Griechenlands Retter oder was uns die „verhärmte Bürokratenfresse unseres Finanzminsters“ sagt

Veröffentlicht: 2015-08-20 in Analysen, Überregionales, Hintergründe, Widerstand
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Griechenland Flagge NEUVon Kristian Stemmler

Als kritischer Beobachter fühlt man sich an Zeiten der NS-Propaganda erinnert, wenn man die Meldungen der Mainstreammedien zum Thema Griechenland verfolgt. Nur dass die „Propagandaoffiziere“ heute subtiler arbeiten. Da ist wie selbstverständlich vom „dritten Hilfspaket“ oder vom „Rettungspaket“ für Griechenland die Rede – wo es doch nur darum geht, den Banken und anderen Gläubigern des Landes die Milliarden in den Rachen zu werfen. Und wo die von Berlin diktierte EU-Politik Griechenland in den Abgrund zieht und keineswegs rettet.

Kollege Simon Zeise weist in einem klugen Kommentar in der Tageszeitung junge welt darauf hin, dass es sich eigentlich um ein „Geldwäscheprogramm“ handelt, denn allein 54 der 86 Milliarden Euro des Pakets würden verwendet, um Altschulden bei den „Institutionen“ und privaten Gläubigern zu bedienen. Zugleich sei es ein „Verelendungsprogramm“, denn die griechische Regierung habe sich verpflichtet, ohne neue Kreditaufnahme einen Haushaltsüberschuss zusammenzukürzen.

Zeise schreibt: „Die Armut im Land wird weiter zunehmen. Rentner bauen Gemüse zur Selbstversorgung an, Flüchtlinge leben ohne Schutz, jeder zweite Jugendliche ist arbeitslos, die Mehrheit der Griechen ohne Perspektive.“ Die griechische Tragödie habe eines gelehrt: „Mit Tsipras kann man jetzt alles machen.“ Sein Fehler sei gewesen – da hat Zeise mehr als recht! -, den Austritt aus dem Euro nicht ernsthaft ins Spiel gebracht zu haben.

Es ist aber in Griechenland dasselbe wie in Deutschland: Wenn man den entfesselten Kapitalismus nicht radikal in Frage stellt und ernsthaft mit ihm brechen will, hat man keine Chance. Das gilt auf allen Ebenen. Kollege Reinhard Jellen hat kürzlich zum Thema Kapitalismus etwas Aufschlussreiches und Treffendes geschrieben, auch in der jungen welt, und dabei einen wunderbaren Seitenhieb auf den ja in Griechenland-Fragen federführenden Politiker Wolfgang Schäuble untergebracht.

Jellen schreibt: „Die Menschen sind kapitalistisch gesehen genau solange interessant, wie sie für den Markt interessant sind. Das wird zwar selten so direkt formuliert, ist aber bis in die Physiognomie unserer Industriekapitäne, Bankenvorstände und Politiker präsent. Man kann beispielsweise aus der verhärmten Bürokratenfresse unseres Finanzministers vieles herauslesen, aber bestimmt nicht, dass es ihm in erster Linie um die Menschen zu tun wäre – es denn, er kann an ihnen seinen Herrenmensch-Sadismus austoben.“

Ganz wunderbar!

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Kommentare
  1. Sorry, aber auf einen groben Klotz gehört ein grober Keil. Und was Schäuble angeht, ist das ein sehr zutreffender Begriff.

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  2. Senior sagt:

    „Bürokratenfresse“… Sie haben gute Ideen in manchen Artikel… aber was soll man bei solchen Begriffen in der Überschrift erwarten… den Artikel habe ich deshalb(!) nicht gelesen.

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