Dumm gelaufen! PR-Grinsebacke mit „unkonventionellem“ Marketingkonzept für Buchholz gescheitert

Veröffentlicht: 2015-05-05 in Hintergründe, Lokales, Politik
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Von Kristian Stemmler

Unter der Überschrift „PR-Grinsebacke soll die Nordheidestadt wachküssen“ hatte der buchholz express bereits Anfang März seine Skepsis über das neue Marketingkonzept für Buchholz dargelegt. Jetzt ist man offenbar auch im Rathaus und in der Wirtschaft zur Vernunft gekommen: Der neue Vorstand des Buchholzer Stadtmarketingvereins hat, wie das Nordheide Wochenblatt berichtet, die Notbremse gezogen und will das Konzept des PR-Mannes Matthias Kuchel und seines Büros „By Kuchel“ nicht umsetzen.

Natürlich muss man das Gesicht wahren und kleidet die Absage in schöne Worte: „Das Konzept ist klasse, passt aber derzeit noch nicht zu uns“, wird Freddy Brühler, der neue Vorsitzende des vor einem Jahr gegründeten Stadtmarketingvereins, im Wochenblatt zitiert. Wie dieses Konzept genau aussieht, wird allerdings nach wie vor nicht erklärt. Neue Wege habe man gehen wollen, heißt es da wolkig. Wie berichtet, war Kuchels Idee unter anderem, dass New Yorker Taxifahrer für Buchholz werben sollten.

Nach Lage der Dinge kann man wohl davon ausgehen, dass bei der Ablehnung des Konzeptes auch Bürgermeister Jan-Hendrik Röhse (CDU) eine Rolle gespielt hat. Er ist zusammen mit Brühler und Stadtwerke-Chef Christian Kuhse im Vorstand des Stadtmarketingvereins und hatte schon nach der Vorstellung von Kuchels Plänen Skepsis geäußert. Ihm fehle die Nachhaltigkeit, wurde er zitiert, und er wolle doch genau wissen, was man für 80.000 Euro pro Jahr in den kommenden drei Jahren bekomme.

Brühler kündigte im Wochenblatt an, man wolle sich „erst einmal klar werden, in welche Richtung wir gehen wollen“ – eine gute Idee! Der Vorstand des Vereins werde „hart arbeiten“. Das könne man jetzt tun, nachdem die von der Stadt avisierte Stelle im Stadtmarketing endgültig mit Jutta Hiller besetzt sei, die bisher fast ausschließlich mit dem Integrierten Stadtentwicklungskonzept (ISEK) befasst war (das ja mittlerweile vorliegt).

Matthias Kuchel denkt natürlich nicht darüber nach, ob sein Konzept vielleicht für Buchholz nicht so passend war, sondern gab im Wochenblatt der Stadt die Schuld. Nachdem der Verein seinem unkonventionellen Konzept zugestimmt habe, sei er davon ausgegangen, dass man in Buchholz mutig genug sei, es umzusetzen. Dem sei aber offenbar nicht so.

Auch das Wochenblatt sieht natürlich keinen Grund zur Selbstkritik. Dort hatte man das Konzept hoch gejubelt und dem ehemaligen Vorsitzenden des Stadtmarketingvereins, Wolfgang Schnitter, reichlich Raum gegeben, Kuchel und seine Ideen zu loben. Schnitter hatte sich bei der Gelegenheit übrigens auch noch abfällig über das bisherige Marketing der Stadt und Stadtbaudezernentin Doris Grondke geäußert. Es sei Zeit was Vernünftiges auf die Beine zu stellen: „Sonst würde man noch 27 Stadtspaziergänge machen.“

Etwas Vernünftiges auf die Beine stellen – das ist allerdings das Stichwort! Mit durchgeknallten PR-Ideen, die Buchholz aufgepropft werden, kommen wir nicht weiter. Ich glaube, es macht am meisten Sinn, sich in Ruhe zu überlegen, was die Stärken von Buchholz sind und wie man die Stadt in der Öffentlichkeit profilieren will. Das ist ganz schön schwierig, denn eigentlich ist Buchholz ja eine etwas gesichtslose Schlafstadt, oder?

Wie wäre es denn damit, Buchholz als Radfahrerparadies weiter zu entwickeln und dann auch so zu verkaufen? Das würde doch auch zu einer „Stadt im Grünen“ passen. Allerdings müsste man dann aufhören, riesige Umgehungen zu planen und die Baumbestände der Stadt zu dezimieren…

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Kommentare
  1. Berechtigte Anfrage.

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  2. Tim Carstens sagt:

    Zusätzlich zur Werbung als „Radfahrerparadies“ und „Stadt im Grünen“ darf man natürlich auch das Motto „Familienstadt“ und „Sportstadt“ nicht vergessen. Und während die Spotvereine bestimmt einiges dazu sagen kann, warum Buchholz nicht wirklich eine „Sportstadt“ ist, frage ich als Vater, warum sich Buchholz „Familienstadt“ nennt, wenn die Gebühren für die Kinderbetreuung höher sind als in den umliegenden Kommunen? Und warum wird der Antrag auf einen Krippenplatz zweimal in Folge abgelehnt und das obwohl ein Rechtsanspruch auf einen Krippenplatz besteht!

    Was heißt abgelehnt? Man bekommt ja noch nicht mal einen Ablehnungsbescheid! Und auf Nachfrage erhält man nur die Standartantwort: „Es gibt zu wenig Plätze, da ist es doch klar, dass man keinen Platz bekommen hat, wenn kein positiver Bescheid ergeht.“
    Auf die (berechtigte) Nachfrage, nach welchen Kriterien die Plätze vergeben werden und warum Kinder, die im Vorjahr keinen Platz bekommen haben, nicht bevorzugt werden, bekommt man erst keine Antwort.

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