Frage ist nach dem Grund des Opportunismus: Unfertige Menschen oder Angst vor linkem Gesinnungsterror? Wer läßt sich schon gern Nazi schimpfen – damit ist ja hier jeder schnell mit bei der Hand. Offner Dialog auf Augenhöhe gibt es in dieser bunten Republik nicht mehr. Maintream hat das sagen – und das sind nicht „die Rechten“ (was auch immer die sind?)
    Wir sind auf der Fahrt in eine neue Demokratur -Wer von der Norm abweicht, wird ausgestoßen. Woran erinnert mich das gerade…

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  3. Uwe Schulze sagt:

    Wie Cryptosteve schon schildert sind diese Behauptungen auch aus meiner persönlichen Sicht schlicht aus der Luft gegriffen. Ich war und bin öfter in den Unterkünften und kann weder von den Anwohnern noch von den Bewohnern etwas negatives berichten.
    Ganz im Gegenteil, so war dies auch auf dem Fest an der Unterkunft sichtbar, und da waren die von den „Besorgten Buchholzer Bürgern (BBB)“ angeblich befragten Anwohner.

    Da ja die besagten Propaganda-Burschen hier mitlesen, wie wäre es mal mit „Butter bei die Fische“: Wer waren denn die befragten Leute? Ich persönlich kenne dort massenhaft Anwohner. Wenn ich die zufälligerweise frage ob sie von den „besorgten Bürgern Buchholz“ zu dem Thema befragt wurden, werde ich dann auch auf welche stoßen die „ja“ sagen? Und mit welche meine ich nicht einen oder zwei, dieses Szenario kenne ich schon aus einer anderen Ecke von Buchholz, dass ist albern.
    Wenn ja ( + 20 BBB), dann sollten wir mal zusammen zu denen gehen oder ich mache das mal wie ihr auch, völlig allein und frage sie ob sie sich von den BBB belästigt fühlen und schmiere das dann ohne Nachweis einfach quer ins Internet.

    Man man man, diese Propaganda ist zu blöd, echt jetzt.

    Und mal ehrlich BBB, wo genau ist eigentlich euer Problem?

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  4. Sven sagt:

    Was mich generell schockiert ist, wie viele auf diese konstruierten Geschichten der rechten Idioten reinfallen. Nicht nur hier bei uns…

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  5. AG Nordheide sagt:

    Gibt es eigentlich auch mal neue Leute, die sich zu diesem Thema auf Ihrer Seite zu Wort melden?

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  6. Hallo Christian, ich unterstelle auch, dass die Behauptungen der AG Nordheide falsch oder verzerrt sind, halte aber mehr davon, dieses Vorgehen offen zu legen. Gruß Kristian

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  7. Danke für diese Einschätzung, die m. E. zeigt, was von der Propaganda der Nazis zu halten ist.

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  8. hans-christian keunecke sagt:

    Hallo Kristian !

    Wenn ich an die brennendenden Asylunterkünfte , die Würfe mit Steinen und Moletowcoktails
    auf die Unterkünfte und die Polizei in Heidenau denke wunder ich mich schon über die Dummheit dieser Verursacher..Laut Medien aller Art durch den Rechten Pöbel, Nazis , Faschisten und die beifallklatschenden Rechtaußenwähler und Pegidafreunde verursacht und unterstützt, sollte man jede Behauptung von Nazis als Lüge unterstellen und erst auf seinen Wahrheitsgehalt überprüfen ehe man ihn veröffenlicht.

    Gruß Christian

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  9. cryptosteve sagt:

    Wie schon an anderer Stelle geschrieben:

    Es kommen Beschwerden von den Anwohnern? Ich wüsste nicht vom wem. Ich wohne in indirekter Nachbarschaft und wir haben mit den dortigen Jungs nur gute – oder keine – Erfahrungen gemacht. Einige sind etwas distanziert, andere total freundlich und aufgeschlossen. Meine Kids (Junge und Mädchen) spielen mit denen regelmäßig Fußball und man kennt und nennt sich beim Vornamen. Die an anderer Stelle immer wieder erhobenen Vorwürfe, von dort würden nur sexuelle Anmachen kommen, können wir definitiv nicht bestätigen.

    Und mal Hand aufs Herz … wenn man 40 junge Männer im besten Alter, aber unterschiedlicher Gemüter und Anschauung über Monate in einem Containerdorf einpfercht, dann kochen die Emotionen schon mal hoch. Wer will es ihnen verübeln? Sowas kommt in jeder Kaserne und jedem guten Internat mal vor. Daraus kann man natürlich eine problematische Klientel konstruieren. Muss man aber nicht!

    Ich habe jedenfalls keine grundsätzlichen Bedenken gegen eine Aufstockung um weitere 80 Flüchtlinge, entsprechende zusätzliche Gebäudekapazitäten vorausgesetzt. Ich sehe dem nicht ängstlich entgegen und bin froh, dass die Gemeinde Buchholz ihrer Verpflichtung nachkommt – zumal die dortigen Wohnanlagen wenigstens angemessen »winterhart« sind.

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  10. Hallo Christian, ich habe nicht die Negativberichterstattung der AG Nordheide „übernommen“, sondern deren propagandistisches Vorgehen beschrieben. Ich sehe wenig Sinn darin, den Mantel des Schweigens über diese Dinge zu hüllen. Wie gesagt, sobald ich die Polizeiinspektion erreicht habe, werde ich berichten, was am 28.8. da wirklich war.

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  11. Wenn Leute auf einer Homepage lesen, heißt das nicht, dass sie dem Gelesenen auch zustimmen…

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  12. AG Nordheide sagt:

    Kristian Stemmler wir bedanken uns ja lieben gerne und immer wieder für Ihre Werbung. Durch Ihre Werbung steigen auch unsere Besucherzahlen auf der Infoseite. Danke nochmals und machen Sie mal weiter brav Werbung für uns!

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  13. hans-christian keunecke sagt:

    Hallo Leute! Hallo Kristian!
    Das auch Buchholz mehr Flüchtlinge vom Landkreis zugeteilt bekommt jetzt und in Zukunft ist in Buchholz sicher jedem klar.Es ist nur notwendig , dass damit öffentlich und so frühzeitig wie möglich von den Verwaltungen die geplanten Unterkunftsörtlichkeiten bekannt gegeben werden. Nur weil Nazis Negativberichte verfassen, muß die Mehrheit der Bevölkerung in Buchholz nicht gegen Flüchtlinge sein. !!??
    Über eventuelle polizeilich auffällige Vorkommnisse und Belästigungen der übrigen Anwohnerin der Nähe, des Containerdorfs Am Langen Sal , sollte die Stadtverwaltung auf der Bürgerinfo berichten. Kristian wenn Du die ungeprüfte Negativberichterstattung der Nazis übernimmst und betreibst Du deren“ Geschäft“ ! ,

    Gruß Christian

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  14. Axel sagt:

    Lieber 120 Flüchtlinge in der Nachbarschaft, als einen Nazi.

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