Archiv für August, 2015

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Von Kristian Stemmler

Der Alltag wird für viele Menschen heute nicht leichter. Druck am Arbeitsplatz, Stress in der Familie, Rundumbeschallung durch Konsum- und Medienindustrie. Da ist den Menschen natürlich jede Abwechslung prinzipiell zu gönnen. Schade ist nur, dass diese Abwechslung oft nur noch in Form von Zerstreuung und Betäubung bei so genannten Massenevents zu finden ist. Am Sonnabend gab es ein solches Event auf dem Peets Hoff in Buchholz: Die Sommertour 2015 von Hallo Niedersachen und NDR 1 Niedersachsen machte mit ihrer „Stadtwette“ Station in der Nordheide.

Wenn das Fernsehen ruft, gibt es natürlich kein Halten. Auf dem Platz zwischen Buchholz Galerie und Famila standen die Menschen von der Bühne bis zur Lindenstraße dicht an dicht, schon um 18 Uhr war kaum ein Durchkommen. Offenbar war die halbe Stadt auf den Beinen, um des Ereignisses teilhaftig zu werden. Die Polizei schätzte hinterher die Zuschauerzahl auf rund 9000. Viele hatten sich oder ihre Kinder als Pippi Langstrumpf oder andere Figuren des Kinderbuches ausstaffiert – denn das war Inhalt der (am Ende gewonnen) Stadtwette: Mehr als 250 Buchholzer sollten als Pippi-Langstrumpf-Figuren kostümiert das Pippi-Lied singen.

Ohne Frage ist es immer wieder faszinierend, was für eine Technik das Fernsehen auffährt, um seine künstliche Welt zu produzieren. Auf, neben, vor und hinter der mächtigen Bühne gab es Kameras und Kabel ohne Ende zu sehen, die Techniker des NDR liefen, zu recht von ihrer Bedeutung überzeugt, geschäftig umher, es wurde geplant, probiert, gecheckt. Die Professionalität, mit der all dies geschieht, ist sicher beeindruckend.

Nur stellt sich die Frage, für wen das alles geschieht. Denn letztlich sind die, für die das alles angeblich gemacht wird, also die (imaginierte) Stadt und deren Bewohner doch nur Staffage für die Show. Das Team rund um den Pressesprecher Heinrich Helms, das die Stadtwette bestritt, war sicher sehr motiviert, aber bestand halt aus einer überschaubaren Gruppe von Leuten, die sich auch sonst gern engagieren. Die große Masse der Zuschauer am Abend konsumierte die Show, war rein passiv.

Dass Moderator Arne-Torben Voigts, der mit seiner Kollegin Kerstin Werner, das Ganze moderierte, nicht nur einmal von Bückeburg statt von Buchholz sprach, ist kein Zufall, sondern Ausdruck dieser Auswechselbarkeit der Kulissen. Der NDR arbeitet gern mit Lokalkolorit, gibt sich als Bewahrer von Heimat und Heimatgefühl. Aber letztlich ist das natürlich auch nur eine Täuschung, denn von dieser Heimat, dem spezifisch Lokalen, ist nicht mehr viel übrig.

Der Amok laufende Turbokapitalismus lässt nichts stehen, nichts von emotionaler Bindekraft, nichts was uns vom Konsumieren abhält, auch keine Heimat. Alles kommt in den großen Fleischwolf und nur das, was für die Zurichtung der Menschen brauchbar ist, bleibt übrig. Solche Events wie am Sonnabend in Buchholz sind letztlich nur dazu da, die Menschen zuzudröhnen, sie zu zerstreuen und abzulenken, Placebo-Gefühle zu vermitteln, auf dass sie am nächsten Tag weiter funktionieren.

So gut das alles auch gemacht war, auch die mit viel Drive neu arrangierte Neue-Deutsche-Welle-Musik mit Markus, Hubert Kah, Geier Sturzflug und Frl. Menke – im Grunde war es ein ebenso tristes wie trostloses Ereignis. „Wo bleibt die Freude?“, rief einer der Musiker auf der Bühne, und das war wohl der wahrhaftigste Satz an diesem Abend.

Aber die Leute werden ihn falsch verstanden haben. Sie waren zu sehr damit beschäftigt, in die an einem Galgen immer wieder über sie schwebende Kamera zu winken und gleichzeitig auf den großen Bildschirm an der Bühnenseite zu starren. Einmal im Leben im Fernsehen sein.

Paul Simon schrieb diesen Text:

These are the days of miracle and wonder
This is the long-distance call
The way the camera follows us in slow-mo
The way we look to us all
The way we look to a distant constellation
That’s dying in a corner of the sky
These are the days of miracle and wonder
And don’t cry, baby, don’t cry, don’t cry

(…)

It’s a turn-around jump shot
It’s everybody jump start
It’s every generation throws a hero up the pop charts
Medicine is magical and magical is art
Think of the boy in the bubble
And the baby with the baboon heart

Von Kristian Stemmler

Saufen bis zum Abwinken, einen draufmachen, bis der Arzt kommt – das ist heute mehr denn je quasi der Lebenszweck vieler junger Leute. Dabei ist der Aggressionspegel oft hoch. Wohin das führen kann, zeigt ein Ereignis in der Nacht zum Sonnabend in Meckelfeld, das für Entsetzen bei der Polizei des Landkreises gesorgt hat: Nach dem dem Ende des Meckelfelder Dorffestes kam es auf der Rönneburger Straße zu einer Schlägerei. Dabei wurde ein 31 Jahre alter Polizist angegriffen und lebensgefährlich verletzt.

Gegen 0.40 war die Polizei in die Rönneburger Straße gerufen worden, wie die Polizeiinspektion Harburg mitteilt. Viele Besucher des Dorffestes hatten sich nach dessen Ende zu einer Gaststätte an dieser Straße begeben, um dort weiter zu feiern. Vor dem Eingang des mit Bauzäunen abgeschirmten Außenbereichs kam es zu einer Auseinandersetzung zwischen dem Sicherheitsdienst und mehreren jungen Männern, weil die nicht eingelassen worden waren.

Sofort nach Eingang des Notrufes seien mehrere Beamte, die wenige Straßen entfernt auf dem Geländes des Dorffestes im Einsatz waren, zur Rönneburger Straße geschickt worden, so die Polizeiinspektion. Der 31 Jahre alte Beamte hätte den Einsatzort als erster erreicht, nur wenige Sekunden vor weiteren Beamten, und sei sofort angegriffen worden. Bei der Attacke erlitt er eine schwere Kopfverletzung, verlor das Bewusstsein.

Nach Behandlung durch einen Notarzt wurde der Polizist mit einem Rettungswagen in eine Hamburger Klinik gebracht, wo noch in der Nacht eine Notoperation ausgeführt werden musste. Er schwebte am Sonnabendvormittag aber noch in Lebensgefahr. Nach ersten Befragungen gerieten zwei 31 und 35 Jahre alte Seevetaler unter Tatverdacht. Sie wurden noch in der Nacht festgenommen. Die Polizei ermittelt gegen die beiden Männer wegen versuchten Totschlags.

Die Polizeiinspektion Harburg bittet dringend darum, dass jeder Zeuge, der Angaben zum Tathergang machen kann, sich unter Telefon 04181-2850 zu melden. Nur so sei eine genaue Rekonstruktion des Vorfalls möglich.

Von Kristian Stemmler

Plötzlich sind sie alle da. Gabriel, Gauck und Merkel besuchen Flüchtlinge in Heidenau und anderswo, im Fernsehen und sonstigen Mainstreammedien läuft das Thema Flüchtlinge rauf und runter. Im Akkord werden uns syrische Familien vorgeführt und ihre deutschen Helfer, man blendet Spendenkonten ein, als hätte es ein Erdbeben gegeben. Es ist wie immer in der heutigen Medienwelt: Atemlos und besinnungslos wird ein Thema hochgezogen und ausgewrungen ohne jedes Bewusstsein für Zusammenhänge und Ursachen.

Natürlich könnte man es erfreulich finden, dass die Anschläge auf Flüchtlingsunterkünfte und die ganze braune Hetze gegen Asylbewerber so einhellig medial verurteilt wird. Aber die Frage sollte erlaubt sein, wie nachhaltig das sein kann, wenn man die Menschen nicht gleichzeitig über die tieferen Zusammenhänge aufklärt. Alles deutet darauf hin, dass die Politik die Gelegenheit nutzt, mit schönen Sonntagsreden die Verschärfung ihrer Asylpolitik und die Abschottung der EU zu verbergen.

In der Tageszeitung junge welt schreibt Ulla Jelpke, innenpolitische Sprecherin der Linksfraktion im Bundestag: „Tatsächlich hat die Bundesregierung die jetzige Situation sehenden Auges heraufbeschworen. Steigende Flüchtlingszahlen waren absehbar. Doch weder wurden rechtzeitig Unterkünfte geschaffen, noch ein Finanzierungskonzept des Bundes für die mit den Organisationsproblemen allein gelassenen Kommunen vorgelegt. Statt dessen übt sich die Bundesregierung in populistischen Scheindebatten über richtige und falsche Flüchtlinge.“

Ende Juni habe ich bereits in einem längeren Beitrag diese von Berlin wesentlich forcierte Politik beschrieben (https://buchholzblog.wordpress.com/2015/06/30/sortieren-und-abschotten-wie-bundesregierung-und-eu-ihren-krieg-gegen-die-fluchtlinge-intensivieren/). In dem Beitrag heißt es unter anderem:

Flüchtlinge aus Ländern mit einer „relativ hohen Anzahl von Asylsuchenden bei zugleich besonders niedriger Schutzquote“ sollen durch Desintegration, Isolation in Großunterkünften und zeitnahe Abschiebungen abgeschreckt werden. Von den Restriktionen betroffen wären zunächst vor allem Roma aus den Westbalkanstaaten und Menschen aus mehreren westafrikanischen Ländern. Die unklaren Formulierungen ermöglichen jedoch die Einbeziehung weiterer Herkunftsländer. Pro Asyl hat die Übereinkunft als „fatal“ bezeichnet. Eine „Vorsortierung der Flüchtlinge etwa nach der Schutzquote ihres Herkunftslandes“ laufe dem Grundgedanken des Asylrechts zuwider.

Wenn Medien wie ARD und ZDF syrische Familien als quasi legitime Flüchtlinge präsentieren, da sie aus einem vom Bürgerkrieg ruinierten Land kommen, zugleich aber die rassistische Zuschreibung „Wirtschaftsflüchtlinge“ für Roma vom Westbalkan übernimmt, unterstützen sie die offizielle Politik nach dem Motto „Die Guten ins Töpfchen, die Schlechten ins Kröpfchen“. Auch das Gerede von den „kriminellen Schleppern“ ist Propaganda – die Fluchthelfer gibt es überhaupt nur, weil die EU sich zunehmend abschottet.

Die Begriffe „Schlepper“ oder „Schleuser“ werden von der Politik genutzt um Maßnahmen wie die Militäroperation EUNAVFOR-Med zu rechtfertigen. Wie Ende Juni berichtet, zielt die Operation auf den von afrikanischen Flüchtlingen am häufigsten genutzten Fluchtweg über das Mittelmeer von Libyen nach Italien. Die Außenminister der EU einigten auf einen Vierstufenplan. Zuerst sollen durch „Überwachung und Beobachtung der Schleuseraktivitäten“ Informationen über die „kriminellen Netwerke“ gewonnen werden. In der zweiten Phase geht es um „das Anbordgehen, die Durchsuchung, Beschlagnahme und gegebenenfalls Umleitung von Schleuserbooten auf hoher See und in den libyschen Territorialgewässern“.

Die größten Risiken einer militärischen Eskalation sind in der dritten Stufe zu befürchten: Dann will die EU vermeintliche Schiffe und Boote der Schleuser, Startplätze und Hafenanlagen, Benzinlager und andere Strukturen auf libyschem Boden, die für Flüchtlingstransporte genutzt werden könnten, durch Luftangriffe, Beschuss von See aus und Spezialkommandos zerstören.

Dass der EU bisher die völkerrechtlichen Voraussetzungen für Operationen in libyschen Hoheitsgewässern und auf dem Festland fehlen, scheint keinen zu interessieren. Weder hat der UN-Sicherheitsrat einem entsprechenden Mandat zugestimmt, noch hat auch nur eines der zahlreichen libyschen Machtzentren eine, wie es im EU-Sprachgebrauch heißt, „Einladung“ zu einer Militärintervention ausgesprochen.

Über all diese Maßnahmen und Zusammenhänge wird in den Medien kaum berichtet. Insofern ist der Hype um die steigenden Flüchtlingszahlen und die vielen Anschläge auf Flüchtlingsunterkünfte eher kontraproduktiv. Mal abgesehen davon, dass die Fokussierung auf dieses Thema für Politik und vor allem auch für die Mittelschicht des Landes eine gute Gelegenheit ist, sich einen weißen Fuß zu machen und von dem nicht minder akuten gesellschaftlichen Thema abzulenken: dem Skandal der sozialen Ungerechtigkeit.

Natürlich wird in den Mainstreammedien auch fast nirgendwo diskutiert, woran es denn wohl liegen könnte, dass weltweit so viele Menschen auf der Flucht sind. Da muss man schon ein wenig suchen, um auf erhellende Beiträge zu stoßen. Dass die ganze Misere mit der Kriegspolitik der USA zu tun hat, die global für Chaos sorgt, darauf weist etwa der CDU-Mann Willy Wimmer auf den Nachdenkseiten hin. Hier der Link zu dem sehr lohnenswerten Artikel:

http://www.nachdenkseiten.de/?p=27348#more-27348

Still ruht der See. Im Seppenser Mühlenteich wird erst mal nicht mehr gesucht.

Still ruht der See. Im Seppenser Mühlenteich wird erst mal nicht mehr gesucht.

Von Kristian Stemmler

Bei der Polizeiinspektion Harburg ließ man am Freitag quasi die Jalousien herunter. Die Pressestelle mailte eine kurze Notiz an die Medienvertreter, sie sei an diesem Tag nicht besetzt, man möge sich bei Anfragen zu aktuellen Ereignissen an die örtlich zuständigen Dienststellen richten. Nach vier Tagen erfolgloser Suche nach Sylvia und Miriam Schulze aus Drage im und am Seppenser Mühlenteich, nach ebenso langer intensiver Medienbegleitung, wollte man sich offenbar erst einmal eine Atempause verschaffen.

Anfang der Woche war der Optimismus noch groß gewesen bei der „Soko Schulze“ der Polizeiinspektion Harburg. Als am Montag ein Spürhund die Spuren der vermissten Sylvia und Miriam und die des Familienvaters Marco nahe des Seppenser Mühlenteichs aufgenommen und bis zum Teich verfolgt hatte, schien der Durchbruch nah. Die Spuren von Mutter, Vater und Tochter führte zum Teich, wieder weg aber nur die des Vaters. Zwei weitere Hunde bestätigten die Spuren.

Für die Soko Schulze stand damit so gut wie fest, dass die Leichen von Sylvia und Miriam Schulze nur im Mühlenteich oder im angrenzenden Wald zu finden sein können. Noch am Montag begannen die Suchmaßnahmen. Taucher durchsuchten einen Teil des Teichs, wobei sie den Grund wegen der morastigen Beschaffenheit abtasten mussten. Aus Emden wurde ein Sonarboot angefordert, das mit seiner auf Schallwellen basierenden Technik 17 Auffälligkeiten im Teich entdeckte.

Auch am Mittwoch rückten 60 Beamten der Bereitschaftspolizei aus Lüneburg in Seppensen an. Sie durchsuchten etwa acht Stunden die Umgebung des Mühlenteichs intensiv, ohne jedes Ergebnis. Am Donnerstag rückten erneut sechs Polizeitaucher an. Sie untersuchten die 17 auffälligen Stellen, die das Sonarboot aus Emden entdeckt hatte. Auch das hatte kein Erfolg, die Auffälligkeiten erwiesen sich als Baumstämme oder ähnliches.

Für Beobachter überraschend verkündete die Polizeiinspektion dann am Donnerstag, sie beende die Suchmaßnahmen in Seppensen. „Für die Polizei gibt es damit derzeit keine Anhaltspunkte, die weitere Suchmaßnahmen möglich machen würden“, heißt es in der Mitteilung, „Die Beamten der Soko Schulze arbeiten nun die noch offenen Spuren ab. Eine heiße Spur ist aber nicht darunter.“

Überraschend ist diese Mitteilung, weil es noch in der Mitte der Woche noch hieß, es sei quasi gesichert, dass die Leichen von Sylvia und Miriam im oder am Seppenser Mühlenteich zu finden seien. Eventuell hat Marco Schulze sie so gut versteckt, dass eine Entdeckung schwer ist. Bei seinem Selbstmord hatte er sich selbst mit einem Betonklotz beschwert, um in der Elbe nicht entdeckt zu werden. Offenbar wollte er nicht, dass seine und die Leichen seiner Frau und Tochter gefunden werden. Für ein Familiendrama eher ungewöhnlich.

Fernsehsendern gegenüber erklärte Jan Krüger, der vielbeschäftigte Pressesprecher der Polizeiinspektion Harburg, am Montag werde man sich wieder zusammensetzen und über das weitere Vorgehen beraten. Dabei solle es auch darum gehen, ob die Ermittlungen noch von einer Sonderkommission geführten werden müssten.

Griechenland Flagge NEUVon Kristian Stemmler

Als kritischer Beobachter fühlt man sich an Zeiten der NS-Propaganda erinnert, wenn man die Meldungen der Mainstreammedien zum Thema Griechenland verfolgt. Nur dass die „Propagandaoffiziere“ heute subtiler arbeiten. Da ist wie selbstverständlich vom „dritten Hilfspaket“ oder vom „Rettungspaket“ für Griechenland die Rede – wo es doch nur darum geht, den Banken und anderen Gläubigern des Landes die Milliarden in den Rachen zu werfen. Und wo die von Berlin diktierte EU-Politik Griechenland in den Abgrund zieht und keineswegs rettet.

Kollege Simon Zeise weist in einem klugen Kommentar in der Tageszeitung junge welt darauf hin, dass es sich eigentlich um ein „Geldwäscheprogramm“ handelt, denn allein 54 der 86 Milliarden Euro des Pakets würden verwendet, um Altschulden bei den „Institutionen“ und privaten Gläubigern zu bedienen. Zugleich sei es ein „Verelendungsprogramm“, denn die griechische Regierung habe sich verpflichtet, ohne neue Kreditaufnahme einen Haushaltsüberschuss zusammenzukürzen.

Zeise schreibt: „Die Armut im Land wird weiter zunehmen. Rentner bauen Gemüse zur Selbstversorgung an, Flüchtlinge leben ohne Schutz, jeder zweite Jugendliche ist arbeitslos, die Mehrheit der Griechen ohne Perspektive.“ Die griechische Tragödie habe eines gelehrt: „Mit Tsipras kann man jetzt alles machen.“ Sein Fehler sei gewesen – da hat Zeise mehr als recht! -, den Austritt aus dem Euro nicht ernsthaft ins Spiel gebracht zu haben.

Es ist aber in Griechenland dasselbe wie in Deutschland: Wenn man den entfesselten Kapitalismus nicht radikal in Frage stellt und ernsthaft mit ihm brechen will, hat man keine Chance. Das gilt auf allen Ebenen. Kollege Reinhard Jellen hat kürzlich zum Thema Kapitalismus etwas Aufschlussreiches und Treffendes geschrieben, auch in der jungen welt, und dabei einen wunderbaren Seitenhieb auf den ja in Griechenland-Fragen federführenden Politiker Wolfgang Schäuble untergebracht.

Jellen schreibt: „Die Menschen sind kapitalistisch gesehen genau solange interessant, wie sie für den Markt interessant sind. Das wird zwar selten so direkt formuliert, ist aber bis in die Physiognomie unserer Industriekapitäne, Bankenvorstände und Politiker präsent. Man kann beispielsweise aus der verhärmten Bürokratenfresse unseres Finanzministers vieles herauslesen, aber bestimmt nicht, dass es ihm in erster Linie um die Menschen zu tun wäre – es denn, er kann an ihnen seinen Herrenmensch-Sadismus austoben.“

Ganz wunderbar!

Buchholz (kst) – In Holm-Seppensen ist heute die Suche nach den Leichen von Sylvia und Miriam Schulze fortgesetzt worden. Zwischen halb zehn und 18 Uhr durchsuchten rund 60 Beamte der Bereitschaftspolizei aus Lüneburg die an den Seppenser Mühlenteich grenzenden Waldstücke – ohne Erfolg. Auf dem Teich wurde ein Sonarboot der Wasserschutzpolizei Emden eingesetzt, das mit einer auf Schallwellen basierenden Technik den Grund auf besondere Objekte untersuchen kann.

„Durch das Sonarboot wurden Aufnahmen von mehreren auffälligen Stellen am Grund des Teiches gemacht“, teilte die Polizeiinspektion Harburg am Abend mit. Die Aufnahmen sollten in der Nacht ausgewertet werden. Morgen Vormittag sollen Polizeitaucher die markierten Stellen überprüfen. Danach werde die Polizei entscheiden, „ob weitere Suchmaßnahmen erforderlich sind“.

Auch die Option, das Wasser des Mühlenteichs zumindest teilweise abzulassen, ist nach wie vor im Gespräch. Wie Medien berichten, seien aber noch technische Probleme zu klären. So sei das Wehr des Teiches lange nicht mehr benutzt worden und in keinem guten Zustand.

Liegen im Seppenser Mühlenteich die Leichen von Sylvia und Miriam Schulze?

Liegen im Seppenser Mühlenteich die Leichen von Sylvia und Miriam Schulze?

Buchholz (kst) – Im Fall Schulze plant die Polizei jetzt, ein so genanntes Sonarboot einzusetzen, das den Boden des Seppenser Mühlenteiches mit einer auf Schallwellen beruhenden Technik nach Objekten absuchen kann. Das teilte die Polizeiinspektion Harburg mit. Zugleich soll das Wasser des Mühlenteichs zumindest teilweise abgelassen werden, um den morastigen Untergrund besser untersuchen zu können. Am morgigen Mittwoch soll eine Hundertschaft anrücken, die den Wald am Ufer des Teiches durchsuchen wird. Der Einsatz von vier Polizeitauchern war am Montagabend ergebnislos abgebrochen worden.

Die Polizei geht, wie berichtet, davon aus, dass sich die Leichen der verschwundenen Sylvia (43) und Miriam Schulze (12) im Mühlenteich oder im Uferbereich befinden. Am heutigen Dienstag setzte die Polizei zwei Personenspürhunde (Mantrailer-Hunde) ein, die das Ergebnis der Suche durch einen anderen Personenspürhund am Vortag bestätigen sollten. „Da die Geruchsspur mittlerweile rund vier Wochen alt ist, waren witterungsbedingte Ungenauigkeiten nicht auszuschließen“, erklärte die Polizeiinspektion Harburg.

Die beiden heute eingesetzten Hunde bestätigten aber das Ergebnis des Personenspürhundes vom Montag. Dieser Hund hatte die Fährten von Mutter und Tochter von einem Waldweg in der Nähe des Mühlenteichs, wo eine Zeugin die gesamte Familie am 22. Juli gesehen hatte, über eine Strecke von rund 200 Metern bis zum Ufer des Gewässers verfolgt. Die Spur des Vaters Marco – er nahm sich kurz danach mit einem Sprung in die Elbe das Leben -, führte wieder vom Mühlenteich weg, die von Sylvia und Miriam Schulze nicht.