Archiv für Juli, 2015

Hanstedt/Buchholz (qu) – Was manche Leute so im Supermarkt mit sich führen… Diebe haben in Hanstedt das Glücklos (aus ihrer Sicht) gezogen. Sie erbeuteten am Donnerstagvormittag im Edeka-Markt an der Kirche die Handtasche einer 68-Jährigen aus einem Einkaufswagen, in der sich neben Dokumenten und der Brille der Frau auch wertvoller Schmuck befand. Und zwar Schmuck im Wert von rund 250.000 Euro!!

Der oder die Täter dürften große Augen gemacht haben, als sie die Handtasche öffneten. Sie fanden darin, wie die Polizeiinspektion Harburg mitteilt, einen weißgoldenen Brilliantring mit einem zweikarätigen Diamanten im Wert von 80.000 Euro, zwei Ohrringe mit Diamanten aus England im Wert von 35.000 Euro und einen weißgoldenen Fingerring mit Smaragden und Brillianten im Wert von 130.000 Euro.

Warum die Frau den Schmuck mit zum Einkaufen nahm, geht aus der Meldung der Polizei nicht hervor. Aber sie handelte offenbar extrem fahrlässig, ließ offenbar die Handtasche immerhin so lange unbewacht, dass sie unbemerkt gestohlen werden konnte. Die Polizeiinspektion erklärt, es gebe keine Täterbeschreibung, „da die Geschädigte die Tat zunächst nicht bemerkt hatte“.

Es werden jetzt Zeugen gesucht, denen am Donnerstagvormittag verdächtige Personen oder ein verdächtiges Fahrzeug im Umfeld des Hanstedter Edeka-Marktes aufgefallen ist. Der Schmuck werde eventuell demnächst irgendwo angeboten, um ihn zu Geld zu machen. Hinweise bitte an die Polizei in Winsen unter Telefon 04171-796 115.

139Von Kristian Stemmler

Schon in der Antike war es durchaus üblich, den Überbringer einer schlechten Nachricht einen Kopf kürzer zu machen und nicht etwa den Verursacher. Nach diesem Prinzip wird auch heute noch gern verfahren, vor allem wenn man sich die Laune nicht verderben lassen will. Das war wohl der Grund dafür, dass ein Satz, der vor kurzem in diesem Blog geäußert wurde, ein wenig Aufregung verursacht hat. Daher folgt hier zu diesem Thema eine kleine Nachbemerkung.

Der inkriminierte Satz lautete: „Der Buchholzer Ortsteil Holm-Seppensen ist nicht unbedingt ein sozialer Brennpunkt, sondern eher Rückzugsort für reiche Hackfressen und kleinbürgerliche Deppen, die den Schuss nicht gehört haben.“ Immerhin sorgte diese Formulierung erst mal für erheblich mehr Zugriffe auf den Blog. Aber nicht jeder Leser war amüsiert. Es gab entrüstete Kommentare, wobei die Entrüstung offenbar bei manchem den Blick trübte.

So polemisch sich dieser Satz liest, ist er natürlich keineswegs eine pauschale Beleidigung aller Bürger von Holm-Seppensen. Das Wörtchen „eher“ impliziert nämlich, dass ich keineswegs alle Bewohner dieses Ortsteils für reiche Hackfressen oder kleinbürgerliche Deppen (oder Beides) halte. Es kann sich im Prinzip jeder, der dort wohnt, aussuchen, ob er die Zuschreibung für zutreffend für die eigene Person hält…

Bemerkenswert an diesem Vorgang ist aus meiner Sicht aber vor allem eins: Es ist also ein Skandal, wenn man die (bürgerliche) Etikette verletzt, verbal aus der Reihe tanzt, ausfallend wird.

Aber es ist offensichtlich kein Skandal, wie in diesem Land eine kleine Schicht Begüterter auf Kosten der Allgemeinheit einen obszönen Luxus zelebriert. Es ist kein Skandal, wie sich eine immer mehr verrohende Mittelschicht in ihre Doppelhaushälften und Handtuchgrundstücksiedlungen zurückzieht und sich einen Teufel darum schert, wie das Leben eines Hilfsarbeiters am Packtisch eines Logistikkonzerns oder einer von ALG II lebenden alleinerziehenden Mutter mit drei Kindern aussieht. Es ist auch kein Skandal, dass die Rücksichtlosigkeit, das allgemeine Mobben und Intrigieren in dieser Gesellschaft immer schlimmer werden.

Diese Gesellschaft ist doch längst aus den Fugen geraten, das ist doch überall mit den Händen zu greifen. Man gehe nur einmal in einen Supermarkt im Hamburger Stadtteil Volksdorf und fahre gleich anschließend von dort in einen Lidl in Billstedt oder Neugraben. Man schaue sich die Leute an diesen Orten und ihr Verhalten an und man wird auch an diesem Beispiel erkennen, wie sehr diese Gesellschaft bereits in Schichten zerfallen ist, die geradezu hermetisch voneinander getrennt sind.

Man kann erkennen, wie weit das Leben der saturierten Herrschaften in Volksdorf entfernt ist vom Leben der Menschen in den abgehängten Vierteln – und vor allem wie herzlich egal den Meisten dort deren Schicksal ist. Sie reden von ihren Klamotten, ihren dicken Autos, ihren Häusern, ihren Geldanlagen, ihrem nächsten Karibikurlaub. Das ist ihr Horizont. Was auf der Welt sonst passiert, interessiert sie nicht wirklich Ihre Meinung dazu beziehen sie aus der „Welt“ oder der FAZ, Blätter, die die Welt aus der Herrenmenschen-Perspektive beurteilen.

Moralisch, spirituell und emotional ist dieses Land schon längst auf einer der untersten denkbaren Stufen angelangt, aber die breite Masse will nichts davon wissen. So lange man shoppen, fressen, saufen und fernsehen kann, macht man mit und die Augen und Ohren zu. Dass der siegreiche Turbokapitalismus und alltägliche Konsumfaschismus diese Gesellschaft längst auf den Hund gebracht haben, dass Kriege und Krisen überall auf der Welt eskalieren und die zunehmenden Flüchtlingsströme nur Ausdruck davon sind – wer will das wirklich wissen?!

In der Mittelschicht gibt man sich noch weithin einen moralischen Anstrich. Man tut ja was für die Flüchtlinge oder gegen die Klimaerwärmung. Man nimmt doch auch mal das Fahrrad für den Weg zur Arbeit und isst kein Fleisch aus Massentierhaltung. Man ist ja aufgeklärt und kritisch. Da hat man doch auch das Recht, einmal im Jahr eine Fernreise zu machen. Da muss man doch kein schlechtes Gewissen haben.

Niemandem ist das Recht auf persönliches Wohlergehen oder Glück abzusprechen – aber nicht auf Kosten anderer. Wer sich am Kampf „Jeder gegen jeden“ beteiligt, wer die allgemeine Verlogenheit mitmacht oder sie sogar forciert statt sich dagegen zu stellen, der macht sich mitschuldig an den Verwüstungen der Zukunft. Und die werden keineswegs nur die Kinder von Hartz-IV-Empfängern betreffen, sondern alle!

Schon jetzt ist an den Verrücktheiten, Absurditäten und Perversitäten, die uns die Medien täglich frei Haus liefern, im Grunde gut zu erkennen, dass diese Welt sowohl was die materielle Ebene angeht wie auch auf der spirituell-geistigen Ebene auf eine Katastrophe zusteuert. Die Manipulation durch die Mainstreammedien wird gleichzeitig immer subtiler und umfassender, und immer weniger Menschen begreifen, was um sie herum vor sich geht. Es entsteht ein Abgrund, der nicht zu überbrücken ist, eine allgemeine Schizophrenie ungeahnten Ausmaßes, die wiederum ihrerseits neue Verrücktheiten generiert.

Darum ein Rat an alle, die dennoch ihre fünf Sinne halbwegs beisammen haben: Kopf einziehen und wachsam bleiben!

Von Kristian Stemmler

Seitdem mit großem Brimborium der so genannte Atomausstieg angekündigt worden ist, scheint die Atompolitik in Deutschland kein großes Thema mehr zu sein. Dabei wird tagtäglich radioaktives Material durch die Gegend gekarrt, auch durch den Landkreis Harburg, um Atomkraftwerke oder andere Anlagen mit Nachschub zu versorgen. So wird im Hamburger Hafen regelmäßig Uranerzkonzentrat, auch als „Yellow Cake“ bekannt, auf Züge verladen, um zu einer Konversionsanlage im französischen Narbonne gefahren zu werden.

Aktivisten der Friedensgruppe Nordheide nutzten die letzte Sitzung des Buchholzer Stadtrates vor den Sommerferien, um Fragen zum Thema zu stellen. Hans-Christian Keunecke wollte von Bürgermeister Jan-Hendrik Röhse wissen, was er über Atomtransporte, die Buchholz berühren, wisse und warum er bis heute nicht auf ein Schreiben Keuneckes geantwortet habe, das er bereits vor Wochen an die Stadt gerichtet hat. Röhse sagte lediglich, die Antwort werde mit dem Kreis abgestimmt, Keuneckes Anfrage werde dann beantwortet. Inhaltlich sagte er nichts.

Das liegt genau auf der bisherigen Linie auch des Landkreises, dieses brisante Thema unter den Teppich zu kehren. Bereits 2009 hatte der einzige Delegierte der Partei Die Linke im Kreistag, Dieter Rednak, auf eine Anfrage zu dem Thema von der Kreisverwaltung eine mehr als lapidare Antwort bekommen. Der Landkreis habe keine Erkenntnisse über Atomtransporte, sei an keinen Genehmigungsverfahren beteiligt, sei nicht zuständig, und mögliche Unfälle auf Kreisgebiet würden nach den „allgemeinen Regeln des Gefahrenabwehr- oder Katastrophenschutzrechts“ abgearbeitet.

Während man sich in der Kommunalpolitik über die genaue Breite von Fußwegen streitet, scheint das Thema Atomtransporte weiterhin kaum zu interessieren. „Schutz der Bevölkerung nicht relevant?“, fragt die Friedensgruppe Nordheide in einem Flyer. Und weiter: „Durch dicht besiedelte Wohngebiete, freie Flächen und Gemeinden passieren mehrmals wöchentlich in unregelmäßigen Abständen diese Atomzüge Buchholz. Für die Bevölkerung und Umwelt besteht ein erhöhtes Gefahrenpotenzial, doch die Atomtransporte werden vor der Öffentlichkeit geheim gehalten.“

Wie in diesem Blog bereits 2012 beschrieben, laufen die Atomtransporte generell im Verborgenen, da die Behörden sie „aus Sicherheitsgründen“ als Verschlusssache betrachten und Routen, beteiligte Reedereien und Speditionen geheim halten. Die Friedensgruppe Nordheide erklärt jetzt: „Wir sind der Auffassung, dass zum Schutz der Bevölkerung Aufklärung und Information über die Atomtransporte zwingend erforderlich sind und fordern: Schluss mit der Geheimhaltung!“

http://www.nachdenkseiten.de/?p=26919

Von Kristian Stemmler

Lag es an der sommerlichen Hitze oder brachen da eher unterschwellige Animositäten plötzlich auf? In der letzten Sitzung des Buchholzer Stadtrates vor den Sommerferien kam es zum Eklat. Nach der Abstimmung über eine Resolution zur so genannten Y-Trasse gab es am Dienstagabend Stunk in der Mehrheitsgruppe. Die Ratsherren der SPD Frank Piwecki und Norbert Stein gifteten gegen den grünen Ratsherrn Gerd Ulrich, Ortsbürgermeister von Sprötze, weil er als einziger gegen die Resolution gestimmt hatte.

Schon die Debatte über die Resolution, wenn man denn da dieses Wort gebrauchen kann, war ziemlich schräg. Statt dem Publikum und jenen Ratsmitgliedern, die in die Formulierung des Textes nicht eingebunden waren, den thematischen Kern zu erläutern, ging es mehr um die vermeintlichen Verdienste bei der „Entdeckung“ des Themas. Es war die Stunde der Platzhirsche, und offenbar warf auch die Kommunalwahl im September 2016 bereits ihre Schatten voraus.

Als erster ging Ex-Bürgermeister Norbert Stein in die Bütt und klopfte sich selbst auf die Schulter. Er habe sich vor einiger Zeit nachts hingesetzt und einen ersten Text für eine Resolution verfasst, weil ihm klar geworden sei, dass Buchholz beim Thema Y-Trasse spät dran ist. Das war vermutlich nicht falsch, aber brachte die Debatte sachlich ebenso wenig weiter wie der Beitrag von Ralf Becker (CDU), die SPD habe tatsächlich bei diesem Thema „lange geschlafen“, die CDU habe es in die Buchholzer Öffentlichkeit getragen.

Leider kam es vor diesem Hintergrund nur noch als Rechthaberei an, als Peter Eckhoff, Fraktionschef der Buchholzer Liste, darauf bestand, dass es vielmehr das Verdienst seiner Fraktion sei, dass aus einer „schwammigen Resolution“ noch was wurde. Sachlich erhellendes hatte kaum ein Redner beizutragen. So wurde nicht ganz klar, was der Verweis von FDP-Fraktionschef Arno Reglitzky auf die Vergangenheit von Buchholz als Eisenbahnerstadt angesichts der aktuellen Probleme bedeuten sollte.

Der einzige, dem es gelang, das Thema ganz gut auf den Punkt zu bringen, war Bürgermeister Jan-Hendrik Röhse. Er warnte davor, die Wirkung einer Resolution zu überschätzen. Sie sei aber wichtig, weil die Bevölkerung von Buchholz ein Recht darauf habe, zu wissen, wie Politik und Verwaltung zum Thema stehen. Röhse warnte vor den Konsequenzen, die vor allem ein viergleisiger Ausbau der Trasse durch Buchholz oder der Ausbau der Heidebahn für den Güterverkehr hätte. Er werde „alle Hebel in Bewegung setzen“, um diese beiden Varianten zu verhindern.

Vor Röhses Ausführungen war allerdings noch Gerd Ulrich aufgestanden und hatte einen Einwand geltend gemacht. Er fragte, ob der Resolutionstext nicht indirekt die klassische Y-Trasse befürworte, die nicht in Buchholz, aber woanders Natur zerstöre (und für mehr Güterverkehr in Sprötze sorgt). Dieser Einwand wurde nicht ernst genommen und auch nicht ausgeräumt, so dass Ulrich sich, was mutig war, bei der Abstimmung verweigerte und gegen die Resolution stimmte.

Das passte vor allem der SPD nicht. Der Grüne wurde unmittelbar nach der Abstimmung von Norbert Stein und vom hinter ihm sitzenden Sozialdemokraten Frank Piwecki hart angegangen. Der Autor dieser Zeilen, der als parteiloses Mitglied im Rat nicht zur Gruppe gehört, warf sich für Ulrich in die Bresche und erlaubte sich den Hinweis, dass dieser vor allem seinem Gewissen verpflichtet sei, es keinen Fraktionszwang gäbe und so etwas in einer Demokratie passieren könne.

Schon vorher war die Ratssitzung nicht so reibungslos verlaufen, wie sich das vielleicht mancher erhofft hatte. Denn auch bei der Einrichtung eines Jugendrates für Buchholz gab es keinen einstimmigen Beschluss – in diesem Fall weil sich der Autor dieser Zeilen enthielt. Da ich mich in der Debatte zuvor nicht zu Wort gemeldet habe, hier kurz eine nachträgliche Begründung meines Abstimmungsverhaltens:

Ich halte so einen Jugendrat für eine reine Alibiveranstaltung. Für Kommunalpolitik interessieren sich Erwachsene schon kaum, bei den Jugendlichen dürfte das Interesse eher noch geringer sein, so dass sich in einem solchen Jugendrat vermutlich vor allem Mitglieder von Nachwuchsorganisationen der Parteien und der Nachwuchs von Kommunalpolitikern beteiligen werden.

Auch haben mich die Redebeiträge zum Thema nicht überzeugt. Zwar sehe ich es auch so, dass die Jugend in weiten Teilen nicht so politisch uninteressiert ist, wie ihr oft vorgeworfen wird. Aber ich halte die Kommunalpolitik, so wie sie abläuft, nicht für eine Veranstaltung, die sie in ihrem Engagement bestärkt. Auch konnte ich die Ausführungen der grünen Ratsfrau Cornelia Cornels-Selke nicht ganz nachvollziehen.

Dass in nicht allzu ferner Zukunft „alle Straßen leer“ und auch sonst so ziemlich alle Probleme gelöst sein würden, deckt sich, vorsichtig ausgedrückt, nicht mit meinen Wahrnehmungen. Wir stehen in Europa vielleicht an der Schwelle eines neuen Krieges, der Nahe und Mittlere Osten explodiert, im Mittelmeer ertrinken die Flüchtlinge zu Tausenden, das europäische Projekt geht gerade den Bach runter – natürlich soll man Jugendlichen Mut machen, sich zu engagieren, aber nicht indem man sie über diese mehr als dramatische Lage belügt!

So berichtet das Nordheide Wochenblatt über Abibälle.

So berichtet das Nordheide Wochenblatt über Abibälle.

Von Kristian Stemmler

Der querschläger – vormals buchholz express – kritisiert immer wieder und aus gutem Grund das Nordheide Wochenblatt, Quasi-Monopolist in Buchholz und im Landkreis. Um so mehr sollte darum hier auch einmal darauf hingewiesen werden, wenn das Wochenblatt aus Sicht dieses Blogs ein positives Feedback verdient hat. Die Rede ist von einem Beitrag in der Ausgabe vom 18. Juli.

Unter der Überschrift „Kaviar und Krawall“ berichtet das Wochenblatt darüber, dass Abibälle zunehmend aus dem Ruder laufen. Gegenstand des Beitrags ist einmal die Kritik des Schulleiters des Albert-Einstein-Gymnasiums, Hans-Ludwig Hennig, am von Schülern und Eltern organisierten Abiball im Harburger Luxushotel Lindner. Zum zweiten geht es um Vorfälle beim Abiball des Hittfelder Gymnasiums im Harburger Restaurant „Leuchtturm“.

Dort haben sich etliche der Halbstarken, nachdem ab halb elf alle Getränke frei waren, laut Wochenblatt erheblich daneben benommen. Es seien Weinflaschen entwendet worden, von wildem Urinieren ist die Rede. Selbst die angeheuerten Security-Kräfte hätten die besoffenen Jung-Erwachsenen nicht unter Kontrolle bringen können, daher habe die Polizei einschreiten müssen. Es habe sogar eine Festnahme gegeben.

Es wäre ganz nett gewesen, wenn die Kollegen erwähnt hätten, dass ihr Text sich auf einen Beitrag im querschläger bezieht. Bereits am 19. Juni hatte dieser Blog nämlich über Hennigs Kritik berichtet, die im Wochenblatt in indirekter Rede wiedergegeben wird., ohne dass der querschläger erwähnt wird. Das liegt vermutlich daran, dass sowohl der querschläger/buchholz express wie auch der Autor dieser Zeilen offenbar an der Bendestorfer Straße auf der schwarzen Liste stehen.

Aber sei’s drum, es bleibt anerkennenswert, dass das Wochenblatt das Thema überhaupt angefasst und es noch in einem Pro und Kontra vertieft hat. Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang vor allem, dass die Kritik am Luxustrend der Abibälle von Mitja Schrader vorgetragen wird, nicht nur Redakteur des Wochenblattes, sondern auch Mitglied der Verlegerfamilie. Er ist schon öfter mit kritischen Beiträgen aufgefallen.

Natürlich kann er mit seiner Kritik auch nicht zu sehr an den Fundamenten rütteln, aber für Wochenblatt-Verhältnisse geht sie doch schon recht weit und trifft aus Sicht des querschlägers durchaus wesentliche Punkte. Vor allem da wo es um den „richtigen Stall“ geht, es also nicht schwer fällt, sich die elitären oder sich elitär vorkommenden Kreise der Region vor Augen zu führen. Hier Schraders Kommentar, nur leicht gekürzt, im Wortlaut:

Sicher, ein Abiball ist ein festlicher Anlass und sollte in einem angemessenen Rahmen begangen werden. Luxusveranstaltungen, bei denen weniger gut betuchte Familien per Los entscheiden müssen, wer Sohn oder Tochter begleiten darf, weil es sonst einfach zu teuer wird, sind für mich allerdings weder festlich noch feierlich, sondern schlicht und einfach unsinniges Protzen. Noch dazu mit fremdem Geld – nämlich dem der Eltern.
Was ist die Botschaft dahinter? Um mit uns zu feiern reicht es nicht, das Du Dein Abi hast. Nein, Du musst auch aus dem richtigen „Stall“ kommen. „Spiel nicht mit den Schmuddelkindern“ also. Lernt man das heute in der Schule? Oder geht es eher darum, dass auch für Abifeiern das neoliberale Mantra gilt: Nur was richtig kostet, ist auch richtig was wert. Das Abi an sich also keinen Wert mehr darstellt, sondern der Abiturient seine Wichtigkeit durch eine teure und exklusive Feier herausstellen muss. Wie auch immer; mit Reife hat eine Prunk- und Protzsause wenig zu tun. Aber heute heißt es ja auch Abitur und nicht mehr Reifeprüfung.

http://www.nachdenkseiten.de/?p=26843#more-26843

PS: Dazu passt ein Zitat von Wiglaf Droste aus der jungen welt. Er schreibt: „Deutsche Besatzer kommen nicht mehr im Panzer, sondern im Rollstuhl.“