Exklusiv im buchholz express: Satansaustreibungen im Christus Centrum Tostedt – Bericht einer Augenzeugin

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Am Rande der Gemeinde Tostedt im Landkreis Harburg, die vor allem durch die Umtriebe von Neonazis zeitweise in die Schlagzeilen geriet, steht ein auffälliges Haus mit einem Kreuz. Es ist eine Kirche, das Christus Centrum Tostedt (CCT), eine freikirchliche, evangelikale Gemeinde mit großem Zulauf aus der Umgebung. Mehr als 500 Mitglieder gehören inzwischen zur Gemeinde. Man gibt sich modern und aufgeschlossen – aber hinter den Kulissen herrscht eine rigide Moral und ein fataler Glaube an Dämonen und den Teufel, die schlimme Folgen für viele Gemeindemitglieder haben.

Bereits vor einigen Monaten hat dieser Blog ausführlich über die Umtriebe des CCT und anderer evangelikaler Gemeinden berichtet. Jetzt ist es dem Blog gelungen, eine Frau ausfindig zu machen, die bereit ist, über ihre traumatischen Erlebnisse im Christus Centrum Tostedt zu berichten. In die dramatischen Ereignisse, die diese Frau bis heute verfolgen, ist auch der erste vollamtliche Pastor der Gemeinde, Ingolf Ellßel, verwickelt, der später zu einem der einflussreichsten pfingstlich-charismatischen Predigern wurde. So war er Vorsitzender der Europäischen Pfingstbewegung (PEF) und Vorstandsmitglied der „Vereinigung evangelischer Freikirchen“ (VEF).

Das Geschehen hat sich Ende der 80er Jahre abgespielt und ob es heute im CCT noch ähnliche Praktiken gibt, ist dem buchholz express nicht bekannt. Es ist aber davon auszugehen, dass es in der fraglichen Zeit und davor seit Gründung der Gemeinde in den 50ern viele ähnliche Vorfälle gegeben hat. Und die Gemeinde hat sich offensichtlich bis heute nicht mit dem fragwürdigen Vorgehen in diesen Fällen und den Folgen befasst oder sich dazu bekannt. Hier der Bericht der Zeugin:

„Unsere Familienverhältnisse waren von Anfang an chaotisch. Meinen leiblichen Vater habe ich nie kennengelernt, weil meine Mutter das verhindert hat. Als Kleinkind habe ich miterleben müssen, wie sie ständig wechselnde Männerbekanntschaften mit nach Haus brachte, in eine Zwei-Zimmer-Wohnung! Sie nahm da keinerlei Rücksicht auf mich.

Anfang der 80er zogen wir nach Tostedt, Meine Mutter heiratete ihren neuen Partner, meinen Stiefvater. Schon in der Hochzeitsnacht haben sie sich geprügelt. Es gab von da an fast täglich heftige Auseinandersetzungen, körperliche Gewalt eingeschlossen. Sie prügelten sich mit Fäusten, es flogen Stühle durch Glastüren, meine Mutter bedrohte ihn mit einem Fleischermesser. Dabei war sie eigentlich immer betrunken. Immer wieder hat sie mich abends aus dem Bett gerissen, weil sie angeblich abhauen wollte. Das Ganze war der absolute Horror für mich!

Ende der 80er stieß meine Mutter zum CCT. Ich war damals zwölf Jahre alt. Die Gemeinde bekam schnell Wind von den Problemen bei uns Zuhause. Zwei- oder dreimal kam der damalige Pastor Ingolf Ellßel zu uns, als die Fetzen flogen, und versuchte die Gemüter zu beruhigen. Aber an einer wirklichen Bearbeitung der Schwierigkeiten oder an seelsorgerlicher Hilfe war ihm nicht gelegen, wie sich bald zeigen sollte. Es ging um etwas ganz anderes.

Bald nach den Interventionen von Ellßel wurde meine Mutter vor das Gremium der Gemeindeältesten zitiert. Dort wurde ihr eröffnet, dass sie von Dämonen besetzt sei und man diese austreiben müsse. Diese „Austreibung“ fand kurz danach statt. Ich wusste damals natürlich von nichts. Meine Mutter schleppte mich an diesem Nachmittag mit ins CCT. Ich wurde in einen Raum der Pfadfinder gesetzt, meine Mutter verschwand mit Ellßel, zwei Gemeindeältesten und einer Frau, die spezialisiert sein sollte auf Dämonen, gegenüber in dem Büro des Pastors.

Schon diese Situation versetzte mich in Angst, die aber noch anwuchs, als ich Schreie aus dem Büro hörte. Ich erkannte die Stimme meiner Mutter. Dann schrie ein Mann: „Satan, fahr aus aus ihr!“ und immer wieder „Nenn deinen Namen!“. Das ging eine ganze Zeit so, dann hörte ich wieder eine Stimme, die völlig unnatürlich klang, wie die eines Tieres, es war aber meine Mutter. Ich saß zitternd auf meinem Stuhl und traute mich nicht, mich irgendwie zu rühren. Ich weiß, das alles klingt wie aus einem schlechten Hollywood-Schocker – aber genau so war es.

Nach etwa einer Stunde öffnete sich die Tür und die drei Männer, die Frau und meine Mutter kamen aus dem Büro. Sie hatte ein völlig verheultes Gesicht, sagte aber nur zu mir: „Mach dir keine Sorgen, ich bin befreit.“ Wir gingen nach Haus und über die Angelegenheit wurde nicht mehr geredet. Die Auseinandersetzungen hörten aber nicht auf, sie wurden eher noch schlimmer.

Einige Zeit später tauchte meine Mutter plötzlich mit der Frau, die bei der „Dämonenaustreibung“ dabei gewesen war, in meinem Zimmer auf. Die Frau lief in meinem Zimmer herum, wedelte vor meinen Kassetten und Büchern herum, rief aus, da wären überall Dämonen und fing an zu beten. In diesem Moment glaubte ich tatsächlich einen Zwerg oder Gnom vor meinem Bett zu sehen und lief panisch ins Badezimmer. Meine Mutter und die Frau räumten in der Zwischenzeit die Kassetten und Bücher in einen Müllsack, um sie in den Mülleimer zu werfen.

Das dritte traumatische Ereignis im Zusammenhang mit dem CCT ereignete sich im August des Jahres. Am Tag vor meiner Taufe war es zu Hause wieder zu einer Prügelei zwischen meiner Mutter und dem Stiefvater gekommen und ich war zu einer Nachbarin geflüchtet, die auch Mitglied der Gemeinde war. Pastor Ellßel wurde geholt und vermittelte, danach wurde ich wieder in die Wohnung geholt. Dabei wäre ich viel lieber bei der Nachbarin geblieben, bei der ich mich geborgen fühlte.

Am Tag danach zwang mich meine Mutter, vor der ganzen Gemeinde vors Mikrofon zu treten und mich bei ihr dafür zu entschuldigen, dass ich zur Nachbarin gelaufen und von Streitigkeiten berichtet hatte. Sie hatte es so hingedreht, dass eigentlich gar nichts gewesen sei und ich sie denunziert hätte. Ich war damals, wie gesagt, zwölf Jahr alt!

Auch nach der Taufe wurde nichts besser. Meine Mutter war oft stockbetrunken und es kam dann nach wie vor zu massiven Streitigkeiten mit meinen Stiefvater. Meine ganze Kindheit war eigentlich die Hölle und im CCT hat mir keiner wirklich geholfen, sondern man hat nicht eingegriffen, obwohl die Probleme klar zu Tage traten. In dieser Gemeinde geht es nur darum, nach außen eine heile Fassade zu präsentieren. Wenn man sich hinter den Gardinen die Köpfe einschlägt oder Kinder gequält werden, interessiert das eigentlich nicht.“

Soweit der Bericht der Zeugin. Was sie erlebt hat, findet sich so oder ähnlich in Berichten zahlreicher anderer Opfer evangelikaler Gruppierungen. Diese Gemeinden sind ein Hort schwarzer Pädagogik, und rigider sozialer Kontrolle. Über Ingolf Ellßel heißt es im Buch „Mission Gottesreich“, das die Umtriebe der Evangelikalen schildert: „Er glaubt an das Gute und das Böse auf der Welt, an Gott, den Teufel und Dämonen. Die Autoren des Buches zitierten den Pastor: „Es gibt sehr intelligente Dämonen, ich empfehle grundsätzlich, nicht mit ihnen zu reden.“ Dämonenaustreibung sei eine wichtige Aufgabe der Seelsorge.

Welche Verheerungen ein derartiger Irrglauben und die daraus folgenden Praktiken anrichten, lässt sich an den Opfern erkennen. Die Frau, mit der dieser Blog reden konnte, ist noch heute traumatisiert von den Ereignissen im CCT. Sie erwägt jetzt, Strafanzeige gegen die damals Beteiligten, ihre Mutter eingeschlossen, zu stellen – wegen Kindesmisshandlung oder ähnlicher in Frage kommender Delikte.

Wer Ähnliches mit dem CCT oder in anderen evangelikalen Gemeinden erlebt, kann sich, gern auch anonym, an den buchholz express wenden. Die Mail-Adresse: buchholzexpress@gmx.de

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