Zwischenruf zu Himmelfahrt: Pöbelt doch mal lieber in den Vierteln der Reichen!

Veröffentlicht: 2015-05-13 in Überregionales, Hintergründe, Kommentare, Lokales, Politik
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Von Kristian Stemmler

Bierkiste auf den Bollerwagen, drei Flaschen Wodka in die Kühlbox, vorn den Grill, hinten den Ghettoblaster, und los geht’s! Endlich wieder Vatertag! Morgen heißt es wieder hinaus in die Natur und hinein mit dem Alkohol. Für die Polizei des Landkreises ist es ein Großkampftag mit Sonderschichten, denn Schlägereien, Vandalismus und ähnliches sind an diesem Tag allgemein Usus. Eigentlich sollte der Tag Sauf-und-Pöbel-Tag heißen oder Drink-and-Destroy-Day. An diesem christlichen Fest geht es nur um Spirituosen, nicht um Spiritualität!

Was soll’s, könnte man da sagen. Lass die Leute doch feiern, die haben’s schwer genug, und da ist ja auch was dran. Mich nervt aber jedes Jahr, wie dumpf, besinnungslos und ziellos dieses Gefeiere, Pöbeln und Randalieren ist. Warum hauen die jungen Leute sich gegenseitig auf die Omme, warum machen sie Polizisten das Leben schwer, die auch nur ihren Dienst tun, für lausiges Geld?!

Warum toben sie sich an schönen Ecken aus wie der Horster Mühle oder dem Brunsberg statt vielleicht mal in den Vierteln der Reichen und Mächtigen, im Uhlengrund oder im Wilfried-Wroost-Weg, in Bendestorf oder Jesteburg, aufzukreuzen und da rumzukrakeelen? Diese Viertel sind so tot, dass die Anwohner sich bestimmt freuen, wenn ein bisschen Leben reinkommt… Aber nichts kaputt machen, die Leute da sind sehr empfindlich, wenn es um ihr Eigentum geht!

Aber ganz im Ernst: Himmelfahrt ist ein Tag an dem uns allen in aller Drastik demonstriert wird, wie heruntergekommen diese Gesellschaft bereits ist. Von Tendenzen zur Barbarei, die nicht zu übersehen sind, habe ich bereits vor einiger Zeit gesprochen. Das ist im Grunde tagtäglich zu erkennen. Ich nenne nur mal ein Beispiel: Die CD einer Band, deren Texte kaum verhüllte faschistische Inhalte haben, war im April zeitweise die meistverkaufte in Deutschland!! Gemeint ist die CD „Opposition“ der deutschsprachigen Südtiroler Rechtscombo Frei.Wild.

In diesem Land werden sehenden Auges die Armen auf die Ärmsten gehetzt, und Ober- und Mittelschicht ziehen sich in ihre Quartiere zurück und schotten sich zunehmend ab. Aber diese Rechnung geht nicht auf, weil die sozialen Kämpfe und die kulturelle Implosion uns alle in Mitleidenschaft ziehen werden – mehr und mehr. Der Sänger und Musiker Wenzel hat zum Geschehen an Christi Himmelfahrt bereits vor Jahren ein schönes Lied geschrieben und die gegenwärtige Endzeitstimmung dabei gut getroffen.

Nachfolgend der Text und als Zugabe noch der Text eines anderen schönen Songs von Wenzel „Die Zeit der Irren und Idioten“:

Wer nicht mehr kann, der zählt schon fast als Leiche,
S´ist Herrentag! Die Glatzen zeigen Seele.
Es klatschen Patrioten in die grünen Teiche
Gefüllt mit Volkslied, Schlamm und Schlick die Kehle.

Dann schäumt das Bier aus dicken, wunden Pfoten.
Die Zoten dröhnen, jeder Schuß ein Treffer.
Steh ihnen bei, mein Gott, den Schwarzen, Gelben, Roten,
Und laß sie bleiben, wo er wächst, der Pfeffer.

Dann klingen Glocken und die Straßen wanken.
Jetzt aber Schluß mit den bescheidenen Dekaden.
Wir sind zu Hause! Grölen betrunken die Gedanken.
Geschecktes Kampfhundsvolk verbeißt sich in den Waden.

Auf Pferdewagen häufen sich die Leiber.
Die Gäule, irr von Flieder, sieht man sich verneinen.
Tief in der Nacht noch stehen frierend Weiber

Vor Krankenhäusern, wo sie sittsam weinen.

Als wäre Krieg. Die Männer an den Fronten.
So hart die Witwentrauer! Wie ein Pimmel hart.
Vertan die Küsse, die sie heut nicht küssen konnten.
S´ist Herrentag, der Tag der Himmelfahrt.

Und hier der Text von „Die Zeit der Irren und Idioten“:

Es ist wie Sommer heut im Mai.
Die Nutten haben Hitzefrei.
Die Polizei putzt ihre Scheiben.
Die Heiratsschwindler übertreiben.
Die Stadt riecht schweißig und nach Äther.
Es kichert leis der Attentäter.
Noch unentdeckt sind all die Toten.
Das ist die Zeit der Irren und Idioten.

Betrogne Männer gehen mit Strick
Zum Stadtwald, kommen nicht zurück.
Die Nonnen lutschen an Lakritzen.
Die Mönche untern Kutten schwitzen.
Ein Onanist stiert vom Balkon.
Ein BMW fährt durch Beton.
Es sterben zwanzig Fahrradboten.
Das ist die Zeit der Irren und Idioten.

Ein Ex-Minister lacht verstört.
Der Mittelstand ist höchst empört.
Die Spanner liegen auf der Lauer.
Die Hochdruckzone bleibt von Dauer.
Der Asphalt hat sich hochgebogen.
Der Fliederduft setzt unter Drogen
Und jede Logik ist verboten.
Das ist die Zeit der Irren und Idioten.

Ein Säufer hat sich stumm gegölt.
Die Hausfrau hat sich eingeölt.
Selbst nachts bleibt diese Affenhitze
Ueber die Stadt wie eine Mütze.
Es wird verrückt selbst der Solide.
Dann häufen sich die Suizide.
Touristen kotzen von den Boten.
Das ist die Zeit der Irren und Idioten.

Wer mehr hören und sehen  will, hier ein Video der betreffenden CD „Schöner Lügen“:

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