— SEEN ON TV — Heute: Mutti mutig in Moskau

Logo Seen on TVIn der neuen Rubrik „Seen on TV“ befasst sich der buchholz express in loser Folge mit dem Geschehen in der Glotze, kommentiert, analysiert, parodiert, glossiert Gesehenes – und das in zugespitztem, gern auch polemischem Stil. Material gibt es da ja bis zum Abwinken. Zum Einstand hier ein kleiner Beitrag über einen Auftritt der Bundeskanzlerin im fernen Moskau.

Sorry Leute, dass ich jetzt noch damit ankomme! Aber ich habe Tage gebraucht, um mich von dem Schock zu erholen. Noch jetzt gefriert mir das Blut in den Adern, wenn ich an die Szene denke, die ich in der Tagesschau sah. Oder waren es die Tagesthemen? Egal!

Da steht Mutti, also unsere Kanzlerin, im Kreml bei einer Pressekonferenz neben Putin. Jeder hat ein Pult mit einem Mikro vor sich, und unsere Blazerträgerin No. 1 spricht in eben dieses Mikro doch tatsächlich diese Wörter: „verbrecherische und völkerrechtswidrige Annexion der Krim“. Mehr weiß ich nicht, weil ich einen sofortigen Hörsturz erlitt. Mir war allerdings so, Putin habe kurz gezuckt, als die Übersetzung ankam. Mit soviel Dreistigkeit hatte offenbar selbst er nicht gerechnet.

An den meisten Fernsehzuschauern ist diese Szene vermutlich folgenlos vorbeigegangen oder sie haben gar zustimmend genickt. Darum hier noch mal zum Mitschreiben: Merkel war aus Anlass des 70. Jahrestages des Endes des Zweiten Weltkriegs in Moskau! Ein Krieg, den Deutschland angezettelt hat, der für Millionen Menschen Leid und Tod bedeutet hat, in dem Deutsche Verbrechen in unübersehbarer Zahl begangen haben! Ein Krieg, für dessen Beendigung Millionen Russen mit ihrem Leben bezahlt haben!

Der Chefredakteur der Tageszeitung junge welt, Arnold Schölzel, war vermutlich einer der wenigen deutschen Journalisten, der begriffen hat, wie skandalös Muttis „mutiger“ Auftritt in Moskau war. Er schrieb: „Der Affront übersteigt das gewohnte Maß auf dem diplomatischen Parkett des Kalten Krieges. Es handelt sich um Kriegshetze, wie sie ansonsten von den in Kiew durch die von den USA installierten Kreaturen à la Jazenjuk zu hören ist.“

Und weiter: „Mit ihrer Wortwahl hat sich die Kanzlerin fest an die Seite der „Fuck the EU“-Strategen gestellt. Lügen und Russophobie sind wichtigste Bestandteile der dazugehörigen Propaganda.“ Der Druck aus Washington, schärfer gegenüber Moskau aufzutreten, nähme zu. Gleichzeitig lasse der Druck des deutschen Kapitals, wenigstens den Handel mit Russland nicht weiter einzuschränken, nicht nach. Schölzel schließt: „Merkels Worte sind insofern ein deutliches Signal: Sie hat sich für Eskalation, wenn nicht Krieg entschieden.“

Florian Flimmer

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