Law-and-order-Mehrheit im Buchholzer Rat: Straßenmusik auf dem Wochenmarkt verboten!

Von Kristian Stemmler

Buchholz ist eine deutsche Kleinstadt, darum herrscht hier auch Ordnung. Dafür sorgen schon Leute wie Arno Reglitzky, der nicht nur Vorsitzender des größten Sportvereins Blau-Weiß Buchholz ist, sondern auch Chef der dreiköpfigen FDP-Fraktion im Stadtrat. Reglitzky hat natürlich beste Beziehungen und ist vermutlich öfter im Nordheide Wochenblatt, dem Quasi-Monopolisten im Landkreis, als jeder andere Buchholzer Politiker.

Bei der letzten Sitzung des Rates vor den großen Ferien hatte der FDP-Zampano wieder einen seiner denkwürdigen Auftritte. Es ging um die Überarbeitung der Satzung für den Wochenmarkt, ein Thema, das erst auf den zweiten Blick von Brisanz ist. Das Wochenblatt erkannte diese Brisanz immerhin und machte das Thema unter der Zeile „Aus für die Straßenmusiker?“ in der Ausgabe nach der Sitzung auf.

Und darum geht es: Die Straßenmusik soll in der Buchholzer Innenstadt „zur Aufrechterhaltung des Marktfriedens“ während der Marktzeiten „nur noch im Ausnahmefall stattfinden“. Die Verwaltung begründete diese Änderung mit vielen Beschwerden, „insbesondere von Marktbeschickern“. Der Stadtrat beschloss die neue Satzung mit großer Mehrheit, bei zwei Enthaltungen (eine von meiner Seite) – das Wochenblatt schrieb übrigens fälschlich von einem einstimmigen Beschluss.

Aber worüber reden wir hier eigentlich?!! Mir ist noch nicht mal aufgefallen, dass auf dem Wochenmarkt viel Straßenmusik gemacht wird. Ich nehme an, dass hier vor allem zwei junge Männer gemeint sind, die zuletzt regelmäßig mit ihren Gitarren auf dem Markt aufspielten. Mit ihren Rastalocken und ihrem gesamten Auftreten passen die natürlich nichts ins Bild von Law-and-Order-Spießern wie Reglitzky und Co.

Daher war der FDP-Fraktionschef im Stadtrat auch Feuer und Flamme für das Verbot der Straßenmusik und zeigte sich dabei einmal mehr als Marionette der Geschäftsleute. In der Diskussion um den Tagesordnungspunkt stellte er sich hin und äußerte kurz und bündig: „Die Musiker müssen weg!“ Ich dachte erst, ich hätte mich verhört, aber als parteiloses Mitglied des Rates sitze ich nicht allzu weit weg von Reglitzky und bin mir relativ sicher, dass diese Worte so gefallen sind.

Dass Wochenblatt zitierte den blau-weißen Ordnungspolitiker natürlich nicht, denn Kritik an dem Mann ist in diesem Blatt tabu. Immerhin wurde aber das Thema hochgezogen und Pirat Arne Ludwig zitiert, der sein Bedauern über die Verdrängung der Straßenmusiker äußerte.

Was Kollege Oliver Sander in seinem Kommentar vorschlug, ist allerdings recht skurril und vermutlich nicht ernst gemeint. Erst mal unterschied er zwischen guter und „nerviger“ Straßenmusik, offenbar um den Marktbeschickern entgegen zu kommen (Anzeigen!). Dann schlug er vor, dass die Straßenmusiker dem Leiter der Musikschule vorspielen, damit der beurteilt, ob sie für den Wochenmarkt die nötige Qualität haben.

Nun ja, wenn das Wochenblatt jetzt schon satirisch auf die Kommunalpolitik reagiert, besteht ja noch Hoffnung…

Advertisements

12 Comments

  1. Lieber Herr Neb,
    dass heute weitverbreitete Worte oft aus einer ganz anderen Richtung kommen, als man denkt, überrascht mich nicht. Ich habe etwas ruppig reagiert, weil ich erstens keinen Grund sehe, sich angesichts des heutigen Zustands des turbokapitalistischen Europas über die DDR und/oder die PDS zu erheben – und zweitens das Herumgereite auf meinem Rauswurf aus der Partei Die Linke nicht mehr hören kann. Mein damaliges Verhalten habe ich von Anfang an eingeräumt und es ist breit diskutiert worden. Die Verhandlung, die zum Parteiausschluss führte, war im übrigen eine Farce!
    Herzliche Grüße
    Kristian Stemmler

    Gefällt mir

  2. Lieber Herr Stemmler, wer wird denn gleich in die Luft gehen? Mit ging es nicht ums Datum sondern um die Herkunft des Spruches, den Sie doch hier eingeführt haben. Und der kommt aus der
    Nähe von Goebbels.

    Aber sei drum.

    Herzliche Grüße Matthias Neb

    Gefällt mir

  3. Sie sollten auch genauer lesen, bevor Sie jemanden diffamieren!! Ihr Genosse, Herr Piwecki, hat behauptet, die Losung sei von 1914, nicht ich!! Als jemand, der den Sozis angehört oder nahe steht, würde ich momentan schön die Schnauze halten, so wie die SPD den Reichen und Mächtigen in den Arsch kriecht und der arbeitenden Bevölkerung in den Rücken fällt.

    Gefällt mir

  4. „Wer hat uns verraten….“ Ist eine Losung von 1930 ca…..aus d.er Zeit als im Berliner Verkehrsarbeiterstreik die Kpd mit der Nsdap uisammen in der Streikleitung saß…..auch rausgeworfene Pdsler sollten ihr Geschichtsbuch kesen.

    Gefällt mir

  5. Was soll dieses Herumgereite auf den Pflichten eines Ratsherren. Ich habe nicht die Zeit, zu jedem Ausschuss hinzulaufen. Die saturierten Herrschaften im Rat (also fast alle) haben natürlich leicht reden. Man hat einen geregelten Job und betreibt die Politik als nettes Hobby. Und zweitens muss ich nicht in die ganze Vorarbeit eines Textes oder Antrags eingebunden sein, um das Ergebnis zu beurteilen. Drittens frage ich mich, wo denn die großen Erfolge der Ratsmehrheit sind?? Ich habe eher den Eindruck, dass man sich so durchwurschelt. Die entscheidenden Impulse setzen doch andere: die Verwaltung (Frau Grondke mit dem ISEK z. B:) oder Investoren. Und was den Jugendrat angeht: Ich bleibe bei meiner Meinung, dass das ein Rohrkrepierer wird und kaum Leute auf die Beine bringt. Natürlich muss man junge Leute für Politik interessieren – aber die Kommunalpolitik ist sicher nicht das Thema, das sie hinter dem PC hervorholt!

    Gefällt mir

  6. Ich möchte hier wirklich sachlich bleiben…und eine Losung von 1914 zeigt wohl am besten, wie realitätsfern und rückwärtsgewandt diese Diskussion ist. Wir machen hier Politik in und für Buchholz und haben gute Erfolge, darum geht es. Wir haben Zeit und Arbeit investiert, haben um Formulierungen gerungen und diskutiert, und dann im Nachhinein darüber den Stab zu brechen, finde ich schlechten Stil, ganz einfach. auch andere investieren ihre Zeit neben ihrer Arbeit. Wer Ratsherr wird, hat auch Pflichten. Und nochmal….Politik besteht aus Kompromissen! Ich entschuldige nicht, was die Partei auf Bundesebene macht…..ich stelle fest, dass es jetzt leichter ist einen politisch nahestehenden hier im Rat anzumachen, und nicht im Vorfeld mitzuarbeiten. Wer nichts tut, macht auch keine Fehler. Aber mein erfolgreicher Jugendratantrag (Dez. 2013) hat eigenartigerweise viele Väter und Mütter, findet aber hier kaum Unterstützung. Also geht es wohl doch im Stil der ‚Bild‘ um Aufreger und nicht um sachliche Berichtestattung.
    Geschont werden hier ganz andere Gruppen und Parteien, die viel mehr Blödsinn fabrizieren. Der einzige, der gegenhält gegen deine Argumente und sich auch traut, eine andere Meinung zu haben, der wird gebasht.

    Gefällt mir

  7. Die SPD hat ja Meisterschaft darin erworben, ihre Politik als Erfolg zu verkaufen. Es gilt noch immer die alte Losung: Wer hat uns verraten? Sozialdemokraten! Man schaue sich nur die faktische Einschränkung des Streikrechts oder die „Reform“ des Erbschaftsrechts an! Die SPD ist auch wieder ganz vorn mit dabei (Olaf Scholz etc.), Stimmung gegen „Balkanflüchtlinge“ zu machen.

    Gefällt mir

  8. Hat Reglitzky gesagt „Die Musiker müssen weg!“ oder nicht? Und das erklärte Ziel dieses Passus in der neuen Satzung ist es, die Straßenmusik zu erschweren. Die Stadt „kann“ Ausnahmen zulassen, muss es aber nicht. Im Gegensatz zu anderen Ratsherren und -damen, die prima sozial abgesichert sind, kann ich nicht zu jedem Ausschuss hinlaufen, weil ich alle Hände damit zu tun habe, die Zukunft meiner Familie zu sichern!!!! Und die SPD habe ich in diesem Blog bisher sehr geschont, wenn ich allein sehe, was die auf Bundesebene zuletzt durchgewinkt haben…

    Gefällt mir

  9. „Man möchte rasend werden….“, so würde ich gern Goethe zitieren, wenn ich die Berichte im NHWB, bei Facebook und jetzt auch hier lese…und jeder, aber auch wirklich jeder, hat was zu meckern und sei es noch so abwegig, wie das obige Beispiel zeigt! Zitat:
    „§9 Abs. 5.
    Straßenmusik und Musikbegleitung ist während der Marktzeiten nicht zulässig. Die Stadt kann auf Antrag Ausnahmen zulassen.“
    …also? Melde dich beim Marktmeister und dann spiel Gitarre!
    Wir haben keine Law&Order Polizik, sondern EINEN KOMPROMISS beschlossen, frag mal die Marktleute!
    Ich kann mich aber erinnern, das der Autor der obigen Zeilen nicht bei den Vorberatungen dieser Satzung in einer Fraktion und auch nicht im Finanzausschuss (dem zuständigen Fachausschuss) zugegen war, seine Meinung da gesagt hat und somit den Antrag auch nicht mitgestaltet hat.
    Und dann auf uns Sozialdemokraten rumhacken ist leichtes Spiel und albern…
    vor allem, wenn der Autor dieses Artikels die Ratssitzung frühzeitig verlässt und gar nicht alles bis zum Ende mitbekommt…

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s