Hindenburgweg in Holm-Seppensen soll Ernst-Neuhaus-Weg heißen – Parteiloses Mitglied im Stadtrat beantragt Umbenennung

Buchholz (be) – Das parteilose Mitglied im Buchholzer Stadtrat Kristian Stemmler hat beantragt, den Hindenburgweg im Buchholzer Ortsteil Holm-Seppensen in Ernst-Neuhaus-Weg umzubenennen. Der frühere Reichspräsident Paul von Hindenburg habe es als Wegbereiter der faschistischen Diktatur nicht verdient, noch heute öffentlich gewürdigt zu werden, heißt es sinngemäß in dem Antrag. Mit der Umbenennung in Ernst-Neuhaus-Weg könne eine späte Ehrung der Buchholzer NS-Opfer umgesetzt werden.

Als „Sieger von Tannenberg“ zum Kriegsheld stilisiert habe Hindenburg als Chef der Obersten Heeresleitung im Ersten Weltkrieg den Krieg verlängert, so der Antrag weiter. Mit seinen unsinnigen Entscheidungen sei er für den Tod von Zehn- und Hunderttausenden Soldaten verantwortlich. Noch 1918, als die Kräfte die Kaiserreichs und seiner Armee erkennbar erschöpft waren, habe die Heeresführung eine Offensive in Frankreich befohlen, „nicht um den Krieg zu gewinnen, sondern einzig um günstigere Waffenstillstandsbedingungen zu erreichen“.

In der Weimarer Republik habe Hindenburg zu denen gehört, die die Legende verbreiteten, das „im Felde unbesiegte Heer“ sei von einem „Dolchstoß in den Rücken“ getroffen worden. Als Reichspräsident habe er die Regierungspraxis gestützt, nicht mehr mit den Beschlüssen von Parlamentsmehrheiten zu arbeiten, sondern mit Notverordnungen zu regieren. Er habe hinter einer Politik gestanden, die die Lasten der Krise auf die Massen abwälzte und damit eine Bedingung für den Aufstieg der Nazis schuf. Seine Unterschrift unter die Ernennungsurkunde von Adolf Hitler sei da nur folgerichtig gewesen.

Neuer Namensgeber der Straße soll nach dem Willen des Ratsherrn Stemmler der Kommunist Ernst Neuhaus werden. Neuhaus gehört zu den wenigen Opfern des NS-Regimes in Buchholz, die namentlich bekannt sind. Seine Wohnung an der Steinstraße galt als „Kommunistentreff“. Er grüßte Genossen auf offener Straße mit dem „Rotfront“-Gruß, fuhr zur 1.-Mai-Kundgebung nach Hamburg. Neuhaus verschwand eines Tages spurlos, man kann davon ausgehen, dass er von den Nazis ermordet worden ist.

„In einer Zeit, in der rechtspopulistische und rechtsextremische Tendenzen zunehmen, ist es wichtig, ein Zeichen zu setzen“, sagte Stemmler, „Paul von Hindenburg hat Adolf Hitler den Weg geebnet und sollte 70 Jahre nach Ende der faschistischen Diktatur nicht mehr öffentlich geehrt werden. Die Buchholzer Opfer des NS-Regimes, von denen in den vergangenen Jahrzehnten kaum die Rede war, würden mit der Umbenennung der Straße ein Stückweit dem Vergessen entrissen und öffentlich in Person von Ernst Neuhaus gewürdigt.“

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11 Comments

  1. DAnke, Uwe! So ziemlich das erste Feedback zum Antrag aus dem politischen Raum! Das Wochenblatt und das Abendblatt schweigen die Sache trotzt einer Pressemitteilung tot, aus Rathaus und Rat höre ich auch überhaupt nichts. Aber wie gesagt: Wer aus Hamburg nach Buchholz zieht, erlebt halt zwangsläufig Enttäuschungen…

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  2. Ganz genau Kristian, ich wollte es dir nur vorweg nehmen das du diesen Antrag gestellt hast und auch darüber berichtet hast. Den Antrag fand ich übrigens richtig gut.

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  3. …und in diesem Blog. Der Name ist dennoch zumindest missverständlich und ich habe am Beginn meine Ratszeit beantragt, die Straße in Enver-Simsek-Straße umzubenennen – natürlich erfolglos, da derartige Anträge in diesem Provinznest nie Erfolg haben…

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  4. Und übrigens, die Adolfstraße ist nach dem Gemeindevorstand Adolf Behrens benannt.Das zu wissen gehört zur Stadtgeschichte von von Buchholz und ist in diversen Büchern nachzulesen.

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  5. Hallo Krischan, Du hast völlig recht, das Problem ist: Ich kann mich nicht zerteilen und habe auch privat einiges auf dem Zettel. G 7 ist sicher ein Thema, die Heidebahn auch. City Center habe ich noch im Hinterkopf, das Wochenblatt hat nur berichtet, was ich vor Monaten schon geschrieben habe. Gruß Kristian

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  6. Hallo Leute ! Hallo Buchholz Express !
    Also ich finde schon, wenn es in Buchholz eine Straße gibt,die nach dem ehemaligen Reichspräsidenten Hindenburg benannt wurde, der immerhin zigtausend Soldaten sinnlos in den Kampf und Tod geschickt hat und als Kriegsverbrecher angesehen wird, sollten wir den Straßennamen ändern.
    Außerdem wurde schon erwähnt, dass Reichspräsident Hindenburg durch
    seine Unterschrift den Massenmordanstifter Adolf Hitler mit in „Amt und Würden “ gebracht hat.
    Der Zeitpunkt ist auch der Richtige, bei der Zunahme von Rechtsradikalität, Ausländerfeindlichkeit, getarnt mit rechtspopulistischen Parteien und Gruppen
    wie Nazikameradschaften und Verfilzung Nazis und Verfassungsschutz.
    Das wir ein Zeichen setzen und die Straße nach einem namentlich bekannten
    Nazikriegsopfer benennen, könnte ein Zeichen gegen erneuten aufziehenden
    Rechten und Faschistischen Tendenzen sein.
    Hat die Buchholzer Politik den“ Mumm“ .!!???

    Herr oder Frau Anonym Dein “ ……sonst nichts mehr los in Buchholz“ ist ein armseliger und überflüssiger Kommentar! Leg Dich wieder hin!!!

    Buchholz Express! In Buchholz ist genug los, Atomtransporte über die Bahn, die
    Antwort au Deine Anfrage zum City Center (monatelang angekündigt von Dir, hat jetzt wohl das Wochenblatt für Dich in der letzten Ausgabe erledigt),. Was ist eigentlich mit dem Antrag zu Naziopfer auf der heidebahn ? Wie ist der Stand der Dinge? Gibt es eine Tafel mit ausführlichen Erklährungen? Würde das nicht zum Thema Deines neuen Antrages passen? Du bist doch im Rat und auf dem laufenden. Mir fällt noch ein Kindergartenstreik in Buchholz !!?? Antrag/Anfrage/
    Bericht Buchholzer Situation.!!??
    Auf Bundesebene ist wohl die FIFA offensichtlich ein Ausbund von Korupption
    und der G7 -Gipfel ein Thema !!?? Also von wegen „Gähn !“ ist nicht. Kristian!.
    Gruß Christian

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  7. Hindenburg ist kein toller Mann, jedoch geht es etwas zu weit, wenn man jetzt alles umbenennen muss. Hat ja auch etwas mit Geschichte zu tun. Vielleicht sollte man in der Straße einen Hinweis auf seine Verbrechen montieren, aber nicht einfach den Namen aus der Geschichte oder von Straßenschildern radieren. Wie sieht es mit der Adolfstraße am Treffpunkt aus? Wurde die nicht damals am 3.3.11 gesperrt, als diese nazidemo war? Vielleicht sollte man die erstmal umbenennen. Am Ende kann man über jeden namen streiten, der an Straßenschildern hängt, weil niemand ein einwandfreies Leben führt. Denkt nur an Leute heitzutage, wer weiß, ob sie in der Geschichtsanalyse in 100 Jahren immer noch korrekt gehandelt haben… Ich denke, dass der Antrag nicht weit kommen wird, aber vielleicht erreicht man zumindest, darauf aufmerksam zu machen.

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  8. Geschichtslos, wie Linke nun mal sind, wollen sie nur Menschen mit ideologisch einwandfreiem Leben gelten lassen. Die Geschichte ist aber viel komplexer als eine Ideologie (und viel näher an der Wirklichkeit), und ich würde mich freuen, wenn auch geschichtlich repräsentative Figuren wie Hindenburg in den Geschichtsbüchern (und Straßennamen) blieben. Eine puristische Geschichts-betrachtung verfälscht die Wirklichkeit und die Straßennamen der DDR sprechen da eine deutliche Sprache. Etwas Langweiligeres und Abtörnenderes als DDR-Straßennamen gibt es kaum. Wollen Sie das für Buchholz?

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