Falsches Spiel mit Flüchtlingen – CDU, FDP und Wochenblatt wollen Buchholzer Filetstück Investor zuschanzen

Veröffentlicht: 2015-06-24 in Lokales, Politik
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Von Kristian Stemmler

„Feste Häuser statt Containerdörfer?“ – unter dieser irreführenden Unterschrift propagiert das Nordheide Wochenblatt in seiner aktuellen Ausgabe mehr oder weniger unverhohlen einen Vorstoß der Fraktionen der CDU und der FDP im Buchholzer Stadtrat. Dabei geht es vorgeblich darum, das die Stadt in der Unterbringung von Flüchtlingen einen neuen Weg einschlägt. Tatsächlich kochen die beiden Parteien ganz offensichtlich ihr Süppchen auf dem Thema Flüchtlinge und wollen in Wirklichkeit ein innenstädtisches Filetstück einem Investor zuschanzen.

Der Reihe nach: In Buchholz sind bereits rund 500 Flüchtlinge untergebracht, bis Jahresende werden noch erheblich mehr dazu kommen. Am Langen Sal und an der Bremer Straße stehen bereits Container, in denen die Asylbewerber untergebracht sind, auf einer Fläche an der Straße An Boerns Soll werden demnächst weitere Container dazukommen. CDU und FDP schlagen jetzt vor, am Holzweg ein festes Gebäude für die Unterbringung von Flüchtlingen zu erbauen.

Dieses Gebäude soll später für Sport- und Schulungszwecke sowie als Herberge und Jugendhaus genutzt werden können. Schon das hat ein gewisses Geschmäckle, denn die beiden Herren, die im Wochenblatt den Vorstoß verkaufen, sind Andreas Eschler, der CDU-Fraktionsvorsitzende im Rat, und Arno Reglitzky, der FDP-Fraktionsvorsitzende. Reglitzky aber ist bekanntlich auch Vorsitzender des Sportvereins Blau-Weiß Buchholz, und der sitzt am Holzweg. Von dem vorgeschlagenen Gebäude würde der Verein vermutlich profitieren.

Der Verdacht, dass das Ganze eine scheinheilige Trickserei ist, erhärtet sich endgültig, wenn man den Vorschlag anguckt, den Eschler und Reglitzky zur Finanzierung des Neubaus machen. Sie schlagen vor, dass die Stadt die „Jordanfläche“ in der Innenstadt und ein Areal an der Straße Brumagen Ost kurz vor der B 75 an Investoren für Wohnungsbau verkauft. Brumhagen Ost wird im Integrierten Stadtentwicklungskonzept als potenzielle Fläche für Wohnungsbau benannt, die Jordanfläche ist die Fläche am Rathauspark an der Westseite des Rathauses.

Es ist wahrlich nichts Neues, dass CDU und FDP sich immer wieder aufgerufen fühlen, die Interessen von Investoren zu vertreten und dass es da auch manche persönlichen Verbindungen gibt. Und dass der Wochenblatt-Verlag nicht nur zu einem großen Teil von den Anzeigen der Immobilienwirtschaft und anderer Investoren lebt, ist auch kein Geheimnis. Wenn dann im Wochenblatt noch zu lesen ist, dass ein Kaufangebot eines Investors für die Flächen vorliegt, kann man nur noch sagen: Nachtigall, ick hör dir trapsen…

Was besonders übel an diesem Vorstoß ist: Dass die Buchholzer Ortsverbände von CDU und FDP das äußerst sensible Thema Flüchtlinge benutzen, um Investoren die Tür aufzumachen und den Versuch zu unternehmen, die Ratsmehrheit vor sich herzutreiben. Das geht hoffentlich nach hinten los, denn ob der auch der CDU angehörende Bürgermeister der Stadt, Jan-Hendrik Röhse, in diesen Vorstoß eingebunden ist, darf bezweifelt werden.

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Kommentare
  1. hans-christian keunecke sagt:

    Hallo Leute!

    Gibt es nicht neuerdings mehr Geld vom Bund für die Kosten der Unterbringung von Flüchtlingen
    oder ist diese Angelegenheit noch im werden ? Evt. gibt es ja auch Gelder /Zuschüsse für diese Bauten? Container samt Versorgungsanschlüsse für 10 Jahre kosten ja auch einiges Geld!
    Sollte dann die Stadt Buchholz durch eigen finanzierte Umbauten preisgünstige Wohnungen anbieten können oder teilweise Sportler oder Jugendunterkünfte wäre dieses doch keine schlechte
    Sache.Das investierte Geld wird jedenfalls günstig genutzt!
    Die evt. Bauerweiterungsfläche in der Innenstadt neben dem Rathaus würde ich jedenfalls keiner Bauspekulation überlassen!!?? Zur Not muß der Buchholzer Rat die Sache selbst finanzieren und
    den von den Fakten nicht mehr zu haltenden Bau des OSTRINGES endlich Geschichte werden lassen !! Hier ging es doch auch nur um Erschließung von neuem Baugelände! Dieses bestreitet auch die CDU/FDP nicht mehr !!?? Igitt ging es hier auch um Spekulationen ????? Dieses Geld vom Ostring für die Flüchtlingswohnbauten und später dann
    Wohnungen wäre güt angelegt!! Verkehr wird weniger !! Hauptverkehr will in die Innenstadt !!
    Also Herr Bürgermeister Röhse und Buchholzer Rat /Verwaltung — mindestens aber die „Bunte Mehrheit“ — packen Sie es an!

    Christian Keunecke

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  2. PS: Die Erwähnung der SPD war natürlich ein Schreibfehler, oder vielleicht auch ein Freudscher Fehler…

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  3. Hallo Uwe, das ist grundsätzlich alles richtig, was Du schreibst, aber ich fürchte CDU und FDP sind in Buchholz nicht am Allgemeinwohl orientiert, sondern an den Interessen ihrer Klientel. Gruß Kristian

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  4. Uwe Schulze sagt:

    Hallo Kristian, ich kann Deine Bedenken ein Stück teilen, besonders wenn man in die Vergangenheit blickt.
    Grundsätzlich sehe aber selbst ich, dass diese Idee an einigen Punkten nicht schlecht ist.
    Flüchtlinge in festen Wohnunterkünften unterzubringen, statt in Wohncontainern ist besonders für die Flüchtlinge ein Mehrwert.
    Es ist immer gut Eigentum zu besitzen, damit steigert man auch das sogenannte Eigenkapital. Mit Weitblick und Verstand zu planen ist auch ein guter Ansatz (Neubau am Holzweg).

    Die Kosten/Nutzenrechnung von den Wohncontainern im Kontext zu Wohnhäusern würde ich allerdings einmal im Detail sehen wollen. Bisher gehe ich davon aus dass die Rechnung der CDU und FDP nicht korrekt ist. Diese Rechnung sollte der Rat einfordern und mit externen Experten überprüfen.

    Es stört mich aber in der Tat, dass die Flüchtlingssituation missbraucht wird, um beispielsweise als Sportverein am Ende des Tages davon zu profitieren. Die Aussage von Arno Reglitzky zur bisher ausgebliebenen Nutzung der Jordanfläche bezüglich einer Rathauserweiterung finde ich persönlich sehr kurz gedacht. Blicke ich mal in den Rosengarten, dann denke ich immer darüber nach, wann so etwas in Buchholz mal passiert (Rathaus – Neubau). Dann wird die Fläche sicherlich benötigt.
    Ich kenne Firmen, die es verpassten die letzte Chance für eine Standorterweiterung zu nutzen, in dem sie die Möglichkeit zum Kauf einer nahen Fläche nicht nutzten, oder ihre eigenen Flächen veräußert haben. So etwas sehe ich als grundsätzlich schlechtes Management an.

    Eines bleibt mir in Deinem Artikel aber gänzlich unbeantwortet, dazu hätte bestimmt aber nicht nur ich etwas Aufklärung: Was hat sie SPD damit zu tun? Bislang kann ich keinen Hinweis finden zu Deiner Aussage. (1.Absatz deines Artikels)

    Übrigens bin ich immer für gute zielorientierte Ideen und Pläne, die das Allgemeinwohl und das Allgemeininteresse fördern, zu haben. Ich finde es nicht schön wenn so etwas strikt unter dem Parteimantel passiert. Wenn es für die Allgemeinheit gut ist, dann sollte man seine Parteizugehörigkeit vergessen und zusammenarbeiten. Am Endes des Papiers sollte dann stehen: Der Rat der Stadt Buchholz in der Nordheide hat beschlossen / hat abgelehnt / hat zugestimmt / hat nicht zugestimmt. Man sollte sich nicht von der Bundespolitik vergiften lassen.
    Miteinander statt gegeneinander.

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  5. Der Bürgermeister sagt mir auch nicht alles…

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  6. hans-christian keunecke sagt:

    Hallo Leute ! Hallo Kristian !

    Ob Der Bürgermeister in diesen Vorstoß eingebunden war und seine Ansicht zu dieser Angelegenheit müßtest Du als Ratsmitglied ja am ehesten erfragen und veröffentlichen können.!!??
    Ich finde nur sehr spannend wie sich jetzt die gesamte „Bunte Mehrheit“ im Rat verhält. Verkauft sie die Grundstücke an“ Bauwillige Freunde“ oder findet sie einen anderen Weg die Flüchtlinge vernünftig unterzubringen und den Bau aus Geldern des Landes oder Bundes zu finanzieren?
    Gebäude zu bauen die erst von den Flüchtlingen genutz werden und dann zu kostengünstigen Wohnungen umgebaut werden, erscheint mir auch ein guter und wirtschaftlicherer Weg zu sein.!!??

    Eventuell fällt Dir ja ein Antrag dazu ein.!!??

    Christian Keunecke

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