Buchholz bekommt ein Mahnmal für die NS-Opfer gegenüber vom „Kriegerdenkmal“ – Wochenblatt berichtet, verschweigt aber den Initiator…

Veröffentlicht: 2015-06-12 in Politik

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Von Kristian Stemmler

Bei all der Kritik, die in diesem Blog schon am Nordheide Wochenblatt geübt worden ist, sollte es auch einmal Erwähnung finden, wenn das Wochenblatt aus Sicht dieses Blogs etwas gut gemacht hat. Insofern soll hier positiv hervorgehoben werden, dass diese Zeitung oben rechts auf Seite 1 mit einem Anriss plus Foto und auf Seite 7 mit dem Seitenaufmacher über das Mahnmal für NS-Opfer berichtet, das auf dem Marktplatz aufgestellt werden soll – aber leider kann ich dem Wochenblatt auch in diesem Fall eine Kritik nicht ersparen.

Denn das Nordheide Wochenblatt hat es natürlich mühelos geschafft, denjenigen nicht zu erwähnen, der das Ganze erst initiiert hat: den Autor dieser Zeilen. In meiner Funktion als parteiloses Mitglied des Rates habe ich im Februar 2014 beantragt, auf dem Marktplatz ein Mahnmal zu errichten, das an die Opfer des Nationalsozialismus‘ erinnert. Damals erklärte ich: „Seit Kriegsende wird auf diesem zentralen Platz der Stadt an gefallene Soldaten erinnert. Für die Buchholzer, die von den Nazis verfolgt oder umgebracht wurden, gibt es in der ganzen Stadt kein Mahnmal. Das ist ein unhaltbarer Zustand!“ Dass das Wochenblatt mich als Initiator verschweigt, ist offenbar Teil einer inneren Zensur. Zuletzt wurden weder Leserbriefe von mir gedruckt, noch die beiden aktuellen Anträge im Rat aus meiner Feder erwähnt.

Mein Vorschlag, auf dem Mahnmal die wenigen NS-Opfer aus Buchholz namentlich zu ehren, deren Namen überhaupt bekannt sind, fand im Februar 2014 leider bei den meisten Ratsfraktionen wenig Widerhall.  Breite Unterstützung gab es dagegen für einen interfraktionellen Antrag. Der Buchholzer Künstler Jan Amelung wurde mit der Gestaltung eines Gedenksteins beauftragt, der auf den Fotos im Wochenblatt zu sehen ist. Mein Eindruck ist, dass er seine Arbeit sehr gut gemacht hat. In den kleinen Einbuchtungen des von ihm bearbeiteten Steins sollen Schilder mit der Bezeichnung von Opfergruppen angebracht werden – eventuell kann man da ja die Buchholzer NS-Opfer da doch noch ehren…

Ich zitiere hier aus einem Beitrag in diesem Blog vom Februar 2014, in dem ich die Buchholzer NS-Opfer genannt habe:

Das Mahnmal für die NS-Opfer soll laut Antrag in der kleinen Grünanlage in der Mitte des Marktplatzes errichtet werden, direkt neben dem Gedenkstein, der mit der Inschrift „Den gefallenen Helden“ an die Buchholzer erinnert,die in den beiden Weltkriegen und dem deutsch-französischen Krieg von 1870/71 getötet wurden. Das Denkmal wurde 1923 von dem späteren Gauleiter Otto Telschow eingeweiht. Stemmler: „Ein solches Nebeneinander wäre in der Lüneburger Heide wohl ein Novum.“

In seinem Antrag hat sich der parteilose Ratsherr auf die Ergebnisse der Arbeit dieser Buchholzer bezogen, die in dem Buch „Buchholz 1925-1945 – die verschwiegenen zwanzig Jahre“ niedergelegt sind. Er gibt sechs Personen aus Buchholz, deren Schicksal im Buch erwähnt wird, für das Mahnmal vor: zwei Kommunisten, zwei Sozialdemokraten, eine Halbjüdin und ein namenloses Mädchen.

Die Kommunisten Ernst Neuhaus und Erich Hasselfeld verschwanden „spurlos“, was mit Sicherheit bedeutet, dass sie deportiert und ermordet wurden. Anton Tietjen, der die SPD in Buchholz mit aufbaute, wurde von den Nazis schikaniert und zermürbt, seine Familie ins Elend gebracht. Sein Parteigenosse Friedrich Bode, Ortsvereinsvorsitzender der SPD, war im September 1933 eine Woche im Gewahrsam der Gestapo. Dort wurde er vermutlich eingeschüchtert und gefoltert. Er verlor seine Arbeit und lebte mit seiner Frau in materieller Not.

Die Halbjüdin Paula E, wurde von Otto Telschow gezwungen, ihren Lebensmittelladen zu schließen. Sie wurde in Buchholz als „Volksschädling“ beschimpft, von Geschäftsleuten nicht bedient und vom Zahnarzt nicht behandelt. Als Werkssanitäterin in einem Rüstungsbetrieb musste sie gefährlichste Arbeiten übernehmen. Die sechste Person, die aufgeführt werden soll, ist ein namenloses Mädchen aus dem Bereich Neue Straße, die im Rahmen des Euthanasie-Programms der Nazis abgeholt und vermutlich ermordet wurde.

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Kommentare
  1. Na, da haben Sie’s mir aber gegeben… Lachen muss ich im Stadtrat über die Provinzialität und Beschränktheit, die mir da an vielen Ecken und Enden entgegenschlägt! Wenn man Ihrer Argumentation zum Thema NS-Zeit folgt, sollte man schleunigst, wie von mir beantragt, den monströsen Gedenkstein für WK I und II und 70/71 auf dem Markt verschwinden lassen – denn das alles ist ja schon so lange her. – Übrigens dürfte es nach wei vor etliche geben, die mich in Buchholz wählen würden, auch oder gerade als Parteilosen.

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  2. Buchholzer sagt:

    FEIN gemacht Herr Stemmler!!!!!
    Mal sehen, wie viele Jahre (Generationen) wir nach dem Desaster aus der Nazizeit immer noch neue Mahnmale aufstellen? Ich will die Zeit von damals nicht verharmlosen, dass war ohne Frage eine der schrecklichsten Zeit / Geschichte der Deutschen, so was hätte nie passieren dürfen. Wir dürfen diese Zeit auch nie vergessen und müssen sie auch an unsere Nachkommen als Geschichte weitertragen, auch wenn es keine grausame Geschichte ist! Aber ich finde nicht, dass jetzt nach 70 Jahren immer noch neue Mahnmale aufgestellt werden. Das macht die Zeit von damals auch nicht besser. Gut man könnte sagen, man stellt in jeder Stadt in jedem Dorf, vielleicht noch in jedem Stadtteil, oder noch besser in jeden Garten, vor jedem Haus ein Mahnmal auf, dann ist, glaube ich, auch dem letzten genüge getan!

    Dann aber , Herr Stemmler müssen Sie sich aber beeilen, weil ich glaube, Ihre Zeit als Stadtratsmitglied ist gezählt, ich könnte mir vorstellen, dass Sie bei der nächsten Wahl nicht mehr im Stadtrat sind. Was sicherlich viele Stadtratsmitglieder bedauern, weil so was wie Sie im Stadtrat zu haben ist doch eine Bereicherung für den Stadtrat. Sonst sind doch die Sitzungen immer so trocken und langweilig und man will doch auch mal lachen.

    In diesem Sinne weiterhin viel Erfolg beim aufstellen noch (Ihrer Meinung nach) fehlender Mahnmale für die NS Opfer.

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  3. Hallo Christian, ich hatte anfangs meiner Zeit im Rat bereits beantragt, den monströsen Gedenkstein vom Marktplatz zu entfernen. Leider ist mir da u. a. die SPD in den Rücken gefallen. Ich sehe es auch wie Du, dass der weg muss. Weiter stimme ich Dir zu, dass die KZ-Züge, die in Buchholz gehalten haben oder hier durchgefahren sind, irgendwie Erwähnung finden müssen. Ich guck mal, dass ich das wieder aufnehmen. Solidarische Grüße Kristian

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  4. hans-christian keunecke sagt:

    Hallo Leute ! Hallo Kristian !

    Super der von Dir initiierte Antrag für einen Gedenkstein in Buchholz in Arbeit ist. Gut auch das ein Artikel darüber im NHW erschienen ist! Nicht gut das sie so flusig waren Dich als Initiator nicht erwähnt haben
    Ebenso gut finde ich,dass ein Buchholzer Künstler den Auftrag für die Erstellung des Gedenksteines erhalten hat.
    Die geplante Beschriftung hört sich schon einmal gut an! Die Namen der Opfer würden das Bild aber abrunden.!! Sie geben dem ganzen auch einen persönlicheren und GLAUBWÜRDIGEREN
    Eindruck.
    Was ich allerdings nach wie vor unabdingbar finde ist , eine gut lesbare Tafel auf der erläutert wird
    was in Buchholz während der Nazizeit abgelaufen ist. ( z.B war Buchholz ja Bahnknotenpunkt die KZ-Züge ) Ich hoffe dieser „Mumm“ des Stadtrates ist noch vorhanden. Immerhin war in der NAZI-Zeit Buchholz durchauß erwähn enswert. Ich finde Buchholz sollte sich seiner Geschichte stellen.
    Eine angemessener Hinweis Gedenkplatte (mindestens ) für den KZ- Eisenbahnknotenpunkt Buchholz und den KZ Transportzügen auf der Heidebahn wäre aus meinerSicht zur endgültigen Verarbeitung der Buchholzer Nazivergangenheit und Information notwendig.

    Warum die Buchholzer noch immer, nach so langer Zeit, ein Kriegsopfergedenkmal akzeptieren , dass
    von einem Gauleiter Namens Otto Telschow -einem NAZI- eingeweit wurde, wundert mich allerdings. Haben die Nazis und ihre Helfershelfer nicht den Krieg mit Opfern verursacht und mit all dem Elend und Leid für die Menschen!
    In der Nähe soll dann auch noch der Gedenkstein für Buchholzer Naziopfer gesetz werden.!!??
    Bei den heutigen politischen Verhältnissen mit den Rechten ,Nazi, rechtspopulistischen Tendenzen.
    Ausländerfeindlichen Tendenzen (hatten wir alles schon einmal) wäre es da nicht der richtige Weg
    einen neuen Kriegsopfergedenkstein einzurichten .Ich hoffe, einstimmig im Stadtrat.!!
    Oder liege ich falsch.??

    Christian Keunecke

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  5. Mit Eigenlob hat es nichts zu tun, wenn man journalistisch saubere Arbeit anmahnt. Mag auch sein, dass andere Impulsgeber nicht genannt wurden, nur dass es in meinem Fall System hat, weil ich das Wochenblatt immer wieder scharf kritisiert hat. Das traut sich hier in der Politik ja sonst kaum jemand. Also, nehmen Sie den Mund mal nicht so voll!

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  6. Anonymous sagt:

    …was genau sagt man Eigenlob noch einmal nach?!?
    Wenn die anderen Ratsmitglieder sich in den letzten Jahren bei jeder Nichtnennung des Impulsgebers zu Wort gemeldet hätten – man würde nichts anderes mehr lesen…!

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