Archiv für Mai, 2015

Von Kristian Stemmler

Der Wind dreht sich. Der Ton wird rauer. An allen Ecken und Enden ist mit Händen zu greifen, dass wir in einen Strudel gerissen werden, dass grundstürzende Ereignisse und Prozesse bevorstehen oder schon im Gange sind, von deren Ausmaßen wir uns keinen Begriff machen. Wenn die Zeichen nicht täuschen, stehten wir vor einem Zivilisationsbruch, einer Barbarisierung ungeheuren Ausmaßes – oder sind sogar schon mittendrin.

Es ist sicher kein Zufall, dass es ein Gefängnispsychologe war, der schon vor Jahren in sonst kaum erreichter analytischer Tiefe diese Prozesse und Phänomene gesehen, vorausgeahnt, ihre Ausprägung und ihre Wurzeln beschrieben hat: Götz Eisenberg, der im Gießener Erwachsenenvollzug gearbeitet und Bücher geschrieben hat.

Schon im Jahr 2000 konstatiert Eisenberg in seinem Buch „Amok – Kinder der Kälte“, wir seien gegenwärtig „Zeugen des Auseinanderfallens der Gesellschaft in vergleichültigte, kalte Selbstverwertungsnomaden einerseits und das völlig Abstrakte einer Weltgesellschaft andererseits“. Der Psychologe erläutert: „Die immer weniger in wirkliche, an Personen gebundene Kommunikations- und Bearbeitungsprozesse eingehenden Antriebspotenziale der Subjekte gefährden den Fortbestand der Zivilisation, die ja als Bändigung des Archaischen zu fassen wäre.“

Man habe es nach Robert Kurz mit der „Durchsetzungsgeschichte“ des Kapitalismus zu tun, das eben nicht als fertig ausgebildetes System auf die Bühne getreten sei. Diese Produktionsweise werde vielmehr „erst heute zum totalen Weltverhältnis“.

Was das für uns alle bedeutet, analysiert Eisenberg ebenso nüchtern wie schonungslos. Er schreibt: „Der Schonraum der Familie wird geschleift, vermittelnde psychische Strukturen bilden sich kaum noch aus. Sexuelle und aggressive Triebe halten sich immer weniger an Regeln, die Macht des Unbewussten wird gestärkt und bedroht das gesellschaftliche Zusammenleben.“

Und: „Der vorherrschende Umgang mit den Dingen greift auf die menschlichen Beziehungen über, und die Kinder lernen heute beizeiten, dass es keinen Sinn hat, ihr Herz an irgend etwas oder irgend jemand zu hängen.“

Das ist eine schwer zu ertragende, aber notwendige Zustandsbeschreibung, ebenso wie diese Feststellung Eisenbergs: „Wir erleben ein merkwürdiges Zugleich von neuen gewaltförmigen Fremdzwängen und konsumistischer Enthemmung. Man tut, was man will, worauf man Lust und woran man Spaß hat, wobei dieser Spaß selten die Bahnen verlässt, die das System der Waren den Menschen vorgibt und verordnet.“

Eisenberg bleibt dabei aber nicht stehen, sondern ergreift klar Partei. „Diejenigen, die der Markt noch nicht als überflüssig ausgespuckt hat, verachten jene als loser, die genötigt sind, in ihren zunehmend segregierten Revieren eine Existenz an oder gar unterhalb der Armutsschwelle zu fristen. Wer sich selbst als winner begreift, zieht sich in seine bunt und glitzernd ausstaffierten Reviere zurück, in die der Geruch von Armut und Elend nicht eindringen soll.“

Und weiter: „Auch in dieser Form der Aufkündigung von Solidarität und Einfühlung sehen wir einen Akt von Barbarei, weil solche Haltungen den Trend zur Zerstörung all jener kollektiven Instanzen und Mentalitäten begünstigen, die einzig in der Lage sind, den Auswirkungen des entfesselten Marktes entgegenzuwirken. Zu den Folgen der Machtergreifung der neoliberalen Religion, die die einzelbetriebliche Kalkulation zur Sozialutopie der ganzen Gesellschaft erhebt, gehört die umfassende Durchsetzung jeder Art von moralischem Darwinismus“.

Eisenberg schließt: „Hinter dem Schleier des neoliberalen gesellschaftlichen Friedens und der hedonistischen Spaßkulur wächst ein Potenzial an Hass, Indifferenz und Feindseligkeit heran, das ihn in letzter Zeit spektakulär zerrissen und den Blick auf seine Rückseite freigegeben hat… Die Hölle des neoliberalen Zeitalters erschließt sich uns als das Zugleich der verschiedenen, sich miteinander verschränkenden Ebenen von sozialer und psychischer Desintegrtion.“

Es ist auch eineinhalb Jahrzehnte nach Erscheinen dieser Analyse im Grunde kaum möglich, ihre Tragweite zu begreifen, noch weniger die Folgen der beschriebenen Phänomene und Prozesse jetzt schon durchzubuchstabieren. Aber es führt kein Weg daran vorbei, es zumindest zu versuchen, wenn man, wie der Autor dieses Vorwortes, von der Wahrheit der Eisenbergschen Analyse zutiefst überzeugt ist.

Dann aber führt auch kein Weg daran vorbei, alle intellektuellen und sprachlichen Mittel dafür einzusetzen, das Gesehene und als wahr Erkannte zu beschreiben und anderen mitzuteilen, dem Diktum von Hugo von Hofmannsthal folgend: „Wuchs dir die Sprache im Mund, so wuchs in die Hand dir die Kette. Zieh nun das Weltall zu dir! Ziehe! Sonst wirst du geschleift.“

Geradezu elektrisierend hat da auf den Autor dieses Vorworts ein Appell des Politologen Ingar Solty und des Schriftstellers Enno Stahl gewirkt. Solty und Stahl hatten Mitte April zu einer Konferenz „Richtige Literatur im Falschen“ nach Berlin eingeladen, um ihr Konzept für eine Literatur zu diskutieren, die den Herausforderungen der Gegenwart gerecht wid. In der Tageszeitung junge welt war danach zu lesen, eine „Gruppe 15“ schicke sich an, in die Fußstapfen der „Gruppe 47“ zu treten. Hier bahnt sich offenbar etwas an.

Solty und Stahl beschreiben die aktuelle Misere des deutschsprachigen Romans, „der aufgehört hat zu träumen“. Und weiter: „Wenn er nicht ohnehin dem Eskapismus frönt, sondern sich überhaupt einmal der scheinbar unbezwingbaren Stabilität kapitalistischer Vergesellschaftsformen widmet, dann verdoppelt er allzu oft deren totalen Herrschaftsanspruch, indem er – etwa als Literatur des Abstiegs und der Abgestiegenen – zwar durch schonunglose Offenlegung dessen, was ist, das kritische Bewusstsein mit der Kraft der Negation befreit, zugleich aber die Gefangenschaft erneuert durch die Verhüllung dessen, was sein könnte. Dabei: Wer könnte träumen und die Rezipientinnen und Rezipienten mitträumen lassen, wenn nicht sie, die Literatur?“

Folgerichtig fragen Solty und Stahl weiter: „Wie also könnte Literatur zu den gesellschaftlichen Kämpfen der heutigen Zeit mittragen?“ und beantworten die Frage selbst: „Zunächst einmal einfach dadurch, dass sie die gesellschaftliche Wirklichkeit nicht länger ausblendet. Dass sie sich statt mit rein persönlichen Befindlichkeiten, mit Liebe, Unterhaltung, rein historisierenden Stoffen eher mit brennenden aktuellen Fragen und Figuren befasst“.

Das ist ebenso treffend wie ermutigend formuliert. Es müssten, so heißt es im Text weiter, „neue ästhetische Formen entwickelt werden, die sich dazu eignen, die Veränderungen des Kapitalismus seit der neoliberalen Wende und in der Krise analytisch und mit sozialpsychologischem Gespür in ihrer Verdichtung im Einzelexemplar und seinen Verstrickungsverhältnissen zu entlarven“.

Und weiter: „Die sozialen und ökonomischen Dissonanzen müssen sich in der Literatur niederschlagen, die monströse Asymmetrie des Lebens, Momente der Schönheit neben Ausbrüchen atavistischer Grausamkeit, die Verstrickungen des einzelnen im großen Ganzen, gerade wenn er oder sie sich herauszuhalten sucht. Die Literatur muss sagen, was Sache ist, muss dokumentieren, nachhaltig aufbewahren und damit anklagen, welche Verheerungen sich ereignet haben und wer die Verursacher sind.“

Und schließlich: „Damit nicht genug muss die Literatur Menschen zeigen, die dagegen angehen, die das alles nicht mehr mit sich machen lassen, die ihre Würde bewahren und sich dem scheinbar Unaufhaltsamen entgegenstellen, die ihre persönlichen Fluchtwege finden und damit Beispiele geben mögen für viele andere. Solche, die das Spiel nicht mehr mitspielen, die … vorziehen, es nicht zu tun – in aller Höflichkeit und mit gelassener Bescheidenheit. Die statt dessen etwas ganz anderes anfangen oder gar nichts mehr tun, die, grinsend wie Idioten, aus dem Laufrad heraustreten, das da heißt Arbeiten! Kaufen! Sterben! oder gar die Existenz des Laufrads schlichtweg leugnen. Die ihr Geld nicht in Aktien anlegen, von der neuesten Mode keine Ahnung haben und Einkaufsstraßen meiden. Und auch immer wieder Menschen, die ihre eigene Kraft erkennen, wenn sie sich auf den schwierigen Weg machen, sich zusammenzuschließen, die aufhören zu fliehen und anfangen, gemeinsam zu kämpfen.“

Das Alles ist wunderbar gesagt! Und es trifft sich mit den Überlegungen und Ideen, die den Autor dieses Vorworts schon seit langem intensiv und immer wieder beschäftigen und nicht loslassen, in geradezu unheimlicher Weise. Darum fühlt er sich ermutig und aufgefordert, den Versuch zu wagen, einen Text zu schreiben, der den Forderungen des Solty-Stahl-Konzeptes zumindest nahe kommt.

Vom morgigen Montag an erscheint in diesem Blog dieser Text in loser Folge in Form eines Romanprojekts. Ob der Text am Ende wirklich ein Roman wird, sei dahin gestellt, denn eigentlich müssen neue Gattungsbegriffe für das gefunden werden, was der kritische Leser heute braucht. Texte, die nicht zerstreuen, sondern fokussieren, nicht ablenken, sondern hinführen, nicht verschleiern, sondern aufdecken, nicht unterhalten, sondern erfreuen – nämlich durch die Wucht ihrer Sprache, die Exaktheit der Beobachtung, das Treffende und Enthüllende der Schilderung, das Mutmachende und Befreiende ihrer Utopien.

Der Autor dieses Vorworts ist zutiefst davon überzeugt, dass Beobachtungen im alltäglichen Leben mehr über gesellschaftliche Umbrüche aussagen können als die Betrachtung der großen Politik oder das Debattieren theoretischer Diagnosen. Die Wiedergabe der Hohlheit einer TV-Kochshow, der Blick auf einen von schwarzen, weißem und silbermetallicfarbenen Blech dominierten deutschen Parkplatz, das Einfangen der postmodernen Kälte zeitgenössischer Architektur, das Sezieren des Verhaltens eines Kunden im Elektronikmarkt lassen mehr von den aktuellen Verheerungen erahnen als das Studium von zehn Tageszeitungen oder kluge Diskussionen über gesellschaftliche Zustände und Veränderungen.

Der hier angekündigte Text, beschäftigt sich in besonderem Maße mit dem „verrohenden Bürgertum“ und seinen Opfern. In Zeiten, in denen der Kampf um einen Platz an den Futtertrögen härter wird, reicht es der Mittelschicht nicht mehr, sich in ihre Doppelhausghettos zurückzuziehen, den Rasen auf ihren Handtuchgrundstücken regelmäßig zu mähen und ihr Leben zu leben. Sie wird rabiat, sie keilt aus. Natürlich nach unten.

Zielscheibe ihrer Aggressionen sind zunehmend die Marginalisierten und Abgehängten, das Prekariat, die Hartz-IV-Empfänger, Leiharbeiter und Aufstocker. Sie sind die neue Kaste der Unberührbaren. Wer zu engen Umgang mit ihnen pflegt, steckt sich schnell an.

Die Abgehängten werden an das Sanktionsregime der Jobcenter, Jugendämter und Justizbehörden delegiert, die sie an die Kandarre nehmen, sie zugleich kontrollieren und auf Trab halten sollen. Wer Glück hat, gerät an wohlmeinende Sachbearbeiter und bekommt noch irgendwie die Kurve, der Rest, kann sehen wo er bleibt. Für viele, die den Leistungsdruck, die Jagd nach dem Erfolg, das tagtägliche Mobben und Intrigieren nicht aushalten, heißt die Endstation oft genug Knast oder Klapsmühle.

Angesichts der Lage kann eine „Gruppe 15“, so sie entsteht, nur ein Anfang sein, und mein Text mit Glück nicht mehr als ein bescheidener Beitrag zu diesem Anfang. In einem Lied des englischen Musikers Joe Jackson heißt es:

There’s a country that’s tired of war
There’s a country that’s scared inside
But the bank is open and you can draw
For guns to fight in their backyard
I could go on but what’s the use
You can’t fight them with songs
But think of this as just
Another tiny blow against the Empire
Another blow against the Evil Empire
Just another blow against the Evil Empire.

Widerstand ist zwecklos, aber sinnvoll. Wer jetzt die Hände in den Schoß legt, kann sie später nicht in Unschuld waschen – und er oder sie versündigt sich an unseren Kindern, deren Zukunft wir gerade zerstören.

Buchholz, 31. Mai 2015

G7 stoppenVon Kristian Stemmler

G7 – das ist nicht etwa ein deutsches Gewehr, sondern ein Gitarrenakkord, vor allem aber eine Gruppe von Staaten, die zum Gründungszeitpunkt der Gruppe 1975 die bedeutendsten Industrienationen der Welt waren (dies aber größtenteils nicht mehr sind…). Zur Gruppe gehören Deutschland, Italien, Frankreich, Großbritannien, Japan, Kanada und die USA. Seit 1998 war Russland dabei – da hieß die Gruppe dann G8 -, aber nach der Sache mit der Krim musste Russland zurück an den Katzentisch.

Gelegentlich treffen sich die Staatschefs auf so genannten Gipfeln, um Auge in Auge darüber zu beraten, mit welchen Schritten sie die Welt weiter zugrunde richten wollen. In diesem Jahr findet dieser G7-Gipfel mal wieder in Deutschland statt, und zwar im idyllischen oberbayerischen Elmau. Auf dem dort befindlichen, abgeschiedenen Schloss, das mittlerweile ein Luxushotel ist, kommen die Herrschaften am 7. und 8. Juni zusammen, was natürlich wieder mit einigem Aufwand verbunden ist.

Es erinnert von weitem ein bisschen an die Vorbereitungen einer Verteidigungsschlacht. So wurden in der Umgebung des Hotels Straßen asphaltiert und mit Straßengräben versehen, es wurden Hubschrauberlandeplätze angelegt, ein Breitband-Internetzugang hergestellt. Um den Tagungsort ist eine acht Kilometer breite Sicherheitszone eingerichtet worden. Und natürlich ist der eine oder andere Polizeibeamte vor Ort – an die 20.000 Cops werden zusammengezogen, um die Mächtigen vor dem Volk zu beschützen.

Zum Glück gibt es wie immer vor und während solcher Gipfel einen breiten Protest. Die werden hier von einem bundesweiten Aktionsbündnis „Stop G7 Elmau“ koordiniert, zu dem viele große und kleine Organisationen mit unterschiedlicher Ausrichtung, Globalisierungskritiker, Friedensbewegte, Ökos, Antiimpis, Gewerkschaftler und so weiter. Die informative Homepage des Bündnisses findet sich unter www.stop-g7-elmau.info. Da liest man so feine Texte wie den folgenden:

„In knapp einer Woche startet der G7-Gipfel in Elmau – und natürlich auch der Protest gegen die 7 Zwerge in den Bergen, die meinen die Lebensbedingungen der Menschen weltweit nach ihren Vorstellungen gestalten zu können. Viele Blockupist@s aus dem ganzen Blockupy-Spektrum sind bei den vielfältigen Aktionen und Veranstaltungen anzutreffen!

Los geht’s mit dem Alternativgipfel 2015 für eine friedliche, solidarische und ökologische Welt ab dem 3.6 in München. Weiter dann mit der G7-Demo München am 4.6 gegen TTIP und Armut und für Klimagerechtigkeit, ebenfalls in München. Den Abschluss bilden dann die Camps und Aktionen vom AktionsBündnis Stop-G7-Elmau, die den Gipfel mit Demonstrationen und Aktionen von Garmisch aus begleiten und stören werden.“

Angesichts des zu erwartenden Protestes muss natürlich dringend Öl ins Feuer gegossen werden. Dafür haben wir in Deutschland genug Law-and-Order-Fanatiker, denen alles Linke per se suspekt ist. Ganz vorn mit dabei ist vor dem G7-Gipfel Rainer Wendt, der Vorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG), einer kleinen als rechtspopulistisch bekannten Gewerkschaft, der es immer wieder gelingt den Ruf der Polizei in der Öffentlichkeit durch forsche Äußerungen zu beschädigen. „Man müsse das Schlimmste befürchten, was die Angriffe auf die Einsatzkräfte angeht“, unkt Wendt.

Ihm bereite Sorge, dass etwa 3000 „gewaltbereite“ Demonstranten zum Gipfel anreisen wollten „Wir wissen, dass sich einige, die auch in Frankfurt ihr Unwesen getrieben haben, nun glauben, sich auch in Bayern austoben zu können. Sie werden im Irrtum sein“, zieht Wendt in gewohnter Manier vom Leder. Es sei nicht damit zu rechnen, dass auf die Gesundheit und auf das Leben der Einsatzkräfte Rücksicht genommen werde.

Und der rechte Gewerkschaftschef setzt noch einen drauf: „Wir reden hier ja nicht von irgendwelchen Leuten, die einfach nur ein bisschen lautstark demonstrieren wollen, sondern wir reden von Schwerkriminellen“, deliriert er, „das sind richtige Verbrecher. Leute, die den Tod von Einsatzkräften billigend in Kauf nehmen.“

Da hat der Herr Wendt aber etwas durcheinander gebracht. Der Satz „Das sind richtige Verbrecher. Leute, die den Tod von Menschen billigend in Kauf nehmen“, passt prima auf die Staatschef, die sich auf dem Schloss treffen und die mit denen sie tagtäglich zusammenarbeiten. Eine Madame Lagarde, Chefin des IWF, hat indirekt sicher mehr Menschen auf dem Gewissen als alle Protestierer beim G7-Gipfel es jemals schaffen könnten.

Dass die „sieben Zwerge“ von fast 20.000 Polizisten geschützt werden müssen, sagt doch eigentlich alles. Herr Wendt sollte sich darüber aufregen, dass die Cops hier verheizt werden und ihren Rücken für die weltweite Durchsetzung der neoliberalen Religion hinhalten müssen. Übrigens: Das Hotel, in dem die Staatschefs residieren, heißt mit vollem Namen: „Schloss Elmau Luxury Spa & Cultural Hideaway“. Hideaway! Aber versteckt Euch nur – wir finden Euch trotzdem!

https://www.youtube.com/watch?v=G3KPBRajN10

Buchholz (kst) – Was ich mich gestern beim Betrachten des Relegationsspiels in Hamburg zwischen dem Hamburger SV und dem Karlsruher SC gefragte habe: Haben die in Karlsruhe keinen Friseur? Gefühlt Dreiviertel der KSC-Spieler tragen Vollbärte, was ziemlich pubertär aussieht, wie ich finde. Oder sind das alles Salafisten? Jedenfalls kann man unseren Jungs – gerade auch angesichts des Auftretens dieser badischen Provinzmannschaft mit dem Schriftzug „Klaiber Markisen“ auf dem Trikot (!) – nur zurufen: Fahrt nach Karlsruhe und rasiert sie!!

UPDATE: Der buchholz express entschuldigt sich bei allen KSC-Fans für diese Geschmacklosigkeit. Der Karlsruher SC ist natürlich keine Provinzmannschaft sondern kommt aus der schönsten Reißbrettstadt Deutschlands. Wie zu erfahren war, soll auf den Trikots nach dem Aufstieg in die 1. Bundesliga auch nicht mehr „Klaiber Markisen“ stehen, sondern der Name des neuen Hauptsponsors, also „Bundesverfassungsgericht“, resp. der Namen von dessen Hauptsponsor, also dann: „Bertelsmannstiftung“…

Buchholz (be) – Das parteilose Mitglied im Buchholzer Stadtrat Kristian Stemmler hat beantragt, den Hindenburgweg im Buchholzer Ortsteil Holm-Seppensen in Ernst-Neuhaus-Weg umzubenennen. Der frühere Reichspräsident Paul von Hindenburg habe es als Wegbereiter der faschistischen Diktatur nicht verdient, noch heute öffentlich gewürdigt zu werden, heißt es sinngemäß in dem Antrag. Mit der Umbenennung in Ernst-Neuhaus-Weg könne eine späte Ehrung der Buchholzer NS-Opfer umgesetzt werden.

Als „Sieger von Tannenberg“ zum Kriegsheld stilisiert habe Hindenburg als Chef der Obersten Heeresleitung im Ersten Weltkrieg den Krieg verlängert, so der Antrag weiter. Mit seinen unsinnigen Entscheidungen sei er für den Tod von Zehn- und Hunderttausenden Soldaten verantwortlich. Noch 1918, als die Kräfte die Kaiserreichs und seiner Armee erkennbar erschöpft waren, habe die Heeresführung eine Offensive in Frankreich befohlen, „nicht um den Krieg zu gewinnen, sondern einzig um günstigere Waffenstillstandsbedingungen zu erreichen“.

In der Weimarer Republik habe Hindenburg zu denen gehört, die die Legende verbreiteten, das „im Felde unbesiegte Heer“ sei von einem „Dolchstoß in den Rücken“ getroffen worden. Als Reichspräsident habe er die Regierungspraxis gestützt, nicht mehr mit den Beschlüssen von Parlamentsmehrheiten zu arbeiten, sondern mit Notverordnungen zu regieren. Er habe hinter einer Politik gestanden, die die Lasten der Krise auf die Massen abwälzte und damit eine Bedingung für den Aufstieg der Nazis schuf. Seine Unterschrift unter die Ernennungsurkunde von Adolf Hitler sei da nur folgerichtig gewesen.

Neuer Namensgeber der Straße soll nach dem Willen des Ratsherrn Stemmler der Kommunist Ernst Neuhaus werden. Neuhaus gehört zu den wenigen Opfern des NS-Regimes in Buchholz, die namentlich bekannt sind. Seine Wohnung an der Steinstraße galt als „Kommunistentreff“. Er grüßte Genossen auf offener Straße mit dem „Rotfront“-Gruß, fuhr zur 1.-Mai-Kundgebung nach Hamburg. Neuhaus verschwand eines Tages spurlos, man kann davon ausgehen, dass er von den Nazis ermordet worden ist.

„In einer Zeit, in der rechtspopulistische und rechtsextremische Tendenzen zunehmen, ist es wichtig, ein Zeichen zu setzen“, sagte Stemmler, „Paul von Hindenburg hat Adolf Hitler den Weg geebnet und sollte 70 Jahre nach Ende der faschistischen Diktatur nicht mehr öffentlich geehrt werden. Die Buchholzer Opfer des NS-Regimes, von denen in den vergangenen Jahrzehnten kaum die Rede war, würden mit der Umbenennung der Straße ein Stückweit dem Vergessen entrissen und öffentlich in Person von Ernst Neuhaus gewürdigt.“

Sorgte für einen kontrollierten Blackout in Winsen - die Plane in der Stromtrasse.  Die Behörden hatten zum Glück einen Plan...

Sorgte für einen kontrollierten Blackout in Winsen – die Plane in der Stromtrasse. Die Behörden hatten zum Glück einen Plan…

Winsen/Buchhoz (kst) – Fast eineinhalb Stunden war am heutigen Pfingstmontag die Kreisstadt des Landkreises Harburg, Winsen an der Luhe, ohne Strom. Die gezielte Abschaltung des Stromnetzes am Pfingstmontagmittag wegen eines Schadenfalls betraf alle rund 35.000 Bürger. Zwischenfälle seien bisher nicht bekannt geworden. Das teilte die Polizeiinspektion Harburg mit.

In der Nacht zum Pfingstmontag hatte sich im Bereich Borstel eine rund 100 Meter lange Plastikplane in den Leitungen einer Stromtrasse verfangen und für Stromüberschläge gesorgt. Um die Plane entfernen und den Schaden begutachten zu können, musste das Netz in Winsen komplett ausgeschaltet werden.

Nach Bekanntwerden des Schadens hatten die Stadt Winsen und die Polizei gemeinsam mit der Feuerwehr und den Versorgern umgehend einen Planungsstab eingerichtet, um die Abschaltung vorzubereiten. Über Radiosender wurde die Bevölkerung informiert und Verhaltenshinweise weitergegeben. Sensible Einrichtungen wie das Krankenhaus in Winsen, Pflegeeinrichtungen große Firmen wurden noch in der Nacht von der Abschaltung in Kenntnis gesetzt und konnten sich vorbereiten.

Die Wasserversorgung war sichergestellt. Auf den Straßen von Winsen waren während des kontrollierten Shutdowns alle Ampeln ausgeschaltet, die Autofahrer mussten sich nach der Beschilderung richten. Die Notrufnummern 110 und 112 waren weiterhin erreichbar, aber die meisten Festnetzanschlüsse waren während der Abschaltung deaktiviert.

Telefonieren war so lange nur über Mobiltelefone möglich, die Netze waren entsprechend stärker belastet. Die Stadt hatte für die Bürger eine Hotline eingerichtet, bei der etwa 50 Anrufer Rat suchten. In den Ortsteilen hatte die Feuerwehr ihre Häuser geöffnet, um dort als Ansprechpartner bereit zu stehen.

Polizei und Feuerwehr sperrten das Feld unterhalb der betroffenen Leitung ab. Um 13.08 Uhr wurde der Strom abgeschaltet. Das Flies konnte von der Feuerwehr zum Teil vom Boden aus, zum Teil von einer Drehleiter aus entfernt werden, ohne dass Schäden am Leitungsnetz entstanden. Bereits nach einer guten Stunde wurden die ersten Ortsteile bereits wieder mit Strom versorgt. Gegen 14.30 Uhr war das Netz wieder vollständig in Betrieb. Der Stab konnte am späten Nachmittag wieder aufgelöst werden. Insgesamt waren rund 120 Kräfte von Feuerwehr und Polizei im Einsatz.

Die große Umfrage des buchholz express hatte ein klares Ergebnis. Dreiviertel der Abstimmenden wählten als Antwort auf die Frage, was Pfingsten eigentlich gefeiert wird: „Ich habe nicht die geringste Ahnung, und es interessiert mich auch nicht.“ Das kann nur heißen, dass das restliche Viertel vermutlich auch keine Ahnung hat, aber immerhin noch sowas wie Interesse. Es besteht noch Hoffnung… Langatmige Erklärungen zu Pfingsten erspare ich mich mir, das kann man ja alles bei Wikipedia nachlesen. Statt dessen verlinke ich hier die grandiose Pfingstkantate „O Ewiges Feuer, o Ursprung der Liebe“ des großen Bach in der kongenialen Fassung von Karl Richter – die ersetzt 1000 Erklärungen: Das ist Pfingsten!