Abi-Ball in Hamburger Luxushotel – Schulleiter des AEG kritisiert „überdimensioniertes Feiern“

logoVon Kristian Stemmler

Auch wenn das Abitur heute kein Garantieschein für eine steile Karriere mehr ist – die Schüler, die in diesen Tagen das Abiturzeugnis überreicht bekommen, haben auf jeden Fall bessere Karten auf dem Arbeitsmarkt. Sie sind also privilegiert und das muss offenbar gefeiert werden, und zwar immer öfter mit rauschenden Festen in teuersten Locations! Zuletzt hat der Trend zu Abibällen im Luxus ein Ausmaß erreicht, dass es sogar vielen Lehrern zu viel wird. Der Schulleiter des Albert-Einstein-Gymnasiums (AEG), Hans-Ludwig Hennig, äußerte jetzt dem querschläger gegenüber deutliche Kritik zum Thema.

Die Abiturienten des AEG feiern ihren Abschluss am Abend des 4. Juli in einem Hamburger Luxushotel, im Hotel Lindner in Heimfeld. Die Einzelzimmer fangen da bei 107 Euro für eine Übernachtung an, man kann aber auch die Penthouse Suite buchen, für 599 Euro die Nacht. Das Restaurant des Hotels bietet Erlesenes zu entsprechenden Preisen an: zum Beispiel Thunfisch Tataki im Sesammantel auf Gurkencarpaccio mit Mango und Koriander für 17,50 Euro oder den halben Kanada-Hummer mit Avocado, Limetten-Espuma, Sesamkrokant und Frisée für 28,50 Euro. Oder soll es doch die sautierte Stubenküken-Brust sein?

Das klingt nicht nur nach purem Luxus, das ist purer Luxus! Und von der Lebenswelt vieler Schüler, auch des AEG, weit entfernt. Kein Wunder, dass Hans-Ludwig Hennig Wert auf die Feststellung legt: „Schon seit vielen Jahren haben wir am AEG die offizielle Abiturentlassungsfeier vom Abiturball getrennt.“ Die Entlassungsfeier werde im Rahmen einer etwa eineinhalb- bis zweistündigen Feierstunde in der Schule durchgeführt (dieses Jahr am 2. Juli), die Gestaltung liege in der Hand der Schule. Der Abiturball folge immer einige Tage später und sei „keine schulische Veranstaltung“.

Hennig betont: „Die Organisation liegt vollständig in den Händen von Schülern und Eltern, die Teilnahme der Kollegen ist überschaubar und erfolgt in der Regel auf Einladung, da die Karten bei mindestens 60 Euro liegen.“ Am Abiturball nehme aber normalerweise die ganze Familie teil, so dass schnell ein paar Hundert Euro an Kosten entstehen. „Familien, die sich dies nicht leisten können, nehmen nicht am Ball teil“, sagt der Schulleiter, und weiter: „Hier zeigt sich eben auch, dass die Trennung zwischen Entlassungsfeier der Schule und Abiturball sinnvoll ist.“

Für die Eltern und die Abiturienten sei das Erreichen des Abschlusses sicher „ein wichtiger Meilenstein“, der gefeiert werden müsse. Von schulischer Seite halte er die Feierhaltung aber für „überdimensioniert“. Es passe aber dazu, „dass es im Rahmen der schulischen Verabschiedung der Schüler eine Reihe von Feiertendenzen gibt, die uns nicht nur Freude machen.“ Hennig nennt die so genannten „Motto-Tage“ (die letzten drei Schultage der Abiturienten werden unter ein Motto gestellt und man erscheint verkleidet und feiernd in der Schule), „Abi-Übernachtung“ (auf dem Schulgelände), „Abi Streich“ (der sei inzwischen auf zwei Schulstunden beschränkt).

Zur Frage des querschläger, ob er es für das richtige Signal halte, „wenn Abiturienten in einer Zeit, in der die Gegensätze zwischen Arm und Reich immer größer werden, in einem Luxushotel ihr Abitur feiern“, sagte Hennig: „Ihre in der Frage enthaltene Kritik finde ich grundsätzlich angemessen. Es steht mir aber nicht zu, dies gegenüber den Eltern und den dann nicht mehr zur Schulgemeinschaft gehörenden jungen Menschen zu kritisieren.“

Die Schule versuche im Rahmen der Ausbildung über die Teilnahme an sozialen Projekten, die die Schule unterhält (Projekttage Indien, Seminarfach Südindien, Hospiz Buchholz etc.), „die besonders privilegierte Stellung unserer Schüler deutlich zu machen und sie zu verantwortungsbewussten Personen zu erziehen“. Für einen Schulleiter eines Gymnasiums ist die von Hennig geäußerte Kritik bei aller Relativierung erstaunlich offen und direkt. Da ist die Hoffnung, dass an unseren Schulen der in dieser Gesellschaft vorherrschenden Ideologie des Immermehr etwas entgegengesetzt wird, vielleicht ja doch noch nicht ganz verloren.

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5 Comments

  1. Zu mehr als Polemik reicht es wohl nicht …. Sachlich bleiben, dann hat es auch etwas mit Journalismus zu tun. Aber ich denke, diese Art zu denken passt nicht in das Konzept des Querschlägers. Ist halt ein weiteres unnötiges Medium mehr. Die Anzahl der Leser wird sicherlich weiter sinken. Schönes Leben noch.

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  2. Ihnen und Ihren Kindern wünsche ich, dass Sie mal einen Monat in einer Billstedter Hochhaussiedlung mit Hartz IV leben müssen!!! Wo tun Sie denn irgendetwas für den sozialen Zusammenhalt. Darf ich mal tippen: Sie haben doch mindestens eine Doppelhaushälfte oder ein Reihenhaus, vor dem ein Van, SUV oder ähnliches steht. Und die 41 Euro sind das Eine – die um vieles teurere Garderobe für die Abiturienten muss man ja wohl auch dazu zählen! Sie haben den Kern nicht verstanden: Hier wird auf obszöne Art und Weise Reichtum zelebriert, während andere nicht wissen, wo ihnen der Kopf steht!

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  3. Ziemlich merkwürdig einem Autor, der scheinbar an dieser Veranstaltung nicht teilgenommen hat und hier die Veröffentlichung seiner Weltanschauung unter einem Deckmantel ausufernder Feste formuliert diese Plattform zu ermöglichen. Die Feier war sehr gelungen, hielt sich mit eienm Kartenpreis in Höhe EUR 41 im angemessenen Rahmen. Das Bufett enthielt keine überzogenen Speisen und war sehr gelungen. Künftig besser recherchieren und vor allem nicht auch noch den Rektor vor seinen politischen Karren spannen. Schlechter und tendentiöser Artikel.

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