Verschlusssache Atomtransporte – Friedensgruppe Nordheide fordert Aufklärung von Stadt und Landkreis

Von Kristian Stemmler

Seitdem mit großem Brimborium der so genannte Atomausstieg angekündigt worden ist, scheint die Atompolitik in Deutschland kein großes Thema mehr zu sein. Dabei wird tagtäglich radioaktives Material durch die Gegend gekarrt, auch durch den Landkreis Harburg, um Atomkraftwerke oder andere Anlagen mit Nachschub zu versorgen. So wird im Hamburger Hafen regelmäßig Uranerzkonzentrat, auch als „Yellow Cake“ bekannt, auf Züge verladen, um zu einer Konversionsanlage im französischen Narbonne gefahren zu werden.

Aktivisten der Friedensgruppe Nordheide nutzten die letzte Sitzung des Buchholzer Stadtrates vor den Sommerferien, um Fragen zum Thema zu stellen. Hans-Christian Keunecke wollte von Bürgermeister Jan-Hendrik Röhse wissen, was er über Atomtransporte, die Buchholz berühren, wisse und warum er bis heute nicht auf ein Schreiben Keuneckes geantwortet habe, das er bereits vor Wochen an die Stadt gerichtet hat. Röhse sagte lediglich, die Antwort werde mit dem Kreis abgestimmt, Keuneckes Anfrage werde dann beantwortet. Inhaltlich sagte er nichts.

Das liegt genau auf der bisherigen Linie auch des Landkreises, dieses brisante Thema unter den Teppich zu kehren. Bereits 2009 hatte der einzige Delegierte der Partei Die Linke im Kreistag, Dieter Rednak, auf eine Anfrage zu dem Thema von der Kreisverwaltung eine mehr als lapidare Antwort bekommen. Der Landkreis habe keine Erkenntnisse über Atomtransporte, sei an keinen Genehmigungsverfahren beteiligt, sei nicht zuständig, und mögliche Unfälle auf Kreisgebiet würden nach den „allgemeinen Regeln des Gefahrenabwehr- oder Katastrophenschutzrechts“ abgearbeitet.

Während man sich in der Kommunalpolitik über die genaue Breite von Fußwegen streitet, scheint das Thema Atomtransporte weiterhin kaum zu interessieren. „Schutz der Bevölkerung nicht relevant?“, fragt die Friedensgruppe Nordheide in einem Flyer. Und weiter: „Durch dicht besiedelte Wohngebiete, freie Flächen und Gemeinden passieren mehrmals wöchentlich in unregelmäßigen Abständen diese Atomzüge Buchholz. Für die Bevölkerung und Umwelt besteht ein erhöhtes Gefahrenpotenzial, doch die Atomtransporte werden vor der Öffentlichkeit geheim gehalten.“

Wie in diesem Blog bereits 2012 beschrieben, laufen die Atomtransporte generell im Verborgenen, da die Behörden sie „aus Sicherheitsgründen“ als Verschlusssache betrachten und Routen, beteiligte Reedereien und Speditionen geheim halten. Die Friedensgruppe Nordheide erklärt jetzt: „Wir sind der Auffassung, dass zum Schutz der Bevölkerung Aufklärung und Information über die Atomtransporte zwingend erforderlich sind und fordern: Schluss mit der Geheimhaltung!“

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