Profit vor Naturschutz – Waldeigentümer „ernten“ in Buchholz und Handeloh

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Holz „geerntet“ – Kahlschlag am Buenser Weg.
Von Kristian Stemmler

Dass in dieser Gesellschaft Eigennutz vor Allgemeinwohl geht, ist im Grunde nichts Neues – aber dennoch ist man immer wieder erschrocken, wie unverfroren dieses Prinzip praktiziert wird. Ein neues, krasses Beispiel sind die umfangreichen Baumfällungen in Buchholz und Handeloh, über die das Nordheide Wochenblatt jüngst berichtet hat. Angesichts der Kritik vieler Bürger an den Maßnahmen, winken die Behörden ab: alles legal! Aber was heißt das schon?!

In Buchholz geht es um die Fällungen in dem Wald nördlich der Schaftrift zwischen Hamburger Straße und Buenser Weg. Hier sind in den vergangenen Wochen auf großen Arealen, die zwei unterschiedlichen Eigentümern gehören, so genannte Harvester eingefallen und haben ihr Zerstörungswerk vollbracht. Und das in der beginnenden Brut- und Setzzeit, wie Ingo Wolde vom NABU Buchholz im Wochenblatt kritisierte. Eine Fläche am Buenser Weg wurde komplett gerodet, etliche alte Eichen fielen dem Kahlschlag zum Opfer.

Das Ganze nennt sich im Amtsdeutsch „forstwirtschaftliche Maßnahme“. Im Wochenblatt belehrt uns ein Torben Homm vom zuständigen Forstverband Jesteburg, alles sei ordnungsgemäß verlaufen. Die „Entnahme der Bäume“ verlaufe nach einem mit den Behörden abgestimmten Wirtschaftsplan. „Es ist nur legitim, wenn der Grundstücksbesitzer mal Holz in seinem Wald erntet“, erklärt Herr Homm. Die letzte „Ernte“ habe vo rund zehn Jahren stattgefunden. Außerdem werde im Herbst ja aufgeforstet.

An dieser Stelle wird überdeutlich, welche Schwerpunkte gesetzt werden: Holz ist ein Wirtschaftsgut, aus dem Profit geschlagen werden kann. Dass es sich um Natur handelt, um eine für uns alle wertvolle Waldfläche, die Heimat von unzähligen Tieren – alles scheißegal! Nein, der Eigentümer darf „ernten“, wobei das ein unglaubliche zynische Bezeichnung dessen ist, was passiert, wenn ein Harvester auf einer Waldfläche wütet. Aber es wird ja wieder aufgeforstet, dann wird alles wieder gut.

In einer Zeit der Ökonomisierung aller Bereiche sind doch auch Forst- und Landwirtschaft längst vollständig pervertiert. Das zeigt sich auch an der zweiten Baumfällung, über die das Wochenblatt berichtete. In Handeloh hat der Landwirt Hermann Kröger mal eben ein Wäldchen von 1800 Quadratmetern weggehauen, zu dem auch alte Eichen gehörten. Sein lapidares Argument: Der Landkreis habe ihm das Legen eines Kanalanschlusses auferlegt, die Kosten müsse er wieder hereinbekommen.

Natürlich findet sich auch in diesem Fall ein Forstbeamter, der das Ganze als völlig rechtens absegnet. Hier ist es Gerhard Netzel, Tostedts Gemeindebürgermeister und zugleich Forstberater des Landkreises Harburg. Es sei auch ohne Genehmigung möglich, eine Waldfläche von dieser Größe zu roden, wird Netzel im Wochenblatt zitiert. Was die juristische Seite angeht, mag er ja recht haben, aber dann stimmt doch etwas mit den Gesetzen nicht!

Leuten wie Kröger oder den Eigentümern der genannten Waldflächen in Buchholz ist doch die Natur im Grunde scheißegal, die fühlen sich doch in ihren Kalkulationen und Liquiditätsrechnungen wohler als in Feld und Flur. Aber im Herbst feiert man natürlich in der Kirche wieder Erntedankfest und lauscht salbungsvollen Worten vom Säen und Ernten. Verlogener geht es nicht!

Dass das Allgemeinwohl bei diesem Thema hintansteht, sieht man übrigens auch an einem anderen Umstand. Während bei der „Ernte“ in Buchholz die Bäume ruckzuck gefällt und auf dem Laster waren, denkt man gar nicht daran, die noch von kleineren Bäumen und von Ästen blockierten Wege wieder frei zu machen. Gerade das Areal nördlich der Schaftrift war aber bisher viel genutzt von Hundebesitzern, Spaziergängern und Joggern, aber auch von Schülern des Schulzentrums.

Auch andernorts in Buchholz sind übrigens viel genutzte Wege seit Wochen durch umgestürzte Bäume blockiert, so etwa an den Kleingärten an der Bendestorfer Straße (da ist angeblich die Bahn zuständig) oder im Wald nördlich An Boerns Soll. Bis diese Bäume beseitigt werden, wird sicher noch einige Zeit ins Land gehen – denn an denen gibt es ja nicht zu verdienen…

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6 Comments

  1. Der umgestürzte Baum auf dem Wanderweg 3 nach Buensen nördlich Boerns Soll liegt auf einem städtischen Grundstück, das jüngst von der Stadt verkauft werden sollte, um Unterhaltungskosten zu sparen. Der nördliche Teil des städtischen Grundstücks wird schon seit Jahren vom örtlichen Landwirt unsanktioniert übergepflügt. Die alternative Fortsetzung des Weges am Waldrand ist laut Schild vor Ort Privateigentum und die öffentliche Nutzung wird lediglich geduldet. Vorsichtshalber ist wohl deshalb am Buenser Ende das Wanderwegschild abschraubt worden.

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  2. Sie sind also ernsthaft der Meinung, dass der Einsatz von Harvestern dem Wald nicht schadet und dass es hier nicht zuerst um Profit geht? Das nenne ich weltfremd. Mit Ideologie hat das nichts zu tun, sondern mit einer kritischen Gesamtschau.

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  3. Normaler Weise müssen für geschlagene Bäume neue woanders gepflanzt werden. Wurde das gemacht? Ich glaube nicht, aber was ist hier schon normal? Das der „Schrott“ (Äste) nicht aufgeräumt und auch verwertet wird ist ja nur natürlich. Schreddern ist ja wieder teuer und wohin damit… Aber was ist schon natürlich? Raubbau am Wald sehen wir nun schon jahrelang am Regenwald und es geht weiter. DAS ist was passiert und was klappt sind die Türen aus Edelholz!

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  4. Waldbesitzern ist die Natur ganz gewiss nicht „scheißegal“, im Gegenteil: Holzwirtschaft kann nur mit Weitblick nachhaltig betrieben werden. Aber davon wollen Sie ja nichts hören, da Ihnen Ihre Idiologie diese Einsicht verbietet!
    Schauen Sie mal kritisch auf die rot-grüne Landesregierung: deren Umgang mit den Staatsjagden und -forsten ist weder waid- noch umweltgerecht. Aber wenn ein grüner Landesminister die Verantwortung trägt, muss es ja vernünftig sein…

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