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Archive for August 2015

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Von Kristian Stemmler

Der Alltag wird für viele Menschen heute nicht leichter. Druck am Arbeitsplatz, Stress in der Familie, Rundumbeschallung durch Konsum- und Medienindustrie. Da ist den Menschen natürlich jede Abwechslung prinzipiell zu gönnen. Schade ist nur, dass diese Abwechslung oft nur noch in Form von Zerstreuung und Betäubung bei so genannten Massenevents zu finden ist. Am Sonnabend gab es ein solches Event auf dem Peets Hoff in Buchholz: Die Sommertour 2015 von Hallo Niedersachen und NDR 1 Niedersachsen machte mit ihrer „Stadtwette“ Station in der Nordheide.

Wenn das Fernsehen ruft, gibt es natürlich kein Halten. Auf dem Platz zwischen Buchholz Galerie und Famila standen die Menschen von der Bühne bis zur Lindenstraße dicht an dicht, schon um 18 Uhr war kaum ein Durchkommen. Offenbar war die halbe Stadt auf den Beinen, um des Ereignisses teilhaftig zu werden. Die Polizei schätzte hinterher die Zuschauerzahl auf rund 9000. Viele hatten sich oder ihre Kinder als Pippi Langstrumpf oder andere Figuren des Kinderbuches ausstaffiert – denn das war Inhalt der (am Ende gewonnen) Stadtwette: Mehr als 250 Buchholzer sollten als Pippi-Langstrumpf-Figuren kostümiert das Pippi-Lied singen.

Ohne Frage ist es immer wieder faszinierend, was für eine Technik das Fernsehen auffährt, um seine künstliche Welt zu produzieren. Auf, neben, vor und hinter der mächtigen Bühne gab es Kameras und Kabel ohne Ende zu sehen, die Techniker des NDR liefen, zu recht von ihrer Bedeutung überzeugt, geschäftig umher, es wurde geplant, probiert, gecheckt. Die Professionalität, mit der all dies geschieht, ist sicher beeindruckend.

Nur stellt sich die Frage, für wen das alles geschieht. Denn letztlich sind die, für die das alles angeblich gemacht wird, also die (imaginierte) Stadt und deren Bewohner doch nur Staffage für die Show. Das Team rund um den Pressesprecher Heinrich Helms, das die Stadtwette bestritt, war sicher sehr motiviert, aber bestand halt aus einer überschaubaren Gruppe von Leuten, die sich auch sonst gern engagieren. Die große Masse der Zuschauer am Abend konsumierte die Show, war rein passiv.

Dass Moderator Arne-Torben Voigts, der mit seiner Kollegin Kerstin Werner, das Ganze moderierte, nicht nur einmal von Bückeburg statt von Buchholz sprach, ist kein Zufall, sondern Ausdruck dieser Auswechselbarkeit der Kulissen. Der NDR arbeitet gern mit Lokalkolorit, gibt sich als Bewahrer von Heimat und Heimatgefühl. Aber letztlich ist das natürlich auch nur eine Täuschung, denn von dieser Heimat, dem spezifisch Lokalen, ist nicht mehr viel übrig.

Der Amok laufende Turbokapitalismus lässt nichts stehen, nichts von emotionaler Bindekraft, nichts was uns vom Konsumieren abhält, auch keine Heimat. Alles kommt in den großen Fleischwolf und nur das, was für die Zurichtung der Menschen brauchbar ist, bleibt übrig. Solche Events wie am Sonnabend in Buchholz sind letztlich nur dazu da, die Menschen zuzudröhnen, sie zu zerstreuen und abzulenken, Placebo-Gefühle zu vermitteln, auf dass sie am nächsten Tag weiter funktionieren.

So gut das alles auch gemacht war, auch die mit viel Drive neu arrangierte Neue-Deutsche-Welle-Musik mit Markus, Hubert Kah, Geier Sturzflug und Frl. Menke – im Grunde war es ein ebenso tristes wie trostloses Ereignis. „Wo bleibt die Freude?“, rief einer der Musiker auf der Bühne, und das war wohl der wahrhaftigste Satz an diesem Abend.

Aber die Leute werden ihn falsch verstanden haben. Sie waren zu sehr damit beschäftigt, in die an einem Galgen immer wieder über sie schwebende Kamera zu winken und gleichzeitig auf den großen Bildschirm an der Bühnenseite zu starren. Einmal im Leben im Fernsehen sein.

Paul Simon schrieb diesen Text:

These are the days of miracle and wonder
This is the long-distance call
The way the camera follows us in slow-mo
The way we look to us all
The way we look to a distant constellation
That’s dying in a corner of the sky
These are the days of miracle and wonder
And don’t cry, baby, don’t cry, don’t cry

(…)

It’s a turn-around jump shot
It’s everybody jump start
It’s every generation throws a hero up the pop charts
Medicine is magical and magical is art
Think of the boy in the bubble
And the baby with the baboon heart

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Von Kristian Stemmler

Saufen bis zum Abwinken, einen draufmachen, bis der Arzt kommt – das ist heute mehr denn je quasi der Lebenszweck vieler junger Leute. Dabei ist der Aggressionspegel oft hoch. Wohin das führen kann, zeigt ein Ereignis in der Nacht zum Sonnabend in Meckelfeld, das für Entsetzen bei der Polizei des Landkreises gesorgt hat: Nach dem dem Ende des Meckelfelder Dorffestes kam es auf der Rönneburger Straße zu einer Schlägerei. Dabei wurde ein 31 Jahre alter Polizist angegriffen und lebensgefährlich verletzt.

Gegen 0.40 war die Polizei in die Rönneburger Straße gerufen worden, wie die Polizeiinspektion Harburg mitteilt. Viele Besucher des Dorffestes hatten sich nach dessen Ende zu einer Gaststätte an dieser Straße begeben, um dort weiter zu feiern. Vor dem Eingang des mit Bauzäunen abgeschirmten Außenbereichs kam es zu einer Auseinandersetzung zwischen dem Sicherheitsdienst und mehreren jungen Männern, weil die nicht eingelassen worden waren.

Sofort nach Eingang des Notrufes seien mehrere Beamte, die wenige Straßen entfernt auf dem Geländes des Dorffestes im Einsatz waren, zur Rönneburger Straße geschickt worden, so die Polizeiinspektion. Der 31 Jahre alte Beamte hätte den Einsatzort als erster erreicht, nur wenige Sekunden vor weiteren Beamten, und sei sofort angegriffen worden. Bei der Attacke erlitt er eine schwere Kopfverletzung, verlor das Bewusstsein.

Nach Behandlung durch einen Notarzt wurde der Polizist mit einem Rettungswagen in eine Hamburger Klinik gebracht, wo noch in der Nacht eine Notoperation ausgeführt werden musste. Er schwebte am Sonnabendvormittag aber noch in Lebensgefahr. Nach ersten Befragungen gerieten zwei 31 und 35 Jahre alte Seevetaler unter Tatverdacht. Sie wurden noch in der Nacht festgenommen. Die Polizei ermittelt gegen die beiden Männer wegen versuchten Totschlags.

Die Polizeiinspektion Harburg bittet dringend darum, dass jeder Zeuge, der Angaben zum Tathergang machen kann, sich unter Telefon 04181-2850 zu melden. Nur so sei eine genaue Rekonstruktion des Vorfalls möglich.

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Von Kristian Stemmler

Plötzlich sind sie alle da. Gabriel, Gauck und Merkel besuchen Flüchtlinge in Heidenau und anderswo, im Fernsehen und sonstigen Mainstreammedien läuft das Thema Flüchtlinge rauf und runter. Im Akkord werden uns syrische Familien vorgeführt und ihre deutschen Helfer, man blendet Spendenkonten ein, als hätte es ein Erdbeben gegeben. Es ist wie immer in der heutigen Medienwelt: Atemlos und besinnungslos wird ein Thema hochgezogen und ausgewrungen ohne jedes Bewusstsein für Zusammenhänge und Ursachen.

Natürlich könnte man es erfreulich finden, dass die Anschläge auf Flüchtlingsunterkünfte und die ganze braune Hetze gegen Asylbewerber so einhellig medial verurteilt wird. Aber die Frage sollte erlaubt sein, wie nachhaltig das sein kann, wenn man die Menschen nicht gleichzeitig über die tieferen Zusammenhänge aufklärt. Alles deutet darauf hin, dass die Politik die Gelegenheit nutzt, mit schönen Sonntagsreden die Verschärfung ihrer Asylpolitik und die Abschottung der EU zu verbergen.

In der Tageszeitung junge welt schreibt Ulla Jelpke, innenpolitische Sprecherin der Linksfraktion im Bundestag: „Tatsächlich hat die Bundesregierung die jetzige Situation sehenden Auges heraufbeschworen. Steigende Flüchtlingszahlen waren absehbar. Doch weder wurden rechtzeitig Unterkünfte geschaffen, noch ein Finanzierungskonzept des Bundes für die mit den Organisationsproblemen allein gelassenen Kommunen vorgelegt. Statt dessen übt sich die Bundesregierung in populistischen Scheindebatten über richtige und falsche Flüchtlinge.“

Ende Juni habe ich bereits in einem längeren Beitrag diese von Berlin wesentlich forcierte Politik beschrieben (https://buchholzblog.wordpress.com/2015/06/30/sortieren-und-abschotten-wie-bundesregierung-und-eu-ihren-krieg-gegen-die-fluchtlinge-intensivieren/). In dem Beitrag heißt es unter anderem:

Flüchtlinge aus Ländern mit einer „relativ hohen Anzahl von Asylsuchenden bei zugleich besonders niedriger Schutzquote“ sollen durch Desintegration, Isolation in Großunterkünften und zeitnahe Abschiebungen abgeschreckt werden. Von den Restriktionen betroffen wären zunächst vor allem Roma aus den Westbalkanstaaten und Menschen aus mehreren westafrikanischen Ländern. Die unklaren Formulierungen ermöglichen jedoch die Einbeziehung weiterer Herkunftsländer. Pro Asyl hat die Übereinkunft als „fatal“ bezeichnet. Eine „Vorsortierung der Flüchtlinge etwa nach der Schutzquote ihres Herkunftslandes“ laufe dem Grundgedanken des Asylrechts zuwider.

Wenn Medien wie ARD und ZDF syrische Familien als quasi legitime Flüchtlinge präsentieren, da sie aus einem vom Bürgerkrieg ruinierten Land kommen, zugleich aber die rassistische Zuschreibung „Wirtschaftsflüchtlinge“ für Roma vom Westbalkan übernimmt, unterstützen sie die offizielle Politik nach dem Motto „Die Guten ins Töpfchen, die Schlechten ins Kröpfchen“. Auch das Gerede von den „kriminellen Schleppern“ ist Propaganda – die Fluchthelfer gibt es überhaupt nur, weil die EU sich zunehmend abschottet.

Die Begriffe „Schlepper“ oder „Schleuser“ werden von der Politik genutzt um Maßnahmen wie die Militäroperation EUNAVFOR-Med zu rechtfertigen. Wie Ende Juni berichtet, zielt die Operation auf den von afrikanischen Flüchtlingen am häufigsten genutzten Fluchtweg über das Mittelmeer von Libyen nach Italien. Die Außenminister der EU einigten auf einen Vierstufenplan. Zuerst sollen durch „Überwachung und Beobachtung der Schleuseraktivitäten“ Informationen über die „kriminellen Netwerke“ gewonnen werden. In der zweiten Phase geht es um „das Anbordgehen, die Durchsuchung, Beschlagnahme und gegebenenfalls Umleitung von Schleuserbooten auf hoher See und in den libyschen Territorialgewässern“.

Die größten Risiken einer militärischen Eskalation sind in der dritten Stufe zu befürchten: Dann will die EU vermeintliche Schiffe und Boote der Schleuser, Startplätze und Hafenanlagen, Benzinlager und andere Strukturen auf libyschem Boden, die für Flüchtlingstransporte genutzt werden könnten, durch Luftangriffe, Beschuss von See aus und Spezialkommandos zerstören.

Dass der EU bisher die völkerrechtlichen Voraussetzungen für Operationen in libyschen Hoheitsgewässern und auf dem Festland fehlen, scheint keinen zu interessieren. Weder hat der UN-Sicherheitsrat einem entsprechenden Mandat zugestimmt, noch hat auch nur eines der zahlreichen libyschen Machtzentren eine, wie es im EU-Sprachgebrauch heißt, „Einladung“ zu einer Militärintervention ausgesprochen.

Über all diese Maßnahmen und Zusammenhänge wird in den Medien kaum berichtet. Insofern ist der Hype um die steigenden Flüchtlingszahlen und die vielen Anschläge auf Flüchtlingsunterkünfte eher kontraproduktiv. Mal abgesehen davon, dass die Fokussierung auf dieses Thema für Politik und vor allem auch für die Mittelschicht des Landes eine gute Gelegenheit ist, sich einen weißen Fuß zu machen und von dem nicht minder akuten gesellschaftlichen Thema abzulenken: dem Skandal der sozialen Ungerechtigkeit.

Natürlich wird in den Mainstreammedien auch fast nirgendwo diskutiert, woran es denn wohl liegen könnte, dass weltweit so viele Menschen auf der Flucht sind. Da muss man schon ein wenig suchen, um auf erhellende Beiträge zu stoßen. Dass die ganze Misere mit der Kriegspolitik der USA zu tun hat, die global für Chaos sorgt, darauf weist etwa der CDU-Mann Willy Wimmer auf den Nachdenkseiten hin. Hier der Link zu dem sehr lohnenswerten Artikel:

http://www.nachdenkseiten.de/?p=27348#more-27348

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Still ruht der See. Im Seppenser Mühlenteich wird erst mal nicht mehr gesucht.

Still ruht der See. Im Seppenser Mühlenteich wird erst mal nicht mehr gesucht.

Von Kristian Stemmler

Bei der Polizeiinspektion Harburg ließ man am Freitag quasi die Jalousien herunter. Die Pressestelle mailte eine kurze Notiz an die Medienvertreter, sie sei an diesem Tag nicht besetzt, man möge sich bei Anfragen zu aktuellen Ereignissen an die örtlich zuständigen Dienststellen richten. Nach vier Tagen erfolgloser Suche nach Sylvia und Miriam Schulze aus Drage im und am Seppenser Mühlenteich, nach ebenso langer intensiver Medienbegleitung, wollte man sich offenbar erst einmal eine Atempause verschaffen.

Anfang der Woche war der Optimismus noch groß gewesen bei der „Soko Schulze“ der Polizeiinspektion Harburg. Als am Montag ein Spürhund die Spuren der vermissten Sylvia und Miriam und die des Familienvaters Marco nahe des Seppenser Mühlenteichs aufgenommen und bis zum Teich verfolgt hatte, schien der Durchbruch nah. Die Spuren von Mutter, Vater und Tochter führte zum Teich, wieder weg aber nur die des Vaters. Zwei weitere Hunde bestätigten die Spuren.

Für die Soko Schulze stand damit so gut wie fest, dass die Leichen von Sylvia und Miriam Schulze nur im Mühlenteich oder im angrenzenden Wald zu finden sein können. Noch am Montag begannen die Suchmaßnahmen. Taucher durchsuchten einen Teil des Teichs, wobei sie den Grund wegen der morastigen Beschaffenheit abtasten mussten. Aus Emden wurde ein Sonarboot angefordert, das mit seiner auf Schallwellen basierenden Technik 17 Auffälligkeiten im Teich entdeckte.

Auch am Mittwoch rückten 60 Beamten der Bereitschaftspolizei aus Lüneburg in Seppensen an. Sie durchsuchten etwa acht Stunden die Umgebung des Mühlenteichs intensiv, ohne jedes Ergebnis. Am Donnerstag rückten erneut sechs Polizeitaucher an. Sie untersuchten die 17 auffälligen Stellen, die das Sonarboot aus Emden entdeckt hatte. Auch das hatte kein Erfolg, die Auffälligkeiten erwiesen sich als Baumstämme oder ähnliches.

Für Beobachter überraschend verkündete die Polizeiinspektion dann am Donnerstag, sie beende die Suchmaßnahmen in Seppensen. „Für die Polizei gibt es damit derzeit keine Anhaltspunkte, die weitere Suchmaßnahmen möglich machen würden“, heißt es in der Mitteilung, „Die Beamten der Soko Schulze arbeiten nun die noch offenen Spuren ab. Eine heiße Spur ist aber nicht darunter.“

Überraschend ist diese Mitteilung, weil es noch in der Mitte der Woche noch hieß, es sei quasi gesichert, dass die Leichen von Sylvia und Miriam im oder am Seppenser Mühlenteich zu finden seien. Eventuell hat Marco Schulze sie so gut versteckt, dass eine Entdeckung schwer ist. Bei seinem Selbstmord hatte er sich selbst mit einem Betonklotz beschwert, um in der Elbe nicht entdeckt zu werden. Offenbar wollte er nicht, dass seine und die Leichen seiner Frau und Tochter gefunden werden. Für ein Familiendrama eher ungewöhnlich.

Fernsehsendern gegenüber erklärte Jan Krüger, der vielbeschäftigte Pressesprecher der Polizeiinspektion Harburg, am Montag werde man sich wieder zusammensetzen und über das weitere Vorgehen beraten. Dabei solle es auch darum gehen, ob die Ermittlungen noch von einer Sonderkommission geführten werden müssten.

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Griechenland Flagge NEUVon Kristian Stemmler

Als kritischer Beobachter fühlt man sich an Zeiten der NS-Propaganda erinnert, wenn man die Meldungen der Mainstreammedien zum Thema Griechenland verfolgt. Nur dass die „Propagandaoffiziere“ heute subtiler arbeiten. Da ist wie selbstverständlich vom „dritten Hilfspaket“ oder vom „Rettungspaket“ für Griechenland die Rede – wo es doch nur darum geht, den Banken und anderen Gläubigern des Landes die Milliarden in den Rachen zu werfen. Und wo die von Berlin diktierte EU-Politik Griechenland in den Abgrund zieht und keineswegs rettet.

Kollege Simon Zeise weist in einem klugen Kommentar in der Tageszeitung junge welt darauf hin, dass es sich eigentlich um ein „Geldwäscheprogramm“ handelt, denn allein 54 der 86 Milliarden Euro des Pakets würden verwendet, um Altschulden bei den „Institutionen“ und privaten Gläubigern zu bedienen. Zugleich sei es ein „Verelendungsprogramm“, denn die griechische Regierung habe sich verpflichtet, ohne neue Kreditaufnahme einen Haushaltsüberschuss zusammenzukürzen.

Zeise schreibt: „Die Armut im Land wird weiter zunehmen. Rentner bauen Gemüse zur Selbstversorgung an, Flüchtlinge leben ohne Schutz, jeder zweite Jugendliche ist arbeitslos, die Mehrheit der Griechen ohne Perspektive.“ Die griechische Tragödie habe eines gelehrt: „Mit Tsipras kann man jetzt alles machen.“ Sein Fehler sei gewesen – da hat Zeise mehr als recht! -, den Austritt aus dem Euro nicht ernsthaft ins Spiel gebracht zu haben.

Es ist aber in Griechenland dasselbe wie in Deutschland: Wenn man den entfesselten Kapitalismus nicht radikal in Frage stellt und ernsthaft mit ihm brechen will, hat man keine Chance. Das gilt auf allen Ebenen. Kollege Reinhard Jellen hat kürzlich zum Thema Kapitalismus etwas Aufschlussreiches und Treffendes geschrieben, auch in der jungen welt, und dabei einen wunderbaren Seitenhieb auf den ja in Griechenland-Fragen federführenden Politiker Wolfgang Schäuble untergebracht.

Jellen schreibt: „Die Menschen sind kapitalistisch gesehen genau solange interessant, wie sie für den Markt interessant sind. Das wird zwar selten so direkt formuliert, ist aber bis in die Physiognomie unserer Industriekapitäne, Bankenvorstände und Politiker präsent. Man kann beispielsweise aus der verhärmten Bürokratenfresse unseres Finanzministers vieles herauslesen, aber bestimmt nicht, dass es ihm in erster Linie um die Menschen zu tun wäre – es denn, er kann an ihnen seinen Herrenmensch-Sadismus austoben.“

Ganz wunderbar!

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Buchholz (kst) – In Holm-Seppensen ist heute die Suche nach den Leichen von Sylvia und Miriam Schulze fortgesetzt worden. Zwischen halb zehn und 18 Uhr durchsuchten rund 60 Beamte der Bereitschaftspolizei aus Lüneburg die an den Seppenser Mühlenteich grenzenden Waldstücke – ohne Erfolg. Auf dem Teich wurde ein Sonarboot der Wasserschutzpolizei Emden eingesetzt, das mit einer auf Schallwellen basierenden Technik den Grund auf besondere Objekte untersuchen kann.

„Durch das Sonarboot wurden Aufnahmen von mehreren auffälligen Stellen am Grund des Teiches gemacht“, teilte die Polizeiinspektion Harburg am Abend mit. Die Aufnahmen sollten in der Nacht ausgewertet werden. Morgen Vormittag sollen Polizeitaucher die markierten Stellen überprüfen. Danach werde die Polizei entscheiden, „ob weitere Suchmaßnahmen erforderlich sind“.

Auch die Option, das Wasser des Mühlenteichs zumindest teilweise abzulassen, ist nach wie vor im Gespräch. Wie Medien berichten, seien aber noch technische Probleme zu klären. So sei das Wehr des Teiches lange nicht mehr benutzt worden und in keinem guten Zustand.

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Liegen im Seppenser Mühlenteich die Leichen von Sylvia und Miriam Schulze?

Liegen im Seppenser Mühlenteich die Leichen von Sylvia und Miriam Schulze?

Buchholz (kst) – Im Fall Schulze plant die Polizei jetzt, ein so genanntes Sonarboot einzusetzen, das den Boden des Seppenser Mühlenteiches mit einer auf Schallwellen beruhenden Technik nach Objekten absuchen kann. Das teilte die Polizeiinspektion Harburg mit. Zugleich soll das Wasser des Mühlenteichs zumindest teilweise abgelassen werden, um den morastigen Untergrund besser untersuchen zu können. Am morgigen Mittwoch soll eine Hundertschaft anrücken, die den Wald am Ufer des Teiches durchsuchen wird. Der Einsatz von vier Polizeitauchern war am Montagabend ergebnislos abgebrochen worden.

Die Polizei geht, wie berichtet, davon aus, dass sich die Leichen der verschwundenen Sylvia (43) und Miriam Schulze (12) im Mühlenteich oder im Uferbereich befinden. Am heutigen Dienstag setzte die Polizei zwei Personenspürhunde (Mantrailer-Hunde) ein, die das Ergebnis der Suche durch einen anderen Personenspürhund am Vortag bestätigen sollten. „Da die Geruchsspur mittlerweile rund vier Wochen alt ist, waren witterungsbedingte Ungenauigkeiten nicht auszuschließen“, erklärte die Polizeiinspektion Harburg.

Die beiden heute eingesetzten Hunde bestätigten aber das Ergebnis des Personenspürhundes vom Montag. Dieser Hund hatte die Fährten von Mutter und Tochter von einem Waldweg in der Nähe des Mühlenteichs, wo eine Zeugin die gesamte Familie am 22. Juli gesehen hatte, über eine Strecke von rund 200 Metern bis zum Ufer des Gewässers verfolgt. Die Spur des Vaters Marco – er nahm sich kurz danach mit einem Sprung in die Elbe das Leben -, führte wieder vom Mühlenteich weg, die von Sylvia und Miriam Schulze nicht.

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Der Winsener Anzeiger vom heutigen Freitag berichtet über einen Auftritt von Sabine Zunker bei „Stern TV“. Zunker ist eine Tochter von Sylvia Schulze, die mit ihrer jüngeren Tochter Miriam, im Juli 2015 verschwand – als „Fall Schulze“ machte der Vorgang bundesweit Schlagzeilen. In der Sendung räumte Michael Düker, Leiter der damals eingerichteten Sonderkommission, ein, dass die Leichen im Seppensener Mühlenteich, wo sie vermutet wurden, nicht unbedingt hätten gefunden werden müssen, da dort ein tiefer Morast vorherrscht. Aus diesem Anlass veröffentlicht die Redaktion des medienlotse-Blogs, die sich schon damals fragte, warum der Teich nicht trocken gelegt wurde, die Reportage von der Suche im Mühlenteich. Die Auskunft der Polizei damals übrigens: Das Wasser des gesamten Teichs abzulassen sei sehr aufwendig, alte, lange ungenutzte Wehre könnten brechen, was zu Überschwemmungen führen könnte. Der medienlotse meint wie der Winsener Anzeige: Versucht es!

Von Kristian Stemmler

Eine Entenmutter verlässt mit ihren Küken das schützende Schilf, über dem Seppenser Mühlenteich steigt Dunst auf. Eigentlich ist es an diesem regnerischen Abend ganz idyllisch an dieser ruhigen Ecke von Holm-Seppensen. Oder besser gesagt: Es wäre idyllisch, wenn da nicht die vielen Polizisten wären, die vielen Kamerateams und Reporter. Sie sind gekommen wegen einer sensationeller Wende im Fall Schulze, der seit Wochen bundesweit für Schlagzeilen sorgt: Der Fall der Ende Juli verschwundenen Familie aus Drage hat Buchholz erreicht.

Noch wagt es niemand ganz offen auszusprechen, natürlich auch nicht Jan Krüger, Pressesprecher der Polizeiinspektion Harburg, der quasi von Amts wegen zu vorsichtigen Statements verpflichtet ist. Aber folgende Hypothese wird immer wahrscheinlich: Familienvater Marco Schulze (41) ist möglicherweise mit seiner Frau Sylvia (43) und der gemeinsamen Tochter Miriam (12) unter einem Vorwand nach Holm-Seppensen gekommen, hat sie am Ufer des Seppenser Mühlenteichs getötet und die Leichen in dem Gewässer verschwinden lassen.

Vieles spricht für ein solches Szenario. Aber an diesem Montagnachmittag steht erst einmal die Suche nach Mutter und Tochter im Mittelpunkt. Vier Polizeitaucher aus Braunschweig sind nach Buchholz gekommen und suchen seit etwa 16 Uhr den Mühlenteich ab. Zwei Beamte fahren mit einem Schlauchboot das gesamte Ufer ab und suchen dort nach den vermissten Frauen. Insgesamt hat die Polizei rund 35 Beamte im Einsatz.

Warum aber sollte Marco Schulze seine Familie nach Holm-Seppensen gebracht haben, eine Dreiviertelstunde Autofahrt von Drage entfernt? „ Die Familie hatte einen Bezug in die Region. Mehr kann ich dazu nicht sagen“, erklärt Jan Krüger, der Sprecher der Polizeiinspektion Harburg. Schon in der ersten Woche nach dem Verschwinden gab es dazu einen anonymen Hinweis an die Polizei. Nachdem über den Fall Schulze in der ZDF-Sendung „Aktenzeichen xy…ungelöst“ berichtet wurde, meldete sich die Zeugin erneut und sagte aus, sie kenne die Familie Schulze und habe sie am 22. Juli auf einem Wanderweg in Holm-Seppensen gesehen.

Da klingelten bei den Ermittlern natürlich die Alarmglocken. Denn am 23. Juli, also einen Tag später, war Marco Schulze das letzte Mal gesehen worden. Er wurde am 31. Juli in Lauenburg tot aus der Elbe gezogen. Mit einem Betonklotz, den er am Körper festgebunden hatte, war Schulze von einer Elbbrücke ins Wasser gesprungen. Der Fund seiner Leiche sorgte bei aller Tragik für erste Klarheit: Wie vermutet, hatte sich ein Familiendrama abgespielt. Doch Mutter und Tochter blieben verschwunden.

„Aktenzeichen xy…ungelöst“ sorgte offenbar für einen neuen Schub in dem Fall. Nach dem Hinweis der Zeugin setzte die Polizei in Holm-Seppensen erfolgreich einen Mantrailer-Hund ein, also einen Spürhund, der Spuren lebender Menschen verfolgt. Er nahm an der Stelle, an der die Zeugin die Familie gesehen hatte, die Witterung auf und führte die Polizei an das Nordostufer des Seppenser Mühlenteichs. Das war der Startschuss für den Einsatz der Polizeitaucher, der heute nachmittag begann.

Natürlich waren auch die Medien sofort zur Stelle, da der Fall Schulze immer noch die Öffentlichkeit im ganzen Land beschäftigt. Am Südwestufer des Mühlenteichs, unweit der verfallenen Mühle hatten Krüger und ein Team einen kleinen Platz für die Presse freigehalten, wo ein halbes Dutzend Kamerateams, Reporter von Rundfunk und Presse ihr Zelt aufschlugen. RTL kam gar mit einem Übertragungswagen an den idyllischen Mühlenteich. Auch das NDR Fernsehen berichtete live.

Jan Krüger stand wie in den vergangenen Wochen wieder geduldig Rede und Antwort. Seit Wochen ist er auf allen Kanälen zu sehen. Auf die Frage, wie viele Interviews er zum Fall Schulze inzwischen gegeben hat, zuckt er nur die Schultern. Über mögliche persönliche Hintergründen des Familiendramas will oder kann er nichts Konkretes sagen. Seine Äußerungen lassen allerdings den Schluss zu, dass es wohl keinen ganz eindeutigen Auslöser gab wie in anderen Fällen.

Ob sich die Hintergründe des Dramas also jemals aufgeklärt werden bzw. ob das überhaupt in die Öffentlichkeit gehört, muss offen bleiben. Nach dem Stand der Dinge leben aber Sylvia und Miriam Schulze nicht mehr. Dass Marco Schulze einen Tag vor seinem Verschwinden mit ihnen am Ufer des Seppenser Mühlenteichs gewesen ist, lässt kaum einen anderen Schluss zu. Am Abend sollte der Einsatz der Taucher abgebrochen werden, um gegebenenfalls am Dienstag fortgesetzt zu werden – dann wird es vielleicht schon endgültige Klarheit geben.

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Buchholz (qu) – Sensationelle Wende im Fall Schulze, der seit Wochen bundesweit Schlagzeilen macht: Die Spur der Familie aus Drage, die Ende Juli verschwand, führt nach Buchholz! Seit heute nachmittag suchen vier Polizeitaucher den Seppenser Mühlenteich ab, in dem die Leichen von Sylvia Schulze (43) und der Tochter Miriam (12) liegen könnten. Zuvor hatte die Polizei einen Hinweis auf Holm-Seppensen bekommen. Heute suchte daraufhin ein Spürhund die Gegen ab und fand Lebendspuren von Mutter und Tochter, die zum Ufer des Teiches führten.

Die Zeugin, die den Hinweis gab, hatte sich bereits in der ersten Woche nach dem Verschwinden der Schulzes anonym gemeldet. Nachdem über den Fall in der ZDF-Sendung „Aktenzeichen xy…ungelöst“ berichtet wurde, meldete sie sich erneut bei der Polizei und gab an, die dreiköpfige Familie am 22. Juli auf einem Wanderweg in Holm-Seppensen gesehen zu haben. Einen Tag später war der Vater (41) das letzte Mal gesehen worden, er nahm sich mit einem Sprung in die Elbe das Leben.

„Die Schulzes hatten einen familiären Bezug zur Region“, sagte Jan Krüger, Pressesprecher der federführenden Polizeiinspektion Harburg dem querschläger. Mehr wolle er dazu nicht sagen. Ein längerer Bericht mit weiteren Einzelheiten folgt demnächst.

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Musiker wie dieser Gitarrist sollen auch weiterhin auf dem Wochenmarkt Musik machen dürfen. Foto: Wochenblatt/Oliver Sander

Musiker wie dieser Gitarrist sollen auch weiterhin auf dem Wochenmarkt Musik machen dürfen. Foto: Wochenblatt/Oliver Sander

Von Kristian Stemmler

In der Diskussion um die Straßenmusik auf dem Buchholzer Wochenmarkt, die durch den querschläger und das Nordheide Wochenblatt ausgelöst wurde, sieht sich die Verwaltung zu einer Klarstellung genötigt. Wie in einer Pressemitteilung der Stadt ausgeführt wird, gehe es bei den umstrittenen Änderungen der Satzung für den Wochenmarkt nicht um ein Verbot der Straßenmusik auf dem Markt, sondern um eine Steuerung der Qualität der Musik.

Sollte der Ablauf tatsächlich so sein wie in der Pressemitteilung dargestellt, wäre die Aufregung sicher etwas übertrieben gewesen. Allerdings haben Politik und Verwaltung selbst zu Missverständnissen beigetragen. So war die Rede davon, Straßenmusik auf dem Markt nur noch im Ausnahmefall zu genehmigen. In der Ratssitzung, auf der die Änderungen der Marktsatzung beschlossen wurden, äußerte etwa FDP-Fraktionschef Arno Reglitzky, die Musiker müssten weg.

Auch stellt sich die Frage, ob die Straßenmusik auf dem Markt in der Satzung geregelt werden musste, ob die Handhabe für den Marktmeister nicht auch so da gewesen wäre. Wie dem auch sei, aus Sicht des querschläger gibt es andere Probleme, was den Markt angeht, die nicht geregelt wurden. Zum Beispiel dass dubiose evangelikale Sekten wie die Friedenskirche dort mit einem Stand Werbung für sich machen dürfen.

Hier die Mitteilung des Pressesprechers der Stadt, Heinrich Helms, im Wortlaut:

„Eigentlich ist alles ganz einfach“, sagt Sven Domnick, Mitarbeiter der Verkehrsbehörde und Organisator des Wochenmarkts. Die just vor der Sommerpause vom Rat verabschiedete neue Marktsatzung untersagt zwar grundsätzlich Straßenmusik auf dem Markt, lässt sie auf Antrag aber zu. Der ist so formlos wie simpel: Wer auf dem Wochenmarkt musizieren möchte, muss lediglich den Marktmeister ansprechen. Der entscheidet und erteilt mündlich die Erlaubnis, „wer wo wie lange Musik machen darf“, erläutert Domnick. „Wir wollen darüber die Qualität der Musik steuern.“

Die ist, das zeigen Beschwerden von Marktbeschickern und Geschäftsleuten am Marktplatz, deutlich verbesserungswürdig. So käme es immer wieder vor, dass selbsternannte Straßenmusiker „stundenlang die selben beiden Songs spielen oder Töne produzieren, die auch mit gutem Willen nicht als Musik bezeichnet werden können“, sagt Domnick.

„Was der Marktbesucher schön findet, kann für einen Marktbeschicker oder für eine Verkäuferin, vor deren Geschäft fünf Stunden ununterbrochen „El Condor Pasa“ oder anderes gespielt wird, schon anstrengend sein“, schreibt auch Bürgermeister Jan-Hendrik Röhse auf seiner Facebook-Seite. „Hier soll der Marktmeister künftig eine Handhabe haben, und genau dazu dient die Regelung in der Satzung.“

„Wir haben bereits mit einigen Musikern gesprochen, die regelmäßig auf dem Markt sind“, berichtet Domnick. Die seien nach der ersten Aufregung inzwischen ganz entspannt. „Denn sie haben ihre Genehmigung und dürfen auch im neuen Jahr mit ihrem Können den Buchholzer Wochenmarkt bereichern.“

Von der Neufassung der Marktsatzung, die gilt erst ab 1. Januar 2016, unberührt ist die Sondernutzungssatzung der Stadt. Danach ist es Musikern nach wie vor erlaubt, bis zu 30 Minuten lang an einem Ort ihre Musik zu machen. Grundsätzlich gilt das auch an Marktagen – nur eben nicht auf dem oder in Hörweite des Marktes. „Die müssen dann an andere Orte ausweichen“, erklärt Domnick. Etwa in den Peets Hoff, Poststraße oder Thomasweg.

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